Ein Rabbi empört sich, Waters verteidigt sich, Lieberberg distanziert sich: Ein aufgeblasenes Schwein sorgt für hitzige Diskussionen.

Konstanz (top) - Das ehemalige Pink-Floyd-Mitglied Roger Waters verabschiedet sich seit 2010 mit der "The Wall"-Tour von der Bühne. Dabei begleitet ihn seit geraumer Zeit ein aufblasbares schwarzes Warzenschwein, das vor Waters aktuellen Deutschland-Auftritten für Diskussionsstoff sorgt.

Bei einem Konzert am 18. Juli in Belgien filmte ein Zuschauer das Luftballon-Tier, das während des Konzerts über den Zuschauern kreist, ehe Roger Waters ein Maschinengewehr auspackt und wild um sich schießt. Sobald es abstürzt, dürfen die Zuschauer es auseinander nehmen. Ein großer Spaß, wäre dem aufmerksamen Beobachter nicht der Davidstern am Maul des Schweins aufgefallen.

Rabbi Abraham Cooper, der stellvertretende Direktor des Simon-Wiesenthal-Centers, das sich für die Rechte von Juden weltweit einsetzt und Antisemitismus bekämpft, verlieh in einem Artikel der jüdischen Zeitung The Algemeiner seiner Empörung Ausdruck:

"Waters hat die Anti-Israel-BDS-Bewegung (Boykott, Divestment, Saktionen) unterstützt. Vergesst Israel/Palästina. Waters nutzte eine klassische, widerwärtige, mittelalterliche, antisemitische Karikatur, die weit verbreitet von Nazi- und Sowjet-Propaganda genutzt wurde, um Hass gegen Juden zu schüren. Wir rufen andere Persönlichkeiten der Unterhaltungsgemeinde dazu auf, diese groteskte Vorführung von Juden-Hass zu verurteilen und erwarten die Verurteilung durch die BDS-Anhänger, die behaupten, ihr Ziel sei es, den Israelis und Palästinensern Frieden und Versöhnung zu bringen."

Waters richtet einen offenen Brief an Cooper

Verletzt durch die Vorwürfe des Rabbis ("Tränen brennen in meinen Augen") meldete sich Roger Waters Anfang August mit einer ausführlichen Erklärung selbst auf seiner Facebook-Seite zu Wort. Er wies nicht nur darauf hin, dass er ohne Aufruhr besagtes Schwein bereits auf beinahe 200 Konzerten seit 2010 eingesetzt hatte, sondern verteidigt auch sich gegen die schweren Antisemitismus-Vorwürfe:

Mit dem Tier übe er keinesfalls nur Kritik an der Politik Israels, es gehe um verschiedene gesellschaftliche Missstände. Neben dem Davidstern wären beispielsweise ein Kreuz, ein Dollar-Zeichen oder das Logo des Öl-Unternehmens Shell aufgezeichnet. Der Musiker erklärt weiter: "Wir schenken dem Publikum dieses Symbol der Unterdrückung am Ende jeder Show und die Leute machen immer das Richtige. Sie zerstören es."

Gegen die Behauptung, er hasse Juden und sei ein Nazi, führt er zum einen an, dass er jüdische Freunde und Familienmitglieder habe, zum anderen, dass sein eigener Vater im Zweiten Weltkrieg im Kampf gegen die Nazis gefallen war, weshalb er äußerst anti-faschistisch erzogen sei. Mit 70 Jahren könne er stolz auf ein Leben zurückblicken, in dem er sich stets für die Freiheit aller Menschen einsetzte.

Sein Brief endet versöhnlich: "The Wall streckt die Hände nach dir und all den anderen Rabbi Coopers da draußen aus. Kommt zur Show!"

"Die Marek-Lieberberg-Konzertagentur distanziert sich ausdrücklich"

Am Freitag spielte Roger Waters in Frankfurt und setzte das symbolträchtige Schwein erneut ein. Von der harschen Kritik lässt er sich also wohl eher nicht einschüchtern. Die deutsche Konzertagentur Marek Lieberberg hingegen, die die Tour veranstaltet, teilt die Sorge von Waters' Kritikern in den Stuttgarter Nachrichten:

"Die Marek-Lieberberg-Konzertagentur distanziert sich ausdrücklich von zweifelhaften, verunglimpfenden Metaphern, sieht jedoch keine Möglichkeit, in das Recht auf künstlerische Freiheit einzugreifen."

