Schwermetall-Fans pilgerten übers Wochenende ins schwäbische Balingen.

Balingen (edy) - Zuhause in Mainz gabs Donnerstagnacht noch ein Gewitter from Hell mit vollgelaufenen Kellern und allem, was dazu gehört. Keine guten Voraussetzungen für ein Festival ...

Der erste Festivaltag verspricht laut Wetterdienst für den Süden des Landes auch nicht viel Besseres, und wirklich einladend sieht es nicht aus, als unsereins zu schließlich auf dem Festivalgelände aufschlägt. Es ging schon sehr früh los, auf dem Bang Your Head 2014 und so gingen einem u.a. Accu§er durch die Lappen.

Der Festivalfreitag

Bei Vain sieht die Sachlage so aus, dass sich Sänger Davy Vain ein Rudel glamrockender Jungfüchse zusammen gesucht hat, die optisch was her machen und auch musikalisch ordentlich abrocken. Dem Publikum gefällts und anscheinend auch dem Wettergott, denn die ersten Sonnenstrahlen brechen durch.

Fotogalerie Bang Your Head!!!

Anschließend kommen Riot V, bei denen es sich natürlich um die krampfhaft am Leben erhaltenen Riot handelt. Gitarrist Mike Flyntz zockt seine Sachen souverän und mit viel Gefühl, was man von Sänger Todd Michael Hall zwar auch behaupten kann, allerdings wirken seine Gesten dermaßen aufgesetzt, dass man ihm die Sache leider zu keiner Zeit abnimmt.

Der Frauenanteil steigt

Kissin' Dynamite gehören schon länger zur Stammbesetzung des BYHs und sorgen von Anfang an für gute Laune und gehobene Stimmung. Das Wetter hält und entsprechend strahlt auch Fronter Hannes Braun ins Publikum. Der Frauenanteil in der ersten Reihe steigt, doch auch die Herren der Schöpfung haben ihren Spaß bei den Schwaben. Ob sich Hanni jetzt so sehr freut, dass er ein Zelt in der Hose baut oder (wie ich bereit bin zu wetten) eher nen Satz Tennissocken in der Buxe versteckt, bleibt wohl (hoffentlich) sein Geheimnis.

Auf Sebastian Bach hatten sich wohl viele gefreut und auch Meister Bach selbst war eigentlich guter Dinge. Dass dann gleich mal Probleme mit dem Mikro auftreten, trägt weniger zur Stimmung des Herrn bei. Bei mittlerweile strahlendem Sonnenschein musste er sich zunächst mit dem Mikro des Bassisten aushelfen und war auch anschließen auch mit dem dann funktionierenden eigenen Mikro nicht glücklich. An seiner höchstens mäßigen Gesangsleistung hätte alledings kein Mikro der Welt etwas geändert. Kein gutes Bild, wenn der Gitarrist die besser Gesangsleistung hinlegt als der doch sehr von sich selbst überzeugte Frontmann.

Exodus still kill

Eigentlich wollte ich Exodus gar nicht so gut finden, weil der schändliche Rausschmiss von Rob Dukes mich immer noch ärgert, aber Tatsache ist: Exodus still kill with every fucking show that they play! Und auch Steve Souza, der seinen ersten Gig mit der Band nach seiner Rückkehr in Balingen bestreitet, macht seine Sache absolut spitze. Wenn er sich noch einen Bart wachsen lässt, sieht er original aus wie Paul Balloff und stimmlich war der Mann schon immer die Idealbesetzung für diese Band. Und so sehr ich Rob Dukes auch schätze, aber Toxik Waltz klingt mit Zetro einfach nur absolutely fucking great!

In der Halle muss man Exodus bei der Autogrammstunde förmlich mit Gewalt von ihren Fans trennen, damit Evocation auf die Bühne können. Die Schweden bieten exzellenten Death Metal, der auch einige Fans findet, denen das Gekrächze von Sebastian Bach einfach zu viel des Guten ist.

Eine Lehrstunde in Death Metal

Grave stehen vor einer merklich gefüllteren Halle und bieten eine Lehrstunde in klassischem, brachialen Death Metal. Vor allem die bullige Gestalt von Gitarrist Jonas Torndal passt perfekt zu dem Sound, und der Mann kommt genau wie die Musik von Grave einfach nur mächtig und alles platt walzend rüber. Die Gitarren klingen zwar etwas verwaschen, aber davon lässt sich kaum einer beeindrucken. Sauberer Einstand für die Schweden auf dem BYH.

Für seinen alten Kumpel Axel Rudi Pell kommt Veranstalter Horst Franz selber auf die Bühne und verliert kurz ein paar Worte zum 25-jährigen Jubiläum der Gitarre spielenden Frisöse. Danach darf dann erst mal Harry von Toto und Harry im voller Uniform auflaufen, und ebenfalls bezeugen, dass er Herrn Pell schon lange kennt und schätzt und gleich mit seiner alten Band Keeler auf der Bühne stehen wird. So ist das dann auch, und die alten Herren legen einen souveränen Gig hin.

