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Die Gründung von Nightwish findet, ihrer Musik angemessen, am Lagerfeuer in einer Nacht im Juli 1996 statt. Nachdem Tuomas Holopainen (Keyboard), Tarja Turunen (Gesang) und Emppu Vuorinen (Gitarre) zunächst nur akustische Songs komponieren und diese auch aufnehmen, wagen sie schon bald den Versuch, ihre Songs mit Schlagzeug (Jukka Nevalainen) und elektrischer Gitarre zu versehen.
Die Musik von Nightwish zeichnet sich von Anfang an durch die Verbindung von Metal-Gitarren und klassischen Arrangements aus, die nicht zuletzt auf Tarjas Stimme zurückzuführen sind. Sie plant eine Ausbildung als klassische Opernsängerin.
1997 kommt "Angels Fall First" mit acht Songs als Limited Edition auf den Markt. Im Mai des Jahres unterzeichnen Nightwish einen Vertrag mit Spinefarm Records und nehmen vier weitere Songs für die offizielle Debüt-Scheibe auf. Im Dezember des gleichen Jahres geht schließlich der erste Live Auftritt über die Bühne. Anschließend ist aber erst einmal Sendepause, da Jukka und Emppu ihren Wehrdienst leisten müssen und Tarja mit ihrem Gesangsstudium beschäftigt ist.
Im Sommer 1998 komplettieren Nightwish das Line-Up durch Sami Vänskä, der den Bass übernimmt. In dieser Konstellation spielen sie den Nachfolger "Oceanborn" ein, der Ende des Jahres erscheint und ab Frühjahr 1999 auch im Ausland erhältlich ist. Zur Sonnenfinsternis nehmen die Nordlichter die Single "Sleeping Sun" auf, die sich allein in Deutschland über 15.000 Mal in einem Monat verkauft.
Das 2000er Album "Wishmaster" erhält in Finnland Platin, bleibt drei Wochen auf Platz eins der finnischen Charts und erreicht hierzulande immerhin Platz 21. Den außergewöhnlichen Erfolg der Band erkennt man auch daran, dass Nightwish bis in die Vorausscheidung zum Grand Prix d'Eurovision kommen, in der Endauswahl leider scheitern. Zwar wählen die Zuschauer das Quintett mit Abstand auf den Spitzenplatz, die Jury jedoch auf die vorletzte Position, was einen dritten Platz ergibt.
Nach einer sehr erfolgreichen Tour durch Südamerika kehren Nightwish wieder nach Finnland zurück und arbeiten an einer Live-CD "From Wishes To Eternity" mit vier neuen Tracks. Erhältlich ist die Scheibe auch als VHS-Kassette oder DVD mit Konzertausschnitten, Musik-Videos und Interviews. Kurz zuvor erscheint die EP "Over The Hills And Far Away" mit dem Coversong von Gary Moore, sechs Live-Tracks und zwei neuen Liedern, die so ziemlich alles an Edelmetall einsackt.
Für das 2002 erscheinende Album "Century Child" ersetzt Marco Hietala (Tarot, Sinergy) Sami Vänskä am Bass. Schon zwei Stunden nach der Veröffentlichung durchbricht das neue Album, bei dem neben einem Orchester auch der inzwischen fest zur Band gehörende Marco als zweiter Sänger zum Einsatz kommt, in Finnland die Goldgrenze, nach zwei Wochen erreicht es Platinstatus.
Ein Ende der Erfolgs-Story Nightwish ist nicht abzusehen. Das sehen Drakkar Records genauso und bringen schnell noch eine Nightwish-Box mit den drei alten Alben und der EP, einem Buch sowie einigen Infos und Fotos auf den Markt.
Die folgenden Touren, zunächst wieder Südamerika, dann Europa, sind ebenfalls überaus erfolgreich, in Deutschland müssen sie wegen der enormen Nachfrage sogar Zusatzkonzerte geben. Im Herbst des Jahres ist die Tour vorbei, Nightwish gehen in eine schon länger angekündigte Pause, die die einzelnen Bandmitglieder ganz unterschiedlich nutzen.
Tarja setzt ihr Studium fort, Tuomas arbeitet mit drei Eternal Tears Of Sorrow-Mitgliedern und ein paar anderen Leuten am Projekt For My Pain und tourt mit Timo Rautiainen ja Trio Niskalaukaus durch Finnland. Jukka zockt derweil bei Sethian, und Marco widmet sich wieder seiner alten Band Tarot.
Die DVD "End Of Innocence" erscheint Ende 2003 und etabliert sich prompt auf Platz 62 in den deutschen Albumcharts. Der Vertrag mit Drakkar läuft damit aber aus. Nach einiger Zeit geben Nightwish ihre Einigung mit Nuclear Blast bekannt.
Dort machen sie dann richtig einen auf dicke Hose und verpflichten Antti Jokinen, der schon Videos für Celine Dion, Eminem oder Shania Twain gedreht hat, als Regisseur für ihr Video zur Single "Nemo". Auch das London Session Orchestra (hat die Musik zur "Der Herr der Ringe"-Trilogie eingespielt) muss natürlich her, somit belaufen sich die Produktionskosten für "Once" auf über 400.000 Euro.
Die Investitionen scheinen sich aber zu lohnen, denn man sieht Nightwish nicht nur bei Top Of The Pops. In Finnland bekommt die Band sogar eigene Briefmarken und ein eigenes Bier und sackt dort auch nach einem halben Tag schon Gold ein. Die Tour für Amerika ist ab Ende Sommer geplant.
Wie nicht anders zu erwarten, kommen Drakkar bald auf die Idee, dass dem ehemaligen Goldesel bestimmt noch ein paar Dukaten aus dem Arsch zu pressen sind. Folglich erscheint Mitte Oktober 2004 die Best Of "Tales From The Elvenpath", die nicht nur wegen kitschigem Cover und lieblosem Booklet missfällt.
Ist das schon mehr oder minder ärgerlich, schockt die Band Fans und Presse schließlich am 22. Oktober 2005 mit der Nachricht, dass Tarja bei Nightwish gefeuert wurde. Der Zusammenhalt zwischen ihr und dem Rest der Band muss schon lange nicht mehr der beste gewesen sein, Bandleader Tuomas gibt in einem offenen Brief auf der Homepage ganz deutlich Tarjas Mann Marcelo einen Großteil der Schuld. Die News steht einen Tag nach den Aufnahmen zur bezeichnend betitelten Live-DVD "End Of An Era" in der Hartwall Arena in Helsinki auf der Homepage.
Schon einen Tag später meldet sich auch Tarja zu Wort und beschwert sich über die Art und Weise, wie sie aus der Band geflogen ist und wie es in die Öffentlichkeit getragen wird. Auch, dass ihr Mann da mit hineingezogen wurde, schmeckt der Sängerin gar nicht, die sich nun wohl ganz auf ihre Solokarriere konzentrieren will.
Nightwish wollen auf jeden Fall weiter machen. Im Mai 2007 hat das Rätselraten um den Platz am Mikrofon ein Ende: Die Neue heißt Anette Olzon, stammt aus Schweden und ist 35 Jahre alt. Mit 17 ist sie zum ersten Mal mit einer Coverband aufgetreten, zuletzt war sie als Sängerin bei Alyson Avenue aktiv. Mit "Dark Passion Play" zeigt sie zum ersten Mal, dass sich die Band richtig entschieden hat. Anette legt einen erstklassigen Einstand hin.
Klar, dass es nach dem fulminanten Erfolg der Scheibe und der weitgehenden Akzeptanz der neuen Frontlady erst einmal ausgiebig auf Tour gehen muss. Sie räumen in Deutschland den Echo und in Finnland drei Emma Gaala-Awards ab und haben zu der Zeit schon vier Mal Platin für die aktuelle Scheibe in der Tasche. Anette singt im Sommer 2008 für Peter Tägtgrens Pain-Scheibe zwei Songs ein, bevor es in ganz Amerika auf Tour geht.
Anfang März 2009 veröffentlichen sie die Live-Scheibe "Made In Hong Kong", die trotz Bonus-DVD eher sparsam ausfällt.
Knapp ein Jahr später lassen sich die Skandinavier für den deutschsprachigen Raum ein besonderes Schmankerl einfallen und veröffentlichen in Zusammenarbeit mit dem Metal Hammer, die zuvor nur in Finnland erhältliche EP "Erämaan Viimeinen", inklusive zweier Bonus-Tracks.
Was folgt sind die produktionstechnisch wohl aufreibendsten und intensivsten zwei Jahre der Band. Das Quintett beginnt fortan mit den Arbeiten zum Mammut-Projekt "Imaginaerum". Dieses besteht aus dem gleichnamigen neuen Studio-Album, das Ende 2011 den Weg in die Läden findet, sowie der visuellen Umsetzung des Audio-Materials in Form eines kompletten Fantasy-Spielfilms, den die Band ein Jahr später vorstellt.
Doch als "Imaginaerum (The Score)" Ende November 2012 erscheint, ist Anette bereits nicht mehr Teil der Band. Sie ist im Oktober während der laufenden US-Tour ausgestiegen und wird vorerst durch die ehemalige After Forever-Sängerin Floor Jansen ersetzt.
Tuomas und Marco über die Rückkehr von Tarja, die Angst vor dem Tod und 'Imaginearum'.
Seit nunmehr vier Jahren wartet die Nightwish-Anhängerschaft auf ein neues musikalisches Lebenszeichen ihrer Heroen. Doch die Mannen um Mastermind Tuomas Holopainen ruhten sich in der Zwischenzeit keineswegs aus.
Ganz im Gegenteil, denn kaum war seinerzeit das Video zu "The Islander" abgedreht, steckten die Bombast-Metaller inklusive Regisseur Stobe Harju bereits ihre Köpfe zusammen, um sich über ein neues Schaffen auszutauschen: Bühne frei für "Imaginearum"! Nun ist also so weit. Die Fan-Gemeinde der Finnen freut sich dieser Tage auf den ersten Teil des größten Nightwish-Projekts seit der Bandgründung anno 1996.
Das Ganze hört auf den mystischen Namen "Imaginaerum" und beinhaltet nicht nur das siebte Studio-Werk der Skandinavier, sondern ebenso einen gleichnamigen Fantasy-Film, der im nächsten Jahr in die Kinos kommt und der als Grundlage für das langersehnte neue Audio-Material dienen soll.
Zwei der fünf Bombast-Nordlichter, Keyboarder Tuomas Holopainen und Bassist und Sänger Marco Hietala beehrten die Hauptstadt für einen exklusiv anberaumten Promo-Tag und luden zudem zur Pre-Listening-Session des neuen Albums. Erwartungsfroh stellten sich die Beiden den Fragen der angereisten Journaille und plauderten in der Folge über geleistete Überzeugungsarbeit, die Angst vorm Tod und persönliche Glücksmomente.
Euer letztes Album "Dark Passion Play" setzte im Bereich Symphonic-Metal neue Maßstäbe. Viele dachten, das könne man in Sachen Opulenz und Epik nicht mehr toppen und erwarteten vom nächsten Output eher einen Rückschritt. Nun sitzen wir hier und reden über "Imaginaerum", einem Projekt, das alles Vorherige abermals in den Schatten stellt. Ist hiermit das berühmte Ende der Fahnenstange erreicht?
Marco: Ich denke nicht. Das ist ja das Schöne an Musik. Es gibt unendlich viele Möglichkeiten Sounds und Arrangements zu verbinden, dass es immer noch eine Steigerung geben kann. Es ist so wie mit der Konstellation der Sterne. Du musst halt nur aufpassen, dass du den Überblick und die Kontrolle behältst und dich nicht in deinen Visionen verlierst. Wenn man das schafft, ist alles möglich. Es gibt keine Grenzen.
Ihr habt also noch den Überblick?
Tuomas: Das hoffe ich zumindest (lacht). Ich meine, die Gedanken, ob und vor allem wie das vorherige noch zu toppen sei, begleiten uns eigentlich schon seit "Once". Dann kam "Dark Passion Play", wo wir das theatralische Element nochmals steigern und intensivieren konnten. Und nun haben wir mit "Imaginaerum" ein weiteres Level erreicht. Das ist schon bemerkenswert, zumal die letzten Jahre nicht immer einfach waren für die Band.
Ich denke, du meinst dabei in erster Linie die Ausstiegs-Posse um eure Ex-Sängerin Tarja Turunen. Inwieweit hat sich die Band nach dem Ausstieg von Tarja mittlerweile wieder gefestigt?
Tuomas: Ich glaube, wir sind an dieser Erfahrung gereift. Nicht nur als Band, sondern auch jeder einzelne als Person. Das ganze Theater hat uns seinerzeit ziemlich mitgenommen und uns im ersten Moment um Lichtjahre zurückgeworfen. Keiner wusste wie und ob es mit Nightwish weitergeht. Mit Anette (Anette Olzon, die neue Nightwish-Sängerin) haben wir aber die richtige Wahl getroffen, obwohl sie lange Zeit am meisten von uns allen gezweifelt hat.
