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"Genug von dem weinerlichen Getue!" Unser aller Michel, seines Zeichens maximo líder der Spaßguerilla in der Redaktion, verbietet mir schon nach wenigen Takten, unsere heiligen Hallen weiter mit Nick Caves Klagelauten zu beschallen. Er fürchtet wohl, die Melancholie sei virulent - da könnte er Recht haben. Denn die Songs von "No More Shall We Part", der mittlerweile elften Studioproduktion, die der Australier mit den Bad Seeds eingespielt hat, gehen mit ihren traurigen Melodien sogleich durch Mark und Bein.
Im Opener erzeugt zunächst Caves Stimme mit fragiler Vibrato-Technik über schwebenden Akkorden ein Gefühl von Unsicherheit und Bedrohung, im folgenden Titelstück ist bereits die Melodie infiziert: die absteigende Melodie des Klaviers würde auch Chopins Trauermarsch Ehre machen. Da haben Schlagwerk oder Gitarre keinen Platz: wie auf dem ganzen Album streut Cave die 'verdorbenen Samen' nur dort, wo Dramatik wachsen und gesteigert werden soll, und gibt ansonsten den einsamen Singer/Songwriter am Piano.
Im grandiosen "Hallelujah" spiegelt und bricht zwar eine Violine die wiederum in dunkle Tiefen weisenden Gesangslinien Caves, doch wirkt auch diese keineswegs zuversichtlich. Immer schwerer scheint ihr im weiteren Verlauf des gut sieben Minuten dauernden Songs der Aufstieg zu fallen, immer länger verharrt sie, bevor sie ihn in Angriff nimmt. Zur Wirkung bei tragen hier wie anderswo der souveräne Umgang mit Wechseln zwischen Dur und Moll sowie diverse tonale Ungewissheiten. An vielen Stellen hat der Hörer keine Chance, voraus zu ahnen, wie der Song weiter gehen könnte, zu vieldeutig sind die zahlreichen Hinweise, mit denen sich Cave übrigens auch als großer Arrangeur erweist.
Vieldeutig, wie könnte es bei Cave anders sein, sind auch die wieder überaus poetischen Texte. Es bleibt uns überlassen, ob wir in "Fifteen feet of pure white snow" eine Parabel von den erdrückenden Wirkungen ausschweifenden Drogenkonsums oder einfach die letzten Gedanken eines Lawinenopfers erkennen wollen. Bei anderen Stücken ist die Irreführung noch raffinierter konstruiert. So fragt uns Cave erst ganz am Schluss vom gebetsmühlenartig beschwörenden "God is in the house", was er uns dort nutzt: "Oh I wish He would come out"!
Weitere Anspieltipps erübrigen sich, das selbst für Caves Verhältnisse ungewöhnlich dichte Album hat eigentlich kaum Schwächen. Allerdings verschwindet, wer wie ich von Vergnügungssüchtigen umgeben ist, womöglich für Wochen unterm Kopfhörer.
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Moinsen mal in die Runde.....
Was wird hier denn so von Nick Cave gehalten?
Zum Beispiel, von der -ok nicht mehr ganz- neuen CD "No more shall we part"?
Gern auch ein paar Kommentare zu alten Machwerken von Ihm und den Bad Seeds!
Meine Begeisterung beschränkt sich trotz intensiveren Reinhörens bis jetzt echt weitgehend auf den ersten Track ("As I sat sadly...." - auch mal wieder ein ziemlich stranges Video).
Würd sagen, die kann nicht mit den "Klassikern" wie Boatman's call oder Good Son mithalten.....
Ich find die "No more shall we part" nahezu genial. Besonders "Om my lord". Mal wieder ein genialer Text. "15 feet", "As i sat sadly...", "My sorrowful wife" - alles saugeile SOngs. Würde eher sagen, dass Cave mit dem Alter besser wird. War auch auf'm Konzert in München - geniale Show. Der Mann sagt fast kein Wort zwischen den Songs, hat aber so ne Ausstrahlung, dass es das gar nicht braucht. Absolut beeindruckend. Und man nimmt ihm auch alles ab, was er singt (sogar seine Psychosachen von der "Murder Ballads").
