Vier Monate nach ihrer Haftentlassung äußert sich Schwesta Ewa ausführlich zu den Vorwürfen der Zuhälterei.

Frankfurt (dol) - Vor vier Monaten wurde Schwesta Ewa wegen Steuerhinterziehung und Körperverletzung zu zweieinhalb Jahren Haft verurteilt. Zuvor hatte die Frankfurterin bereits acht Monate Untersuchungshaft hinter sich gebracht. Doch ausgestanden ist der Fall noch nicht. Die Staatsanwaltschaft legte Revision ein, da sie das Urteil als zu milde erachtete. Vor dem Bundesgerichtshof möchte sie eine Haftstrafe von vier Jahren durchsetzen. Bevor es für die Rapperin wieder ernst wird, hat sich Schwesta Ewa nun erstmals öffentlich geäußert. In einem ausführlichen Instagram-Statement schildert sie ihre Sicht zu den Ereignissen des letzten Jahres.

"Frauen haben für mich gearbeitet", gibt sie da unumwunden zu. Um in ihrer "illegalen Escort-Agentur" aufgenommen zu werden, bewarben sich die Interessentinnen offiziell als Kellnerin. Eine von Ewa als "psychisch labil" beschriebene Bewerberin wurde abgelehnt, woraufhin sie sich blaue Flecken geschminkt und die Rapperin angezeigt habe. Die Anzeige sei zwar fallen gelassen worden, zog aber eine einjährige Observation nach sich. So habe die Polizei sie verwanzt und ihr Telefon abgehört. Als es im November 2016 zur Verhaftung kam, sei sie davon ausgegangen, dass diese erneut in Zusammenhang mit jener "Stalkerin" stünde.

"Menschenhandel und Zwangsprostitution? OK, das ist nicht ganz so lustig"

Nach Lektüre des Haftbefehls stellte sie jedoch fest, dass sich die Anschuldigungen über "Ausbeutung", "Steuerhinterziehung", "Zuhälterei", "Körperverletzung", "Menschenhandel" und "Zwangsprostitution" erstreckten. Insbesondere die beiden Letztgenannten brachten sie zu der Erkenntnis: "OK, das ist nicht ganz so lustig." Sie habe dann umgehend versucht, die Zusammenhänge aufzuklären und die Delikte der Steuerhinterziehung und Körperverletzung gestanden.

Als eine Art Erziehungsmaßnahme bei übermäßigem Drogenkonsum oder auch nur bei Vermischung von Bunt- und Kochwäsche habe sie die Frauen geohrfeigt. Aber keine dieser Körperverletzungen stünde in Zusammenhang mit Prostitution. Sie selbst habe Schläge als Teil ihrer Erziehung erfahren und wolle sich eigentlich hiervon distanzieren. Beim Vorwurf der Steuerhinterziehung handele es sich nicht um ein "Kavaliersdelikt".

Den Vorwurf der Zwangsprostitution weist die Rapperin entschieden von sich: "Das beleidigt meine Intelligenz." Sie hätte es auch gar nicht nötig, "Mädels" zu zwingen, da sich derart viele Bewerberinnen gemeldet hätten, dass sie regelrechte Wartelisten führen konnte. Des Weiteren waren grundsätzlich keine minderjährigen Frauen in ihrer Agentur tätig.

Mediale Berichterstattung eine "bodenlose Frechheit"

Die Berichterstattung zu ihrem Prozess bezeichnet sie als "bodenlose Frechheit". Insbesondere die medialen Interpretationen ihres Auftretens im Gerichtssaal sowie Meldungen über mögliche Höchststrafen hätten sie getroffen: "Zehn Jahre Haft? Ich hab' gedacht, ich krieg' keine Kinder mehr!"

Vom Rotlichtmilieu hat sich die Frankfurterin mittlerweile verabschiedet. Die damit verbundenen finanziellen Einbußen spricht sie ebenfalls an: "Ich drücke die Zahnpasta bis zum Ende jetzt." Ein angekündigtes Album sowie ein Buch, in dem sie ihre Erfahrungen verarbeiten möchte, könnten Abhilfe schaffen. Das gesamte 40 Minuten lange Video kann hier eingesehen werden:

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laut.de-Porträt Schwesta Ewa

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