Taylor Swifts Anwälte wollten einen Blog zum Schweigen bringen, der Swift mit Hitler verglichen hatte. Das ging voll nach hinten los.

Nashville (dol) - Wahrscheinlich hätte kaum jemand bemerkt, dass der ziemlich unbekannte Musikblog 'Popfront' Taylor Swift mit Adolf Hitler verglichen hat. Das war bereits im September, und der Blog hat bestenfalls einige Hundert Leser. Doch dann schalteten sich Swifts Anwälte ein und sorgten damit für ein gewaltiges Presse-Echo.

Blonde Haare, blaue Augen, arische Rasse? Die Rechten in den Vereinigten Staaten vereinnahmen die Taylor Swift schon seit längerem für sich. Immerhin erfüllt sie mit ihrem Backgound in der Country-Musik sowie ihrer optischen Erscheinung alle Vorgaben deren Weltbildes.

Taylor Swift, eine "arische Göttin"?

Das rechtsextreme Medium "The Daily Stormer" gab sich 2016 sicher, dass die Sängerin im Geheimen mit Nazis sympathisiere, und bezeichnete sie als "arische Göttin". Auch das Portal Breitbart sah nach der Veröffentlichung des Videos "Look What You Made Me Do" eine Verbündete in Swift. Im Gegenzug klopfen Blogs die Songs und Videos der Sängerin nach rechten Botschaften ab.

So auch die Plattform Popfront.us. In einem im September erschienenen Beitrag bezeichnet die Autorin Meghan Herning Swift als "Ikone weißer Rassisten, Nationalisten und anderer Randgruppen." Sie fordert die Sängerin dazu auf, sich politisch zu bekennen, da sie durch ihr Schweigen die Ungerechtigkeit unterstütze.

Swifts Anwälte nehmen kritischen Blog ins Visier

Und sie vergleicht eine Szene aus dem "Look What You Made Me Do"-Video mit Auftritten Hitlers in der Öffentlichkeit. Diesen Vergleich kann man nicht einmal als sonderlich originell bezeichnen - immerhin gibt es schon seit fast zwei Jahren eine Reddit-Seite mit dem Titel "Taydolf Swiftler", deren einziger Zweck es ist, Swift-Lyrics in einen Zusammenhang mit Hitler-Bildern zu bringen.

Trotzdem gingen Swifts Anwälte nun gegen Hernings Blogbeitrag vor. Sie weisen die Behauptung als "grotesk" zurück, die 27-Jährige sympathisiere mit der Alt-Right-Bewegung. Der über Popfront.us veröffentlichte Text schädige den Ruf Taylor Swifts.

Swifts Anwälte forderten eine Unterlassungserklärung und verboten dem Blog zugleich, aus ihrem Schreiben zu zitieren. Damit verstoße das Medium gegen das Urheberrecht.

Nun erhält die Bloggerin Unterstützung durch die Nichtregierungsorganisation American Civil Liberties Union (ACLU). Diese kritisiert die Anwälte Swifts für ihren Versuch, die Meinungsfreiheit zu unterdrücken. Ungeachtet der Drohungen veröffentlichte die Organisation zudem das Anwaltsschreiben. Auf ihrer Homepage äußerte sich die ACLU zum Fall: "Kritik ist nie angenehm, aber Prominente müssen sie abschütteln, selbst wenn die Kritik rufschädigende Wirkung haben könnte."

Neues Album "Reputation" auf Erfolgskurs

Taylor Swift trat 2008 einmal auf einem Parteitag der Republikaner auf, ein andermal zeigte sie Sympathien für Barack Obama. Seitdem hält sie sich politisch völlig bedeckt. Doch genau diese Zurückhaltung nutzen die Rechten in den USA aus, um Swift für sich zu reklamieren.

Trotz - oder gerade wegen - der Kontroversen verspricht ihr neues Album "Reputation" ein enormer Erfolg zu werden. Ihre erste Videoauskopplung "Look What You Made Me Do" sammelte in den ersten zweieinhalb Monaten über 690 Millionen Youtube-Klicks.

