EODM-Sänger Jesse Hughes hat seine Lehren aus dem Terroranschlag von Paris gezogen. Die werden nicht jedem gefallen.

Paris (mis) - Heute Abend treten Eagles Of Death Metal erstmals wieder in Paris auf seit ihrem Konzert im Bataclan im November 2015, das von Terroristen heimgesucht wurde und 89 Todesopfer forderte. Die Fortsetzung der damals abgebrochenen Konzertreise zum Album "Zipper Down" begann vor drei Tagen in Stockholm und steht unter dem Motto "Nos Amis Tour". Das Pariser Konzert findet im Olympia Theater statt.

Im Vorfeld des Auftritts hat der Sänger und überzeugte Republikaner Jesse Hughes einem französischen TV-Sender ein Interview gegeben, in dessen Verlauf er gleich mehrere Aussagen machte, die liberalen Fans der Gruppe die Haare aufstellen dürfte. Die Lehre aus der Katastrophe in Paris sei seiner Meinung nach nicht kontrollierter Waffenbesitz: "Hat eure französische Waffenkontrolle ein einziges Menschenleben im Bataclan gerettet? Falls jemand dieser Meinung ist, möge er es sagen, denn ich bezweifle es. Das einzige, was Leben gerettet hat, waren einige der tapfersten Männer, die ich in meinem Leben gesehen habe, die dem Tod mit ihren Waffen ins Auge gesehen haben."

Gott habe Mann und Frau geschaffen, führt Hughes weiter aus, aber in dieser Nacht hätten "Waffen sie gleich gemacht". Er sei sich dessen bewusst, dass viele in diesem Punkt nicht seine Meinung teilen würden. Trotzdem sehe er bis zu dem Moment, "an dem niemand mehr Waffen besitzt" nur eine Lösung: "Jeder sollte eine Waffe tragen."

Freier Eintritt für Bataclan-Überlebende

In dem 19 Minuten langen, tränenreichen TV-Interview rekonstruiert Hughes außerdem abermals die Geschehnisse des tragischen Konzertabends. Das heutige Konzert steht unter besonderen Sicherheitsvorkehrungen mit erhöhtem Soldaten- und Polizeiaufgebot. Psychologen sollen traumatisierten Fans zur Seite stehen. Überlebende des Bataclan-Massakers haben freien Eintritt.

EODM wollen auch die erste Band sein, die nach der Wiedereröffnung Ende 2016 im Bataclan spielt. "Wir müssen ohne Angst da hineinlaufen", sagte Hughes.

Die erzkonservativen Ansichten des Party-Rockers und Trump-Anhängers sickerten schon in diversen Interviews durch. Gegenüber laut.de bezeichnete er US-Präsident Obama 2009 als "Kommunisten, der das Weltengefüge derart destabilisiert, dass wir noch anfälliger für Terroranschläge werden als bisher."

Fotos

Eagles Of Death Metal

Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger) Eagles Of Death Metal,  | © laut.de (Fotograf: Lars Krüger)

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17 Kommentare mit 20 Antworten

  • Vor 6 Monaten

    ich verstehe die harschen reaktionen gegen ihn (spast, penner etc) nicht.

    denn:
    traumatisierte sprechen oft eben so. das ist völlig ok. wer angehörige oder freunde verliert und selbst in lebensgefahr schwebte, der radikalisiert seine ansicht eben zunächst ob des empfundenen schmerzes und der hilflosigkeit.

    kann ich super mit leben. auch wenn ich es inhaltlich nicht eile. ihr nicht?

    ....und so richtig toll ist es ja nicht, wenn der eindruck auf opferseite entsteht, dass zwischen theoretischem gewaltmonopol und faktischer aufgerüstetheit von terror bzw org. crime ein graben verläuft, der den alltag unsicher macht. dass es hier differenzierte strategien geben muss und nicht john wayne-reloaded, ist eine erkenntnis, die zwar wichtig ist, aber nicht von betroffenen erwartet werden darf.

    • Vor 6 Monaten

      Diese Meinung hat er vorher auch schon aggressiv vertreten, kein Trauma, leider.

    • Vor 6 Monaten

      klar hat er das...verstehe dich inhaltlich schon...aber:

      na und? mag sein. aber ab dem trauma gelten doch andere grenzen. dass es hier differenzierte strategien geben muss und nicht john wayne-reloaded, ist eine erkenntnis, die zwar wichtig ist, aber nicht von betroffenen erwartet werden darf. egal, was vorher war.

      und auch so mancher angeblich "rechter vollpfosten" dort drüben ist bei näherer betrachtung einfach oft nur ein opfer jener unsicheren lage, in der man vom staat kaum effektiven schutz erhält. ist ja auch immer das "sein", welches das bewusstsein bildet. das muss bei ihm nicht der fall sein. aber das ist auch nicht der punkt.

    • Vor 6 Monaten

      Offensichtlich ist der Grund seiner Ansichten nicht das Trauma, darum geht es, also kann man an sie durchaus die entsprechenden "normalen" Kriterien anlegen.

    • Vor 6 Monaten

      @Anwalt
      Mit der Herangehensweise könnte man ja jeden fast jeden rassistischen Auswuchs eines neudeutschen Wutbürgers rechtfertigen.
      "Maik aus Delitzsch findet alle Türken kacke, weil er mal von einem Iraker angeböpelt worden ist - schon ok, er kann's ja nicht besser wissen."
      Ne, find' ich nicht gut.

    • Vor 6 Monaten

      so meine ich das doch nicht. ich spreche nicht von funzeln, die sich ihr selbstmitleid wegen ein bisschen ladidah zurechtzimmern.

      ich spreche hier schon von einschneidenden, traumatischen erlebnissen, die todesopfer forderten (im engsten umfeld) und ein lang anhaltendes schockpotential aufweisen.
      sowas ist ja nicht meine privaterfindung. das ist kriminologisch/psychologisch schon bewiesen.

      dass der typ dennoch ein arsch sein kann und anscheinend auch kein sympath vorher war, da sind wir einig.

  • Vor 5 Monaten

    Dazu sei angemerkt, dass Deutschland neben Frankreich zu den größten Waffen-EXPORTEUREN zählen. btw.

  • Vor 5 Monaten

    Dazu sei angemerkt, dass Deutschland neben Frankreich zu den größten Waffen-EXPORTEUREN zählen. btw.