laut.de-Kritik

Eine Lehrstunde der Entschleunigung.

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Es scheint paradox, einer flüchtigen Kunst wie der Musik, die sich lediglich im Moment entfaltet, das Etikett Körperlichkeit anhängen zu wollen. Und doch rufen gewisse Stilmittel solche Assoziationen hervor. Dass in der elektronischen Musik nicht nur Halleffekte und Soundteppiche Teil dieser Illusion sind, beweist Nicolas Jaars Langspieldebüt "Space Is Only Noise" überdeutlich.

Die leisen Zwischentöne stets im Blick, erschafft der 21-jährige New Yorker mit chilenischen Wurzeln aus mannigfaltigen Samples und changierenden Downtempo-Beats ein ausuferndes Album von geradezu erschreckender Kohärenz. Weitab von Sample-Flickenteppichen Frankenstein'scher Ausprägung vereint Jaar Meeresrauschen und Handclaps, Godard-Zitate und House-Bässe.

"Space Is Only Noise" präsentiert sich als Legierung verschiedener Elemente, die, im Gegensatz zu den bisher veröffentlichten EPs, nur bedingte Tanzbarkeit aufweist. Nur selten steigt die bpm-Zahl, jedoch ohne dabei an Atmosphäre oder Komplexität zu verlieren ("Space Is Only Noise If You Can See", "Specters Of The Future", "Variations").

Jaar legt den Fokus auf die Zwischenräume: das Rauschen von Meer oder Vinyl, das sanfte Auf- und Abblenden unterschiedlicher Spuren. Auch ist genug Raum für überraschende Einsätze oder windschiefe Klänge gegeben, was der Platte jene Körperlichkeit verleiht. Voraussetzung für diese offenen Formen finden sich in der Referenzliste des Literaturstudenten. Mulatu Astatke, Erik Satie oder Ray Charles – dem hier mit "I Got A Woman" ein Denkmal gesetzt wird – zeugen von gereifter musikalischer Weitsicht.

Mit "Space Is Only Noise" folgt – neben James Blakes selbstbetitelter LP – bereits das zweite Debütalbum eines massiven 2010er Hypes. Fadenscheinige Vergleiche zwischen beiden "Wunderkindern" bleiben nicht aus. Ungeachtet der unterschiedlichen Konzeptionen scheinen Blake und Jaar 2011 die milchgesichtige Doppelspitze der elektronischen Popmusik auszumachen. Neben ihrer berechtigten Popularität eint sie allerdings eines: großes Talent in der Kunst der Entschleunigung.

Trackliste

  1. 1. Etre - Intro
  2. 2. Colomb
  3. 3. Sunflower
  4. 4. Too Many Kids Finding Rain In The Dust
  5. 5. Keep Me There
  6. 6. I Got A Woman
  7. 7. Problems With The Sun
  8. 8. Space Is Only Noise If You Can See
  9. 9. Almost Fell
  10. 10. Balance Her In Between Your Eyes
  11. 11. Specters Of The Future
  12. 12. Trace
  13. 13. Variations
  14. 14. Etre - Outro

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