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Als 2001 "No More Shall We Part" erschien, sahen Kritiker in Nick Cave endlich einen würdigen Nachfolger für den zurückgezogen lebenden Leonard Cohen. Also einen Dichter, der seine tiefgründigen Texte in einfache, nachvollziehbare Klangstrukturen packt, ohne den künstlerischen Anspruch hinter allzu lauten Arrangements zu verstecken. Der Wandel schien nachvollziehbar, nachdem der Australier das Ende des letzten Jahrtausends genutzt hatte, um endlich vom Heroin loszukommen. Keine Drogen = kein Rock'n'Roll, zumindest nicht im Studio.
Weder "Nocturama" (2003) noch "Abattoir Blues/The Lyre Of Orpheus" (2004) vermochten es, den Spannungsbogen aufrecht zu erhalten. Die Bad Seeds mussten den Ausstieg Blixa Bargelds verkraften, der sich angesichts des Wohlklangs nach 20 Jahren lieber wieder Vollzeit mit den Einstürzenden Neubauten beschäftigte. Das Positive: Cave entdeckte die Gitarre und war vom Instrument so begeistert, dass er 2007 unter dem Bandnamen Grinderman ein raues Album veröffentlichte.
So ist es nicht erstaunlich, dass auf der vorliegenden vierzehnten Platte mit den Bad Seeds das in den letzten Jahren so prägende Klavier fast vollkommen verschwunden ist. Schon die vielen Ausrufezeichen im Titel zeugen von einer neu erlangten Überzeugung in die eigenen Mittel. Frei übersetzt heißt die Platte "Lazarus, schaufele dich zurück in dein Grab". Grandios. Und sicherlich nicht zufällig, denn in den Texten tauchen wieder die biblischen Themen von Sünde, Schuld und Rache auf, die Caves Kompositionen bis in die 90er Jahre hinein prägten.
Gitarre eingestöpselt, Schlagzeug, Akkord, Schlagzeug, Akkord, Chorus – der Titeltrack beginnt ohne aufwändige atmosphärische Einführungen. Vorbei sind die Zeiten, in denen Cave zittrig an den oberen Tonlagen seiner dafür ungeeigneten Stimme kratzte. Fast sprechend erzählt er fragmentarisch die Geschichte des amerikanischen Schriftstellers Larry Sloman, der von Stadt zu Stadt zieht, langsam den Sinn für die Realität verliert und in einem Sumpf aus Drogen und Sex stecken bleibt. "Was wissen wir über die Toten? Wen interessiert's überhaupt?", fragt Cave gegen Schluss zynisch.
"We're gonna have a real good time tonite", heißt es im ebenfalls energetischen "Today's Lesson". "Moonland" kommt dagegen eher groovig daher, begleitet von einer in Säure getränkten E-Gitarre und Caves Ersatztastatur, der Orgel. Eine Trommel wirbelt, Maracas rascheln, eingestreute Geräusche fügen sich zu einer mysteriösen, spannungsgeladenen Stimmung zusammen. Die Spielfreude ist den Beteiligten richtig anzumerken.
Eigentlich wagte sich Cave wieder an ein Projekt, das 1992 auf "Henry's Dream" nicht gelang, nämlich ein rein akustisches Album aufzunehmen. "Diesen Versuch wollte ich mit der neuen Platte noch einmal starten – und tatsächlich ist dabei wieder eine ziemlich elektrisch klingende Geschichte herausgekommen. Aber es gibt eine eigenartig schöne Kluft zwischen den Eingeweiden dieses Albums, die aus Akustikgitarre, Bass und Schlagzeug bestehen, und den extrem aufgeladenen akustischen Dissonanzen, die wir darüber gelegt haben", teilt der Australier über sein Label mit. Eine Einschätzung, die er mit dem (alp)träumerischen "Night Of The Lotus Eaters" und dem No Bullshit-Rock'n'Roll von "Albert Goes West" widerspruchslos bestätigt.
