Die Republik dreht hohl. Wer macht mit? Bei Cro, Slipknot oder Daft Punk ist das ganze Jahr über Fasnacht.

Konstanz (laut) - Bevor der brave Christenmensch die Fastenzeit begeht, haut er noch einmal ordentlich auf den Putz, greift der Heidi von hinten an die Teile, leert sich hektoliterweise Hochprozentiges in den Rachen und rülpst was von Helau, Alaaf und Narro in die meist eiskalte klare Winterluft. Alles natürlich im Rahmen und zu Ehren von Tradition und Brauchtum. Is klar!

Zu einer zünftigen Narretei gehört auch das passende Kostüm bzw. eine Maske. Während meist ein roter Gesichtserker ausreicht, damit sich Heerscharen von Karnevalisten zu Tode lachen, geben sich die Tanzkapellen und Musikanten oft mehr Mühe. Vorhang auf und Buh!:

Die närrischsten musikalischen Maskenmänner

Insane Clown Posse

Wenn einem im Schlaf der Geist des "Dark Carnival" erscheint, einem den Weg weist und verlangt, man solle sich künftig die Gesichter bemalen - was soll man da machen? Violent J und Shaggy 2 Dope hat die schwarzweiße Fassade nicht geschadet. Eine ergebenere Fangemeinde als die der Insane Clown Posse muss man lange suchen - aus vielen guten, zu oft penetrant verkannten Gründen. "From Pluto to ur anus we're underground famous for doom and 808 bass boom - in yo face!" [Dedicated to the Butterfly.]

Deadmau5

Was Joel Zimmermann da auf dem Kopf hat, ist nicht einfach irgendein Mäusekopf oder eine billige Liebeserklärung an Micky Maus. Nein, Nein, die Maske von Deadmau5 ist voller toller Gadgets, wie beispielsweise Stroboskop-Augen oder Verspiegelung. Wahnsinn! Der Speedy Gonzalez des Elektros braucht das zwar nur bedingt, aber er trägt den Mäusekopf eh nur, um Aufmerksamkeit an sich zu ziehen. Die zugegebenermaßen etwas berechnende Nummer geht gut auf: Das Mäuschen gilt als einer der erfolgreichsten Elektrokünstler der Zeit.

Buckethead

Buckethead kam in einem Hühnerstall zur Welt und inmitten des Federviehs auch zur juvenilen Reife. Danach zog es ihn in die weite Welt, um zu musizieren. Sprechen kann er wohl nicht. Das übernimmt für ihn Herbie, eine Handpuppe. Ahsklar? Aber wer für Axl Rose Gitarre spielt, muss ohnehin einen an der Waffel haben.

Gorillaz

Als die Gorillaz sich live hinter einer Leinwand versteckten und ihre Alter Egos auf die Bühne schickten, ging ein großes Raunen nach dem neuem Pop-Entertainment um. Konsequent seit 1999 halten sich Blur-Sänger Damon Albarn und Zeichner Jamie Hewlett bedeckt und lassen ihre Comic-Band für sich agieren. Da ist Sänger 2-D, dessen Kopfinhalt aus einem leeren Papier besteht. Murdoc, der lange, dünne Kettenraucher mit einer Schwäche für Black Sabbath spielt Bass, Russel sorgt für die Beats und Noodle, zehn Jahre alt, aus Osaka, spricht nur ein englisches Wort und benutzt lieber die Sprache der Gitarre. Na also, eigentlich eine ganz normale Band.

The Residents

Wer oder was hinter den Residents steckt, ist eigentlich zweitrangig. Mittlerweile wollen zwar einige findige Detektive die Musiker hinter den Masken identifiziert haben; oder zumindest die zwei Hauptdarsteller. Eigentlich schade, denn zu rätseln, wer die berühmten Augapfel-Masken trägt, ist doch viel schöner.

