Die "Star Search"- bzw. "Popstars"-Gewinner Martin Kesici und Markus Grimm berichten über ihre Erfahrungen im Casting-Zirkus und die harte Landung nach dem Höhenflug.

München (dani) - Etliche Teilnehmer von Casting-Shows fühlten sich bereits berufen, ihre Erlebnisse in Buchform zu kredenzen. Mark Medlock berichtete über sein Leben - "Ehrlich", wie der Titel betonte. Die doch eher erfolglose DSDS-Teilnehmerin Monika Ivkic sträubte sich mit dem Rat "Lasst Euch von Bohlen nicht verkohlen" (ebenfalls eher erfolglos) gegen das Versinken im Meer des Vergessens. Wozu also noch ein Schinken über den Casting-Zirkus?

Es gibt tatsächlich mehrere gute Gründe, sich "Sex, Drugs & Castingshows" (432 Seiten, Softcover mit Klappen, riva Verlag, München, 17,90€) zu Gemüte zu führen. Zum einen sprechen mit Martin Kesici und Markus Grimm nicht - wie im Fall Ivkic - enttäuschte, weil gescheiterte Kandidaten, sondern die Gewinner der jeweiligen Show. Kesici stand 2003 nach "Star Search" als Sieger in der Kategorie "Adult Singer" da. Markus Grimm landete bei "Popstars" ein Jahr später in der Siegerband "Nu Pagadi".

Gewinner packen aus

Anders als im Falle Medlock, der in "Ehrlich" nichts, aber auch gar nichts verrät, das nicht in der entsprechenden Staffel von "Deutschland sucht den Superstar" bereits breit gewalzt wurde, beschränken sich die beiden Erzähler hier nicht auf Politur der glänzenden Oberfläche. Kesici und Grimm gestatten tatsächlich den viel zitierten "Blick hinter die Kulissen". Ihre Geschichten enden eben gerade nicht mit dem glanzvollen Finale der Show, sondern fangen dann erst richtig an.

Die Herren "Popstars" zieren sich nicht, die eigene Begeisterung, in die sie sich im Lauf der jeweiligen Sendung trotz bestehender Vorbehalte treiben ließen, einzugestehen. Sie zieren sich aber genauso wenig, Fehlern, persönlicher Dummheit und allem voran der eigenen Manipulierbarkeit ins Auge zu sehen.

Ehrlich, fesselnd und zudem gut lesbar

Zwar gibt "Sex, Drugs & Castingshows" nichts preis, das man als halbwegs kritischer Zuschauer beliebiger Casting-Formate nicht bereits gewusst oder doch zumindest schwer vermutet hätte. Trotzdem fesselt die Ehrlichkeit, mit der Kesici und Grimm zu Werke gehen. Erfreulich frei von Effekthascherei und Gier nach Aufmerksamkeit wirken ihre abwechselnd häppchenweise dargereichten Erfahrungsberichte, die sich - mit Sicherheit zumindest teilweise das Verdienst von Co-Autor Patrick S. Berger - mühelos verschlucken lassen.

Warum sich selbst gestandene Musiker - beide Jungs hatten das Teenageralter zu ihrer Casting-Zeit längst hinter sich und brachten zudem reichlich Banderfahrung mit - verführen lassen, obwohl sie doch eigentlich vorher wussten, dass sämtliche Talent-Shows dieses Kalibers lediglich auf Quote, nicht jedoch auf einen soliden Karrierestart für einen jungen, unbekannten Künstler hinarbeiten? Die Frage bleibt offen. Die harte Landung nach dem unverhofften Höhenflug, die die Betroffenen je nach Konstitution inzwischen unterschiedlich gut verdaut haben, beschreiben beide jedoch nachvollziehbar, berührend und stellenweise mit höchst vergnüglichem Galgenhumor.

"Alter, was für eine Karriere?!"

Schade eigentlich, dass sich tatsächlich kein Opfer der Maschinerie "Deutschland sucht den Superstar" in ähnlicher Weise äußern wollte. Der Gewinner der dritten Staffel wäre der Mann der Stunde gewesen. Die Szene, in der Kesici und Grimm ihre vergeblichen Überzeugungsversuche schildern, liefert allerdings fast noch mehr Aufschluss darüber, wie es dort zugehen mag, als eine Beteiligung des siegreichen Kandidaten. Der lehnte die Teilnahme aus Angst um seine Karriere ab.

In den Ausruf "Alter, was für eine Karriere?!" der beiden Auspacker möchte man von Herzen einstimmen - oder wer genau erinnert sich noch an Tobias Regner?

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