Demnach musstet ihr bei Anette viel Überzeugungsarbeit leisten?
Marco: Es ging dabei nie um ihre Qualität als Sängerin. Wir wussten alle relativ schnell, dass sie die perfekte Stimme für unsere Zwecke hatte. Sie hatte einfach Angst vor den öffentlichen Reaktionen. Tarja war jahrelang das Aushängeschild der Band und genoss viele Sympathien unter den Fans. Plötzlich steht dann jemand Neues an ihrer Stelle. Das ist im ersten Moment für alle Beteiligten keine einfache Situation.
Wir haben viel mit ihr gesprochen, sie aufgemuntert und versucht, ihr die Angst und die Zweifel zu nehmen. Das hat auch sehr schnell und sehr gut geklappt. Es ging uns nicht darum, einen Tarja-Klon zu finden. Wir haben bewusst versucht eine Stimme ausfindig zu machen, die sich von der Vergangenheit unterscheidet und der Band ein neues Gesicht verpasst, ohne die Basis aber gänzlich zu vergessen.
Tuomas: Sie war an den ersten Song-Skizzen beteiligt. Die Geburt ihres zweiten Kindes fiel in die Zeit, als wir uns auf den Weg in unser Probe-Camp machten. Sie stieß dann wieder zu uns, als es darum ging, die Gesangs-Parts einzusingen. Natürlich hätten wir sie letztes Jahr im Camp gerne dabei gehabt. Es war eine tolle Atmosphäre, ganz familiär und entspannt. Dieses Camp wird normalerweise von Naturfreunden, Aussiedlern und Pfadfindern genutzt. Es gab viele gemütliche Hütten und jeder hatte sein eigenes kleines Häuschen. Abends kamen die Familien dazu, wir haben gegrillt und viel Spaß gehabt. Ein toller Mix aus Arbeit und Erholung.
Anette hätte sich dort bestimmt wohl gefühlt. Letztlich hat ihr Fehlen aber keinerlei Probleme dargestellt hinsichtlich der Qualität des Endproduktes. Sie hat die Gabe mit ihrer Stimme jedem einzelnen Song eine ganz individuelle Note zu verleihen. Das hat sie dann bei den Aufnahmen auch eindrucksvoll bewiesen. Das Kind ist wohlauf, die Platte ist großartig: Was will man mehr? (Lacht)
Demzufolge ist das Thema Tarja ein für alle Mal gegessen?
Tuomas: Ich habe im Laufe der Jahre gelernt, dass selbst die unmöglichsten Dinge passieren können. Im Moment ist aber kaum etwas weiter weg, als der Gedanke an eine Rückkehr von Tarja zu Nightwish.
Ok, dann lass uns wieder zum aktuellen Tagesgeschehen zurückkehren. Ihr habt für "Imaginaerum" abermals mit einem kompletten Orchester (London Symphony Orchestra) gearbeitet. Mittlerweile dürfte das für euch ja fast schon zum Alltag gehören. Ihr habt mit denselben Leuten bereits während der "Once"-Aufnahmen zusammengearbeitet. Ist es dennoch immer wieder aufs Neue faszinierend für euch zu sehen, wie sich ein klassisches Ensemble mit euren Werken auseinandersetzt?
Tuomas: Absolut. Man kann diese Momente gar nicht richtig in Worte fassen, wenn die nackten Song-Fragmente plötzlich von dermaßen berauschender Opulenz ummantelt werden.
Marco: Bei diesen Leuten wird Professionalität neu definiert. Du kannst gar nicht so schnell gucken, wie sie deine Songs verinnerlichen. Ich meine, unsere Lieder sind ja nicht gerade spartanisch arrangiert. Du musst dir vorstellen, die Aufnahmen begannen um zehn Uhr früh. Das Orchester erschien um viertel vor zehn. Sie setzten sich hin, schauten auf ihre Notenblätter und spielten los, als hätten sie sich wochenlang vorher schon mit dem Material beschäftigt. Du stehst dann nur da und machst große Augen.
Große Augen werden auch eure Fans machen, wenn das Audio-Material von "Imaginaerum" im nächsten Jahr einen kompletten Spielfilm untermalen wird. Durchlebt ihr gerade eine Art emotionalen Interessenkonflikt, auf welche Veröffentlichung von "Imaginaerum" ihr euch mehr freut?
Marco: (Lacht) Nein, nicht wirklich. Wir freuen uns gleichermaßen auf die Veröffentlichung des Albums als auch auf die Film-Premiere im Frühjahr 2012. Normalerweise fällt die Spannung immer etwas von einem ab, sobald ein neues Album einige Wochen draußen ist. Bei uns ist es dieses Mal etwas anders, denn wir haben noch ein gewaltiges Paket in der Hinterhand.
Ich glaube, dass dieses Gefühl der Band auch für die kommende Tour gut tun wird. Letztlich ist es ja so, dass beides, das Album und der Film, zwar zusammengehören, wir aber bewusst so gearbeitet haben, dass die Platte und jeder einzelne Song darauf auch für sich alleine stehen kann. So haben wir nicht das Gefühl, dass noch etwas fehlen würde, wenn wir das Album veröffentlichen.
Tuomas: Ein Album zu veröffentlichen ist eine Sache. Wenn man das Ganze dann aber noch in ein abendfüllendes Fantasy-Spektakel einbinden kann, kriegt man schon Gänsehaut nur beim Gedanken daran. Zu sehen und zu erleben, wie das Film-Projekt sich entwickelte und welche Ausmaße es annahm, war schon eine beispiellose Erfahrung für alle Beteiligten.
Das kann ich mir gut vorstellen. Vier Jahre lang hat die Umsetzung gedauert. Kam euch irgendwann einmal der Gedanke alles hinschmeißen zu wollen?
Tuomas: Die ersten beiden Jahre hatten wir, ehrlich gesagt, kaum Zeit, uns mit solch fundamentalen Fragen auseinanderzusetzen, da wir uns auf Tour befanden. Zu dieser Zeit entstanden lediglich erste Song-Ideen, Screenplays, Skizzen und Zukunftsvisionen, wie denn vielleicht alles am Ende aussehen könnte. Erst in den letzten beiden Jahren haben wir uns wirklich intensiv mit der Umsetzung beschäftigt. Und ja, es gab einige Momente, wo das ganze Projekt auf der Kippe stand.
Wir reden hier von einem Unterfangen was von der Finanzierung gesehen weit über allem liegt, was wir jemals gemacht haben. Dahingehend die richtigen Entscheidungen zu treffen und einen Weg zu finden, mit dem alle glücklich sind, war nicht immer einfach. Doch als dann alles in trockenen Tüchern war, gab es kein Zurück mehr und die Maschine fing an zu laufen (lacht). Der Moment als wir das erste Mal am Set erschienen, war für mich persönlich der schönste und wichtigste während der ganzen letzten vier Jahre. Plötzlich ging es wirklich los, ein tolles Gefühl.
Ging es dir ähnlich, Marco?
Marco: Ja, definitiv. Wobei ich die Zeit in unserem Sommer-Camp noch beeindruckender fand, als sich alle Songs plötzlich zu einem Ganzen entwickelten und diese faszinierende Gesamt-Geschichte entstand.
Tuomas: Ich habe Angst vor dem Tod, nicht vor dem Älterwerden. Ich lebe so gerne auf diesem Planeten, und es graut mir davor, irgendwann einmal Lebewohl sagen zu müssen, da ich am liebsten für immer leben würde. Ich erlebe so viele schöne Dinge Tag für Tag. Es ist schon eine Schande, dass dem irgendwann einmal nicht mehr so ist, zumal ich sehr skeptisch bin, ob sich nach dem Ableben weitere Türen öffnen.
Marco: Ich kann mich dem nur anschließen. So lange mich keiner vom Gegenteil überzeugt, versuche ich, jeden Tag zu genießen und mit Gehalt zu füllen, bis sich das letzte Tor schließt (lacht).
Der Film wurde in Montreal, Kanada, gedreht. Als ich hörte, dass ihr einen Film in Angriff nehmen wollt, dachte ich zuerst an Neuseeland.
Tuomas: Ja, das habe ich schon oft gehört. Neuseeland wäre natürlich auch gut gewesen. Aber wir mussten, wie gesagt, auch die Finanzen im Überblick behalten, und in Kanada ist die Produktions-Firma beheimatet. Insofern lag es nah, dort nach einer geeigneten Location zu suchen. Marco: Für mich persönlich ist mit der Kanada-Entscheidung ein Traum in Erfüllung gegangen. Es ist ein wunderschönes Land mit unvergleichlichen Orten, die du sonst nirgends auf der Welt findest. Persönlich gibt es für mich nur zwei Länder auf dieser Welt, wo ich leben könnte: Finnland und Kanada.
Ihr spielt auch selber im Film mit. Wie war das für euch?
Marco: Das war schon eine interessante Erfahrung, aber man sollte unseren bescheidenen Beitrag nicht überbewerten. Wir haben keine Dialoge und spielen auch sonst als Personen nur eine eher untergeordnete Rolle. Es geht primär um die Musik. Wir machen in dem Film eigentlich genau das, was wir sonst auch machen: Musik. Es ging dabei hauptsächlich darum, eine Verbindung herzustellen, zwischen Musik und Film.
Wie bereits erwähnt, treibt ihr es auch dieses Mal in Sachen Opulenz und Epik wieder bis zum Äußersten. Wann ziehen sich bei euch die Mundwinkel hinsichtlich neuer Songs am höchsten? Bedarf es der kompletten Fertigstellung eines Tracks oder entstehen die ersten Glücksmomente bereits beim eigentlichen Songwriting zuhause vor dem Kamin?
Tuomas: Um ehrlich zu sein, gibt es für mich keinen intensiveren Moment als den, wenn ich das erste Mal merke, dass eine Song-Idee funktionieren könnte. Ich kann mich beispielsweise erinnern, als ich den Song "Storytime" schrieb und mich das erste Mal mit dem Refrain befasste. Der Augenblick, wenn du merkst, dass etwas Großes entsteht, ist für mich persönlich mit nichts zu vergleichen. Das ist mein Antrieb bei jedem Song, den ich angehe; diesen Moment zu erreichen.
Natürlich ist es ein ebenso erhabenes Gefühl, wenn sich auf diesem Fundament letzten Endes ein gewaltiges Gesamtbild entwickelt, mit fetten Gitarren, tollem Gesang und orchestraler Begleitung. Doch über all dem stehen die Sekunden, wenn sich das erste Mal das Gefühl breit macht, etwas Funktionierendes geschaffen zu haben.
Das Ergebnis dann auf die großen Bühnen dieser Welt zu tragen, dürfte sicherlich ähnlich befriedigend für euch sein. Was dürfen die Fans auf der kommenden Tour von euch erwarten?
Marco: Es wird ein intensives Spektakel, keine Frage. Der Film kommt zwar erst im nächsten Jahr raus, doch wir werden sicherlich schon einige Clips davon auf Tour präsentieren können. Wie das am Ende genau aussehen wird, wissen wir selbst noch nicht genau, da die Arbeiten noch nicht abgeschlossen sind. Aber es wird auch visuell Einiges geboten. Das kann ich schon einmal versprechen.
Hattet ihr je daran gedacht, eine One-Album-Tour zu machen, um den Inhalt von "Imaginaerum" noch deutlicher in den Fokus zu stellen?
Marco: Nein, denn das wäre uns zu einseitig. Natürlich wird das Hauptaugenmerk auf dem neuen Album liegen. Aber wir werden auch viele alte Songs spielen. Wenn ich auf ein Konzert von einer Band gehe, die ähnlich viel Material hinter sich herzieht wie wir es tun, würde ich mich langweilen,nur mit den Ergüssen eines einzigen Albums konfrontiert zu werden.
Der nächste Kollege scharrt schon mit den Füßen. Habt vielen Dank für die Zeit.
Marco: Sehr gerne.
Tuomas: Wir haben zu danken.
Tuomas erzählt, wie sich 2000 Damen und drei Kerle um den Sänger-Job bewarben.
Das neue Album "Dark Passion Play" steht kurz vor der Veröffentlichung, und nach zwei Singles weiß die Fanschar in etwa, was mit der neuen Sängerin Anette Olzon auf sie zukommt. Bandleader Tuomas schildert uns die Dinge aus seiner Sicht, nachdem vor ein paar Wochen schon Anette zu Wort kam.
An einem Tag mit zwei Bandmitgliedern Interviews zu führen, mag ein wenig übertrieben klingen. Wenn man aber schon die Möglichkeit hat, den Einstieg einer neuen Sängerin bei einer großen Band wie Nightwish sowohl aus ihrer Sicht, als auch aus der des Bandleaders zu betrachten, nimmt man diese Gelegenheit gern war. So klingelt der Keyboarder schon eine halbe Stunde vor dem Gespräch mit Anette bei mir durch, um die vergangenen drei Jahre Revue passieren zu lassen.
