Wegen ihrer geplanten Tarifreform steht die GEMA in der Kritik. Nun gibt die Verwertungsgesellschaft nach, zumindest vorerst.

München (huz) - Leises Aufatmen bei deutschen Partyveranstaltern: Die GEMA hat ihre für April 2013 geplante Tarifanpassung auf Juni verschoben. Dann nämlich wird die Entscheidung der zuständigen Schiedsstelle des Patent- und Markenamtes über die Causa erwartet, die die Verwertungsgesellschaft jetzt wohl doch abwarten will.

Bereits im September hatte sich die Organisation dem öffentlichen Druck gebeugt und die Reform auf April verschoben. Georg Oeller, Vorstandsmitgleid der GEMA, lässt jetzt sogar noch weiter hoffen: "Im Hinblick auf das zweite Halbjahr 2013 wird derzeit noch verhandelt."

Die Konferenz der deutschen Wirtschaftsminister hatte genau diesen Schritt zur Vernunft zuletzt gefordert. Ursprünglich war seitens der GEMA eine Tarifanpassung zum Jahreswechsel beschlossen worden, die die Abgaben der Clubs teilweise um mehrere hundert Prozent erhöhen würde - für viele Betreiber hätte das den Ruin bedeutet.

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51 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Die Ausgangsbasis ist doch vollkommen klar und bestreitet hier niemand. Du stellst sie nur als unabänderlich dar, oder zumindest als mit so vielen Schwierigkeiten behaftet, daß es zu kompliziert wäre, etwas zu ändern. Du konntest bis jetzt auch nicht eine Möglichkeit aufzeigen, wie man von Außen etwas an dieser Organisation verändern könnte, was zum einen am Monopol und zum anderen an der juristischen Position als Verein liegt. Die GEMA könnte ihre Arbeitsmethoden sogar noch sehr viel schlimmer halten und kaum jemand könnte etwas dagegen machen, stündest Du dann immer noch hinter ihr? Und komm schon, wenn Du das bewährte Unrecht nicht gut findest, dann rück doch bitte mal mit einer praktikablen Idee heraus es zu verändern, wenn Du schon die für die meisten einleuchtende Idee der Konkurrenz, die zwangsläufig für eine Reform der bestehenden Gesetze sorgt, als unrealistisch einschätzt?

    In Sachen Abrechnung finden wir in Deiner Argumentation zwar einen wahren Kern, aber dennoch hat sie sich bequem mit bestehendem Unrecht eingerichtet: Der Veranstalter muss für die gesamte verwendete Musik bezahlen, ob sie nun GEMA-pflichtig ist oder nicht. Ich schätze, die allermeisten Menschen halten das für eine sehr ungerechte Vorgehensweise, Du allerdings legitimierst sie dadurch, indem Du die Alternativen als unmöglich deklarierst. Und das, obwohl es die GEMA-Vermutung in vergleichbarer Weise nirgendwo auf der Welt gibt.
    Ein wichtiger Punkt ist: Ich habe bisher noch keinen Veranstalter gesehen, der mit der GEMA-Vermutung oder den neuen Flächentarifen einverstanden wäre, und das obwohl Du letztere als etwas darstellst, was ja sehr viel bequemer von der Hand gehe. Das halte ich für blanken Hohn, denn Veranstalter zu sein ist ein Geschäft mit vielen Risiken und die meisten Veranstaltungen müssen sehr knapp kalkuliert werden, auch weil viele davon am Ende mit Schulden herauskommen. Gerade in Anbetracht der nun verschobenen neuen Tarife erhöhen sich die GEMA-Gebühren um einige hundert Prozent. Meinst Du dann nicht, daß ein Veranstalter dann nicht lieber ein oder zwei Softwareprogramme mit Datenbanken mitlaufen lässt und am Ende ganz simpel die jeweiligen, viel niedrigeren, Beträge überweist?

    Es mag auch sein, daß Du Dir eine teilweise öffentliche Datenbank nicht vorstellen magst, aber auch hier widerlegt Dich die Realität. Die meisten schon offenen Datenbanken funktionieren weitgehend anstands- und problemlos und das trotz des Risikos des Missbrauchs. Jene Künstler, welche informiert und klug genug sind, Alternativen wie C3S zu benutzen, werden mit Sicherheit auch verstehen, wie wichtig es ist ihre Werke vor der Veröffentlichung zu registrieren. Sie vergessen schließlich auch selten, eine Rechnung für eine absolvierte Veranstaltung zu schreiben.
    Klar wird es für solch eine Datenbank auch Support benötigen, z.B. wenn fehlerhaft registrierte Informationen korrigiert werden müssen o.Ä. Das war allerdings auch bisher so, nur daß die gesamte Arbeit ineffizienter und teurer bewerkstelligt werden muss, da sie ohne direkte Hilfe der verantwortlichen Künstler auskommt.

