laut.de-Kritik

Vergleiche mit US-Größen wie Erykah Badu sind ab sofort tabu.

Review von

Wer Nneka sagt, denkt Lauryn Hill und Erykah Badu. Schon seit ihrem Debüt "Victim Of Truth" begleitet die Nigerianerin die vermeintliche Ehre, mit den Großen des Neo-Souls verglichen zu werden. Dabei ist das Lob vergiftet, denn es greift zu kurz. Nneka ist mehr als die Statthalterin der ehemaligen Fugees-Sängerin, die ihren Mutterschaftsurlaub noch immer nicht abgeschlossen hat.

Dass Nneka vielmehr selbst als Referenz dienen kann, beweist sie mit "Soul Is Heavy", ihrem dritten Solo-Album, aufs Deutlichste. Drei Jahre nach "Heartbeat", dem Hit, der die Wahl-Hamburgerin merkwürdigerweise nur im Ausland zu einem Sternchen gemacht hat, legt sie mit der ihr eigenen Melange aus Afropop, Reggae, Jazz und Hip Hop nach. Verglichen mit dem Vorgänger nimmt sich Hip Hop jedoch zugunsten des Souls vornehm zurück.

Es ist ein vielseitiges Manifest einer selbstbewussten, reflektierten Künstlerin geworden. Nneka singt von Liebe und Schmerz ebenso überzeugend wie von Religion, Gott und Politik, insbesondere in Bezug auf ihr Heimatland Nigeria. Trotz der stellenweise schweren Kost, deren Komplexität den Rahmen einer Plattenrezension sprengt, gestaltet sich "Soul Is Heavy" lebendig, nahbar und für den täglichen Genuss ebenso brauchbar wie für nachdenkliche Stunden.

Die internationale Popszene hat Nneka längst begeistert. So tingelt sie mit Hilfe der Gäste Ms. Dynamite und Black Thought, Rapper der legendären Roots, innerhalb einer Stunde zwischen Dub und Soul, Gitarren und Bläsern, Mainstream und Szene. Balladen wie "Do You Love Me?" sind dabei ebensolche Volltreffer wie der in "Heartbeat"-Tradition gehaltene, stampfende Titeltrack oder "God Knows Why", bei dem Hip Hop und Rock in die Kiste steigen und ziemlich wilde Dinge treiben.

"Soul Is Heavy" wäre vollendet, würden seichte Popsoul-Nummern wie "Shining Star" oder "Restless" nicht die Aufregung absorbieren, den der dubbige Opener "Lucifer (No Doubt)" in Gang setzte. Dennoch: Eine so abwechslungsreiche Platte, die trotz aller Stilrichtungen und Windungen derart rund klingt, nehmen nur große Künstler auf. Künstler, die keine Referenzen brauchen, sondern selbst welche sind.

Trackliste

  1. 1. Lucifer (No Doubt)
  2. 2. Sleep ft. Ms. Dynamite
  3. 3. My Home
  4. 4. Shining Star
  5. 5. Restless
  6. 6. Don't Even Think
  7. 7. J
  8. 8. Stay
  9. 9. Soul Is Heavy
  10. 10. Do You Love Me Now
  11. 11. Valley
  12. 12. V.I.P.
  13. 13. Camouflage
  14. 14. God Knows Why ft. Black Thought
  15. 15. Still I Rise

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10 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Wenn ich nicht wüsste, daß Nneka doch etwas drauf hat, wäre ich bei dem Satz "Nneka singt von Liebe und Schmerz ebenso überzeugend wie von Religion, Gott und Politik, insbesondere in Bezug auf ihr Heimatland Nigeria" beinahe eingeschlafen. Seltsam, daß für moderne Musik-Mädchen in euphorischen Rezensionen immer wieder so widerliche Schablonen benutzt werden. Selbst bei Death Metal oder deutschem Schlager könnte man solche Sätze verwenden, wenn man denn wollte.

    Scheinbar kommt die nichtssagende Schreibe aber immer gut an, wenn Musik für verstrahlte Mädchen oder pseudo-prätentiöse Feuilletonleser vermarktet wird. Alle, denen diese Wichse ebenso auf den Keks geht wie mir, kann ich nur empfehlen, trotzdem auf ein Nneka-Konzert zu gehen. Natürlich ist die Mucke brav und etwas pathetisch, aber so posierend "echt", wie man es im allgemeinen Tonus erwarten könnte, ist sie keinesfalls.