Hallo Tuomas, von wo aus rufst du an?
Aus Donzdorf, wir absolvieren gerade unseren letzten Promotag hier bei Nuclear Blast. Morgen geht es erst mal wieder nach Hause.
Wie lang ging die Promotour bisher?
Etwas über eine Woche, es hielt sich vorerst also in Grenzen.
Ok, dann sag mir mal, wie fühlst du dich, jetzt da das Album fertig ist, sich die Suche nach einer neuen Sängerin erledigt hat und sozusagen ein neues Zeitalter anbricht?
Verdammt erleichtert (lacht), wir sind alle sehr gespannt, wie es jetzt weiter geht und was auf uns zukommt. Das ist eine sehr spannende Zeit, und bisher war alles sehr ermutigend, wir haben die letzte Woche sehr viel positives Feedback bekommen. Wir haben jetzt etwa 200 Interviews gegeben und bisher gab es eigentlich nur Zuspruch, sowohl von Seiten der Journalisten, als auch von Seiten der Fans. Scheint so, als hätten wir was richtig gemacht.
Hast du denn was anderes erwartet? Kritik?
Auf jeden Fall! Und irgendwie tu ich das auch immer noch ...
Echt, wieso denn?
Naja, das ist schon ein massiver Wandel in Sachen Gesang, der sich bei uns vollzogen hat. Die Leute wussten nicht, was da Neues auf sie zukommt, und entsprechend bin ich eher davon ausgegangen, dass sie mit der Situation und Anette sehr kritisch umgehen werden. Deswegen habe ich mich und auch den Rest der Band eigentlich erst mal auf so was wie die Inquisition vorbereitet (lacht). Aber bisher wurden wir echt positiv überrascht. Natürlich sind da immer ein paar Leute, die wir nie mehr zufrieden stellen können, weil sie eben total auf Tarja fixiert sind. Das ist durchaus verständlich, aber daran lässt sich nichts mehr ändern. Es fühlt sich jedenfalls verdammt gut an, dass so viele Leute den Schritt mitgegangen und bereit sind, uns eine neue Chance zu geben.
Ich denke, dass viele einfach Verständnis für die Situation haben. Ihr habt euch ja nicht aus einer Laune heraus von Tarja getrennt, sondern weil es einfach unvermeidlich war.
Stimmt, die Leute sind erstaunlich clever und aufgeschlossen (lacht). Vielleicht hab ich die meisten Fans und Journalisten einfach unterschätzt und ich bin sehr dankbar, dass meine Befürchtungen sich nicht bewahrheitet haben.
Wie viele haben sich eigentlich insgesamt für den Job als Sängerin beworben?
Alles in Allem so etwa 2000, und ob du's glaubst oder nicht, es waren auch drei Kerle dabei (lacht). Die hatten wohl nicht kapiert, dass wir uns ausschließlich nach einer Sängerin umgehört haben. Das ist uns echt zu keiner Zeit in den Sinn gekommen, einen Sänger zu suchen. Schließlich haben wir mit Marco ja schon einen.
Was war so Besonderes an Anette?
Eigentlich alles. Wir waren uns von Anfang an ganz sicher, dass da draußen irgendwo die richtige Stimme für uns wartet. Da hatten wir keine Bedenken. Was wir als deutlich größeres Problem ansahen, war die richtige Persönlichkeit und Einstellung in Verbindung mit der richtigen Stimme zu finden. Sie muss ja nicht nur mit uns allen klarkommen, sie muss auch ein enorm großes Selbstbewusstsein haben, um in Tarjas Fußstapfen zu treten, ohne dabei arrogant zu sein. Außerdem muss sie mit dem ganzen Medienrummel und auch ein paar Anfeindungen von Die Hard-Fans von Tarja umgehen können. Das ist das eigentlich Schwierige daran. Anette hat all die Qualitäten auf jeden Fall und das macht sie so besonders. Sie ist einfach ein nettes Mädel mit einer fantastischen Stimme und einem ausgeprägten Selbstbewusstsein. Sie ist 36 Jahre alt, hat schon das ein oder andere Auf und Ab um Leben mitgemacht und ist nicht so leicht einzuschüchtern. Sie weiß einfach, wie der Hase läuft und ist sowas von auf dem Boden geblieben und umgänglich, dass wir uns nicht Besseres wünschen oder vorstellen können.
Warst du dir schon beim ersten Hören sicher, dass sie die neue Sängerin wird oder gab es ein bestimmte Zeitpunkt, als die Sache für dich klar war?
Um ehrlich zu sein, wir waren selbst dann noch nicht 100%ig sicher, als wir sie auswählten. Ich meine, sie machte mit ihrem Demo schon einen enormen Eindruck, und als wir uns dann zum ersten Mal trafen, klickte es eigentlich sofort. Auch alle weiteren Treffen und Aktionen danach fühlten sich absolut toll und richtig an, aber so etwas wie ein Restzweifel blieb einfach immer vorhanden. Das lag aber nicht an ihr, sondern wäre bei allen andern auch der Fall gewesen. Jetzt, nachdem die Entscheidung gefallen, das Album aufgenommen und die erste Promoaktivitäten erledigt sind, fühlt sich aber alles 100% richtig an. Wir hätten uns nicht besser entscheiden können.
Der Meinung bist du, obwohl sie aus Schweden ist, hehehe?
Hahaha, ja, ich hätte eigentlich viel mehr Aufsehens um diese Tatsache erwartet, vor allem hier in Finnland. Aber einmal mehr wurde ich positiv überrascht, denn es hat die Leute anscheinend überhaupt nicht interessiert, wo sie herkommt. Für uns hat das definitiv keine Rolle gespielt ob sie jetzt aus Grönland oder Süd-Afrika stammt. Uns kam es einfach auf die spezielle Person an. Von daher war das alles halb so wild. Die Rivalität zwischen Finnland und Schweden ist auch eher freundschaftlich.
Nicht nur das, wir hatten auch schon alles soweit fertig aufgenommen und arrangiert. Wir waren eigentlich schon soweit, die Scheibe zu veröffentlichen, hatten aber noch keine Sängerin (lacht). Und um dir gleich die nächste Frage abzunehmen, die am häufigsten gestellt wurde: 'Wie konntet ihr Songs schreiben, ohne eine Stimme im Kopf zu haben, welche diese letztendlich singt?'
Das kratzt mich eigentlich gar nicht ....
Echt nicht?
Doch, klar. Schieß los.
Hahaha, ok. Das war letztendlich überhaupt kein Problem, und es hat mich auch nicht sonderlich interessiert. Als ich die Songs geschrieben habe, hatte ich irgendeine Stimme im Kopf und ich wusste, wir finden diese Stimme irgendwo, die die Songs dann auch singen kann. Als wir Anette schließlich zur Audition im Studio hatten, sang sie drei Songs davon, und genau da war die Stimme, die ich beim Komponieren im Kopf hatte. Es war nie ein Problem für mich, die Songs ohne bestimmte Vorgabe zu schreiben, und es hat mich sehr erstaunt, wie viele Leute sich darüber Gedanken gemacht hatten.
Nun, ich denke mal, dass man normalerweise beim Songwriting die Stimme seines Sängers im Kopf hat und entsprechend auch die Stücke auf ihn zurecht schneidet.
Ja, inzwischen ist mir auch klar, warum sich die Leute darum Sorgen gemacht haben, aber ich hatte einfach sehr genaue Vorstellungen davon, wie die einzelnen Songs zu klingen haben. Von daher war es einfach Teil der Voraussetzung, dass unsere zukünftige Sängerin dazu in der Lage ist, alles entsprechend umzusetzen. Was bringt mit eine Sängerin, mit der ich mich beim Songwriting limitieren muss? Das ist mit Anette auf jeden Fall kein Problem.
Ihre Stimme unterscheidet sich ja sehr deutlich von der Tarjas.
Ja und genau das wollten wir ja auch. Der größte Fehler, den wir hätten machen können, wäre es gewesen, eine weitere klassisch trainierte Opernsängerin zu holen. Tarja war sowas von gut in dem, was sie getan hat, wir hätten also bestenfalls eine gleichwertige Kopie finden können. Das hätte aber überhaupt keinen Sinn gehabt, weswegen wir uns nach einer ganz anderen Stimme umgesehen haben.
Habt ihr mit Anette auch schon alte Songs geprobt?
Klar und wir hatten auch so unsere Bedenken und Befürchtungen, was das angeht, aber die sind inzwischen alle verflogen. Sie versucht erst gar nicht, die Opernsachen von Tarja nachzusingen. Von daher klingen einige Stücke schon sehr anders und viele Leute werden erst einmal sehr geschockt sein. Damit müssen wir aber leben - mir und den anderen Jungs in der Band gefallen die alten Songs in dieser Form verdammt gut. Ich finde, das ist schon mal ein guter Anfang (lacht).
Ihr habt ihr also alle Freiräume in Sachen Interpretation gelassen?
Absolut, wir werden die Songs zwar keinesfalls neu arrangieren oder die Melodien ändern, aber Anette hat in ihrer Performance absolut freie Hand.
Und bei den neuen Songs? Konnte sie ihre Gesangslinien da selber ausarbeiten?
Nein, die waren auch schon geschrieben. Hier und da hat sie ein paar kleinere Sachen verändert und verbessert. Sie ist sehr gut im Improvisieren, aber im Großen und Ganzen war soweit schon alles vorbereitet. Ich hoffe aber, dass sie sich auf dem nächsten Album viel mehr ins Songwriting einbringt, denn sie hat da großes Potential.
Nach den ganzen Problemen mit Tarja, habt ihr Anette da etwas wie eine To-Do oder Not-To-Do-Liste gegeben?
Öhm (lacht), nein. Eine Liste gab es natürlich nicht. Wir haben uns schon sehr mit ihr und ihrer Persönlichkeit beschäftigt, bevor wir sie in die Band geholt haben, und dank ihrer Persönlichkeit gab es überhaupt keine Notwendigkeit für solche eine Liste oder etwas ähnliches. Was wir allerdings zur Sprache gebracht haben, war die Sache mit dem Management. Wir haben als Band einen einzigen Manager, also waren wir sehr dankbar, dass sie nicht auf ihrem persönliche Manager bestanden hat (lacht).
Gibt es bei euch inzwischen eigentlich die Regel, dass Probleme – so sie denn auftreten – bitte gleich und direkt zur Sprache gebracht werden sollen? Das war doch das große Problem mit Tarja, oder?
Naja, natürlich haben wir uns vorgenommen, etwas mehr miteinander zu kommunizieren, wenn es Probleme gibt. Allerdings muss ich auch mal mit dem Irrglauben aufräumen, den anscheinend so viele Menschen auf diesem Erdball aufliegen: Nicht alle Probleme dieser Welt können dadurch gelöst werden, dass man drüber redet! Manche Dinge funktionieren eben, oder auch nicht. Da kann man sich dann totquatschen und es ändert auch nichts mehr. Aber manchmal kann es schon helfen (lacht).
Gab es denn wenigstens irgendeine Art von Feier oder ein Geschenk, als sie Teil der Band wurde? Wie habt ihr Anette das denn überhaupt mitgeteilt.
Hahaha, die Story ist eigentlich echt langweilig. Ich hab sie angerufen und über alles Mögliche mit ihr geredet und nur so nebenbei gesagt: 'Ach übrigens, in Zukunft wirst du wohl ganz schön beschäftigt sein. Du bist in der Band.'
Boah, ist das mies, hahah.
Naja, sie war in Schweden, wir in Finnland. Da konnte man halt keine große Party draus machen (lacht). Aber ihre Reaktion war echt cool. Sie war ganz ruhig und meinte nur: Ach wirklich, das ist ja toll. Sehr nett zu hören. Ich glaube, das ist soeben der schönste Tag meines Lebens. Vielen Dank. Nachträglich hat sie uns dann erzählt, dass sie kaum das Telefon aufgelegt hatte und sofort anfing loszukreischen und auf und ab zu springen. Am Telefon war sie aber die Ruhe selbst. Ich dachte echt schon, sie kratzt das gar nicht sonderlich (lacht).
Scheinbar passt sie sich eurem Humor ganz gut an.
Jaha, scheint so.
Ich möchte nicht zu detailliert auf Titel oder einzelne Texte eingehen, aber "Dark Passion Play" drückt für mich quasi all das aus, wofür Nightwish stehen, vor allem auf diesem Album. Es ist dunkel, es ist gefühlvoll, es ist wie ein großes, orchestrales Theater. Die drei Wörter drücken einfach alles aus, was uns als Band auszeichnet.