Daft Punk

Guy-Manuel de Homem-Christo und Thomas Bangalter sind vermutlich die coolsten Maskenträger überhaupt. Weil die konsequentesten: Es gibt nur wenig unmaskiertes Bildmaterial vom französischen Duo. Zu Studioalbum Nummer zwei bekamen Journalisten standardisierte Antworten serviert - sie liefen via LCD-Laufschrift quer über den Helm. Damals begann ihre eigene Weltraumsaga. Und schon jetzt fast legendär: der Cameo-Auftritt in "Tron Legacy". Daft Punks Retro-Future-Raumanzüge sind dermaßen stylish, dass man den ganzen Streifen auch einfach um sie herum hätte designen können.

Mike Candys

Michael Kull aka Mike Candys trägt eine Smiley-Maske. Wie sackblöd ist das denn bitte?

Ten Masked Men

Der wohl faszinierendste Aspekt des Verkleidungs-Mummenschanzes ist die Möglichkeit, mal in eine gänzlich andere Rolle schlüpfen zu können. Unter der Maske des Death Metal entwickeln sogar schlichte Pop-Songs ein unerwartet düsteres Eigenleben. Wie das zünftig funktioniert, bewiesen die Briten von Ten Masked Men. Sie schnappten sich u. a. Madonnas "Into The Groove" und A-Has "The Living Daylights". Böse Gitarren und brachiales Schlagzeug arbeiteten sogar aus Phil Collins "Easy Lover"-Schmonzette nie vermutete Abgründe heraus.

Lordi

Grusel-Altmeister Edgar Allan Poe ließ einst "Die Maske Des Roten Todes" zum Entsetzen aller Gäste auf einem eleganten Ball auftreten - ähnlich geschockt fühlten sich schlicht gestrickte Schlager-Fans beim Eurovison Song Contest des Jahres 2006. Die martialisch gekleideten Finnen von Lordi trugen mit ihrem Titel "Hard Rock Halleluja" gar den Sieg davon.

Gwar

Die Horror-Show von Gwar ist bei weitem nicht so blöde und infantil, wie man gemeinhin annehmen möchte. Die Brüder in Latex von Lordi tun sich nicht nur mit plumper Provokation hervor.

TISM (This Is Serious Mum)

Die Gloreichen Sieben aus Down Under ... keiner weiß, wer dahinter steckt.

Die Vamummtn

Österreichs Rap-Szene hat zuweilen Skurriles zu bieten. Wer wirklich unter Bandanas und Skimasken und hinter den absolut nichtssagenden Pseudonymen Ansa, Zwara, Dreia steckt, weiß man nicht - zumindest hat es sich bis zu uns noch nicht herumgesprochen. Was man allerdings auch hierzulande kapiert hat: Ins Kreuzfeuer der Vamummntn möchte man besser nicht geraten. Der arme Lukas Plöchl ...

Dr Lektroluv

Hinter einer grünen Maske und dem Namen Dr. Lektroluv verbirgt sich der Belgier Stefaan Vandenberghe. Seit Anfang des Jahrtausends ist der Doktor auf einem Wohltätigkeits-Feldzug, um Nicht-Tänzer durch Plattenauflegen zu heilen.

SBTRKT

Würde Aaron Jerome aka SBTRKT mir auf dunkler Straße begegnen, würde ich schneller laufen, als seine beruhigten Dubstep-Beats es zuerst suggerieren. Das liegt in erster Linie an seiner Bast-behaarten Stammesmaske, die mit Kriegsbemalung und bösem Blick im blitzenden Neonlicht der Clubs schon angsteinflößend wirken kann. Für den Künstler selbst hat sein Gesichtsschutz aber einen ganz harmlosen Hintergrund. Er dient dazu, seine Musik auf ein höheres Level zu heben: "Es geht darum, die Seele zu erhöhen, das 'Normale' an der elektronischen Musik herauszufordern." Also, alles ganz harmlos.