Eine Klavierballade ist schließlich doch reingerutscht, "Jesus Of The Moon". Er habe nicht das Herz gehabt, sie auszumustern, bekennt Cave. Doch auch hier zeugen Verzerrungen und Geknister vom Kurs dieser Platte. Davor teilt er in "We Call Upon The Author" noch ordentlich aus ("Bukowski was a jerk"), auch "Lie Down Here (& Be My Girl)" fällt alles andere als romantisch aus. Der Höhepunkt kommt jedoch zum Schluss.
Musikalisch ist "More News From Nowhere" angesichts des zu oft wiederkehrenden, choralen Refrains anstrengend anzuhören, doch der Text hat es in sich. Er handelt von einem Mann, der mit Drogen vollgepumpt durch seine Erinnerungen wie durch die Zimmer einer Wohnung wandelt. Dort lernt er eine "nubische Prinzessin" kennen, zwischen deren Beinen er sieben Jahre verbringt, und die alte Bekannte Deanna, die Cave bereits in den 80er Jahren Kopfzerbrechen bereitete. "She was my friend, she was my fucking partner", sang er damals. "All der Horror, der mich heimgesucht hat – sie war schuld daran", heißt es jetzt.
Erinnerungen aus der Vergangenheit also, die wieder auftauchen. Das gilt auch für dieses Album, das eher an "The Good Son" (1990) als an den Vorgänger "Abattoir Blues" anknüpft. Doch Cave hat es nicht nötig, den alten Brei wieder aufzuwärmen. Eher nimmt er wieder einen Strang auf, den er auf seinen Platten, nicht aber auf der Bühne ruhen gelassen hatte. Vielleicht hört er sich bei der nächsten Gelegenheit wieder vollkommen anders an, eine Qualität, die sich nur wenige Künstler leisten. Fest steht, dass er und die Bad Seeds nach einem Durchhänger wieder zu ihrer alten Stärke gefunden haben: Der Einheit aus Klang, Text und Anspruch.
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cave freunde,
es ist wirklich ein tolles album.
habe es vor 2 stunden erstanden.
2mal gehört....und...
.....THE KING IS BACK IN TUPELO!!!!!
Erstes mal durchhören..
bin gerade bei Moonland
Ganz groß.
Ich liebe das Ding!
das einzige - rein subjektiv empfundene - störende elemtent ist für mich das fehlen dieser typischen badseedssoundatmosphäre.
eben dieses let love in/ your funeral /blind lemon jefferson/watching alice soundfeeling.
ye know, what i mean???
ich schätze, das kam wohl größtenteils von blixas gitarrensound bzw seinem audiophilen einfluss allgemein.
...man spürt blixas fehlen schmerzlich.
lg dba
word!
Aber ich denke dieses Lazarus Thema ist viel autobiographischer als er vermutlich zugeben wird. Somit wird klar das es nicht dasselbe sein kann wie -siehe oben-. Vor allem dieser elektrische Sound wäre mit Blixa gar nicht drin gewesen. Nick Cave und die Bad Seeds sind ja nunmal alles andere als basisdemokratisch. Sie klingen jetzt eben wie die Bad Seeds ohne Bargeld. Aber trotzdem hervorragend. Irgendwo habe ich gelesen, sie klingen nach Altherrenrock für Schlaue. Klingt nicht nett, trifft es aber ganz gut.
Wenn man von Altherrenrock spricht, dann sollte nicht unerwähnt bleiben, dass sich die Herren Grinderman oder aktuellen Bad Seeds (wo ist da noch ein Unterschied, Mick Harvey hält sich ja ebenfalls gänzlich zurück, neben dem von Bord gegangenen Blixa Bargeld)darüber im Klaren sind und nicht ohne Grund seit zwei Jahren reichlich Gesichtsbehaarung zur Schau tragen. Dig Lazarus dig ist sicherlich ein folgerichtiges Album im Jahre Eins nach Grindermans Geburt. Warren Ellis hat sich auch erstmal ausreichend ausgetobt und versteht es, sich im richtigen Moment auch mal zurückzulehnen, so dass dieses Album bereits nach dem ersten Hördurchlauf für einiges(vielleicht etwas zuviel) Hitpotential sorgt.
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