Am 6. September kommt "Slipknot: Day Of The Gusano" in die deutschen Kinos. Wir verraten euch, was die Konzertdokumentation wirklich taugt.

Mexico City (mab) - Versammelt euch, Maden! Rammstein machten es vor einigen Monaten vor, jetzt ziehen Corey Taylor und Co. nach: Slipknot haben einen Kinofilm gedreht. Und zwar nicht nur für ihre Fans, sondern auch über ihre Fans – genauer gesagt, über ihre mexikanischen Fans. Denn in 20 Jahre schaffte es die Band kein einziges Mal für einen Gig nach Mexiko. Am 5. Dezember 2015 schließlich beglückte sie ihre dortigen Anhänger im Rahmen des Knotfests mit einer Show. Percussionist Shawn "Clown" Crahan begleitete das historische Ereignis mit einem Kamerateam.

"Tausche Auto gegen Slipknot-Ticket"

"Day Of The Gusano" ist ein Hybrid zwischen Konzertfilm und Dokumentation geworden. Crahan unterteilt dabei in sieben Kapitel: "Getting To Know Each Other", "Wandering Around", "Maggot = Fan", "Step Inside", "This Is Knotfest", "Walk With Me" und "Right Here, Right Now". Der Anfang des Films gehört den Fans, die ihre Screentime damit füllen, persönliche Geschichten zu ihrer Slipknot-Beziehung zu erzählen: Da wäre einer, der seine Gitarre verkaufte, um sich Knotfest-Karten leisten zu können, ein anderer verzichtete dafür auf ein Auto. "Eine Slipknot-Maggot zu sein, bedeutet, jeden Tag als solche zu leben", tönt ein weiterer, der seine Sechssaitige noch im Arm hält.

Die Band selbst kann der Kinogänger beim Sombreroshoppen und Ruinensightseeing begleiten. Nett anzuschauen ist vor allem eine Backstage-Probe, bei der die Musiker maskenlos performen. Den Fremdenführer über Knotfest-Gelände, durchs mexikanische Umland und die Garderoben spielt dabei größtenteils Crahan, wobei natürlich auch die anderen Mitglieder hin und wieder zu Wort kommen. Corey Taylor weint beim Meet & Greet mit einem Krebspatienten. Größtenteils liefern die gesammelten O-Töne eine Bestandsaufnahme zum anstehenden Mexico-Gig bzw. drücken die Dankbarkeit der Band gegenüber ihren Fans aus. Sie dienen in erster Linie der Atmosphäre, nicht der Wissensvermittlung. Wie gesagt: Der Film richtet sich an Fans – die Gusanos – und damit an Leute, die bereits über Slipknot bescheid wissen. Wer sich eine Aufarbeitung der Bandgeschichte erhofft, wird enttäuscht.

Überwältigende Live-Kraft

Alles andere als enttäuschend sind die mitgelieferten Konzertausschnitte. Zwar haben wir "Day Of The Gusano" nur via Online-Screener gesehen, dessen Sound- und Bildwirkung nicht mit einem Kinoerlebnis gleichzusetzen sind. Doch wenn die Stage-Show der Maskenmänner auf dem Fernsehbildschirm schon Eindruck schindet, dürfte das auf der großen Leinwand erst recht funktionieren. Corey Taylor steht mit unfassbarer Präsenz im Zentrum des Ganzen, Clown treibt Ficki-Ficki-Spielchen mit seinem Baseball-Schläger und dreht gemeinsam mit Blechtonnen-Kumpel Chris Fehn Runden über sein Kit und die Bühne – zu "Psychosocial" auch mit Bauchtrommel. Der Wahnsinn einer Slipknot-Show in überlebensgroß.

Während in echter Live-Situation keine Chance besteht, das neunköpfige Gewusel auf der Bühne auch nur ansatzweise vollständig zu erfassen, gelingt das dank der selektiven Kameraführung recht gut. Nie hat man das Gefühl, etwas zu verpassen, jeder der Akteure kommt zum Zug. Und das schließt einmal mehr das Publikum mit ein. Großzügige Schwenks erfassen den nächtlichen Festivalcourt regelmäßig. So brennt die Bühne während "Devil In I" nicht nur in Nah- sondern auch in Panoramaaufnahme. Und vor allem: Das Publikum ist auch zu hören! Statt Arenashouts rigoros runterzuregeln, lässt man sie klar vernehmbar im Mix. Das dürfte im Saal zusätzliche Nähe aufbauen.

Eine zwiespältige Angelegenheit

Sämtliche Songs erklingen in voller Länge – meist spielen zwei bis drei am Stück zwischen den Doku-Kapiteln. Die Setlist ist natürlich nicht in Gänze enthalten, die Reihenfolge ändert Clown ebenso, aber die wichtigsten Tracks wie "Wait And Bleed", "Spit It Out" inklusive Massengehüpfe, "Duality", "The Heretic Anthem" und "Vermillion" sind natürlich zu erleben. Im Kino dürften Slipknot damit einigermaßen plätten.

Gerade deshalb fragt man sich am Ende des Films aber, ob es die Behind-The-Scenes-Szenen wirklich gebraucht hätte oder ob mehr Songs stattdessen mehr Sinn ergeben hätten. Da erstere größtenteils oberflächlich bleiben, sind sie eigentlich prädestiniert für DVD-Bonusmaterial – um einen Film zu tragen, sind sie zu schwach. Teilweise wirkt es fast, als stünden sie einfach nur da, weil Crahan einen Vorwand suchte, das Konzert kinotauglich zu machen und deshalb vom reinen Live-Video abweichen wollte. So bleibt "Day Of The Gusano" leider eine zwiespältige Angelegenheit. Für Fans lohnt sich das Kinoticket, auch sie werden sich letztendlich aber wohl mehr Performance wünschen. Denn deren Inszenierung überzeugen durchweg.

Am 6. September startet "Day Of The Gusano" weltweit in ausgewählten Sälen. Weit über 100 deutsche Kinos beteiligen sich an der Screening-Aktion. Wo der Film in eurer Nähe läuft, erfahrt ihr auf dayofthegusano.com.

Fotos

Slipknot

Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen) Slipknot,  | © laut.de (Fotograf: Bjørn Jansen)

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laut.de-Porträt Slipknot

Wenn man aus einem Nest wie Des Moines im Bundesstaat Iowa stammt, wie der Slipknot-Neuner, ist es keineswegs einfach, auf sich aufmerksam zu machen.

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