Obwohl es keinen expliziten Titeltrack gibt, taucht der Titel bei "Poet And The Pendulum" auf. Dieser Titel weckt allerdings die Assoziation zu Edgar Allan Poes "Pit And The Pendulum".
Ja, das ist so etwas wie ein Wortspiel. Edgar Allan Poe ist einer meiner Lieblingsschriftsteller und besonders diese Kurzgeschichte hat es mir angetan. Sie ist einfach ausgezeichnet und auch sehr gruselig. Als ich sie das letzte Mal gelesen habe, fand ich diesen Symbolismus der sich senkenden Klinge, die sich jeden Tag weiter über dich senkt, sehr inspirierend. Ich bin sehr stolz auf diesen Song und denke tatsächlich, dass er der beste ist, den ich je geschrieben habe.
Ist der Song denn live reproduzierbar?
Wir werden es auf jeden Fall darauf ankommen lassen. Heutzutage kommt ja eh bei vielen Bands schon einiges vom Band und auch wir sind nie ohne Backups ausgekommen. Gerade einige Orchesterparts und der Sopran am Anfang des Stücks werden definitiv vom Band kommen müssen. Aber der Song ist einfach so gut und auch wichtig, dass wir auf jeden Fall versuchen werden, ihn live zu spielen. Mal sehen was dabei heraus kommt.
Der nächste Song, "Bye, Bye Beautiful" klingt doch sehr nach einer Abrechnung mit einer bestimmter Person.
Vielleicht klingt der Titel ein wenig zu aggressiv, wenn man sich den Text an sich mal anschaut. Uns geht es in der Nummer definitiv nicht darum, mit jemandem abzurechnen. Es hat nichts mit Hass oder Wut zu tun, es ist mehr so ein bittersüßer Abschied. Die Texte zu dem Song sind in einer sehr positiven Stimmung gehalten und geschrieben. Es geht nicht darum, jemandem mit Wut oder Hass zu begegnen. Es ist eher eine Reflektion dessen, was passiert ist und warum es passiert ist. Ich meine, es hätte auch heißen können "Bye, Bye Ugly One", aber so heißt es nicht, also geht es nicht um eine Abrechnung (lacht).
Na wenn du das sagst, aber Marco klingt in dem Stück doch sehr emotional, um nicht zu sagen angepisst. Oder wie siehst du das?
Hm, ja schon. Es gibt eine Menge Dinge, die ungesagt blieben und nun in diesem Song eben zur Sprache kommen. Es gibt schon einen Grund, warum Anette die Strophen singt und Marco den Chorus. Ein paar dieser Dinge kannst du nicht einfach einem neuen Sänger in den Mund legen. Das wäre nicht fair, denn sowas muss jemand aussprechen, der es mit erlebt hat.
Mit dem neuen Album seid ihr meiner Meinung nach noch dichter an Filmsoundtracks dran. Lässt sich das noch steigern?
Wir werden sehen. Ich bin jedenfalls ein riesiger Soundtrack-Fan. Neben Metal ist das das Einzige, was ich mir zuhause anhöre. Für mich ist das einfach das Maximum an Musik und folglich ziehe ich daraus einiges an Inspiration. Auf der anderen Seiten versuche ich entsprechend auch meine eigene Musik in diesem Bereich anzusiedeln und jeden Song zu einem kleinen Soundtrack zum eigenen Kopfkino zu machen.
Gibt es vielleicht ein Buch, das du gern mal verfilmt sehen und für das du gern den Soundtrack schreiben würdest.
Klar, die 'Der Dunkle Turm-Saga' von Stephen King. Das ist für mich die bester Serie, die je geschrieben wurde, vom 'Herrn der Ringe' mal abgesehen.
Echt, findest du?
Ja, auf jeden Fall. Ich war von der Reihe echt gefesselt und hoffe inständig, dass irgend jemand einmal einen, bzw. mehrere Filme daraus macht. Und das hoffentlich gut!
Also ich mochte die ersten drei sehr gern, bin beim vierten aber immer fast eingepennt. Das zieht sich ja ewig.
Ja, da hast du schon recht, aber 'Wolfsmond' ist wieder überragend. In 'Susannah' passiert dann wieder nicht so viel, aber 'Der Dunkle Turm' ist einfach wieder der Hammer. Mir sind die ganze Zeit Schauer über den Rücken gelaufen beim Lesen. Das war echt der Wahnsinn. Du solltest der Reihe echt noch ne Chance geben.
Ich denk drüber nach, aber hast du schon mal was von Tad Williams gelesen?
Gehört hab ich von ihm, aber bisher noch nichts gelesen.
Dann kann ich dir nur 'Otherland' ans Herz legen. Da hast du eine unglaubliche Mischung aus Fantasy, Science Fiction, Virtual Reality und was du dir sonst noch vorstellen kannst.
Wow, klingt als sollte ich mir das echt mal zulegen. Danke für den Tipp.
Kein Problem. Die Produktionskosten für "Once" lagen ja bei 230.000 Euro. Für "Poet And The Pendulum" waren es jetzt 500.000. Wo ist da das Limit?
Keine Ahnung, (lacht). Aber wir verbraten da ja nicht wild irgendwelche Labelvorschüsse, sondern haben das Album komplett selbst finanziert. Wir hatten also freie Hand und konnten tun und lassen, was wir wollten. Die meiste Kohle ging für die acht Tage in den Abbey Road-Studios drauf und für die 130 Gastmusiker auf der Scheibe. Das wurde schon ganz schön teuer. Aber wir waren insgesamt auch neuneinhalb Monate im Studio um das Album aufzunehmen. Die Miete für das Studio, die Techniker und alles, da kommt schon was zusammen. Aber darüber waren wir uns schon von vorneherein im Klaren: Wenn wir daran gehen, dieses Album aufzunehmen, dann ohne irgendwelche Kompromisse. Was notwendig ist, wird getan. Entweder 110% oder gar nicht, scheißegal, was das dann kostet. Und nun sind alle zufrieden und glücklich und keiner bedauert etwas (lacht). Aber wer weiß, vielleicht sind auf dem nächsten Album nur akustische Balladen, für die wir nicht mal ein Orchester oder irgendwas brauchen. Das heißt ja nicht, dass wir jedes Mal noch einen draufsetzen müssen.
Wann werdet ihr Anette zum ersten Mal live vorstellen?
Das wird am 6. Oktober in Tel Aviv in Israel sein. Ein phantastischer Ort um loszulegen. Danach geht es für fünf Wochen in die USA. Nach Deutschland kommen wir erst Ende des Jahres im Rahmen der Dark Winter's Night Festivals. Mitte Februar startet dann eine ausführliche Europatour, die ein paar Monate dauert und in der wir zehn Shows oder so in Deutschland spielen.
Anette Olzon erzählt, wie sie zu Nightwish kam und was die Fans erwartet.
Seit Ende Mai 2007 weiß die Öffentlichkeit nun, dass die Schwedin Anette Olzon die neue Sängerin bei Nightwish ist. Seit wann die Sängerin selbst darüber informiert ist, wie sie damit umgeht und wie sie ihre Rolle in der Band sieht, erzählt sie dem laut.de-Redakteur am Telefon.
Zwei Interviews an einem Tag zu führen, ist eigentlich nicht sonderlich ungewöhnlich. Und zwei Interviews mit der selben Band? In diesem Falle absolut verständlich, immerhin haben die Megaseller von Nightwish nach langer Suche endlich ihre neue Frontlady gefunden und stehen mit dem neuen Album "Dark Passion Play" in den Startlöchern. Grunde genug, nach einem informativen Gespräch mit Bandleader/Komponist/Keyboarder Tuomas Holopainen auch noch bei der neuen Sängerin Anette Olzon nachzuhören, wie der Einstieg verlief und was seit dem passiert ist.
Hey Anette, wie geht's dir.
Danke, gut. Und selber?
Ich kann auch nicht klagen. Ich hatte gerade erste ein nettes Interview mit Tuomas, und jetzt bist du dran.
Sehr schön, leg los.
Ok, dann erzähl mir doch erst mal, wie viele Interviews du schon gegeben hast, seit du auch offiziell die neue Sängerin bei Nightwish bist?
Oh Gott, keine Ahnung. Aber ein paar hundert waren es schon, hahaha.
Warst du auf so was vorbereitet?
Hm, natürlich habe ich gewusst, was damit auf mich zukommt, aber so lange man noch nicht in der Situation drinsteckt, sieht man das alles erst einmal deutlich lockerer. Mir war schon klar, dass da einiges an Arbeit und an Medieninteresse auf mich zukommt, aber das es sooo viel ist, hahaha.
Dachte ich mir doch. Aber erzähl uns bitte einfach mal etwas über deine Vergangenheit. Was hast du vor Nightwish denn schon alles gemacht?
Eigentlich habe ich davor ein ganz normales Leben geführt, was sich nun wohl auch erledigt hat, hahaha. Ich hatte einen Fulltime-Job, allerdings nicht im Musicbiz und habe nur nebenher ein wenig Musik gemacht, bis sich das Gleichgewicht immer mehr in Richtung Musik verschoben hat und ich damit mein Geld verdient habe. Das lief dann so ab, dass ich in diversen Bands gesungen habe, sowohl Coverbands, als auch solche mit eigenen Songs. Auch als Studiomusiker, im Chor, auf Hochzeiten oder solchen Sachen war ich hin und wieder dabei – echt alles mögliche. Es fühlt sich so an, als ob ich schon jede Menge gemacht und erlebt hätte. Ich fühle mich sehr, sehr alt, schluchz ...
Also ich bitte dich. Tuomas sagte, du seist jetzt 36?
Das ist richtig. Aber wenn ich einfach mal auf das zurückblicke, was ich bisher getan habe, dann denke ich nur: 'Ohhhh', hahaha.
Ach was, du bist nicht alt. Du hast einfach nur jede Menge Erfahrung. Das ist ein riesiger Unterschied! Zumindest rede ich mir das selber immer ein ...
Jahaha, ich denke, dass du damit recht hast. Aber klar, ich habe jede Menge Erfahrungen gesammelt, und ich denke, das hat mir bei Nightwish auch sehr geholfen.
Mit Sicherheit, aber wie weit reichen deine Erfahrungen denn in Sachen Metal?
Wenn ich ehrlich sein soll, sind die noch nicht sonderlich ausgeprägt. Ich hab bisher nur bei einer einzigen Metal Band ein paar Backing Vocals gemacht. Meist war das eher Melodic Rock und Rock'n'Roll. Aber ich werde von den Jungs nach und nach in den Metal eingeführt und was ich bisher kennen gelernt habe, gefällt mir sehr.
Hast du eigentlich Musik studiert, oder wie bist du zum Gesang gekommen?
Also ich war jedenfalls auf keiner Uni oder etwas ähnlichem. Allerdings hab ich schon früh damit begonnen, Gesangsunterricht zu nehmen. Prinzipiell hatte ich aber das Glück, mit einer recht guten Stimme geboren worden zu sein und musste diese eigentlich nur noch ein wenig trainieren und weiter ausbilden.
Spielst du auch ein Instrument oder singst du nur?
Ich hab früher mal acht Jahre lang Oboe gespielt und kann ein paar Sachen auf dem Klavier und vielleicht noch an der Gitarre. Das hält sich aber in engen Grenzen, hahaha.
Schreibst du denn überhaupt selber Songs und wenn ja, wie bringst du dich da ins Songwriting mit ein?
Nun, ich schreibe natürlich viele Texte und schreibe durchaus auch selber Songs. Aber im Großen und Ganzen sehe ich mich doch nicht unbedingt als Songwriter an. In erster Linie bin ich Sängerin, kann mich ins Songwriting aber natürlich schon allein dadurch einbringen, dass ich ein paar Gesangslinien schreibe und vorschlage. Tuomas schreibt bei Nightwish natürlich die Musik und die Texte, aber wenn wir mit Marco zusammen proben, dann kann ich auch immer ein paar eigene Ideen mit einbringen.
Dir macht das also nichts aus, dass dir Tuomas quasi die Musik, Texte und Gesangslinien mehr oder weniger fertig vorlegt?
Nö, überhaupt nicht. Er weiß ja schließlich perfekt, was er da macht. Ich bin wirklich der festen Überzeugung, dass Tuomas ganz besondere Musik macht. Ich habe noch nie das Gefühl gehabt, dass ich irgendetwas an seinen Kompositionen oder Ideen verbessern müsste. Was er macht, ist einfach großartig, weswegen in ja auch so sehr in die Band reinwollte.
Ja, auf jeden Fall! Und ich bin auch sehr froh, dass sich Tuomas und die anderen dazu entschlossen haben, mir bei der Interpretation der alten Songs vollkommen freie Hand zu lassen. So kann ich die Sachen wirklich auf meine Art singen und muss mich dabei nicht ständig irgendwie verstellen. Die Fans werden sich natürlich auf einige Veränderungen einstellen müssen, aber anders wäre ich kaum in der Lage, die Songs glaubhaft zu interpretieren. Das wird zunächst vielleicht für einige ein Schock sein, aber ich habe nie versucht, Tarja zu kopieren. Innerhalb der Band war von Anfang an klar, dass sie keinen Tarja-Klon haben wollten, sondern eben jemanden mit meiner Art Stimme.
