Nach Björks umstrittenem Auftritt in Shanghai hat die chinesische Regierung nun sämtliche ausländische Künstler verboten, die das Regime kritisieren.

Peking (loc) - Wenige Wochen vor Beginn der Olympischen Spiele rückt die kommunistische Führung in Peking von ihrer harten Haltung keinen Millimeter ab: Neben neu installierter Hardware (größter Flughafen der Welt) soll auch die Software (Volk) kompatibel für die Masseninszenierung des Jahres sein.

In regelmäßigen Abständen werden deshalb neue "Sicherheitsmaßnahmen" verordnet, die faktisch auch das kulturelle Leben beschneiden.

So dürfen Livebands in Peking nicht mehr in Bars auftreten oder ein Musikfestival wurde ohne konkreten Grund abgesagt. Die Presse wird an die Leine genommen, und Polizeirazzien häufen sich, um potentielle Staatsfeinde zu enttarnen.

Der neueste Coup der Regierung ist eine generelle Restriktion für ausländische Künstler, die einen Auftritt in China planen.

"Allen Künstlergruppen und Individuen, die jemals an Aktivitäten beteiligt waren, die die chinesische Staatshoheit verletzen, wird der Zutritt ins Land verwehrt", verlautet das Kulturministerium in einem offiziellen Statement.

"Nichts, was nicht vorher genehmigt wurde, hat die Erlaubnis zu einer Aufführung", heißt es in der Mitteilung weiter - sogar die Zugaben müssen vorher gebilligt werden. Die neuen Vorschriften gelten auch für Künstler aus Hong Kong und Taiwan.

Sollte ein bereits genehmigter Auftritt "eine Bedrohung für die nationale Einheit" darstellen oder "kulturelle Normen" verletzen, wird er ebenfalls verboten.

Der Auslöser war ein Auftritt von Björk in Shanghai im März, bei dem die Isländerin ihren Song "Declare Independence" Tibet widmete - ein absolutes Tabuthema in China.

Peking hatte nach dem Konzert verschärfte Kontrollen für ausländische Künstler angekündigt: Björk habe "chinesisches Recht gebrochen und die Gefühle des chinesischen Volkes verletzt".

Björk selbst erläuterte nach dem Vorfall: "Songs wie "Declare Independence" handeln für mich von Menschlichkeit. Ich stehe zu dem, was ich sage."

Stars wie Alanis Morissette, Sting, Moby, Dave Matthews und Suzanne Vega setzen gegen derlei Restriktionen nun ein musikalisches Zeichen: Wenige Tage vor Beginn der Olympiade soll ab 5. August die CD "Songs For Tibet" zum Download bereit stehen - höchstwahrscheinlich der erste offizielle Fall für die chinesische Zensur.

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laut.de-Porträt Björk

Sie ist klein und stammt aus Island. Ihre Musik aber ist groß und von Welt. Björk Gudmundsdottir wird am 21. November 1965 in Reykjavik geboren und …

144 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    da kommt sicher noch so einiges auf uns zu :|

  • Vor 6 Jahren

    @Cane (« da kommt sicher noch so einiges auf uns zu :| »):

    ich befürchte schlimmes in form obligatorisch im tv übertragener rettet-tibet-und-kauft-meine-platten-konzerte der üblichen verdächtigen.

  • Vor 6 Jahren

    @dori_doreau (« @Cane (« da kommt sicher noch so einiges auf uns zu :| »):

    ich befürchte schlimmes in form obligatorisch im tv übertragener rettet-tibet-und-kauft-meine-platten-konzerte der üblichen verdächtigen. »):

    Wenn's nur dabei bleibt, lässt es sich noch entspannt ignorieren.
    Wenn aber auf einmal große Aktionen dafür gestartet werden, dann fängt es an, zu nerven, denn ich mag es einfach nicht, wenn Stars glauben, sie müssten ihre wohltätigen Aktionen immer medienwirksam präsentieren. Sollen die ihre Millionen spenden, aber ich will's nicht wissen.

  • Vor 5 Jahren

    @ dba Ne angehender Wirtschaftsingenieur, will mir aber keine Märkte kaputt machen. :D

  • Vor 5 Jahren

    glaube mir,ku', das völkerrecht wird dir besser gefallen als du jetzt vermutest.
    sonst wäre ich ja kein fan davon.

    das problem ist - wie immer - die durchsetzung, weil ja amis, russen und chinesen (um nur mal die biggest players zu nennen) ja dauernd ihr eigenes süppchen kochen.

  • Vor 5 Jahren

    @Ham the Astrochimp (« Man kann Kosmopolitische Politik nicht von Tibet fordern gleichzeitig aber China mit eben diesen Forderungen unbehelligt lassen. »):

    Sicher. Mir ist jetzt aus aktuellem Anlass (Tod Solschenizyns) halt zunächst mal Russland eingefallen.

    Ich kann ohnehin schlecht etwas für diese Regionen "fordern", da mir allein schon die konkreten Erfahrungen und Bezüge fehlen.

    Klar scheint mir jedoch zu sein, dass in den europäischen Medien und in der Öffentlichkeit eine Art Stellvertreter-Konflikt geführt wird. Man muss sich nur mal die Äußerungen von Teilnehmern an den Dalai-Lama-Auftritten hierzulande anhören.

    Das große europäische Drama ist der Jugoslawien-Konflikt. Daran haben wir genug zu knabbern. Und da, glaube ich, kommen wir nur mit einer Überwindung des Paradigmas der "Identität" heraus.