Trent Reznor wagt den Vorstoß, 185 Kollegen ziehen nach. Die Musikindustrie fordert eine Erneuerung des Copyright Acts. YouTube wehrt ab.

USA (kluk) - Es ist bei Weitem nicht das erste Aufbegehren gegen den Video-Giganten, dafür aber das wohl bisher umfangreichste. Zahlreiche Musikgrößen von Paul McCartney über U2 bis Jack White haben eine Petition zur Änderung des Digital Millenium Copyright Acts (DMCA) unterschrieben.

DMCA bietet Schlupfloch

Die Google-Tochter selbst wird in der Petition zwar nicht namentlich genannt, die Rede ist jedoch von "major tech companies". Für diese sei durch den 1998 (USA) bzw. 2001 (EU) verabschiedeten Copyright-Act ein juristisches Schlupfloch entstanden: So sind Plattformen nach aktuellem Recht nicht schuldfähig, wenn urheberrechtlich geschütztes Material unmittelbar nach Beschwerde der Rechteinhaber entfernt wird – eine Sisyphusarbeit, die angesichts der täglichen Massen an Urheberrechtsverletzungen von Labels und Verwertungsgesellschaften kaum zu bewältigen ist.

NIN-Chef Reznor: "YouTube lebt von meiner Arbeit!"

Hinter der Petition stehen mit Universal, Sony und Warner alle drei Majorlabels, die Recording Academy, die Recording Industry Association of America sowie 186 Musiker und Bands. Darunter finden sich auch Taylor Swift, Kings Of Leon, Beck, The Black Keys, Nirvana, Pharrell Williams, Yoko Ono, Lady Gaga, The Who – und Nine Inch Nails-Kopf Trent Reznor, der YouTube in der vergangenen Woche bereits gesondert an der Pranger stellte. Der 51-Jährige, der auch als Chief Creative Officer für Apple Music aktiv ist, warf YouTube konkret vor, ihr Geschäftsmodell fuße auf gestohlenen Inhalten. "Kein kostenlos gestaffelter Service ist fair. Sie schreiben damit große Zahlen, haben einen hohen Börsenkurs und das alles durch meine Arbeit und die meiner Kollegen."

YouTube: "Fan-Content ist lizenziert!"

Zwei Tage später wies YouTube Reznors Vorwürfe scharf zurück. Gegenüber Pitchfork äußerte sich ein Unternehmenssprecher:

"Ein Großteil der Labels und Verlage hat mit YouTube Verträge geschlossen, aufgrund derer Fan-Videos auf der Plattform verbleiben dürfen und daraus Ertrag geschöpft werden kann. Die Einnahmen aus Fan-Videos machen derzeit die Hälfte der an die Musikindustrie ausgeschütteten Summe aus. Jegliche Behauptungen, es handle sich um unlizenzierten Content, sind falsch. Bis heute wurden über 3 Milliarden Euro an die Musikindustrie ausgezahlt – und dieser Wert steigt von Jahr zu Jahr."

GEMA unterscheidet nicht zwischen Künstler- und Fan-Content

Zu keinem solchen Vertrag kam es hingegen mit der deutschen GEMA. Die Verwertungsgesellschaft liegt bereits seit Jahren mit YouTube im juristischen Clinch, seit 2009 konnte keine neue Einigung über Lizenzrechte erzielt werden. Eine GEMA-Sprecherin bestätigte gegenüber laut.de allerdings, dass die Art des Materials bei der Lizenzierung ohnehin keine Rolle spiele.

"Für uns stellt sich nur die Frage, woher die Musik ursprünglich kommt. Ob sie beispielsweise als Handyaufnahme gestreamt wird, ist für uns irrelevant. Uns geht es um die letztendliche Nutzungsart. Dafür gibt es dann jeweils entsprechende Tarife, die je nach Download, Abo, Streaming etc. angewendet werden. Für uns macht es keinen Unterscheid, ob es sich um Fan-Content oder Sonstiges handelt."

Daraus ergibt sich, dass eine etwaige Lizenzierung von Fan-Content in Deutschland ohnehin hinfällig wäre. Ob ausländische Verlage und Verwertungsgesellschaften hier anders kategorisieren, ist fraglich. Die laut YouTube abgeschlossenen Sonderverträge waren zuvor jedoch noch nie Gegenstand der öffentlichen Debatte.

YouTube in Deutschland nicht ohne Störerhaftung

In Deutschland konnte YouTube großen Urheberrechtsklagen bisher ausweichen. Ein Urteil des Landgerichts Hamburg von 2012 macht YouTube allerdings gemäß Störerhaftung verantwortlich, sobald eine Urheberrechtsverletzung bekannt ist, also beispielsweise gemeldet wurde.

Urteil v. 20.04.2012, Az. 310 O 461/10

  1. Youtube haftet ab Kenntnis als Störer für urheberrechtsverletzende Videos, die auf der Plattform durch Nutzer eingestellt werden.

  2. Youtube ist nicht nur verpflichtet, rechtswidrige Videos nach einem entsprechenden Hinweis zu löschen, sondern auch mittels des Content-ID-Verfahrens, sowie mittels Wortfilter künftige Uploads dieser Videos zu verhindern.