Zurück zum Thema Metal. Wenn du damit nicht sonderlich viel am Hut hast, wessen Idee war es denn, dich für Nightwish zu bewerben?
Das war eigentlich die Idee eines Tontechnikers, mit dem ich zu dem Zeitpunkt gerade zusammen gearbeitet habe. Er meinte nur: "Hey, weißt du, dass die keine Sängerin mehr haben? Du solltest dich da unbedingt bewerben". Und ich dacht mir nur: "Ooookeeeeee, die singt klassisch ... was soll's ich versuch’s einfach mal". Ich habe also einen ihrer Songs auf meine Art und Weise gesungen und mir gar keine großen Hoffnungen gemacht. Allerdings habe ich auch die Einstellung, dass man immer was Neues ausprobieren sollte. Man weiß nie, was passiert, und in solchen Fällen hat man ja eigentlich nichts zu verlieren.
Wie oft hast du dich denn mit der Band getroffen, bevor sie dir tatsächlich mitgeteilt haben, dass du dabei bist?
Insgesamt nur zweimal. Das erste Mal war nur für ein paar Tage, als wir sechs alte Songs geprobt haben und ich im Studio ein paar Sachen von dem neuen Material zur Probe eingesungen habe. Beim zweiten Mal sind wir auf die Insel gefahren, auf der Tuomas wohnt und haben dort einfach ein wenig Zeit zusammen verbracht, um zu sehen, wie wir uns vertragen. Da gab es dann auch eine Fotosession und wir haben noch ein wenig mehr von den neuen Sachen aufgenommen.
Und wie lang haben sie dich danach noch zappeln lassen, ehe sie dir gesagt haben, dass du die neue Sängerin bist?
Lass mich überlegen ... die Shootings waren im Oktober und der Anruf von Tuomas kam Ende Januar. In der Zwischenzeit gab es ja auch noch einige andere Bewerberinnen, die sie angecheckt haben und das hat sich dann für mich doch ganz schön hingezogen. Das war ganz schön gemein, hahaha.
Das ist ja ein ganz schöner Zeitraum, was hast du denn so lange gemacht?
Alles in allem hat sich das ja über einen Zeitraum von anderthalb Jahren gezogen, in denen ich meist darauf gewartet habe, dass es weitergeht. Mir wurde gesagt, dass ich unter den 20 Finalistinnen wäre, aber das war’s dann auch schon. Ich habe in der Zeit ein wenig Psychologie und andere Sachen an der Uni studiert und versucht, mir ein paar weitere Alternativen offen zu halten, falls das mit Nightwish nichts wird.
Ok, und wann haben sie dir letztendlich die frohe Kunde überbracht?
Am 30. Januar. Tuomas hatte mir eine E-Mail geschickt, dass er mich an diesem Tag anrufen will. Er rief mich also an und wir sprachen zunächst mal über eine Show von Tarot in Deutschland, die wir uns zusammen anschauen wollten. Davon hat er zuerst einmal ausführlich gesprochen und dann kam auf einmal: "Hey, wir haben hier in der Band ein wenig rumdiskutiert und haben uns gedacht, dass du in den kommenden Jahren wahrscheinlich ganz schön viel zu tun haben wirst". Und ich meinte nur: "Ah, ist das so?" Danach sprachen wir dann noch darüber ob ich denn wüsste, auf was ich mich da einlasse und was auf mich zukommen wird. Dann sind wir heimlich zusammen nach Deutschland geflogen, haben uns von allem, was nach Journalist aussah, fern gehalten und mit den anderen Jungs nach der Show gefeiert.
Tuomas meinte vorhin, er habe mir dir zunächst über dies und das gesprochen und dann nur so nebenbei erwähnt, dass du in der Band wärst.
Stimmt, so war’s auch, hahaha.
Er war dann fast schon überrascht, dass du recht cool und gelassen darauf reagiert hast und nur meintest: "Oh, fein, dann weiß ich ja woran ich bin."
Auf jeden Fall, aber danach bin ich echt ausgeflippt! Er war am Telefon so ruhig und hat das alles in einem sehr sachlichen Ton erzählt. Da dachte ich eben auch, dass ich mich vielleicht beherrschen sollte, um nicht gleich in der Gegend rumzukreischen. Er fängt an, über Proben, Pläne und was weiß ich zu quatschen, ich bin aber beinahe geplatzt und sagte immer nur: "Ok, ok,ok", hahaha. Kaum hatte er aber aufgehängt, fing ich an, in der ganzen Wohnung auf und ab zu hüpfen und habe sogar geheult, hahaha. Meine Familie wusste gar nicht, was mit mir los war. Das war aber sehr cool, denn das war so was von typisch Tuomas. Jetzt, da ich ihn etwas besser kenne, ist das so was von typisch für ihn.
Hast du mit den Jungs eigentlich jemals über den Split mit Tarja gesprochen?
Nein, überhaupt nicht. Ich habe natürlich ein paar Dinge hier und da aufgeschnappt, aber das ist kein Thema, über das wir miteinander reden. Für sie ist das ein Kapitel, das beendet ist. Das war für alle eine schwere Zeit, für die Band und wohl auch für Tarja. Das hat schon etwas von einer Scheidung, so was ist nie schön. Ich denke, beide Parteien wollen jetzt einfach weitermachen und das Kapitel für beendet erklären. Wir sind in der Beziehung auf dem besten Weg, es lohnt sich einfach nicht, über Vergangenes zu reden.
Ok, aber gab es für dich vielleicht so etwas wie eine (Not)-To-Do-Liste? So nach dem Motto: 'Wenn’s ein Problem gibt, mach den Mund auf'?
Hahaha, nein. Natürlich haben wir uns beim ersten Treffen zusammen gesetzt und uns über grundlegende Dinge unterhalten und wie ich zu Sachen wie Touren und dem ganzen Bandleben stehe. Das war mir aber auch sehr wichtig, von Anfang an gewisse Dinge klar zu stellen und da ich eine sehr kommunikative Person bin, fiel uns das allen recht leicht. Aber ich stimme auch mit Tuomas überein, wenn er sagt, dass Reden nicht alle Probleme lösen kann. Man kann bestimmte Sachen auch totquatschen und muss einfach wissen, wann sich das Reden nicht mehr lohnt. Ich bin fest davon überzeugt, dass mir die Jungs eine Menge beibringen können, aber auch ich habe vielleicht die ein oder andere neue Sache für sie. Das Wichtigste ist jedenfalls, dass wir uns untereinander respektieren, und das ist der Fall. Man muss einfach auch die unterschiedlichen Situationen bei uns betrachten. Ein paar haben Familien mit Kindern, andere eben nicht. Das ist dann natürlich was ganz anderes, wenn du auf Tour bist und daheim wartet die Familie. Das müssen die ohne Familie erst einmal verstehen und respektieren, aber ich denke das ist ganz ok bei uns.
Du hast einen Mann und einen Sohn, richtig? Wie kommen die mit deiner neuen Rolle als Sängerin von Nightwish klar?
Die sind natürlich sehr stolz auf mich. Obwohl sie auch über die Tatsache sehr traurig sind, dass sie mich in Zukunft wohl deutlich seltener bei sich zu Hause haben werden, als das bisher der Fall war. Für mich ist das ein wenig einfacher, weil ich auf Tour die ganze Zeit entweder beschäftigt bin, oder einfach so viele aufregende neue Dinge und Menschen kennen lerne. Mein Mann war selbst beruflich viel unterwegs und kennt die Situation somit bestens. Dennoch wird es für meinen Mann und meinen Sohn sehr einsam werden, wenn ich nicht daheim bin. Wir versuchen das aber mit SMS und Mails und allem einigermaßen erträglich zu machen, und bisher klappt das ganz gut.
Hast du vor, in Schweden zu bleiben?
Ja, ich denke schon. Unsere Familien stammen von dort und leben auch noch alle hier. Außerdem geht mein Sohn hier zu Schule und ich mag Schweden einfach sehr gern. Aber es wird sich natürlich nicht vermeiden lassen, dass ich auch viel Zeit in Finnland verbringe. Ich werde mir in Helsinki wohl auch eine Wohnung nehmen müssen, aber das ist schon ok.
Das wir in Israel am 6. Oktober sein.
Das ist aber gleich mal ein ganz schöner Brocken. Werdet ihr da mehr neue, oder verstärkt alte Songs spielen?
Ich denke das wird sich die Waage halten. Natürlich werden wir die ganzen alten Hits wie "Nemo" spielen, weil das Publikum die einfach hören will.
Hast du ein wenig Angst vor der Reaktion der Fans, wenn sie die alten Songs mit deiner Stimme hören?
Davor haben wir alle wohl ein wenig Angst, denn es wird für einige Leute bestimmt ein Schock werden. Vor allem natürlich für diejenigen, welche Nightwish hauptsächlich wegen Tarjas Stimme geliebt haben. Auf der anderen Seiten denke ich aber, dass selbst die sich mit mir arrangieren können. Schließlich ist es immer noch der selbe Song, nur mit einer rockigeren Stimme. Ich gebe mir aber alle Mühe, die Sachen mit großen Emotionen zu singen, und ich weiß, dass Tumoas mit meinen Interpretationen sehr zufrieden ist, genau wie der Rest der Band. Ich kann nur hoffen, dass die Fans das respektieren und ich tu wirklich mein Bestes, um die Songs nicht zu verhunzen, hahaha.
Hast du dir schon ein paar Gedanken darüber gemacht, wie du auftreten willst? Was das Outfit und solche Sachen angeht?
Nicht wirklich. Ich hab mir ein paar Kleinigkeiten gekauft, aber das hat weniger was mit den Auftritten zu tun. Wenn mir irgendwas gut gefällt, dann kaufe ich mir das eh meistens, hahaha. Von daher habe ich genügend Klamotten zum Anziehen. Es wird aber auf jeden Fall eher rockig sein und nicht so opulent mit Kleidern. Auch keine High-Heels, eher was Bodenständiges. Ich kann natürlich noch nicht sagen, wie ich mich auf der Bühne letztendlich mit den Jungs geben werde. Das kommt dann ganz natürlich und wir werden sehen. Ich will aber auf jeden Fall rocken, hahaha. Wir werden unsere Proben mit Video aufzeichnen und dann mal sehen, wie das aussieht und was wir da noch machen können.
Ich denke Marco wird das sehr befürworten, dass du etwas aktiver auf der Bühne bist und rocken willst.
Ja, das glaub ich auch. Ich will auf jeden Fall mit den anderen Jungs mehr interagieren.
Hast du denn schon einen Lieblingssong auf "Dark Passion Play"?
Ganz schwer zu sagen. Ich mag so viele von den Songs, weil sie alle so verschieden sind und so unterschiedliche Stimmungen haben. "Meadows Of Heaven", die letzte Nummer gefällt mir aber sehr gut, weil ich diese Gospel-Chöre sehr gern mag. Das habe ich früher auch immer gern gesungen. Das macht den Song einfach enorm groß, und außerdem finde ich, die Nummer gibt dir Hoffnung und das finde ich ganz toll. Da sind viele schöne, dunkle und melancholische Songs auf der Scheibe aber diese eine gibt dir jede Menge Hoffnung. Außerdem gefällt mir unsere erste Single "Amaranth" sehr gut. Der Song geht einfach direkt ins Ohr und ist verdammt catchy. Wenn du den einmal gehört hast, vergisst du ihn nicht mehr. Ich mag solche Sachen einfach sehr, wenn man schon beim ersten Mal hören mitsingen kann und einfach gut drauf ist. Der Titel lief in Finnland auch schon im Radio.
Gab es denn auch einen Song, der dir besonders schwer fiel?
Schwierig nicht, zumindest nicht in Bezug darauf, dass ich Probleme gehabt hätte, ihn zu singen. Aber "Sahara" hat diesen ethnischen Touch, den ich bisher noch nicht gesungen hatte. Von daher war das was relativ Neues für mich und ich musste mich bei den ersten paar Durchgängen erst einmal darauf einstellen. Inzwischen ist es aber einer meiner Favoriten, weil es nun richtig Spaß macht, diese Sachen zu singen. Beim ersten Mal war das aber alles andere als einfach. Es macht aber allgemein jede Menge Spaß, die Sachen von Nightwish zu singen. Die Songs sind so unterschiedlich, von den Stimmungen und den Melodien her. Auch die Texte sind einfach großartig und ich kann mich in vielen Dingen wiederfinden und mich mit ihnen identifizieren.
Hat sich deine Einstellung Metal gegenüber ein wenig verändert, seit du etwas mehr in die Materie eingetaucht bist?