Was die nächsten - gefühlt acht Stunden - folgt, ist ein Wechsel aus Sängern, Bassisten und Drummern, der fast die ganze Historie Axel Rudi Pells abdeckt. Die immer wieder eingelegten Pausen darf Harry mit mehr oder weniger sinnvollen Ansagen und Geschichten füllen. Natürlich wird ausgiebig soliert, sogar ein Drumbattle zwischen Vinnie Appice und Bobby Rondinelli aufgeführt, und mit großem Konfetti-Regen geht der Spaß zu Ende.

In der Halle sind derweil The Exhalted Piledriver am Start, die vom einsetzenden Platzregen schwer profitieren, da sich nun natürlich alles in die Halle drängt. Meiner einer bleibt im VIP-Zelt und nutzt die Regenpause, um sich nach Hause zu verkrümeln.

Der Festivalsamstag

Der frühe Vogel fängt den Wurm, aber wer mag schon Würmer? Vor allem, wenn das Wetter das Gegenteil von einladend ist. Damit sind Ektomorf die Ersten, die mir vor die Kamera laufen: Zoltan und seine Jungs veranstalten ein angenehmes Aufwärmprogramm für das gut gefüllte Rund zwischen Bühne und Wellenbrecher. Zwar hätten es ein paar weniger fucking Ansprachen auch getan, aber was solls.

Rob Rock kommt ohne uns klar, allerdings packt einen bei Stryper dann doch die Neugier: Zahlreiche Leute wollen die Bibelrocker in Schwarz-Gelb sehen. Das Areal vor der Bühne ist gut gefüllt und die Anzahl derer, die in der erste Hochphase der Band schon vor Ort waren, überwiegt deutlich. Musikalisch und gesanglich kann man der Band keine Vorwurf machen. Hier passt alles und die Fans honorierens. Für meinen Geschmack hat die Mucke aber dennoch einen recht hohen Nervfaktor - drum freuen wir uns lieber auf Obituary freuen.

Petrus und Obituary?

Petrus, oder wer den Job diesen Sommer macht, freut sich anscheinend nicht so drauf. Herrschte bei Stryper noch eine stabile Wetterlage, öffnet bei den Obis der Himmel seine Pforten. Dadurch dünnt sich die Besucherzahl zwar aus, aber es harren genügend im Regen aus, um den groovenden Death Metal-Walzen der Jungs aus Florida zu lauschen: Brachial, derbe und auf den Punkt, wie man sie kennt.

Es bleibt beim Kontrastprogramm, denn im Anschluss stehen Unisonic auf der Bühne und sorgen nicht nur für gute Laune, sondern auch wieder für ein wenig Sonnenschein. Gesanglich gibt es an Michael Kiske nach wie vor nichts auszusetzen. Die arg schnoddrige Performance von Kai Hansen und ihm muss man allerdings mögen. Ganz so lapidar und gleichgültig sollte man nicht agieren, und stattdessen den Fans durchaus mal zeigen, dass man gerne da oben steht.

Anthrax geben Gas

Fast hätte man annehmen können, dass das Wetter nur bei religiös motivierten Bands mitspielt, aber Anthrax beweisen das Gegenteil. Das Gelände ist genagelt voll und die New Yorker geben von Anfang an Gas. Leider mit viel zu lautem und viel zu basslastigem Sound - und einem Joey Belladonna, der gut aufgelegt, aber nicht mehr ganz so souverän bei Stimme ist. Das machen die Jungs durch ihre Spiellaune aber mehr als wett und allein Gitarrist Jon Donais passt mit seiner zurückhaltenden Art nicht so recht ins Bild.

Apropos zurückhaltende Art … ich persönlich habe den Wirbel um Atlantean Kodex nie verstanden, gestehe aber ein, dass die ersten Reihen die Band geradezu enthusiastisch abfeiern, der Rest der Anwesenden in der Halle ist zumindest interessiert dabei. Gesang und Musik kommen souverän und von Epik verstehen sie auch was. Aber in Sachen Bühnenpräsenz hat im Fach 'Kreatives Werken' leider jede Grundschulklasse mehr drauf.

Der Final Countdown ...

Dass Europe alle großen Posen noch drauf haben, versteht sich von selbst. Die ehemaligen Dauerwellen-Stars der 80er lassen auf der Hauptbühne mal gar nichts anbrennen. In der Truppe hat zwar auch keiner mehr die Wangenknochen von früher, aber am Mikro bleibt Mr. Tempest bärenstark. Alles ein wenig softer intoniert also früher, aber so ist das nun mal mit zunehmendem Alter. Musikalisch geben sich Europe keine Blöße und Hits haben sie eh genügend im Gepäck. Dass "The Final Countdown" den Abschluss setzt, versteht sich von selbst.

Hits kennen auch Twisted Sister mehr als genug, doch anstatt "We're Not Gonna Take It" an den Schluss zu packen, bomben sie die Nummer schon im vorderen Mittelfeld raus. Kleine Brötchen backen, wollte die Band noch nie: Dee Snider und Co. geben Vollgas, und das Gelände platzt aus allen Nähten. Und so darf man zum Schluss resümieren: Alles wieder richtig gemacht, Meister Franz!

Fotos

Anthrax

Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Anthrax,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler)

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