Deutschlands größte Festival-Schwestern: Wir waren für euch vor Ort!

Nürnberg/Nürburg (loc) - Da sind sie wieder: Der Bombast, der Speedmetal-Manni, der Schlamm, der extra gefährliche Bikerclub und an die 160.000 andere Alternativefans - die Festival-Schwergewichte Rock am Ring und Rock im Park rollen über die Boxentürme hinweg.

Fotogalerie Rock am Ring

Der Sonntag in Nürnberg

Der Tag geht los mit Hoden aus Stahl: Steel Panther geben mit verspulter Metalsatire den Takt schon mal vor - laut, überdreht, sie geben das Letzte. Und das bisschen Nieselregen kann die rund 70.000 Camper auf dem Zeppelinfeld definitiv nicht von den Bühnen fern halten.

Lemmy braucht 'ne Lesbe

Eine angeschickert fürsorgliche Beth Ditto lebt derweil barfuss auf der Centerstage ihre Mutterinstinke aus, klascht hier ab, nimmt dort einen Stagediver in den Arm, gibt Fotografen das Mikro und sucht generell die Nähe zum Publikums:

"Ich habe schon zu Lemmy gesagt: Was ihr bräuchtet, wäre eine fette Lesbe. Ich mach euch gerne 'Ace Of Spades', ist keine große Sache!", verspricht die Gossip-Chanteuse. "Und ich mache mir gleich in die Hose wegen Soundgarden!"

Die hingegen spielen ein blutleeres Set zwischen Grunge und Gleichgültigkeit. Obwohl die Stücke druckvoll und satt kommen, bleiben Chris Cornell und Soundgarden fast unbewegt und spiegeln damit das Gros der jungen Fans, die eigentlich nur einen vorderen Platz für die Stunden später auftretenden Linkin Park besetzen – für sie bleiben die Grunger wahrscheinlich auch nach dem Gig "Superunknown".

See you, Nuremberg!"

Und während ein in rotes Licht getauchter Marilyn Manson zum Abschluss die Alternastage nach Motörhead klarmacht, kommt eine kleine, euphorische Gruppe Menschen in den Genuss einer hitzigen FM Belfast-Show, die sich gewaschen hat.

Die Band hüpft begeistert in Unterwäsche durch die Gegend, fotografiert immer wieder das Publikum und gibt der tanzwütigen Menge einen letzten freundlichen Arschtritt aus Island: "Bis immer wieder, Nuremberg!".

Der Samstag in Nürnberg

Du hast Müllsack, Absperrband und noch Pappe vom Sixpack übrig? Super - ein astreines Deichkind-Kostüm ist dein! Nachdem Skrillex gestern Abend wieder die Transformation vom DJ zum Rockstar vollzog, starten Deichkind mit LEDs, den gewohnt abgefahrenen Verkleidungen und Bürodrehstuhl-Choreographie ins Nachtprogramm hinein.

Zum 30-jährigen Bühnenjubiläum lassen später Die Toten Hosen ihre schlageresken Nummern jüngeren Datums größtenteils stecken und fahren bewährte Klassiker wie "All Die Ganzen Jahre" auf. Fronter Campino lässt sich dazu - zur Lieferung einer Bierdose an den Soundmann - von den Fans in Richtung Lichttraverse tragen, Kletterpartie inklusive.

Die Hosen und die Ärzte

Als dann noch Bad Religion-Vorzeigedoktor Greg Graffin auf der Bühne auftaucht, um Arm in Arm mit ihm den "Punk Rock Song" zum Besten zu geben, gibt es kein Halten mehr: Nach mehreren Zugaben inklusive dem Ärzte-Cover "Schrei nach Liebe" verabschieden die Düsseldorfer schließlich mit "You'll Never Walk Alone" die ergebenen Massen.

Mit den Beginnern auf Sommerparty

Davor geben Jan Delay im Beastie Boys-Shirt und seine Beginner eine entspannte Sommerparty, während die Abteilung Moshpit sich ganztags auf der kleineren, fensterlosen Bühne aufgehoben fühlt: Enorme Bewegungen bei As I Lay Dying und Opeth, Rage Against The Machine-Cover bei Chase & Status und eine durchaus fantastische Performance in Beinahe-Studioqualität von The Offspring runden den zweiten, bisher matschlosen Festivaltag mit feinstem Frühsommerwetter ab.

Der Freitag in Nürnberg

Und zumindest in Bayern lässt sich das traditionell schlechte Wetter am Freitag noch nicht blicken. Bei angenehmen 18 Grad lassen es sich zehntausende mehr oder minder in Schwarz gekleidete Rocker in der irgendwie doch befremdlichen Atmosphäre des ehemaligen Nürnberger Reichsparteitaggeländes gut gehen.

Überraschend zahm und aufgeräumt liegt der Zeltbereich hinter der Alternastage, derweil die leicht angeschrumpelten Rocker The Stranglers veritabel ihre Klassiker "Peaches" oder "Golden Brown" vortragen, und The Maccabees vor Marmorkulisse ein untypisch mitreißendes Showset abliefern.