Ich habe mich mit Metal bisher nicht sonderlich beschäftigt, schon gar nicht auf diese Art und so eingehend. Das liegt wohl vor allem daran, dass meine Familie aus einer ganz anderen musikalischen Richtung kommt. Meine Mutter konnte früher noch nicht einmal was mit Rock anfangen, geschweige denn Metal. Die stand eher auf Jazz und solche Sachen. Mir hat härtere Musik aber schon immer ganz gut gefallen und inzwischen höre ich davon ne ganze Menge. Momentan steh ich tierisch auf Finntroll und die sind doch ganz schon heavy. Ich entdecke jeden Tag neue Bands und das ist echt spannend.
Und was ist dann eigentlich deine Lieblingsmusik?
Du stellst Fragen ... momentan steh ich echt sehr auf Metal. Aber meine CD-Sammlung ist dermaßen wild und unterschiedlich. Ich hör mir fast jede Art von Musik gern an, solange sie gut gemacht ist und echte Emotionen transportiert. Neulich hab ich mir zum Beispiel erst das neue Justin Timberlake-Album geholt und es gibt darauf genau zwei Songs, die mir wirklich gefallen. Aber jetzt hab ich’s halt, also was soll's, hahaha. Ich finde aber eigentlich in allen Stilrichtungen ein paar Bands, die mit gefallen.
Öh, ich nehm mal an, du hast noch nie unsere deutsche Volksmusik gehört, oder?
Nein, das habe ich tatsächlich noch nicht. Vielleicht sollte ich mal.
Nein! Glaub mir, solltest du nicht!
Ok, hahaha. Dann lass ich da erst einmal die Finger von.
Gute Idee, aber lass mich zu meiner letzten Frage kommen. Was war denn die dämlichste Frage, die dir je gestellt wurde, seit du Sängerin von Nightwish bist?
Du meinst außer der, hahaha. Keine Ahnung, mir fällt da echt nichts ein. Was mich aber gewundert hat, war die Tatsache, dass sich die finnische Presse – am Tag als bekannt wurde, dass ich die neue Sängerin bin – hauptsächlich auf den Familienaspekt bei mir konzentriert hat. Ich wurde so oft gefragt, was mein Mann und mein Sohn dazu sagen. Dass ich tatsächlich als Sängerin bei Nightwish eingestiegen war, ist dabei beinahe unter den Tisch gefallen, hahaha. Das hat mich echt ein wenig geschockt, dass meine Familie so eine große Sache in der Presse wurde.
Ich hätte eher damit gerechnet, dass die sich vielleicht darüber aufregen, dass du aus Schweden kommst.
Das dachte ich auch, aber anscheinend sind die Finnen der Meinung, dass ich für eine Schwedin wohl ganz ok bin, hahaha.
Marco Hietala über die Fortschritte bei Nightwish und seine eigene Band Tarot.
Einen Namen hat sich Marco Hietala außerhalb Skandinaviens eigentlich erst seit seinem Einstieg bei Nightwish gemacht. Doch schon lange bevor die Finnen mit ihrem Opern-Metal in die Charts kamen, war der Basser bereits mit seiner eigenen Band Tarot unterwegs - nun blickt er im Interview auf die bisherige Karriere zurück.
Ein neues Album von Tarot steht vor der Tür, während Nightwish immer noch auf der Suche nach einer neuen Sängerin sind. Da von winterlichen Temperaturen im Mainzer Raum noch nicht die Rede sein kann, liegt die erste Frage jedoch quasi auf der Hand, als der Sänger/Basser beim laut.de-Redakteur durchklingelt.
Hey Marco, alles klar bei dir? Wie sieht's denn in Finnland mit Schnee aus?
Naja, Schnee kann man das nicht nennen, was hier rumliegt. Das ist eher Matsch, der ganz schnell andere Farben annimmt.
Ok, immerhin mehr, als wir hier haben.
Bei dem, was da in Sachen Klimaerwärmung abläuft, musst du dich aber nicht wundern. Vielleicht sollte ein gewisser George W. Bush seinen Arsch mal wieder zu einem Kyoto-Abkommen bewegen und sich auch an die Abmachungen halten.
Wäre 'ne Idee, aber ich bezweifle, dass der Kerl kapieren würde, um was es da überhaupt geht. Lass uns lieber zu den erfreulicheren Dingen kommen. Da wäre zum Beispiel euer neues Album, das mal wieder wirklich stark ausgefallen ist.
Oh, danke schön. Das ist doch mal etwas, das man gerne hört. Scheint so, als ob wir dieses Mal wirklich gute Arbeit abgeliefert haben, denn bisher hab ich von allen Stellen fast ausschließlich positives Feedback bekommen. Das tut natürlich gut, sowas zu hören.
Wie findest du es eigentlich, diesen ganzen Interview-Kram schon wieder zu machen? In Finnland ist die Scheibe ja schon seit ein paar Monaten auf dem Markt, und ich nehme an, du hattest da auch schon einige Pressearbeit zu erledigen.
Ja, aber ich finde diese zeitliche Verzögerung zwischen den Veröffentlichungen gar nicht schlecht. So hab ich ein wenig mehr Zeit, mich um alles zu kümmern. Ganz im Unterschied zu den eigentlichen Aufnahmen für das Album. Da waren wir so im Stress, dass wir die Scheibe beinahe schon auf der Flucht aufgenommen haben, hahaha. Die finnischen Interviews hab ich schon vor ein paar Monaten gegeben, und jetzt kümmern sich Nuclear Blast um den Rest von Europa. Bisher bin ich mit deren Arbeit absolut zufrieden, denn so viele Interviews habe ich zu Tarot eigentlich noch nie gegeben.
Dabei wurde euer letztes Album "Suffer Our Pleasure" doch vom Major-Riesen Universal veröffentlicht.
Ja, aber das war dennoch eher ein Schuss in den Ofen. Wir haben das Album hier in Finnland für Spinefarm aufgenommen, die hier auch ein wirklich gutes Label mit tollen Bands sind. Die haben ihre Rechte dann an Universal verkauft, wovon wir zu dem Zeitpunkt aber nichts wussten. Das hast sich natürlich enorm auf die Lizenzrechte außerhalb Finnlands ausgewirkt, wir sind letztendlich bei irgendeiner Tochterfirma von Universal gelandet und bekamen keine nennenswerte Promotion für unser Album. Den Fehler wollten wir nicht zweimal machen, weswegen wir nun zu KingFoo Entertaiment hier in Finnland gewechselt sind, und die haben uns für den Rest Europas an Nuclear Blast weiter vermittelt. Damit sind wir voll und ganz glücklich, weil die für eine Band unserer Größenordnung einfach viel mehr Einsatz bringen.
Da hast du wohl Recht. Lass uns mal über den Titel sprechen. Wie habe ich denn "Crows Fly Black" zu verstehen?
Hm, der Albumtitel ist wie ein Statement oder eine Einstellung zu verstehen. Es geht darum, welche Art Menschen wir in der Band sind, wie wir die Dinge angehen usw. Über Schlachtfeldern kreisen immer diese schwärzen Krähen. Wir bevorzugen schwarz als Kleidung, wir spielen diese düsteren Musik, und der Titel klingt einfach gut. Beim Songtitel ist das allerdings was anderes. Der Text ist eine komplette Fantasystory und soll einfach nur eine Geschichte erzählen. Obwohl das Album und der entsprechende Song den selben Titel haben, behandeln sie doch unterschiedliche Themen.
Du hast vorhin erwähnt, dass die Aufnahmen zum Album recht hektisch abgelaufen sind. Woran lag's?
Naja, wir hätten eigentlich schon letzten Winter mit den Aufnahmen anfangen sollen. Allerdings hatten wir aber noch nicht genügend Material. Das lag zum einen sicherlich an mir, da wir mit Nightwish ein recht hartes Jahr hinter uns hatten. Ich musste mir da erst einmal eine Auszeit nehmen, um mit mir selbst und meiner Umgebung wieder ins Reine zu kommen. Das hat die Sache natürlich ein wenig verzögert, und als wir im Sommer schließlich mit den Aufnahmen begannen, hatten wir natürlich schon längst ein paar Sommerfestivals gebucht. Außerdem ging es mit Nightwish langsam wieder mit den Proben los, wir begannen mit einigen Demoaufnahmen, und nebenher hab ich auch noch 'ne Familie, die mich beansprucht und die ich natürlich auch sehen will. Da kam schon einiges zusammen. Das war auf der einen Seite zwar höllisch viel Stress, auf der anderen Seite hatte es aber den Vorteil, dass wir unsere Songs quasi aus dem Bauch heraus gemacht haben. Wir hatten keine Zeit, alles groß durchzudiskutieren. Alles was sich gut angefühlt hat, haben wir letztendlich auch so verwendet. Als ich schließlich die Mastercopy in der Hand hielt, dachte ich nur: 'Was zur Hölle haben wir da denn gemacht?' Ich musste mir ein, zwei Wochen nehmen, um eine gewisse Distanz zu bekommen. Dann habe ich den Zugang allerdings gefunden und war echt zufrieden damit, hahaha.
Es war einfach der richtige Zeitpunkt. Gesanglich war er schon eine ganze Zeit lang soweit, aber mit den Aufnahmen zur neuen Scheibe schien uns der Zeitpunkt einfach gekommen. Als er damals zu unserer Truppe gestoßen ist und sich um die Lightshow gekümmert und ein paar Backing Vocals übernommen hat, war er einfach noch nicht so weit. Dass wir diesen Schritt nun gemacht haben, war auch fast schon zufällig. Ich hab diesen Song "Bleeding Dust" geschrieben und hatte dort eben diese ganzen Strophen und den Refrain, die vom Gesang her aufgeteilt sind. Ich dachte mir nur, wenn wir das authentisch bringen wollen, brauchen wir zwei Sänger. Bis mir auf einmal klar wurde: 'Hey, wir haben zwei Sänger!' Als ich diesen geistigen Schritt getan hatte, war auch schnell klar, dass wir solche Sachen viel öfter bringen können. So kam der Stein schließlich ins Rollen, und nun ist Tommy also ein vollwertiges Mitglied von Tarot.
Ok, bei den neuen Songs bist du also entsprechend schon mit dem Hintergedanken an zwei Sänger an die Sache rangegangen. Wie stellt ihr euch das aber bei den älteren Songs vor? Wollt ihr da Tommy in Zukunft auch verstärkt mit einbinden?
Ja, durchaus. Wir haben auch schon einige Songs entsprechend abgewandelt, dass wir live den Gesang 50/50 aufteilen. Das wird nicht immer klappen, so dass mein Gesangsanteil auch in Zukunft etwas größer ausfallen wird, aber das ist schon ok. Wir arbeiten auch noch an einigen älteren Songs, um die Gesangsleistungen so gerecht wie möglich aufzuteilen.
Wann ist Tommy denn genau bei euch eingestiegen.
Puh, wann war das denn ... ich glaube zum ersten Mal hat er 1995 bei der Tour zum "Stigmata"-Album live ausgeholfen. Als Backgroundsänger war er schon auf dem vorhergehenden Album dabei, und ich kenne den Kerl schon seit Ende der 80er.
Ihr habt zwischen euren Veröffentlichungen immer ganz schön lange Pausen gehabt.
Ja, das stimmt wohl. Die ersten beiden Scheiben kamen Ende der 80er raus, und danach kam erst einmal eine fünfjährige Pause. Das lag aber hauptsächlich daran, dass wir an Stelle eines zweiten Gitarristen einen Keyboarder in die Band holten, diverse Probleme mit unserem Label hatten, dort schließlich rausflogen und einen neuen Deal suchen mussten. Das war mit der Art unserer Musik aber alles andere als einfach, da in Finnland zu der Zeit ausschließlich Thrash Metal bei den entsprechenden Labels angesagt war. Das hat ganz schön lange gedauert, bis wir wieder bei einem Label untergekommen sind. Danach waren die Pausen eigentlich gar nicht mehr so lange. Dass "For The Glory Of Nothing" so spät erschien, war Labelpolitk. Das Album war da schon seit geraumer Zeit fertig und hätte veröffentlicht werden können. Zu der Zeit war ich schon nach Helsinki gezogen, um mir dort einen Job als Soundengineer oder ähnliches zu suchen. Außerdem kamen noch diverse persönliche Probleme hinzu - es ging mir eine ganze Zeit ziemlich beschissen, kann ich dir sagen. Es ging eigentlich erst wieder aufwärts, als ich von Sinergy engagiert wurde und von denen schließlich zu Nightwish gewechselt bin. Das hat mir natürlich kaum Zeit gelassen, mit den Jungs von Tarot noch was zu machen. Aber sobald wir von der Nightwish-Tour wieder zurück waren, haben wir uns sofort wieder auf Tarot konzentriert und "Suffer Our Pleasure" veröffentlicht. Dafür lief dann aber, wie schon erwähnt, nicht viel, wir hatten nur ein paar Konzerte hier in Finnland. Dann ging es mit Nightwish richtig los, und das letzte Jahr war eben verdammt hart in jeder Beziehung. Das hat natürlich die Veröffentlichung von "Crows Fly Black" ebenfalls verzögert. Ich hoffe, es wird nächstes Jahr besser laufen.