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4 Kommentare mit 9 Antworten

  • Vor 7 Tagen

    selbes problem wie bei frau fischer. beide achten peinlich genau darauf, ihre rechtsasozialen fans (von denen es in beiden fällen etliche gibt) nicht zu vergrätzen, ohne direkt angreifbar zu sein.

    solches tun durch unterlassen kann eines tages sehr deutlich nach hinten losgehen.
    es ist ein bisschen das gründgens/höfgen-syndrom-light. denn auch wenn man nicht das falsche sagt, bedeutet die vermeidung, das richtige zu sagen nie etwas gutes.

    • Vor 7 Tagen

      Kann man so unterstreichen.

    • Vor 7 Tagen

      Zum Teil ja, aber sie dann zwangsläufig der alt-right bewegung zuzuordnen und ihre Texte aus irgendwelchen zusammenhängen herauszureissen und umzudeuten ist auch behindert.

    • Vor 7 Tagen

      Taylor Swift hat finanziell ausgesorgt und unfassbar viele Fans. Da könnte die sich doch problemlos distanzieren. Verstehe ich nicht.

    • Vor 6 Tagen

      abbeduude, das stimmt natürlich. aber die tatsache, dass der protest und die entlarvung des opportunismus sich auf erbärmlichem niveau befindet, macht es nicht besser. das versagen ist hier kumulativ.

    • Vor 6 Tagen

      Dieser Kommentar wurde vor 6 Tagen durch den Autor entfernt.

    • Vor 6 Tagen

      Also wenn ich Musiker wäre , und feststellen würde das :
      1. rechtsextreme Medien wie "The Daily Stormer" sich sicher sind dass ich im Geheimen mit Nazis sympathisiere
      2. man mich als als "arische/n Gött/in" bezeichnet
      3.und das Portal Breitbach mich als Verbündete/n sieht
      4. und man für die rechte alt.right-Bewegung eine Ikone ist
      dann würde ich mir diese Vereinnahmung durch die neuen Rechten verbitten. Und wenn es sein muss juristisch dagegen vorgehen.
      Es nicht zu tun, nur weil man Angst hat Fans die diese Gesinnung haben zu verlieren, ist sehr kurzsichtig und ein großer Fehler.

    • Vor 6 Tagen

      Die core-fanbase von Swift ist weiß und eher konservativ eingestellt. Wendet sie sich zu stark gegen Trump und die alternative Rechte, verliert sie viele Hörer. Taylor Swift will weiterhin relevant bleiben und nicht das gleiche Schicksal erleiden wie Katy Perry, die sich politisch zu eindeutig positioniert hat und damit krachend gescheitert ist. Ich erinnere da nur an die ganzen weißen Popsängerinnen mit ähnlicher Fanbase, die sich mit Kritik an Bush zurückhielten.

    • Vor 2 Tagen

      Komisch alle verlangen von einer Popsängerin, dass sie sich politisch positioniert. Warum? Weil man sie sonst boykottiert, da sie nicht dem eigenen politischen Weltbild entspricht? Eine Sängerin nur dann hören zu können, wenn ihr politisches Weltbild stimmt ist naiv und dumm und das egal aus welchem Lager. Das ist wie keine Tom Cruise Filme zu gucken nur weil er bei Scientology ist. Ihr Leute verliert wirklich den Bezug zwischen Kunst und Privatleben.

  • Vor 6 Tagen

    "Sie weisen die Behauptung als "grotesk" zurück, die 27-Jährige sympathisiere mit der Alt-Right-Bewegung. Der über Popfront.us veröffentlichte Text schädige den Ruf Taylor Swifts."

    Wenn es nach eigener Aussage der Anwälte so grotesk und rufschädigend ist, mit rechtsextremen Strömungen in Verbindung gebracht zu werden, dann sollte es doch der einfachste Move der Welt sein, sich von solchen Bewegungen öffentlich zu distanzieren. Dämlicher geht's jetzt ja wirklich kaum noch.

  • Vor 6 Tagen

    ich habe jetzt live vids von taylor gesehen...naja eher :/ wenn der führer einen gig hatte, dann brannte die Luft und die Menge tobte