Ja, ich war auch in münchen dabei und ich war von der ersten zeile ("where is mona.....?") an absolut begeistert. schwer zu beschreiben, dieser stil, eine unglaubliche intensität und trotzdem ist er natürlich immer ein gebrochener mann. vom neuen album gefallen mir nicht nur das vom stil her ziemlich neue -as is sat sadly...- sondern eigentlich alle. so ironisch und gleichzeitig toternst war er davor, glaube ich, noch nie. einfach eine grandiose schreibe, die er besitzt.
trotzdem sprechen mich die lieder auf "the boatmann's call" auf die dauer irgendwie mehr an, irgendwie ehrlicher und persönlicher.
ein highlight bei der show in münchen war natürlich auch der alle grenzen sprengende "blixa schreih" gegen ende...
und das bisschen was er zwischen den liedern von sich gegeben hat hat sich dafür um so tiefer in mein gedächtnis gegraben, z.b. "uhm, that guy there (blixa), he's german, too"
ehrlich gesagt: das einzige album, was ich besser als "no more..." finde, ist der vorgänger, "boatman´s call", weil nicht ganz so bombastisch, sondern unprätentiöser, nicht ganz so grosse gesten, minimalistischer und stille wasser gründen tief.
hab mich aber mal wieder gefreut, so einen aufbrausenden song wie "the sorrowful wife" zu hören.
Also, ich muss hier wahrscheinlich auch mal meinen Senf dazu abgeben. Ich hab den großen Meister dieses Jahr endlich auch mal wieder live miterlben dürfen, und zwar in München. Wie schon gesagt, war es einfach ein wirklich geniales Konzert. Zwar vielleicht nicht mehr ganz so wie früher, aber die Zeit macht ja auch vor einem so genialen Musiker nicht halt. Was ich an Platten von ihm besonders schätze, ist eigentlich schwer zu sagen. "From her to eternity" gefällt mir persönlich wahnsinnig gut. Weg von irgendwelchen musikalischen Konventionen, hinein in ein Hörerlebnis, das vielleicht noch ein bisschen mit dem ein oder anderen EN-Song zu vergleichen wäre, zumindest vom Konzept hert. Sein "The firstborn is dead" hatte dann schon etwas mehr "Ordnung" und kam mit diesem gewissen Western-/Cowboy-Style rüber. Ganz besonders natürlich bei "Wanted Man". Naja, dann könnt ich bis zur "The Good Son" eigentlich nicht viel erwähnen, außer vielleicht das z. T. wirklich geniale "Tender Prey". Wie gesagt, "The Good Son" war dann ein wichtiger Wendepunkt in seiner Musik und einfach auf eine andere Art und Weise mehr als nur genial. Spitze, aber auch wieder leicht anders, dann eben "Henry's Dream". Wieder etwas anders, aber noch genialer Vorangegangenes, dann mit "Let Love In" eins seiner besten Alben. "Murder Ballads" fand ich persönlich, trotz einiger Hits für Cave-Verhältnisse, doch eher bescheiden, obwohl Songs wie "Stagger Lee", "Crow Jane" oder eben auch das 14-Minuten-Epos "O Malley's Bar" wieder genial waren. Mit "Boatman's Call" kam dann wieder etwas mindestens so geniales, wie alles bisher Dagewesene, aber eben nur wieder auf eine andere Art. Genauso gehts mir nun mit dem ziemlich vom Piano vorangetriebenen "No more shall we part". Ich kann wirklich nicht sagen, welches Album am besten ist oder welches besser ist als andere. Dieser Mann schafft es eben immer wieder. Aber naja, eigentlich auch egal.
Hat jemand eigentlich schon sein absolut geniales, wahnsinniges Buch gelesen?
Also, mich wundert, daß hier keiner auf den Titelsong von "no more shall we part" abfährt. Habe selten ein so grandioses Finale eines Songs gehört. Aber überhaupt, das ist seit Jahren das erste Album, das ich mir wochenlang täglich mehrmals komplett anhören kann, und jedesmal wird es besser.
"No more shall we part" ist für mich die beste CD die ich kenne. Ich habe sie bestimmt schon hundert mal gehört und es gbt immer noch neues. Freue mich schon auf das Re-Release mit verbesserter Akustik, die demnächst kommt...
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