  • Vor 2 Jahren

    @Ragism:
    Die Ausgangsbasis ist nicht unabänderlich. Aber wenn sich ein Verein wie die GEMA korrupieren läßt, wüßte ich nicht, warum ein Verein wie C3S dagegen immun sein sollte, immerhin müssen sie sich über weite Strecken die Rahmenbedingungen teilen.
    Ich habe deshalb keine Möglichkeit genannt, wie man von außen etwas daran ändern könnte, weil ich keine Möglichkeit sehe, etwas von außen daran zu ändern. Daß bei der GEMA einiges schief läuft, weiß ich, aber ich sehe nicht die Organisation als eigentliches Problem an, sondern glaube, daß in diesem Laden einige Probleme gebündelt auftreten, die man allesamt einzeln angehen muß. Und das heißt: von innen. Wenn die GEMA ihre Arbeitsmethoden verschlimmern würde, stünde ich immer noch hinter ihr, ja. Weil ich keinen Laden mit 60.000 Leuts über die Wupper gehen lassen kann, der eine gute Idee bietet, über eingespielte Kontakte und Know-How verfügt und zumindest ein bißchen dafür sorgt, daß Verwerter, Veranstalter und Plattenfirmen nicht übermütig werden. Wenn die GEMA nicht mehr ist, sehe ich tief(!)schwarz für die Urheber von musikalischen Werken, weil damit die Kontrollinstanz wegfällt und somit dem kommerziellen Ausschlachten von Kulturgut Tür und Tor geöffnet wird. Daß der Verein nach innen hin faul ist, ist nach wie vor ein völlig anderes Thema.
    Ich sehe nicht die Konkurrenz zur GEMA als unrealistisch an, ich betrachte es nur als absolut abwegig, daß sie innerhalb kürzester Zeit mit Glanz und Gloria die Marktführerschaft übernimmt und ihr alle Leute mit ausgebreiteten Armen entgegenlaufen. Und ich sehe auch beim besten Willen nicht, aus welchem Grund sie "zwangsläufig" dafür sorgen sollte, daß sich Gesetze ändern. Das einzige, das ich ihr ganz spontan zutraue, ist, daß sich die Rechtsprechung ändert, aber selbst da glaube ich nicht, daß das von heute auf morgen geschehen wird.
    Wenn Du sagst, daß es die GEMA-Vermutung in keinem anderen Land der Welt gibt, kann ich das weder bestätigen noch verneinen. Dazu kenne ich die Rechtssysteme der restlichen 200 Länder der Welt einfach zu wenig. Allerdings: wer sagt denn, daß Künstler in anderen Länder der Welt diese "GEMA-Vermutung" nicht gerne hätten? Ich muß erst mal davon ausgehen, daß diese "GEMA-Vermutung" den Urhebern (heißt hier: GEMA-Mitgliedern) Geld in die Kasse spült. Daß das den Veranstaltern mitunter nicht in den Kram paßt (weil - is' ja ihr Geld), kann ich mir an zwei Fingern abzählen.
    Was die Erhöhung der GEMA-Gebühren angeht, wäre ich mir an Deiner Stelle gar nicht so sicher, daß es wirklich durch die Bank so ist, bzw. ob es überhaupt so schlimm ist, wie von einigen Leuten immer wieder behauptet. Bevor Du's mir unterstellst: ich sage nicht, daß es diese Erhöhungen um 100 oder gar 1000 Prozent Unsinn sind, und mit Sicherheit gibt es Veranstalter, die wegen eines ungünstigen Flächenschnitts plötzlich die Dummen sind. Aber ich glaube, daß die Leute, die sich am lautesten über "Tausende von Euro mehr pro Jahr" beschweren, ausgerechnet diejenigen sind, die am besten an ihren Einrichtungen verdienen und den meisten Einfluß haben. Oder anders gesagt: es gibt in Deutschland über 1,5 Millionen Veranstaltungen pro Jahr (Quelle: GEMA). Nun macht ein Teil der ca. 3.000 Dancefloors (erneute Quelle: GEMA) Zores. Verblüffenderweise habe ich aber außerhalb der Kreise DEHOGA, Bundesvereinigung der Musikveranstalter e. V., bei denen diese Einrichtungen organisiert sind, aber relativ wenig Aufbegehren wahrgenommen, genau genommen kein begründetes. Möglichkeit 1: in diese Richtung standen keine Mikrofone und es weiß auch keiner von denen, wie man sich im Internet zu Wort meldet, daher hat die Wutwelle aus dieser Richtung niemand registriert. Möglichkeit 2: die haben keine oder nur so geringe Probleme mit den neuen Tarifen, daß sie sich einfach nicht beschweren. Eine dritte Möglichkeit ist mir nicht eingefallen.