Die Bereiche vor den Bühnen füllen sich allerdings wenig später dank des mythologischen Heldenbonus, den die Außerirdischen im Mainstream-Line-Up inne haben: Refused.

Refused are fucking dead?

Was bei dem Auftritt der Schweden, die sich bereits für tot erklärten (siehe Titel wie 'Refused are fucking dead' oder vom Frontmann initiierte HC-Projekte wie AC4), allerdings schief und richtig lief, mag höchtens der Zufriedenheitsgrad der Band selbst entscheiden.

Denn obwohl Refused ein astreines Set abliefern, bleibt das Publikum im vordersten Drittel indifferent bis verwirrt: Zu jung sind viele, um eine reichlich verspätete Performance der Songs von "The Shape Of Punk To Come" am Nachmittag zwischen Sparkassen-Luftballons und lauwarmem Bier wirklich würdigen zu wollen.

Bequemerweise verlautet daher auch Sänger Dennis Lyxén, "ungefähr 70 Prozent" zu geben und gesteht dem Publikum zu: "It's a little too early for Rock and Roll".

Pommesgabeln bis zum Horizont

"Bitte bleibt doch noch und gebt Metallica 'ne Chance. Ich halte sie schon für talentiert", schlägt Tenacious D-Weirdo Jack Black dann dem Publikum zum Abschied des mehr als amtlichen Gigs vor seiner Glitter speienden Riesenpimmeldeko vor.

Gesagt, getan: Für beinahe zweieinhalb Stunden hatten die Schwergewichte Metallica Nürnberg und gefühlte 99 Prozent der Rock im Park-Besucher quasi gepachtet, inklusive Circlepit und der kompletten Interpretation sämtlicher Songs des Schwarzen Albums in umgekehrter Reihenfolge.

Dicker, satter Sound - wie nicht anders zu erwarten. Frenetischer Jubel, Pommesgabeln bis zum Horizont – wie sich das eben gehört. Nur Hetfields Stimme scheint zum Teil mit der Power der 80er-Stücke nicht ganz mithalten zu können - der Sänger beendet seine Zeilen nur halb und kam sichtlich aus der Puste.

Auf dem Thron? The Hives

Ein paar Meter weiter zieht derweil der Auftritt von The Hives eine kleinere, dafür restlos begeisterte Menge an: Im Bühnenhintergrund thront Sänger Pelle als überdimensionierter Marionettenspieler und die befrackte Band beweist Las Vegas-reife Entertainerqualitäten, bevor die ungewöhnliche Headlinerwahl Skrillex zum nächtlichen Absturz ruft: Für die urplötzlich aufgetauchten Raver ein Betthupferl aus Fiepsen und Bässen, auch wenn sich für ihn manche Kids mit krebsroten Schultern schon am Nachmittag den Frontrow-Platz reserviert hatten.

Wo sich der Rest der vielen Dubstep-Fans vor der Centerstage tagsüber zwischen den 70.000 Metallica-Anhängern versteckt hatte, blieb ein Rätsel - bis zur Schlagzeile der Nürnberger Nachrichten am Samstagmorgen, die von 'skandalösem Menschenhandel' bei Rock im Park berichtet: "Rund 70.000 Musikfans wurden für das Drei-Tage-Festival verkauft". Was kommt als nächstes?

Ach ja: Pete Doherty hat es tatsächlich geschafft, nicht im Knast zu sitzen und in Bayern vorbeizukommen. Und er zeigte sich aufrecht stehend, bestgelaunt und brachte statt einer Band Ballerinas auf die Bühne.

Fotos

Skrillex, Tenacious D und Co

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18 Kommentare

  • Vor einem Jahr

    @TabTwo (« "Dicker, satter Sound" in Nürnberg? Auf der Centerstage? Wers glaubt.
    Das war so ziemlich der schlechteste Sound überhaupt sobald man 10 Meter von den Boxen weg war. Das traf da fast jede Band ausser den Hosen und Gossip.
    Über die quasi nicht vorhandenen Dixis (Gott sei Dank war der Regen gnädig und hat den gestank weggewaschen), die idiotischen Bierstände (baut doch einfach ne Theke wie bei Wacken) und die eher willkürlich versperrten Ein und Ausgänge rege ich mich mal gar nicht weiter auf.
    Einmal Park und nie wieder. »):

    Für Park-Verhältnisse war der Sound aber gut - glaub mir :D. Das Problem war mit den Dixies, dass einfach zu viele Leute fürs RIP da waren. Das war teilweise echt am Limit.

    Na ja man sollte das Festival etwas umbenennen - warte schon auf Rihanna oder Lady Gaga gefolgt von Tool z.B.

  • Vor einem Jahr

    Skrillex ist Electro-House und Brostep, nicht Dubstep.

  • Vor einem Jahr

    schön, das du wie immer die Musik bewertest, nicht das aussehen des Musikers.