laut.de-Kritik

Das erste eingängige Album der Industrial-Recken.

Review von

Seltsam. Da kommt Trent Reznor nach einer halben Ewigkeit wieder mit neuem Studiomaterial um die Ecke. Der Hörer stellt sich unweigerlich darauf ein, sich einem komplexen Werk zu nähern, Blut, Schweiß und Tränen zu zollen, um mit Nine Inch Nails in faszinierende Klanglandschaften einzutauchen. Aber nix da. Auch nach über 15 Jahren als Mastermind der Nägels schlägt Reznor nach wie vor Haken, die einen verwirrt zurück lassen. Zum ersten Mal in seiner Karriere präsentiert er der Öffentlichkeit so etwas wie ein eingängiges Album.

Die düsteren Kollagen aus suizidären Tendenzen und infernalischen Industrial-Strudeln gehören der Vergangenheit an. Der sachte Beginn von "All The Love In The World" mit knarzenden und gebrochenen Beats kulminiert mit Piano-Klängen in einem fulminanten Schlussteil, der zum Mitpfeifen geradezu einlädt. Huch, 'tschuldigung, wollt' ich nicht. Oder doch? Ist das jetzt gut?

Den Bedenkenträgern, die die geradezu ins Ohr flutschende Single "The Hand That Feeds" bei Top Of The Pops einsortieren wollen, schmettert Reznor "You Know What You Are" entgegen. Ein Beweis, dass mit Weicheiertum weiterhin nicht zu rechnen ist. Die elektronischen Effekte sind bekannt und gut, machen aber beim Hören den Eindruck, als gebe es nun ein imaginäres Licht am Ende des Verzweiflungstunnels. Gut so, dann dürfte der Herr der Nägel auch bei Live-Auftritten öfters lächeln und sich verkneifen, seine Mitmusiker krankenhausreif zu kloppen.

Nach einmaligem Durchlauf klingen die Songs von "With Teeth" etwas flach und beliebig. Dieser Eindruck verkehrt sich jedoch ins genaue Gegenteil, so dass Granaten-Hymnen wie "Every Day Is Exactly The Same", oder der Höhepunkt des Albums, "Beside You In Time" nach einer Weile in fabelhaftem Licht erstrahlen. Ohne großen Studio-Firlefanz bohrt gerade letztgenannter Track mit heftigem Zwirbeln im Kleinhirn herum, steigert sich zum Ende hin wie ein Orkan und reißt alles mit sich. Für die Fähigkeit, lediglich aus Gitarreneffekten und verzerrten Drum-Beats einen kakophonischen wie harmonischen Wahnwitz in Personalunion zu kreieren, sollte man Trent Reznor heute schon ein Denkmal setzen.

"Only" mit 80er Reminiszenzen an gute, alte Synthiepoptage bringt eine ganz neue Facette im NIN-Soundkostüm zum Vorschein. Der Funk zwängt sich heimlich durch die Industrial-Hintertür und feiert mit slappendem Basslauf ein absolut tanzbares Stelldichein, tönt aber weder altbacken noch banal. Dieses Attribut passt denn schon eher zu "Getting Smaller", das sich in der Trackliste wie ein nicht zünden wollender Fremdkörper ausmacht.

Trackliste

  1. 1. All The Love In The World
  2. 2. You Know What You Are?
  3. 3. The Collector
  4. 4. The Hand That Feeds
  5. 5. Love Is Not Enough
  6. 6. Every Day Is Exactly The Same
  7. 7. With Teeth
  8. 8. Only
  9. 9. Getting Smaller
  10. 10. Sunspots
  11. 11. The Line Begins To Blur
  12. 12. Beside You In Time
  13. 13. Right Where It Belongs
  14. 14. Home

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