The Knife

Ein Rabe gilt gemeinhin nicht als angenehmer Zeitgenosse. Das dunkle Gefieder, der gellende Schrei und die Tatsache, dass er sich gerne an Aas labt, rücken ihn nicht gerade in ein glänzendes Licht. Ausgerechnet diese Maske sucht sich das schwedische Geschwisterpaar Karen Dreijer Andersson und Olof Dreijer häufig aus, um ihre skandinavischen Gesichter zu verdecken. Die konsequente Verweigerungshaltung führt sogar dazu, dass ihre Live-Auftritte rar gesät sind, wenn dann nur unter verdeckten Gesichtern, Interviews gibts auch nicht. Wer aber so feinen Synthiepop wie The Knife, oder den Soloausflug Fever Ray hinzugezählt, schafft, der kann sich solche Eigenheiten allemal leisten.

Kiss

Sie liebten die Maskerade Alice Coopers und die Inszenierung der New York Dolls. Als Kiss am 30. Januar 1973 im New Yorker 'Popcorn Club' ihren ersten Auftritt vor einer Handvoll Konzertgänger spielten, trugen sie kaum Make-Up. Im März dann begann mit einer Reihe von Konzertabenden in Amityville ein Leben voller Alter Egos: Paul Stanley war "The Starchild", Gene Simmons "The Demon", Ace Frehley "The Space Ace" und Peter Criss "The Catman".

Auch ohne Effekthascherei gelang ihnen ein feiner Werbeschachzug: Demaskiert traten Kiss erstmals am 18. September 1983 bei MTV auf. Genau auf diesen Tag fiel die Veröffentlichung ihrer LP "Lick It Up". Es wurde eine goldene.

Genetikk

Bei Selfmade Records bewies man in den letzten Jahren häufig ein sicheres Näschen für die deutsche Rap-Szene. Wenn man im Stall von Kollegah und Favorite also entscheidet, Genetikk unter die Fittiche zu nehmen, darf der kopfnickende Teil des Landes zumindest interessiert abwarten, was deren demnächst erscheinendes Album zu bieten hat. Die Gesichtsbemalung passt jedenfalls zum Titel: Willkommen im "Voodoozirkus"

Marilyn Manson

Im Jahr 1990 nahm Brian Warner mit dem Gitarristen Scott Putesky und dem Bassisten Brian Tutunick ein erstes Demoband auf. Sie nannten sich "Marilyn Manson & The Spooky Kids". Jedes Bandmitglied verpflichtete sich zu einem Künstlernamen. So wurde aus Warner Marilyn Manson, eine namentliche und inhaltliche Verquickung von Marilyn Monroe und Charles Manson. Für Warner waren die Gesetzmäßigkeiten des Ruhms und der Kriminalität spielerisch vereinbar: "Marilyn Monroe hatte eine dunkle Seite, genauso wie Charles Manson eine gute, kluge Seite hat." Die Gruppe begann ihre Sets in Frauenkleidern, setzte die Bühne in Brand, versetzte Besucher in Schockstarre. Das Gute und das Böse: In Marilyn Mansons Brust wohnten zwei Seelen. Unverträglich und doch ergänzend. Abstoßend und gleichzeitig anziehend. Dem eigenwilligen Trent Reznor gefiel der polarisierende und polarisierte Manson. Auf Reznors Label Nothing Records erschien die erste Manson-CD "Portrait Of An American Family".

Mudvayne

Eigentlich hätte man dagegen protestieren sollen, dass sich Mudvayne ab 2005 nicht mehr maskierten. So ganz ohne Make up erkennt man, dass hinter der Scharade keine Chippendales stecken.

Cro

"Ich hab' keinen Benz vor der Tür, keinen Cent für'n Bier / doch ich spür irgendwann wird das anders". Sobald dieser Typ einen fahren lässt, schreiben sich die Blogs die Finger wund und die Kids feiern es. Der Hype wird dem Chimperator-Schützling nicht nur einen Benz vor die Türe stellen, sondern auch noch gleich einen 40-Tonner randvoll mit Stuttgarter Hofbräu in den Hof fahren.

Marsimoto

Eigentlich war Marsimoto lediglich eine Ausgeburt von Marterias Phantasie, ein Spaßprojekt zum Hirn-Abschalten. Doch inzwischen ist wohl keiner mehr sicher, wer wirklich zuerst da war und wer tatsächlich die Hosen anhat - zumindest, wenn sie grün sind. "Beim Splash! hab ICH den großen grünen Rauch", betont Marsimoto. Stimmt. Bitte ziehen Sie durch!

