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Ein Teufelskreis.

Sowohl unter der Review selbst, als auch auf unserer Facebookseite gehen die Meinungen, inwieweit Hartleibs doch sehr deutlich formulierte Absage an frauenverachtende Lines der Sorte "Fick deutsche Rapper, denn nur echte Männer können Frauen schlagen" gerechtfertigt sei, weit auseinander. Die Pro-Kurdo/Majoe-Fraktion beruft sich dabei auf die genretypischen Mechanismen der Überspitzung und beschwichtigt, dass derlei Lines im Rap - und vor allem im Bangercamp - doch mittlerweile an der Tagesordnung stünden. "Es ist doch HipHop. Der lebt, seit er existiert davon, zu provozieren, zu polarisieren, zu schocken und vor allem davon, Tabus zu brechen". heißt es etwa in einem Kommentar. "Die Zeile ist mehr als verachtenswert und hat absolut nichts mit Überspitzung, Sarkasmus oder schwarzem Humor, den ich sonst gerne im Genre sehe, zu tun", empört sich wiederum ein anderer Facebooknutzer. "Wieso schreibt man dann überhaupt eine Review, wenn es einen so anwidert? Keine Plattform bieten wäre da besser." Sicherlich mag dieses Argument in einigen Fällen zutreffen. Wenn sich beispielsweise ein homophober, Youtube-Dünschiss-produzierender Möchtegern-Influencer dazu entscheidet, seine Hirnfürze auch noch über Beats zu kotzen, dann ist Ignoranz die effektivste Methode, selbigem nicht noch mehr Reichweite zu verschaffen. Wenn es allerdings bei nicht wenigen Kopfnickern schon als "genretypisch" gilt, zur Gewalt gegen Frauen aufzurufen, dann ist es höchste Zeit, sich dem entgegen zu stellen und dann eben auch mal auf die Kacke zu hauen.

Ein bitterer Beigeschmack bleibt dabei allerdings immer. Die Antwort auf Kollegin Hartleibs Frage, wieso sie das bei Warner durchgehen lassen und Spotify die beiden Herren auch noch unverblümt zu den Posterboys der "Generation Deutschrap" kürt, gibt sie sich mit ihrer Review quasi selbst. Ist die Musik so irrelevant und langweilig wie in diesem Fall, bleibt eben nur noch stumpfe Provokation in der Hoffnung, dass sich irgendwer öffentlich darüber aufregt und damit eine Diskussion entfacht, die dann wiederum zu mehr Aufmerksamkeit und damit auch mehr Plattenverkäufen führt. Ein Teufelskreis.

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3 Kommentare

  • Vor 2 Monaten

    Hab die Diskussion auch verfolgt und finds ganz schwierig: Auf der einen Seite ist das inhaltlich und in der Präsentation absolut inakzeptabel --> Der Ton macht die Musik und wenn ein Kollegah so ne Line bringt (oder früher gebracht hat), schwingt halt mit, dass das nicht ernst gemeint. Bei den beiden Hohlbirnen gewinnt man aber den Eindruck, dass das deren ehrliche Überzeugung ist. Vollkommen abstoßend. Finde die Review deshalb gut und auch in der Deutlichkeit absolut richtig - von einem ernstzunehmenden Musikmagazin (für das ich euch halte ;) ) erwarte ich das auch.

  • Vor 2 Monaten

    viel schlimmer als die lines ist doch die tatsache das sich an dieses album in ca 2 wochen niemand mehr erinnern wird. lieblos dahingerotzte fließbandware. austauschbar und ohne profil.

  • Vor 2 Monaten

    Am schlimmsten ist das majorlabels diesen Dreck unterstützen und den beiden Flachwichsern ein schönes Leben finanzieren.....