Wie weit seid ihr denn bei Nightwish?
Tja, wir haben schon jede Menge Songs geschrieben und eben auch schon einige Sachen aufgenommen. Drums, Bass, Gitarre und Keyboards stehen soweit eigentlich. Jetzt hoffen wir natürlich alle darauf, dass wir eine tolle, neue Sängerin finden, die auch menschlich richtig gut zu Nightwish passt, denn wir anderen sind alle sehr gut miteinander befreundet. Wir brauchen eben einen echte Einheit.
Du hast bei Nightwish ja mehr oder weniger als bezahlter Gastmusiker angefangen.
Im Prinzip schon. Ich wurde damals für die Aufnahmen für "Century Child" eingeladen, und wir wollten einfach mal sehen, wie sich die Sache entwickelt. Aber schon nach den ersten Proben war eigentlich klar, dass die Chemie zwischen uns gestimmt hat, und nach den Aufnahmen war ich recht schnell ein festes Mitglied bei Nightwish.
Genau, und wenn ich mir euer Seite auf MySpace anschaue, dann sieht man auf dem Hauptbild nur dich und Tuomas. Seid ihr zwei inzwischen so was wie der Kern oder das Gehirn der Band?
Phhh, würde ich so nicht behaupten. Tuomas ist eindeutig der Kern, das Gehirn und vor allem das Herz von Nightwish. Ich bin ein Teil der Band, aber dabei nicht mehr oder weniger wichtig als Jukka oder Emppu. Wir alle haben unsere feste und wichtige Position in der Band, doch Tuomas ist so was wie der Kapitän, der anzeigt, wohin die Reise geht und der sagt, wann was getan werden muss.
Inwiefern unterscheidet es sich für dich, einen Song für Nightwish oder für Tarot zu schreiben?
Bei Nightwish gibt es bestimmte Regeln oder einen bestimmten Rahmen, in dem sich ein Song bewegen sollte. Das ist aber kein großes Problem für mich, denn ich schreibe Musik einfach so, wie sie mir in den Sinn kommt. Erst dann überlege ich mir, ob das eher was für Nightwish wäre oder vielleicht doch lieber was für Tarot. Natürlich schreibe ich deutlich mehr Material für Tarot, denn Tuomas ist in Sachen Nightwish nun mal ganz klar die Nr. 1, was das Songwriting angeht. Ich zeige ihm meinen Ideen, und wenn sie ihm gefallen, werden sie genommen, wenn nicht, dann fallen sie eben unter den Tisch. Hätte ich aber Tarot nicht neben Nightwish noch als meinen persönlichen Output, dann würde ich mit Sicherheit noch in einer anderen Band spielen. Irgendwo muss ich meine Ideen nämlich verbraten können, hahaha.
Du machst ja auch so oder so jede Menge Gastbeiträge bei anderen Bands.
Ja, aber lang nicht mehr so viel wie früher. Da fehlt mir einfach die Zeit für. Zuletzt habe ich bei Amorphis' "Eclipse" ausgeholfen, was mir wirklich gut gefallen hat. Ich war das so was wie ein Vocal-Coach, das hat Spaß gemacht.
Stimmt, das werden wir noch etwa bis Mitte Januar tun. Wir haben schon ein paar aussichtsreiche Kandidaten und haben auch schon ein paar Sessions mit möglichen Sängerinnen gehabt, aber es ist nach wie vor alles offen.
Wird es letztendlich eine demokratische Entscheidung darüber geben, wer den neuen Posten am Micro bekommt, oder ist Tuomas die letzte Instanz?
Es hört sich zumindest jeder von uns sämtliche Tapes an und gibt sein persönliches Urteil dazu ab. Dabei hat sich schon schnell rauskristallisiert, dass wir doch im Großen und Ganzen den selben Geschmack und die gleichen Vorstellungen von der neuen Nightwish-Sängerin haben. Ich glaube als nicht, dass Tuomas da überhaupt ein Machtwort sprechen muss, sondern dass wir letztendlich die Wahl eh einstimmig treffen werden.
Sucht ihr eine Stimme, die der von Tarja sehr ähnlich ist, oder sucht ihr eher nach was anderem?
Letztendlich sollte sich die Stimme schon von Tarjas unterscheiden, aber wir legen uns da auch nicht fest. Wo der Background der jeweiligen Sängerin liegt, ist dabei vollkommen egal, sie muss nur das besondere Etwas haben. Sie muss einfach ein breites Spektrum und vor allem jede Menge Power haben!
Hast du seit dem Split noch Kontakt zu Tarja?
Nicht wirklich. Ich habe ihr Weihnachtsalbum bekommen und mal angehört aber damit hat sich's auch.
Bist du traurig oder enttäuscht darüber, dass es auch diese Weise geendet hat?
Überlegt sehr lange: Auf eine gewisse Art schon. Ich vermisse auf jeden Fall die guten und freundschaftlichen Zeiten, die wir hatten. Aus einer gewissen Distanz betrachtet, gab es einfach zu viele Gelegenheiten, an denen wir vollständig aneinander vorbeigeredet haben oder uns einfach gegenseitig nicht verstanden und verständigt haben. Allerdings bin ich nach wie vor der Meinung, dass sie und ihr Mann sich ihr eigenes Grab gegraben haben. Sie haben sich immer mehr von uns isoliert und alles, was wir sagten und taten, ignoriert. Sie habe wirklich so viele Anzeichen und Warnungen ignoriert. Wir haben ihnen gesagt, was wir für die Band als wichtig erachten, und es hat die beiden einfach nicht interessiert, sie hörten nicht zu.
Ok, genug davon. Auf der deutschen Ausgabe von "Crows Fly Black" ist ein Sticker mit der Aufschrift "Marco Hietala from Nightwish". Ich nehme nicht an, dass ihr diese Werbung in Finnland nötig habt, oder?
Nicht wirklich, das können wir uns wohl sparen. Ich kann aber verstehen, dass Nuclear Blast mit dieser Art Werbung arbeiten, denn im Gegensatz zu Tarot sind Nightwish international ja schon eine recht große Nummer. Da ist es dann nur legitim, auch mit diesem Namen ein wenig Werbung zu machen und für Aufmerksamkeit zu sorgen. Wenn es die Aufmerksamkeit der Leute erregt, um auch Tarot mal eine Chance zu geben und in das Album reinzuhören, warum nicht? Letztendlich ist ja doch eine Frage der Musik, ob wir damit Erfolg haben oder nicht. Wenn sie den Leuten gefällt, ist das klasse, wenn nicht, dann stinken wir eben ab, hahaha.
Wie hoch seid ihr denn mit der aktuellen Scheibe in Finnland in die Charts eingestiegen?
Wir sind direkt auf Platz 5 gelandet, was nicht der Oberhammer ist, aber auch nicht schlecht. Immerhin sind die Weihnachtsverkäufe zu dem Zeitpunkt losgegangen, und Mr. Robbie Williams stand ebenfalls mit neuem Album da. Somit war der erste Platz schon mal fest belegt, hahaha. Dafür sind wir im Frühling mit unserer Single direkt auf Platz 1 eingestiegen, und da sind wir schon verdammt stolz drauf.
Was hältst du von der Lordimania? Hat sich das ohnehin schon gute Klima für Metal in Finnland noch mal verändert?
Puh, Alter, das könnte ich so nicht behaupten, aber ich denke mal, zumindest für Lordi selbst dürfte sich einiges verändert haben, hahaha. Ich finde das immer noch weltklasse, dass Lordi den Eurovision Contest gewonnen und die ganzen Techno- und Pop-Luschen in die Schranken verwiesen haben. Da hat sich ganz Europa endlich mal für Rock und Metal ausgesprochen.
Hast du gehört, dass er jetzt auch ein eigenes Lordi-Restaurant eröffnet hat?
Ja, ich war auch zur Eröffnung eingeladen, konnte aber leider aus Zeitgründen nicht hingehen. Hin und wieder will ich mich dann doch lieber um meine Familie kümmern.
Dann wünsche ich dir und deiner Familie schon einmal frohe Weihnachten und sowohl Tarot als auch Nightwish viel Erfolg im neuen Jahr.
Danke, dir auch frohe Weihnachten, und vielleicht sehen wir uns ja auf irgendeinem Konzert.
Wen schickt man zum Interview-Termin mit Martin Kesici und Tarja Turunen in die Karnevalshölle? Na klar, den Edele. Ob der sich jetzt in Mainz vor krawattenkürzenden Hausfrauen versteckt oder in Köln bleibt sich eh gleich.
Von der Faschingshochburg also in die Karnevalsmetropole, um dort vor dem eigentlichen Interview beim gemeinsamen Fachsimpeln festzustellen, dass der Star Search-Gewinner tatsächlich tief im Metal verwurzelt ist. Beim gemeinsamen Plausch mit der Nightwish-Frontdame gab es aber andere Themen.
Martin, war das deine Idee, etwas mit Tarja zu veranstalten, oder wer kam mit dem Vorschlag an?
Martin: Das war schon meine Idee. Als wir den Song geschrieben hatten, war mir sofort klar, dass ich das als Duett machen will. Wir haben den Song in Schweden geschrieben und ich hatte von Beginn an das Gefühl, dass eine Opernstimme dazu passen könnte. In Deutschland ist die Auswahl aber nicht sonderlich groß, und Tarja hatte ich auch gleich als mögliche Kandidatin im Hinterkopf. Ich habe dann mein Label gebeten, beim Management von Tarja einfach mal anzufragen, ob da nicht was möglich wäre. Überrascht war ich allerdings schon, als ziemlich schnell die Zusage kam.
Sie war also deine erste Wahl?
Martin: Ja, eigentlich schon.
Tarja: Bist du sicher, dass ich nicht die letzte Hoffnung war? (lacht)
Martin: Quatsch, in Deutschland gibt es ja nichts vergleichbares zu deiner Stimme. Nina Hagen kommt in die Nähe, passt aber in den Song nicht so ganz rein. Also warst du meine erste Wahl.
Tarja, kennst du das Konzept, aus dem Martin hervorgegangen ist? Habt ihr in Finnland auch etwas wie Star Search?
Tarja: Nein, wir haben nur Postars und Idols, das unterscheidet sich sehr von dem Star Search Konzept. Als Martin bei Star Search gewonnen hat, habe ich gerade in Karlsruhe Gesang studiert und das dadurch mitbekommen. Aber wodurch er letztendlich bekannt geworden ist, spielt doch keine Rolle. Ich finde es eher toll, dass auch jemand mit einem Background wie Martin bei so etwas gewinnen kann. Seine Stimme ist einfach toll, sie war es auch, die mich beeindruckt hat.
War er dir also schon vorher bekannt?
Tarja: Bekannt kann man nicht sagen. Als ich aber den Song und vor allem seine Stimme hörte, habe ich mich recht schnell dazu entschlossen, mitzumachen.
Wie lief das dann ab? Alles per E-Mail und mp3?
Tarja: Wir sind per E-Mail zwar zum ersten Mal in Kontakt getreten, aber zu meinen Aufnahmen war Martin mit im Studio. Er hat mir den Song mit seinen Aufnahmen zugeschickt, und ich hab mit meine Gedanken dazu gemacht. Er kam dann nach Helsinki in die Finnvox Studios, und dort hab ich meine Sachen eingesungen.
Also waren deine Sachen schon aufgenommen?
Martin: Ja schon, der Song stand zu 70 - 80%. Tarja hat den Text noch etwas verändert, bei Gesangslinien und Stil hatte sie völlig freie Hand. Wäre auch Blödsinn, einer Sängerin wie ihr vorzuschreiben, was und wie sie singen soll.
Tarja: Ich habe sie einfach aus dem Studio raus geschmissen und ihnen später das Ergebnis präsentiert, haha. Sie haben sich's dann angehört und gesagt, oh, das ist schön.
Warst du zu schüchtern, um die anderen im Studio zu lassen?
Tarja: Ja, das kann ich gar nicht, da bin ich viel zu schüchtern. Ich muss mich sicher fühlen, wenn ich meine Gesangsstrophen einsinge. Da darf nicht mal ein Fenster sein.
Martin: Da bin ich aber auch nicht anders. Ich brauche im Studio beim Singen meinen Privatsphäre. Auf der Bühne ist mir das egal, aber wenn dich bei den Aufnahmen ständig Leute beobachten, das geht gar nicht.