"Unternehmen beuten Musik für ihre Zwecke aus"

Welche Ergebnisse mit der jüngsten DMCA-Petition erzielt werden können, bleibt nun erst einmal abzuwarten. Konkret richtet sich das Schreiben an den US-amerikanischen Kongress, mit der Bitte "die Gesetze sinnvoll zu ändern, sodass eine Balance zwischen den Interessen der Schöpfer und denen der Unternehmen, die Musik für ihre finanziellen Zwecke ausbeuten, hergestellt wird".

Die gesamte Liste mit allen bisherigen Unterzeichnern:

Fotos

Jack White, Paul McCartney und U2

Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Giuliano Benassi) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Alex Klug) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Jack White, Paul McCartney und U2,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler)

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7 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor einem Jahr

    Trent Reznor, ganz zufällig Chief Creative Officer bei Apple Music, macht mobil gegen YouTube. Als nächstes ist dann wahrscheinlich das Gratis-Angebot bei Spotify dran...
    Als Künstler schaut man in die Röhre, wenn sich Musik auf YouTube "selbstständig" macht und das Prinzip Gratis-Musik funktioniert nicht, weil Entertainment nunmal Geld kosten muss. Bei organisierter, offizieller Vermarktung kann YouTube jedoch eine Goldgrube sein. Die VEVO-Kanäle schmeißen durch Werbeeinnahmen reichlich Cash ab, sieht man ja an den Millionen von Taylor Swift.
    Vielleicht will Reznor nur Werbung für seinen Arbeitgeber machen. Ich würde gerne mal sehen, wie viel er durch Abrufzahlen auf Apple Music verdient.

    • Vor einem Jahr

      @Ohrenschmalz:
      Das Prinzip "Gratis-Musik" funktioniert nicht, wenn jemand wie youtube mit Usern, die die Lala mal eben aus Spaß an der Freude verwenden, Kohle macht, dann aber an die Künstler nix abtreten will. Das hat nix damit zu tun, daß Entertainment Geld kosten muß. Eher was mit Fairness.

      "Organisierte, offizielle Vermarktung" in allen Ehren, aber Taylor Swift als Referenz zu wählen, ist mit Verlaub absolut lächerlich. Die Frau hat 'nen Hype am Laufen, die Videos werden pro Monat 380 Millionen Mal angeklickt, damit macht sie geschätzte 4 Millionen Euro pro Monat, was somit ziemlich genau einem Cent pro Abruf an Werbeeinnahmen entspricht. Sie liegt bei der Verdienstekette auf VEVO wirklich extrem weit oben. Diese Klickzahlen und diese Umsätze wirst Du bei anderen Künstlern oft genug nicht sehen. Jetzt mal völlig abgesehen davon, daß
      a) es immer noch genug Stücke gibt, zu denen kein offizielles Video existiert, und die trotzdem auf youtube oft genug unter Katzenbilder gemischt werden, und
      b) Werbeeinnahmen kein Ersatz für Einnahmen sind, die einem aufgrund der Rechtslage zustehen.

      Reznor macht keine Werbung für seinen Arbeitgeber, sondern stellt sich mit dieser Aktion als Künstler sogar mehr oder weniger gegen ihn. Apple wäre von einer neuen Rechtslage ebenso betroffen wie Spotify oder youtube.
      Gruß
      Skywise

  • Vor einem Jahr

    Die Labels sollen sich mal fragen ob nicht in Wirklichkeit ihre eigene Politik das Problem ist. Nebenbei bietet youtube gratis Werbung für den Künstler ob nun Newcomer oder Star am Ende werden dadurch neue Fans gesammelt und Konzerte gefüllt. Die ganzen Künstler hier holen sich ihre Tantieme jetzt eh durch den Livebetrieb zurück. Alles also Jammern auf sinnlosen und hinterwäldlerischen Niveau!

    • Vor einem Jahr

      @bigfoofightersfan:
      Definiere "Werbung".
      "Ich stelle etwas irgendwo hin und warte ab, bis jemand drüber stolpert oder bis sich rumgesprochen hat, daß da was steht" ist für mich keine "Werbung".
      Youtube macht keine Werbung, wenn sie nicht dafür bezahlt werden. Fertig.
      Gruß
      Skywise

  • Vor einem Jahr

    Habe gar keine Lust mehr, näher darauf einzugehen; dass es da Mängel gibt: geschenkt.

    Währendessen blühen ganze Szenen durch YouTube und Co. auf, der output an qualitativ hochwertiger Musik ist größer denn je und die Anzahl der Leute, die davon leben können, wahrscheinlich auch.
    Solche Themen wären wesentlich interessanter, sich das Ganze mal ordentlich anzuschauen und nicht nur aus der Sicht irgendwelcher Steinzeitgenres und Kopf-im-eigenen-Arsch-Musiker wie Reznor.

  • Vor einem Jahr

    Habe mir die Liste nochmal durchgelesen, da werde ich echt aggressiv. UND DANN DIESER EINGANGSSATZ... ja, genau, DARUM GEHT ES EUCH... deswegen beschweren sich auch die ganzen Newcomer und angehenden Songwriter, hm?