Fotos

Roger Waters und Pink Floyd

Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © laut.de (Fotograf: Peter Wafzig) Roger Waters und Pink Floyd,  | © EMI (Fotograf: ) Roger Waters und Pink Floyd,  | © EMI (Fotograf: ) Roger Waters und Pink Floyd,  | © EMI (Fotograf: ) Roger Waters und Pink Floyd,  | © EMI (Fotograf: ) Roger Waters und Pink Floyd,  | © EMI (Fotograf: ) Roger Waters und Pink Floyd,  | © EMI (Fotograf: )

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10 Kommentare

  • Vor 4 Jahren

    Waters kam mir schon in diversen Interviews wie ein Arschloch vor - gott sei dank. Sonst hätte er das Schweinchen wahrscheinlich nicht nochmal ausgepackt.

    man muss die Empörten halt einfach auch mal empört sien lassen, dickes Fell und gut ist.
    meines Erachtens wurde da überreagiert. Wenn denn da nur der Davidsstern drauf wäre, könnte man das durchaus als Antisemitisch deuten, aber -wie waters ja erklärt- gibt es noch weitere Zeichen auf dem Ferkel. Die Message ist also keineswegs sowas wie "Killt die judenschweine" oder dergleichen.
    *kopfschüttel*

    allerdings denke ich, dass er dem Schweinchen lieber Perlen zum Frass vorgeworfen hätte, statt logisch oder nachvollziehbar zu argumentieren.

    Frage am Rande: ist man bereits ein Antisemit wenn man nun Israelkritisch ist?

  • Vor 4 Jahren

    Das ist doch echt traurig. Das Simon-Wiesenthal-Center war mal echt eine angesehene Institution. Mittlerweile erklären die aber so willkürlich und vorschnell alles und jeden zu Antisemiten, dass die sich selbst unglaubwürdig machen.
    Und durch den inflationären Gebrauch wird der Begriff "Antisemit" auch noch entwertet und wirkungslos.
    Man sollte meinen, dass die doch etwas mehr Verstand hätten.

  • Vor 4 Jahren

    @CafPow (« Frage am Rande: ist man bereits ein Antisemit wenn man nun Israelkritisch ist? »):
    Theoretisch nicht, aber da trennt das SWC (und andere Einrichtungen wie die Anti Defamation League) nicht wirklich, denn deine Kritik an Israels Politik ist ja vielleicht nur das Ventil, über das du unbehelligt deinen Antisemitismus ausleben kannst.

    Eigentlich hat das SWC als Maßstab für die Frage, ob man Antisemit ist, aber die "Drei D's" eingeführt: Delegitimation, Dämonisierung und Doppelstandard.
    Wenn alles drei vorliegt (du also Israels Existenzberechtigung anzweifelst, gegen Israel polemisierst und Israel Vergehen vorwirfst, die sich auch in anderen Ländern finden lassen), bist du Antisemit.
    So genau nehmen die ihre Kriterien aber nicht (immer).

  • Vor 4 Jahren

    naja, ich finds lustig :koks:. ungeachtet dessen, dass ich mich schon im simon wiesthal center vorfand. nackt. auf einen stuhl gefesselt. mit kapuze über dem kopf :suspect: aber, naja, gewisse reminiszenzen zur sog. "judensau" sind schon gegeben. wenn auch sicher unbeabsichtigt. von daher kann ich den rabbi schon verstehen :koks:

  • Vor 4 Jahren

    da haste ja noch gerade so die kurve gekriegt, du altes, altes, altes monster.... :kiss:

  • Vor 2 Jahren

    Die Gleichsetzung von JUDEN oder ISRAEL mit "Shell, "Dollar", "Kreuz" bspw. ( und anderen "bösen" Abzeichen) mithilfe des Symbols DAVIDSTERN ist tatsächlich purer Antisemitismus, der sich nach 1945, genauer nach der KGB-Gründung der PLO nicht-arisch, "antirassistisch" und wie von Beginn 1879/ 80 durch Marr und Dühring an betont "sozial" engagiert zeigt, wie auch damals schon gegen-christlich und "antikapitalistisch", - so wie auch ich beeinflusst wurde.

    Auch die übrigen Worte von Rogers gehören zur klassischen "antifaschistischen" Rechtfertigung, Propaganda oder Tarnung des von Djihadisten zus. mit KGB und sog. Kommunisten nach 1952 bzw. 1964 rundummoderisierten und aktiv terroristisch eingeleiteten anrisemitischen Djihadismus, den man strategisch-propagandistisch als "nationalen Befreiungskampf" eines "Volkes" und erfundenen Nation eingepackt hat. - ICH war selbst ein manipulierter Anhänger davon !
    - > DAS SCHWARZBUCH DES KGB 2
    - > www. Nicht-Mit-uns.com/nahost-infos : u.a. "Die Große Lüge und der MEDIENKRIEG gegen ISRAEL; Von der [ massenpsychologisch-geheimdienstlichen] Umkehrung der Wahrheit zur Umkehrung der Realität" von Joel Fishman
    - > DER EWIGE SÜNDENBOCK; Heil. Krieg, die "Protokolle der Weisen von Zion" und die VERLOGENHEIT der sog. LINKEN im Nahostkonflikt" v. T. Tarach
    > "Djihad und Judenhass" v. www. MatthiasKuentzel.de
    > "Halbmond & Hakenkreuz"
    > www. photospalestine.free.fr
    > www. tellTheChildrenTheTruth.com