Tarja: Genau, auf der Bühne ist das egal, da ist es eher toll, wenn dir die Leute zuschauen. Außerdem bekommst du davon gar nicht so viel mit, weil du ständig die Scheinwerfer im Gesicht hast. Im Studio ist das aber harte Arbeit, auf die ich mich konzentrieren muss, weil alles 100% stimmen muss.
Martin: Du hast da ja nur das Micro vor dir und musst auch noch die ganze Zeit still stehen, das ist für mich das Schlimmste.
Wo habt ihr das Video gedreht?
Martin: Das war in Finnland im Rosala Viking Center. Das ist ein Museumsdorf, das wir durch Zufall entdeckt haben. Da war vor uns noch nie ein Filmteam. Alles ist echt und original, da wurde nichts als Filmkulisse aufgebaut, sondern man kann alles genau so bewundern. Sogar das Schiff war original nachgebaut. Das war natürlich die optimale Kulisse. Ich hatte von Anfang an ein Konzept dieser Art im Kopf. Zuerst habe ich an so was wie Highlander gedacht, aber ich wolle auf keinen Fall auf einem Pferd sitzen müssen, haha. Das hat sich dann einfach wunderbar angeboten, und wir hatten verdammtes Glück mit dem Wetter, dem Licht und sogar der Temperatur.
Tarja: Ja, der Platz war wirklich wundervoll. Das ist an der Westküste, wo alle nur schwedisch sprechen. Auch der Namen Rosala Center ist schwedisch.
War dir eigentlich klar, dass sich dieser Promotionzirkus an die Produktion anschließen würde? Immerhin bist du doch gerade mit Nightwish auf Tour.
Tarja: Ja, das war mir schon klar, haha. Ich bin den Stress gewohnt. Wir haben das auch im Vorfeld abgesprochen, dass wir den einen oder anderen Auftritt zusammen absolvieren und auch die Promotion zusammen machen. Wir hatten mit Nightwish den Januar über Pause, und ich habe mit meinem Mann in Costa Rica einen herrlichen Urlaub verbracht, aber jetzt geht’s wieder richtig los.
Auf deiner Homepage habe ich gelesen, dass du gern Didgeridoo spielst, Martin. Stammen die Sounds zu Beginn des Songs also von dir?
Martin: Ja, aber wir mussten das ganz schön runterpitchen. Das hätte sonst mit Tarjas Tonlage nicht mehr harmonisiert. Deswegen haben wir uns einfach darauf geeinigt, die eingespielten Töne runterzupitchen. Ich habe das Teil auch immer auf Tour dabei. Das ist ein Instrument, bei dem du dich herrlich entspannen kannst, weil es so einen schönen, warmen Klang hat.
Habt ihr den ganzen Trubel draußen vor der Tür mitbekommen?
Tarja: Oh ja. Ich habe mich nur gefragt, warum zur Hölle muss ich denn ausgerechnet JETZT hierher kommen, hahaha? Das ist wirklich ganz schön verrückt, die ganzen Menschen mit ihren seltsamen Kostümen und all dem Lärm und Müll.
Habt ihr in Finnland was in der Art?
Tarja: Ach komm, hör auf! Finnen machen solche Sachen nicht!
Wieso nicht?
Tarja: Vielleicht, wenn sie betrunken genug sind. Aber dann ziehen sie sich auch aus, haha.
Karneval in der Sauna?
Tarja: Jahaha, genau.
Textlich gesehen geht es in dem Songs doch darum, dass jemand eine Beziehung beendet, weil er sich darin eingeengt fühlt oder sich nicht selbst verwirklich kann, stimmt das?
Martin: Ja, zum Teil. Er fühlt sich eher entfremdet, weil er lange weg war. Manchmal im Leben steht man einfach vor dem Entschluss, jemanden zu verlassen, um ihm nicht zu sehr weh zu tun, und auch um sich selbst nicht unnötig zu verletzen. Das lässt sich auch auf die Musik projizieren. Als Musiker bist du oft weg und siehst deinen Partner nicht so häufig. Damit kommen viele nicht klar. Dann beendest du diese Beziehung vielleicht besser, damit der andere auch die Chance hat, mit jemand anderem glücklich zu werden. Ich umschreibe mit meinen Texten bestimmte Themen lieber, als dass ich spezifisch zu einer Sachen äußere.
Wenn du das schon auch auf das Musikbusiness beziehst: Wir haben uns ja vorhin schon kurz unterhalten, und du hast deine Wurzeln definitiv im Metal. Wann willst du es denn endlich mal wirklich rocken lassen? Du hältst dich nach wie vor eigentlich nur im Mainstream auf.
Martin: Hahaha, weißt du, man wird mit dem Alter ja auch flexibler und offener. Ich befasse mich privat auch durchaus mit Opern und solchen Sachen. Musikalisch angefangen habe ich mit Death Metal und mich aber auch nach und nach mit softern Sachen wie Queensryche beschäftigt. Es kommen ständig neue Sachen dazu, vor allem als Sänger suchst du doch ständig nach neuen Herausforderungen. Deswegen habe ich auch keine Problem mit soften Sachen und Balladen. Die besten Balladen stammen doch nach wie vor von Rock- oder Metal-Bands. Privat höre ich aber nach wie vor fast nur Metal. Wir haben uns vorhin ja schon über die letzten Scheiben von Exodus, Metal Church und Kreator unterhalten. Genauso gut darf es aber auch mal etwas Klassik sein.
Sind auf dem neuem Album ein paar härtere Sachen drauf?
Martin: Die sind auf jeden Fall härter als auf dem ersten, haha. Ich würde sagen, das ist bodenständiger, erdiger Rock. Ich bin damit sehr zufrieden, immerhin hab ich ja nie behauptet, dass ich jetzt richtigen Metal mache. Das hebe ich mir fürs Private auf. Da gibt es schon konkrete Planung für ein paar Nebenprojekte, die ein paar Überraschungen beinhalten werden.
Hast du das neue Album schon gehört, Tarja?
Tarja: Ja, noch nicht das fertige Endprodukt, aber die ungemasterte Promo. Gefällt mir recht gut, was er da macht. Es ist ein sehr kraftvolles Album.
Martin: Rein textlich könnte man auch durchaus erkennen, dass ich mit einigen Sachen nicht sehr zufrieden bin. Zwischen den Zeilen lassen sich doch ein paar Sachen heraus lesen.
Mit welchem härteren Act würdest du denn gerne mal was zusammen machen?
Martin: Hehe, ich würde gern im Vorprogramm von Metallica spielen, aber da bekomme ich dann wohl nur Flaschen an die Rübe. Das Duett mit Tarja war ja schon eine feine Sache, aber ich könnte mir durchaus auch eine Kooperation mit einer Hardcore-Band vorstellen, oder so was in dem Stile wie Anthrax mit Public Enemy angestellt haben. Aber mit Sido oder den anderen deutschen Rappern kannste so was ja nicht machen. Das ist doch eher Kinderrap. Von dem Kram, den du auf VIVA und MTV siehst, da gibt es nichts, was mich auch nur ansatzweise interessieren würde.
Das letzte, was in dieser Richtung wirklich gut war, war der Judgement Night-Soundtrack.
Ja, da gab's ein paar wirklich gute Sachen drauf.
Stand von dir nicht auch ein Soloalbum an, Tarja?
Tarja: Nein, keine Album. Das war nur die Single mit Weihnachtsliedern. Das war einfach nur eine nette Idee, die Leute in Weihnachtsstimmung zu bringen. Ein echtes Soloalbum wird es erst 2006 geben. Vorerst war wirklich nur die Single geplant, und die eigentlich auch nur für Finnland. Sie ist in Deutschland zwar auch erschienen, aber das Ergebnis ist so lieblos und mies geworden, dass ich darüber sehr enttäuscht bin und mich jetzt noch ärgere. Es lief wirklich alles falsch, sogar meine Name ist falsch geschrieben, auf einmal heiße ich Tarunen. Es ist einfach eine Schande, wie lieblos und schlecht die Single behandelt wurde. Aber ich fange so langsam an, meine Solokarriere neben Nightwish zu starten.
Martin: Ich verstehe auch nicht, warum die Leute oft denken, dass "Leaving You For Me" ein Gothic Rock-Song sein soll. Nur weil Tarja dabei ist? Was für ein Quatsch, ich wollte schlicht und ergreifend einen fetten atmosphärischen Song machen, der einfach nur rocken soll.
Ich frage mich aber immer noch, was der Text denn mit dem Video zu tun hat.
Martin: Wieso, ist doch eigentlich offensichtlich. Es spielt einfach nur in der Wikingerzeit, und ich als Stammesführer komme eben von einem meiner Raubzüge zurück und merke, dass ich mich von meiner Frau und meiner Umgebung dort entfremdet habe. Ich muss da einfach wieder raus. Die Klamotten, die wir da anhaben, sind wirklich original. Die Wikinger rennen nicht dauernd in Fellen und mit Hörnerhelm durch die Gegend, sondern in den Klamotten, die wir da tragen. Wir hätten auch irgendein Video in Deutschland in einem Hotel drehen können, das die Story rübergebracht hätte, aber ich interessiere mich einfach sehr für die nordische und keltische Kultur und deswegen eben so.
Tarja, habt ihr in Finnland auch so dämlich Reality-Shows wie "Das Dschungel Camp" oder jetzt "Die Burg"?
Tarja: Oh Gott, ja, so einen Scheiß gibt es auch bei uns. Das ist wirklich furchtbar, dass man mit so was im Fernsehen belästigt wird.
Käme es für euch in Frage, bei so einem Kram mitzumachen?
Tarja: Auf keinen Fall!
Martin: Die haben mich gefragt! Ob du's glaubst oder nicht, die haben mich hintenrum vor ein paar Monaten gefragt, ob ich auf die Burg will. Ich konnte es gar nicht glauben, wie tief muss man denn sinken, um bei so was mitzumachen. Das machen doch nur Leute, die jede Menge Schulden am Arsch haben und einfach die Kohle brauchen. Aber so was habe ich echt nicht nötig. Ich will auch gar nicht mehr so oft im Fernsehen sein, denn erstens haben die Leute die Schnauze zu schnell von dir voll und zweitens kommt das einfach nicht ehrlich rüber.
Tarja: Mir hat es ja schon gereicht, dass ich einmal in einer Kochshow aufgetreten bin. Zum Glück hatte ich einen Koch dabei, dem ich eigentlich nur die Sachen gereicht habe. Alles andere hat er übernommen, haha. Das war noch ganz witzig, aber alles weitere ist definitiv nicht mein Fall.
Martin, du hattest ja auch schon so deine Erfahrungen mit der Bild-Zeitung.
Martin: Ach du meinst die Drogenstory und die mit den nackten Frauen? (Tarja bekommt ganz große Augen) Jahaha, das war einfach Rock'n'Roll, ich hatte zu der Zeit keine Freundin und war mit Thomas Wohlfahrt, dem anderen Finalisten, in einer Table Dance Bar, also so what. Da war dann eben ein Bild-Reporter, der gleich mal mit der Kamera drauf gehalten hat. Wegen den Drogen ... ich bin ja vorbestraft und habe damals zwei Jahre auf Bewährung bekommen. Das ist sieben Jahre her, und ich stehe da auch zu, da muss man keinen Wind drum machen. Jeder hat mal Scheiße gebaut, und ich wurde einfach erwischt.
Würdest du denen noch mal ein Interview geben?
Nö, ganz klar, nein!
Hast du auch mit Klatschpresse so deine Probleme, Tarja?
Tarja: Ja, klar. Da stehen oft genug Paparazzi vor unserem Haus. Aber mit denen gebe ich mich überhaupt nicht ab und kommentiere auch nichts von dem, was sie sagen und schreiben. Die denken tatsächlich, mein Mann wäre Multimillionär, und das ist echt ein Brüller, haha.
Martin: Ich hab gestern auch in der Bild gelesen, dass ich mit meiner ersten Single so viel Geld verdient habe, dass ich mir in meinem Haus ein eigenes Studio einrichten konnte. Dass mein Studio in Wahrheit aus einem Laptop, zwei Boxen und einem Harddisc-Recorder besteht, spielt für die keine große Rolle. Auch nach meinem Autounfall hatte ich die Typen im Arztkittel bei mir am Krankenbett stehen. Ich sah noch aus wie frisch gelegt, und die wollen Fotos und Interview. Die waren schon eine Minute nach der Feuerwehr am Unfallort. Das ist doch ohne Worte!
Imaginearum (2011)
End Of An Era (2006)
End Of Innocence (2003)
Over The Hills And Far Away (2001), From Wishes To Eternity (2001), From Wishes To Eternity (2001), Wishmaster (2000), Oceanborn (1998), Angels Fall First (1997)
| So | 11.08.2013 | Nightwish Mera Luna Festival (Hildesheim) |
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was für muke hören nightwish fans noch? Minneyar |
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Nightwish - Angels Fall First (1997) Vegeto |
11 |
04.10.06, 14:59 Kamu-chan |
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