    Was die spitze Feder angeht, mit dem die Veranstalter kalkulieren - richtig, aber die meisten davon haben sich ja nicht beschwert, sondern nur die Disco- und Clubbetreiber. Wenn man nun eine Berliner Studie heranzieht (Projekt Zukunft, Musikwirtschaft_Studie_Clubs_2008.pdf), findet man darin folgende Aussage: "Dabei wurde regelmäßig der höchste Umsatzanteil
    (65 %) mit Gastronomie erzielt. Jeweils 17 %
    wurden über Eintrittsgebühren, durch Vermietung
    oder Sponsoringleistungen erwirtschaftet". Wenn wir jetzt noch berücksichtigen, daß die GEMA in ihren Tarifen davon spricht, daß pro Veranstaltung maximal 10 % der Eintrittsgelder an GEMA-Pauschale fällig werden, komme ich zu dem Ergebnis, daß ein durchschnittlicher Berliner Club maximal 1,7 % seiner Einnahmen für die Musik latzen muß; weniger, wenn er hin und wieder oder permanent brummend voll ist. Wenn sich hier jemand über hundert oder mehr Prozent Steigerung beschwert (!), muß ich mich erst mal fragen: wie günstig kriegen die denn die Musik derzeit in den Hintern gesteckt? Und ist die Erhöhung auf 1,7 % jährlich wirklich derart lebensbedrohlich, daß man mit wehenden Fahnen bei der GEMA auflaufen muß? Ich gestehe dieser Rechnung natürlich zu, daß sie erstens auf Berlin beschränkt ist (anderswo kann's anders sein) und zweitens Durchschnittswerte verbrät.
    Aber okay. Nochmal: 1,5 Millionen Veranstaltungen pro Jahr, von den Veranstaltern ziehen wir jetzt mal die 3.000 ab, die sich gerade lautstark beschweren. Bleibt noch eine unbekannte Zahl übrig, die sich nicht so lautstark oder gar nicht beschwert, oder von denen man's nicht mitkriegt. Wie viele von denen wären also bereit, ein oder zwei Softwareprogramme mitlaufen zu lassen, wenn sie aufgrund des Flächenvertrags augenscheinlich weniger, gleich viel oder nur geringfügig mehr bezahlen als früher?
    Und die Beträge sind immer noch nicht niedriger, geschweige denn viel niedriger geworden. Im Augenblick zahlst Du Deine abendliche GEMA-Pauschale, wenn Du GEMA-Material spielst und fertig. Wenn du noch C3S-Musik spielst, wird diese Summe noch zusätzlich fällig. Und das ändert sich so lange nicht, bis es anders geregelt wird.
    Die meisten schon offenen Datenbanken, falls Du damit auf solche Dinge wie IMDB oder Wikipedia oder so anspielen solltest, jonglieren nicht mit Informationen, die unmittelbar zur Abrechnung gebracht werden müssen oder sollen. Du brauchst einfach nur mal darüber nachzudenken, daß Deine Daten mitsamt den Informationen über Dein Werk auf einem Internetserver gespeichert werden würden, und allein schon das Verlieren oder Hacken des Paßworts oder ein Nicht-Ausloggen am falschen Ort ausreicht, um Deine Einnahmequelle in Form von Datensätzen zu vernichten. In dem Augenblick, da man mittels Manipulation einer Datenbank eine natürliche oder juristische Person puttmachen kann, gehört diese unter Aufsicht.
    C3S-Künstler würde ich erst mal nicht als informierter oder klüger ansehen als GEMA-Mitglieder oder sonst irgendwelche anderen Menschen. Und es wäre ausgesprochen hilfreich, wenn Du davon ausgehen würdest, daß die Nutzer dieser Datenbank nicht dieselben sein müssen, die später eine Veranstaltung zu absolvieren bzw. diese abzurechnen. Wir müssen immer noch einen Unterschied machen zwischen Urhebern und Interpreten.
    Gruß
    Skywise

  • Vor 2 Jahren

    1A, topp! Kann man so direkt auf die GEMA-Webseite stellen! Das gibt mit Sicherheit eine Beförderung. Komm, lass Dir den Kopf tätscheln...