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Ninet Tayeb: "Berlin ist die dunkle Seite meiner Musik"

Hat sich deine Arbeit mit Steven Wilson seit "Hand. Cannot. Erase." verändert?

Nein, es ist immer eine Freude und weitestgehend gleich geblieben. Wir sprechen gewissermaßen dieselbe Sprache. Es ist supereinfach für mich, mit ihm zu arbeiten. Er will gewisse Dinge, die ich umsetzen und singen kann. Und ich denke, ich verstehe ihn. Wir funktionieren gut zusammen.

Wie sind denn die Shows mit Steven eigentlich für dich?

Ich liebe sie! Weißt du, Steven ist ein Mann der Musik. Ich lerne so viel von ihm – einfach nur dadurch, dass ich neben ihm sitze und ihn beobachte. Es fühlt sich ein bisschen an wie Schule. Ich bin das brave Mädchen, das gut zuhört und so viel mitnehmen möchte, wie es nur kann.

Aviv Geffen (Stevens Blackfield-Partner, Anm. d. Red.) hat dein erstes Album produziert. Kam über ihn der Kontakt mit Steven zustande?

Genau, ja. Vor etwa drei Jahren hat mich Aviv Steven vorgestellt und seitdem sind wir beste Freunde!

Deinen ersten großen Erfolg hast du durch den Sieg bei der Castingshow Israeli Idol gefeiert. In Deutschland kriegt man von deiner Karriere nicht sonderlich viel mit – was ist seitdem alles passiert?

Hahaha, wir müssen es uns wohl bis morgen Früh oder nächste Woche hier bequem machen. Okay, die Kurzversion: Mit 19 habe bei Isreali Idol teilgenommen, dort gewonnen und mein erstes Album mit Aviv Geffen aufgenommen. Dann vollzog ich gewissermaßen eine 180-Grad-Drehung und beschloss, fortan meine eigene Musik zu machen. Ich fing an zu spielen und zu komponieren und seitdem mache ich alles allein. Natürlich arbeite ich mit tollen Produzenten und Musikern zusammen, aber ich habe entschieden, dass ich meinen Weg selbst bestimmen möchte. Ich lernte mich selbst dabei besser kennen, fand heraus, was ich sagen möchte, was ich ausprobieren möchte, was ich tun möchte – und wer zum Teufel ich selbst bin! Das wusste ich mit 19 noch nicht. Jetzt weiß ich es auch noch nicht, aber zumindest besser als vorher. (lacht) Inzwischen habe ich fünf Alben veröffentlicht, zwei davon auf Englisch. Seit einem Jahr lebe ich in Los Angeles – gemeinsam mit meinem Mann und meiner Tochter. Mein Mann hat mein Album produziert und spielt Gitarre für mich. Wir machen Musik! Deswegen sind wir ja hier.

Zum Release deines zweiten Albums gab es ja ziemlich heftige Reaktionen. Kannst du darüber etwas mehr erzählen?

Oh ja. Das erste Album ist sehr poppig, süß. Es gibt ein paar gute Songs, Aviv hat für mich geschrieben, aber wie ich vorhin schon erwähnt habe: Ich wollte mein eigenes Ding durchziehen und unabhängig agieren. Das zweite Album ist Rock'n'Roll, sehr tough und unterscheidet sich einfach massiv vom Debüt. Das Publikum hat mich gehasst. Es hieß: "Hey, wir haben für dich abgestimmt, für etwas, was wir dachten, das seist du. Aber das bist du nicht. Wer zur Hölle bist du?" Dude, das versuche ich auch rauszufinden, also gebt mir Zeit. Es war kompliziert, denn sie haben mich wirklich gehasst. Heute ist alles wieder gut. Sie glauben mir und sehen, wer ich bin.

Dieses Jahr erschien dein neues Album "Paper Parachute". Du hast es mal beschrieben als Mischung aus Israel, New York ...

... und Berlin! Ja, ja! Israel, Berlin, New York und L.A. sind für mich die besten Orte für Musik, die ich liebe. Berlin ist die dunkle Seite. Berlin ist der 'Hardcore-Vibe', den du beim Hören meiner Musik fühlst. Israel ist der nahöstliche Einfluss. Mir fällt es schwer, meine Musik zu beschreiben. Wenn Leute mich danach fragen, sage ich deshalb immer, sie sei ein Mix aus diesen Städten: Berlin, Tel Aviv, New York und L.A. Daraus kannst du dann machen, was du willst. Wenn Berlin für die Kälte, Schnee und Dunkelheit bedeutet, hörst du das in meiner Musik. Aber das kann individuell variieren. Ganz allgemein: Berlin ist eine meiner Top-5-Städte.

Hast du einige Songs auch hier geschrieben?

Nein, noch nicht. Aber das werde ich noch! Weiß du was: Vielleicht fange ich heute Abend noch damit an. Meine Gitarre habe ich ja dabei.

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