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Wenn man der durchaus streitbaren Person Trent Reznor eines derzeit nicht vorwerfen kann, ist es Unproduktivität. Die Loslösung aus dem verhassten Universal-Vertrag mit der Remixplatte "Y34RZ3R0R3M1X3D" scheint im Nine Inch Nails-Frontmann eine kreative Hochphase eingeläutet zu haben. Und so erfreut sich der Fan bereits ein Jahr nach der Veröffentlichung von "Year Zero" an einem Instrumental-Epos.
Dass Reznor dabei den Online-Vertrieb über die Homepage ghosts.nin.com wählt, bevor die Platte als (wie auch immer gearteter) Import zu beziehen ist, wirkt bei Reznor kaum noch ungewöhnlich.
Und um seine Anhängerschaft auf das gesamte kostenpflichtige Paket so richtig scharf zu machen, gibt es die Tracks eins bis neun als kostenlosen Download mit einer Creative-Commons-Lizenz (mit der auch der Rest von "Ghosts" ausgestattet ist) zum gefahrlosen Weiterverbreiten.
Alle 36 Stücke der vier Teile nehmen sich durchaus interessant aus, auch wenn es selbst dem hart gesottenen Fan schwer fallen dürfte, die eine Stunde und 50 Minuten "Ghosts I-IV" am Stück durchzuhören.
Dabei ist die Musik nach NIN-Parametern nicht einmal übermäßig anstrengend, allein die Abwesenheit von Lyrics und der fast durchgehend synthetische Sound stellen den Hörer auf eine harte Probe.
Aber so will es der Trent ja. Wer sich dem Nine Inch Nerd hingibt, will nicht bedudelt, er will besudelt werden. Und das beherrscht kaum jemand so vortrefflich wie der Amerikaner.
Er taucht den "Ghosts"-Rezipienten bis über beide Ohren in seine mehr oder minder kranke Soundwelt, die sich über die ersten Tracks erst einmal langsam auftürmt, um bei den Stücken sieben und acht erstmals einzustürzen.
Dabei spielen NIN die Klaviatur des Soundhorrors äußerst gefühlsbetont und sehr kontrolliert, ausufernde Bitcrushing-Orgien bleiben auf "Ghosts" weitestgehend aus. Und immer wieder werden - wie bei Track neun - stimmungsvolle Pianostücke eingeschoben.
Doch auch eher ungewöhnliche Sounds gibt es zu hören. So wird Track 14 auf "Ghost II" von einer Art Steel-Gitarre getrieben.
Die Nummer 28 von "Ghost IV", eines der längsten Stücke, dominiert ein Instrument, das an eine Mandoline erinnert. Ansonsten bleiben die einzelnen Stücke eher skizzenhaft, was wohl der Herangehensweise geschuldet ist, da keine nachträgliche Überarbeitung der Tracks stattfand.
Insgesamt bekommt der Hörer über die volle Länge des Online-Albums das, was Reznor verspricht. Wo NIN drauf steht, ist auch NIN drin, ob es sich um ein Studioalbum mit wochenlanger Internetpromo vorweg handelt oder um einen unangekündigten, angeblich komplett impulsgetriebenen Super-Release.
Und so großartig verstörend "Ghosts I-IV" mitunter klingt, so sehr ist dem Industrial-Mastermind mal wieder eine Überraschung gelungen.
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Trotzdem tausend dank
!!!








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