Die Musikerinnen von Pussy Riot sind nach Ansicht des Gerichts des "Rowdytums aus religiösem Hass" schuldig. Das Urteil: zwei Jahre Straflager.

Moskau (joga) - Ihr Protest-Auftritt in der orthodoxen Christi-Erlöser-Kathedrale in Moskau, bei dem sie Putins Ablösung forderten, war schrill und vielleicht anarchistisch, aber eines ganz sicher nicht: hasserfüllt. Ganz im Gegenteil zeigen die drei Frauen von Pussy Riot auch unter dem Druck der staatlichen Verfolgung eine ganz erstaunliche Gelassenheit und Abgeklärtheit.

Trotzdem hat ein Moskauer Gericht unter dem Vorsitz der 50-jährigen Richterin Marina Syrowa die drei heute wegen "Rowdytums aus religiösem Hass" schuldig gesprochen. Syrowa verurteilte die drei Frauen zu jeweils zwei Jahren Straflager, die Zeit in Untersuchungshaft wird angerechnet.

"Wir haben verloren und gewonnen"

Die Bandmitglieder selber hatten zuvor in ihren Schlussplädoyers deutlich gemacht, dass sie mit einer Gefängnisstrafe rechnen: "Ich habe, was den Prozess angeht, gemischte Gefühle. Einerseits erwarten wir einen Schuldspruch ... wir haben verloren. Andererseits haben wir aber auch gewonnen. Die ganze Welt sieht, dass der Prozess gegen uns nur gestellt ist", zitiert die SZ die 30-jährige Jekaterina Samuzewitsch.

Der Staatsanwalt hatte drei Jahre Gefängnis für die drei Frauen gefordert, nachdem Präsident Putin sich am Rande eines Auftritts in London für eine 'milde Strafe' eingesetzt hatte. Zuvor war von einer möglichen Haftzeit von bis zu sieben Jahren die Rede gewesen.

Das Urteil ist wohl ein Versuch, den 'goldenen Mittelweg' zu finden. Eine härtere Strafe hätte Russlands Ansehen im Ausland noch stärker beschädigt. Einen Freispruch hätten Russlands Oppositionelle wohl als Sieg und Einknicken der Regierung gewertet.

Politische Vorgaben bei der Urteilsfindung

Dass Richterin Marina Syrowa bei der Urteilsfindung politischen Vorgaben gefolgt ist, bezweifelt kaum jemand. Erst 2008 beförderte Putin sie zur Richterin, bislang soll sie nur kleinere Vergehen wie Einbrüche oder Taschendiebstahl behandelt haben.

Dabei hat sie sich laut FTD mit schnellen und harten Urteilen hervor getan. Im aktuellen Prozess tat sie wenig, um den Verdacht der Befangenheit zu zerstreuen. Anträge der Verteidigung wies sie ab, und auch mehrere Entlastungszeugen ließ sie nicht zur Verhandlung zu.

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41 Kommentare

  • Vor 2 Jahren

    Glaube ich nicht. Ich würde hier, wie schon erwähnt, auf meiner alt vs jung Theorie beharren. Ich habe Freunde und Verwandte in Mordowien oder Jakutsk und selbst da sind die Meinungen doch etwas einseitig (gegen Putin).

    Natürlich wären die gläubigen Babuschkas und Deduschkas in den Provinzen gegen diese Band aber da es nahezu keine Zeitung und / oder Fernsehsender thematisiert, ist es denen scheißegal. Die jüngeren hingegen verlassen die Dörfer (da es 0,000 Jobs bzw. Bezahlung gibt) und landen in den zugegebenermaßen vermoderten Großstädten. Und so vermodert diese auch sein mögen, haben sie dennoch einen Internetanschluss.

    Und hier ist der Fehler der Sowjetbonzen. Sie zensieren das RU-Net noch nicht stark genug. Da kann immer noch ein Meinungsaustausch stattfinden. Auch wird Putin, im Gegensatz zum Fernsehen, karikiert usw.

    Ich will damit sagen, dass früher oder später die sowjetische, und früher auch berechtigte, Mentalität (ich hab nix, also muss mit alles zusammenklauen) aussterben wird. Und mit ihr auch die ganzen ?neuen Russen? und die ehemalige Sowjetfunktionäre. Ich glaube, das Russland in 30 Jahren USA noch mächtig in den Hintern kriechen wird. Ob das nun gut oder schlecht ist, das kann man dann für sich entscheiden.

    Fakt ist, die Russen brauchen keinen arabischen Frühling. Die Revolution schleicht weiter voran. Und ich bin mir sicher, das Pussy Riot ein winzig kleiner Baustein dieser ist.

  • Vor 2 Jahren

    Raw_is_wars Wort in Gottes Ohr sag ich da nur.

  • Vor 2 Jahren

    Raw_is_wars Wort in Gottes Ohr sag ich da nur.