    Meanwhile in Phantasia...

    • Vor einem Jahr

      Komisch. Als ein engagierter User ein Video online gestellt hat, in dem er verschiedene, teils altgediente, teils neue, Komponisten und Künstler, die allerdings größtenteils hinter den Kulissen zugange waren, zu dem damaligen Prozess zwischen GEMA und youtube befragt hat, waren verdammt (!) viele Kommentare dabei, die rumgenölt haben "Wer ist denn diese Flasche, soll erst mal einen youtube-Kanal aufmachen/was schreiben, das man kennt, bevor er behauptet, youtube würde ihn über den Tisch ziehen."
      Scheint egal zu sein, wer was macht - man findet immer jemanden, der was daran rumzumäkeln hat.
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      Guter Einwand! Hast du den Link noch?

      PS: bezweifle nicht, dass es da Missstände gibt. Aber ich als Konsument und nicht in betreffenden Prozessen direkt Beteiligter, kann nur sagen, dass ich selten zufriedener mit dem musikalischen output war, der mir dargeboten wurde und - das mit Sicherheit - noch nie unter mehr und vielfältigeren, überwiegend wenig bis unbekannten Künstlern aussuchen konnte, die das fast alle beruflich zu machen scheinen und das auch schon über einen längeren Zeitraum.
      Von den großen Nummern ganz zu schweigen, die sich wie eh und je die Nase güld und güldener verdienen.

      Finde einfach nicht, dass man diese recht neuen Entwicklungen mit/an alten Kriterien messen kann.

    • Vor einem Jahr

      PPS: und ohne YouTube würde ich ehrlich gesagt 60% davon nicht mitbekommen. Und die Zahl ist wahrscheinlich noch untertrieben.

    • Vor einem Jahr

      Sobald wir bedingungsloses Grundeinkommen haben löst sich die Proffessionalitätsdebatte doch auch in Luft auf.

    • Vor einem Jahr

      @mundanus:
      Der Kanal wurde im Laufe letzten Jahres gelöscht. Neben der Reaktion von Youtubern dürfte auch dazu beigetragen haben, daß der Prozess längst abgeschlossen war. Was Du aber sicher noch finden kannst, sind die Komponistenkommentare auf die Aktion von Anonymous, die 2011 auch mal die GEMA-Seite unter Beschuß genommen und als Begründung irgendwelchen Schwachsinn gebrabbelt haben. Die Kommentare der User gingen in dieselbe Richtung ("Solche Pappkameraden", "Kennt die jemand" und so weiter).

      Und was die Rolle von youtube angeht - keine Ahnung, wie das bei Dir so läuft. Ich brauche jedenfalls kein VIDEOportal, um AUDIOmaterial zu entdecken, und wenn das Portal noch nicht mal in der Lage ist, mir Suchbegriffe oder die Klicks von minderbemittelten Usern zu ersparen, die zu anderen Videoempfehlungen führen, dann kann es mich kreuzweise. Es gibt ein paar schöne Kanäle, auf denen Plattensammler ihre Sammlungen vorstellen und kommentieren, aber diese Tips kann ich mir auch über andere Internetseiten oder Portale holen. Ohne youtube würde ich keinen einzigen Interpreten weniger entdecken, höchstens andere.
      Gruß
      Skywise

    • Vor einem Jahr

      Ja, abseits meiner affektiv geladenen Spitzen halte ich diesen Konflikt vor allem für einen der Generationen und Genres.

      Aber gerade durch die Suchvorschläge entdecke ich doch recht häufig Künstler, und circa 90% der Empfehlungen, die z.B. hier gegeben werden, beinhalten ebenfalls einen YT-Link.
      Die Einzige kostenlose Streamingseite, die mir genreübergreifend wirklich noch einen Mehrwehrt zu haben scheint, ist soundcloud.

      Ansonsten bin ich halt viel auf datpiff und Ähnlichem unterwegs, aber dort gibt es dann wieder nur Rap und R&B.

      Kurz: unterwegs nutze ich YT so gut wie gar nicht, am Laptop hingegen fast täglich. Oft läuft es auch einfach nur im Hintergrund, so lange bis ich zu etwas weitergeleitet werde, das mir nicht gefällt.

  • Vor einem Jahr

    Geile Liste. 80 Pfeifen & der Rest bekommt den Hals nicht voll genug. Pearl Jam ist gesetzt, Ohrenschmalz schreibt es ja schon oben, und dass U2 wieder mitmischen muss, war auch klar. Der Paule war mir ja eigentlich sympathisch, wird aber wohl auch im Alter debil. Und dann? Jon Bon Jovi (offensichtlich ohne Band, wollte Richie wohl nicht mitziehen?), Bryan Adams, Billy Joel, alles Radiomusiker ohne nennenswerte Schlagzeilen seit den 90ern. Das sagt schon alles. Einfach mal wieder Hits schreiben, Jungs, dann dudelt auch das Radio mehr als Summer of 69, Bed of Roses und River of Dreams. Langsam wird mir schlecht.