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"Im Grunde ist es nicht so entscheidend, was ich mache. Wichtiger ist, mit wem ich zusammenarbeite." Treffendere Worte kann man Nils Petter Molvaers neuer Platte kaum voranstellen. Es ist keine Tiefstapelei. Statt gewohnter Gesichter wie Eivind Aarset und Co. weht frischer Wind mit Madrugada-Drummer Erland Dahlen und Motorpsycho/Monolithic-Axtmann Stian Westerhus. Gemeinsam gebiert das Trio den feurig-wuchtigen Fusionklumpen mindestens dieses Jahres: "Khmers" böser Zwilling!
Molvaer häutet sich für das Album wie eine Schlange, nur um letztere musikalisch so wild zu reiten wie seit langem nicht mehr. Kein Ton ist hier neuartig, doch jeder einzelne klingt frisch. Hierin liegt Molvaers offenes Geheimnis und das grobe Missverständnis der meisten seiner Kritiker. Gerade als polar geprägter Insulaner war und ist NPMs Zugang stets ein möglichst präzise emotionaler. Es geht primär nicht darum, innovativ im Sinne von erfinderisch zu sein. Die innere Stimme, das totale Gefühl, wird dem Unterbewusstsein entrissen. Der absolute Ausdruck als sich zur Außenwelt manifestierender Kontrast. Das ist es.
Durch letzteren muss das Publikum durch, so man den künstlerischen Kosmos des Skandinaviers enträtseln und genießen möchte. Eines der Instrumente gibt meist den Störenfried, während der Rest sich - mal opulent, dann wieder spartanisch minimal - den Klanggemälden widmet. Der gute Nils verfügt dabei über eine Fähigkeit, die - abgesehen vom genialen Toshinori Kondo - kaum ein gegenwärtiger Trompeter zeigt. Binnen Sekunden verwandelt der "Norwegian with the Horn" seine Klangfarbe. Mal tönt es erschreckend weißlichtern. Klingenscharf wie Gefrierbrand. Dann wieder wohlig nach geborgenem Feuer. Alles im Dienste des großen Gefühls.
Bereits mit dem ersten Track "Mercury Heart" zeigt der Longplayer seine ganze rockende Pracht. Wie ein behäbiger Eisbrecher - schleppend, doch unaufhaltsam - treibt Erland das Thema mit majestätischem Anschlag voran. Die Schnörkellosigkeit seiner Figuren, mit der er schon Madrugada-Klopper wie "The Kids Are On High Street" veredelte, wirkt auf NPMs Musik wie ein überfälliger Herzschrittmacher. So ähnlich wäre Phil Collins' Handschrift eventuell geworden, hätte jener es nicht vorgezogen, Disneys Schlagerplüschonkel zu werden. Dahlen beeindruckt als 'Trommeslager' nachhaltig.
Wie immer unschlagbar: Molvaers nocturnale, kleine Stilleben. Die Band nimmt sich zurück, bleibt dennoch präsent. Nils öffnet alle Schleusen. "A Small Realm" oder das selbstironisch betitelte "Prince Of Calm" zelebrieren scheinbar das totale Erstarren. Trompete gewordenes Polarlicht samt menschenleerem Strand in der Klaue der grauen Nordsee. Stets pendelnd zwischen Verlockung und Verdammnis. In letzterem Lied imitiert er sinnlich gar die Bö des streichelnden Küstenwindes. Die nur vorgetäuschte Skizzenhaftigkeit dieser ruhigern Perlen garantiert dem Hörer einen schnellen Einstieg, macht dabei gleichzeitig ein Überhören nahezu unmöglich.
Trotz aller Superlative: Das Album steuert unaufhaltsam auf sein Ende zu. Dort erwartet uns der einsame Höhepunkt in Form des Titeltracks. Und dieser Affenmond hat es wahrlich in sich. Für mich der zweite große Song-Solitär seit der Götterspeise "Tlön" von 1998. Die ersten Minuten liefern ein absolutes Lehrstück in Sachen Spannungsaufbau und Klangversprechen. Dann kommt die Implosion. Hier hat Stian seinen ganz großen Gitarrenmoment. Abgefrippt, gemeines Scharnier zwischen King Crimson, Caspar Brötzmann Massaker und Dschungel. Achtung, Suchtgefahr!
Danach ist Stille. Doch lange wird es nicht dauern. Zu schillernd ist dieser Affenmond. Molvaers totale Kehrtwende ist geglückt. Die Bandchemie ist erschütternd, in Anbetracht des kurzen Zeitraumes. Damit ist dem Norweger etwas gelungen, was sogar Ikonen wie Bowie selbst in seiner Tin Machine-Zeit verwehrt blieb: Die Band als kollektiv-kreative Einheit fördert ein Meisterwerk zutage.
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"Die innere Stimme, das totale Gefühl, wird dem Unterbewusstsein entrissen. Der absolute Ausdruck als sich zur Außenwelt manifestierender Kontrast."
windest du dich eigentlich nicht selbst vor schmerzen, wenn du so eine scheiße schreibst, anwalt?
lieber schocki,
falls jene zeilen dir schwer verständlich anmuten, kaum erträglich oder gar sonstwie unzutreffend erscheinen,
so muss dieses nicht zwingend am verfasser liegen.
es bleibt
die
wahrheit.
.....meckerbüddel.....
sei unbesorgt, der rezipient ist hier durchaus in der lage zur kognitiven verarbeitung deiner zeilen. ich möchte die schuld komplett dem sender zuschreiben.
Wow ... das ist roh, sphärisch, heiser ... und entreißt einen jedweder Wirklichkeit. Als hätten Isis ihre ruhigeren Momente mit Jazz angereichert.
Jazz war mir bisher oft zu selbstverliebt oder inhaltsleer, als dass ich ihn ausgiebig hätte hören können, aber DAS hier ist meine Nische in dem Genre =)
Ich kann nur sagen, dass mich die Rezension zum Kauf angeregt hat und ich das Album seit zwei Tagen immer wieder höre. Ich finds phänomenal. Besten Dank dafür!
Und das Niveau einer Rezension mit dem einer Nobelpreisträgerin zu vergleichen, ist schon wirklich eine ganz gemeine Beleidigung...
Dillinger30: Schon einmal Herta Müller gelesen? Ich vermute, das Nobelpreiskomitee nicht. Vermutlich kann es auch schon seit ein paar Jahren nicht mehr lesen. Grausamste Befindlichkeitsprosa in allerschlechtestem Deutsch, mehr ist dazu nicht zu sagen.
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