MF Doom

Das Kürzel seines Bühnennamens gestattet viele Lesarten. Ob MF nun für "Mad Flows" steht, für "Metal Fingers", wie sein Produzentenalias lautet, oder doch - schließlich springt die Maske ins Auge - für "Metal Face": Daniel Dumile besitzt viele Gesichter, doch sein wahres bleibt Privatsache. "Mein Shit ist dope. Da ist meine Fresse, meine Hautfarbe und mein Geschlecht total egal."

Blue Man Group

Drei Blaumänner im Blaumann. Oder so ähnlich. Ursprünglich von Chris Wink, Matt Goldman und Phil Stanton ins Leben gerufen, treiben auf der ganzen Welt Klone der Blue Man ihr Unwesen. Nur mit Pantomime halten die drei Jungs der Gesellschaft in launiger Weise den Spiegel vor. Die Performance-Kunst der Blauen ist einzigartig und faszinierend. Von der Musik mal ganz abgesehen.

Crimson Glory

Crimson Glory. Kaum einer hierzulande kann sich noch daran erinnern, als 1986 ihr selbstbetiteltes Debüt erschien, auf dem die Musiker sich hinter chromblitzenden Fantasie-Masken verbargen. Mit ihrer Mucke setzten sie sich zwischen die Stühle. Sie waren nie so richtig hart, so dass sie auch von der Thrash-Szene akzeptiert wurden. Für die Hairmetaller hingegen klangen sie zu anspruchsvoll. Irgendwie wie die Fantasy-Ausgabe von Queensryche.

Sido

Aufmerksamkeit war ihm damals sicher, im gerade angelaufenen Nuller-Jahrzehnt. Mit fieser Maske und dem "Arschficksong" schlurfte Sido um seinen Hip Hop-Block, und erschreckte damit kleine Kinder und wehrlose Omis gleichermaßen. Und nutzte den Ghetto-Karneval als Sprungbrett in den Mainstream-Alltag: Mittlerweile moderiert er Musikpreis-Verleihungen (Comet), und versucht sich als Castingshow-Juror ("Popstars"). Andere mussten ihr Karriere-Konfetti längst zusammen kehren - doch Sido zieht bei Bedarf immer wieder ein neues Päckchen aus seinen Baggys. Die Party geht weiter.

The Other

Halloween und Horrorpunk sind seit Gedenken eng miteinander verkettet. So zelebrieren Deutschlands Vorzeige-Ghouls - The Other - das Fest des Schreckens nur bei jedem ihrer Konzerte sondern 365 Tage im Jahr.

The Misfits

Wenn man The Other erwähnt, muss man deren bösen älteren Zwilling The Misfits auch aufzählen. Nämlich!

Hollywood Undead

"Wolle mer se reinlasse?" Gangsterstyle, Hockeymasken, Explicit Lyrics, Metal meets Hip Hop - würden die sechs Amis einem hiesigen Faschingsball einen Besuch abstatten, würden sie, obwohl nicht die einzigen Vermummten, unter ihren Masken verdutzte Gesichter aufsetzen: Was zum Teufel geht hier ab? Was soll das? Kalifonische Kids sind nun mal andere Unterhaltung gewohnt. Sprich, freiwillig wollen die eh nicht rein.

Blokkmonsta

Die schlaueste Idee, die Blokkmonsta jemals hatte, dürfte die gewesen sein, sein Gesicht zu verhüllen und seine Stimme zu verstellen. Auf den Umstand, als erster nicht der rechten Szene zugehöriger Musiker wegen Volksverhetzung belangt zu werden, kann man sich schließlich schwer etwas einbilden - es sei denn, man ist hirntot, haha! So aber kann der monströse Knabe weiterhin unerkannt um den Block streichen und Kollegen mit der Stichsäge bedrohen. Evil!

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