Nick Cave legt mit "Der Tod des Bunny Munro" seine zweite Novelle vor. Für die Hörbuch-Ausgabe übernimmt Blixa Bargeld die Rolle des Sprechers.

Berlin (mma) - Nick Cave kennt sich aus auf dem Parkett Zynismus-trunkener White Trash-Lebensläufe. Schilderte seine Debüt-Novelle "Und die Eselin sah den Engel" das Leben eines stummen, misshandelten Jungen in einem fanatisch-religiösen Southern Gothic-Setting, dreht sich in "Der Tod des Bunny Munro" alles um Kopf und Schritt eines Handelsvertreters für Kosmetikprodukte. Neben der gebundenen Ausgabe erscheint zeitgleich am 24. September eine Hörbuch-Version, gelesen von Ex-Bad Seeds-Mitglied Blixa Bargeld.

Der Zuhörer wird im Verlauf der sechs CDs und 427 Minuten Zeuge einer Abwärtsspirale in den Wahnsinn. Jene speist sich in erster Linie aus seinem deterministischen Gefangensein in der eigenen, unkontrollierbaren Sexualität. Mit einer Notgeilheit, die Bunny Munro tags wie nachts entweder von der Vagina von Avril Lavigne fantasieren oder kleinen Mädchen, einsamen Hausfrauen und alten Witwen nachstellen lässt, treibt Nick Caves Antiheld seine Ehefrau erst in die Depression, schließlich in einen grausamen Selbstmord.

Tod eines Handlungsreisenden

Der Kosmetikverkäufer sieht, mit der Schuld konfrontiert, keine andere Möglichkeit, als seinen neunjährigen Sohn Bunny Junior zu packen, in den Punto zu setzen und mit ihm die Haustüren seiner Kunden abzugrasen in der Hoffnung, beim Eincremen und Beflirten ältlicher Hände die eigene Existenz in halbwegs geregelte Bahnen zu lenken. Weil den beiden Bunnys aber die tote Frau und Mutter immer wieder als Geist erscheint, flieht Papa in den Alkohol und der Zögling in die bizarre Welt der Teletubbies.

Papa Munro vergewaltigt in Suff und Verzweiflung den sterbenden Heroinkörper eines Mädchens, entkommt mit knapper Not dem ihm deshalb mit einem Golfschläger nach dem Leben trachtenden Liebhaber, und als wäre das Unheil nicht schon unüberwindbar genug, liegt zur gleichen Zeit auch noch sein boshafter Vater im Sterben. Am Ende steht das Jüngste Gericht in Form eines surrealistischen Ballabends. Ein passendes Finale für den gottesgläubigen Cave.

Bargeld in der Paraderolle

Blixa Bargeld liest die Novelle mit unverwechselbarer Stimme zwischen Donnern und tiefgreifender Melancholie. Ob sein Charakter gerade flucht (was er oft tut), in Tag-Sexträumereien das gesamte weibliche Repertoire von MTV begattet (was er noch öfter tut) oder in Verkörperung von Junior zu seinem allmächtig wirkenden Vater aufschaut – Bargeld trifft den Ton.

Freunden zynischer, bisweilen makaberer Literatur sei das Hörbuch schwerstens empfohlen. Die 6-CD-Produktion "Der Tod des Bunny Munro" erscheint gleichzeitig mit der gebundenen Ausgabe am 24. September bei Der Hörverlag und kostet 24,95 Euro. Ebenfalls kommenden Donnerstag stellt Cave im Hamburger Kampnagel sein Buch vor, Bargeld wird als Vorgeschmack auf die Hörbuch-Version Teile daraus vorlesen.

Fotos

Nick Cave

Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler) Nick Cave,  | © laut.de (Fotograf: Andreas Koesler)

Weiterlesen

laut.de-Porträt Nick Cave

Zu behaupten, dass Nick Cave aus jeder Pore seines Körpers Charisma ausströmt, wäre wahrscheinlich noch eine Untertreibung. Der Mann, der mit seiner …

laut.de-Porträt Blixa Bargeld

Der am 12. Januar 1959 in Berlin zur Welt gekommene Christian Emmerich, vielen besser bekannt unter seinem Künstlernamen Blixa Bargeld, gehört zu den …

13 Kommentare