"Alles Nix Konkretes" steht in den Läden und fordert die Kritiker heraus. Nach all dem Lob folgt nun auch Tadel. Warum eigentlich?

Köln (juf) - Millionenfach geklickte Videos, Interviews in allen großen Zeitungen und nun das Debüt "Alles Nix Konkretes" beim Major Universal. AnnenMayKantereit sind auf allen Kanälen und lösen ein schon lang nicht mehr erlebtes Echo in deutschen Medien und sozialen Netzwerken aus.

Dabei sind die Meinungen so bunt gemischt wie eine Packung Smarties: Manche sehen in der Band "Die Beatles aus Köln-Sülz" (RP-Online), die Zeit bezeichnet sie hingegen als "schnurzpiepige Langweiler". Die Ex-Straßenmusiker spalten auch die laut.de-Redaktion: Einer Vier-Punkte-Rezension von Kim Lange steht das vernichtende Urteil von Sven Kabelitz gegenüber, AMK seien "eine Straßenkapellenversion von Pur". Also was denn nun? Wir blicken in den gut gefüllten Kritikfundus der Pressewelt.

Beschwerden über zu wenige Beschwerden

"Kein Aufbegehren, keine Rebellion nirgends", schreibt etwa der Spiegel zur gerade erschienenen Platte. In diesen Tenor stimmen andere mit ein. "Bei Sänger Henning May ist offenbar gar nichts schiefgegangen, und das ist schön für ihn, aber nicht für den Hörer, weil wahre Katastrophen eben doch der Stoff sind, der nach einigen Kollateralschäden auch zu guter Popmusik führt" (Musikexpress).

Besteht das Problem also wirklich darin, dass Henning May in seinen Texten einfach zufrieden ist und nicht die großen Probleme der Welt anspricht, wie tausende andere Popmusiker es ebenfalls tun? Offenbar ja, wenn dazu noch etwaige musikalische Überraschungen ausbleiben: "Schade ist nur, dass AnnenMayKantereit dabei nie so richtig schocken. Alles an dieser Platte ist erwartbar" (Musikexpress).

Bemängelt wird zudem die Banalität der Texte, wenn Henning May vom fehlenden Lattenrost in seinem neuen Zimmer singt, ("Jenen weinerlichen Song" - Süddeutsche Zeitung) sowie die Reimtechnik: "May erzählt gluckernd von Bier und Wein und Mitbewohnern, er bringt 'gemeinsam einsam' als Schlagreim, reimt außerdem 'wohn'n' auf 'Balkon' und 'Brötchen hol'n' (Die Zeit). Unsere Rezensentin findet dagegen: Die Texte seien "teilweise sehr banal, teilweise traurig und berührend, aber vor allem eins: authentisch und ehrlich".

"Sorry Leute, wir sind einfach nur wir selbst"

Auch aus der viel beschworenen Authentizität der Gruppe, bislang eigentlich positiv konnotiert, drehen die Kritiker nun einen Strick: "Es ist nur folgerichtig, dass bei diesem Streben nach echtestmöglicher Echtheit kaum noch ins Gewicht fällt, wie unerheblich die besungenen Probleme sind" (Die Zeit).

Merke: Wer sich selbst zu treu bleibt und sich darüber auch noch freut, der sollte besser keine Musik machen. Oder zumindest darüber keine Texte schreiben. Wenn eure bisher größten Probleme die "neuen Geräusche" im Zimmer sind, solltet ihr lieber verstummen und anderen das singen überlassen. Denjenigen etwa, die echte Probleme haben - Donald Trump zum Beispiel.

Musikalisch okay, aber Rio reichen sie nicht das Wasser

Die Musik der Band erntet dabei weniger Gegenwind und auch die charakteristische Stimme, die sicherlich einen großen Teil des Erfolgs ausmacht, kommt größtenteils gut weg.

Die Süddeutsche Zeitung führt beim Thema Stimme aber eine interessante Gegenthese ins Feld: "Sie schadet ihnen (den Songs des neuen Albums, Anm.) eher, weil die eigentlich charmant beobachteten Studi-Probleme durch seine Bluesröhre eine Dramatik bekommen, die sie dann eben doch nicht verdienen". Eventuell rührt daher das Problem.

Die Vergleiche mit Rio Reiser und den Beatles wecken Erwartungen, die die vier Musiker weder erfüllen können noch wollen, die Kritik aber erwartet: "Wir haben nicht das Gefühl, die Glühbirne erfunden zu haben. Wir machen recht einfache, reduzierte Musik, und dass die Leute dafür so eine große Begeisterung empfinden, freut uns enorm", sagt May in einem Interview mit der FAZ.

Darf man die Band mögen?

Fest steht: AnnenMayKantereit haben sich eine große Fanbase erspielt. In Eigenregie schafften sie den Weg von Straßenmusikern zum Majorlabel, von der Fußgängerzone auf die Mainstages der Festivals der Republik. Fest steht, dass das neue Album aufgrund der aufwändigen Produktion nicht mehr die Rohheit besitzt, die die Songs noch hatten, als sie von der Band selber aufgenommen wurden. Fest steht auch, dass das Album einschlägt, die Hallen größer werden und das Kritikerfeld breiter.

Die Frage, was man von "Alles Nix Konkretes" denn erwartet hat, nachdem fast alle Songs lange vor dem Release im Internet zu hören waren, bleibt offen. Einfach mal drauf hauen, weil bisher fast nur lobende Worte über die Band gefallen sind?

Vielleicht wollen viele die Band einfach nicht mögen, weil man bei AnnenMayKantereit Ecken und Kanten vermissen kann ("Nette Jungs sind Henning May, Christopher Annen, Severin Kantereit und Malte Huck allemal, ihr Provo-Potenzial erschöpft sich darin, auf Journalistenfragen mal 'verfickt krass' zu sagen", Spiegel). Sie verkörpern die so die 'netten Jungs von neben an', die sich eben nicht ständig über alles beschweren.

Fotos

AnnenMayKantereit

AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel) AnnenMayKantereit,  | © laut.de (Fotograf: Alexander Austel)

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6 Kommentare mit 8 Antworten

  • Vor 5 Monaten

    "Die Vergleiche mit Rio Reiser und den Beatles wecken Erwartungen..."

    Ah. Bliebe nur noch zu klären: Wessen? Und warum bitte?

  • Vor 5 Monaten

    Komplett am Thema vorbei, denn die Band wird vor allem wegen solcher Artikel hier gehasst.
    Wenn irgendein langweiliger Deutschrapeumel einen Song übers Kacken macht - Obacht, Geschichten aus dem wahren Leben!
    - vergleicht ihn auch niemand mit Big L und lobhudelt von Authentizität und wie ach so ehrlich das doch alles ist. Ganz zu schweigen von der Präsenz in fast allen Medien.

    Hier habt ihr meinen Klick, um mehr ging es doch gar nicht.

  • Vor 5 Monaten

    warum eigentlich? weil die leute unterschiedliche geschmäcker haben?

  • Vor 5 Monaten

    Selbst Laut.de hält seine Kritiker nicht mehr aus! Egal ob nun die Eigenen, die Fans oder die Hasser die immer da sind. Wenn Mainstream versucht kritisch zu sein oder Scheitern an sich selbst. Lächerlich!

    • Vor 5 Monaten

      es gibt ja echt diese momente, in denen ich (auch nach mehrfacher lektüre deines postings) nicht die allergeringste ahnung habe, was genau du eigentlich meinst.

    • Vor 5 Monaten

      Sorry manchmal weiß ich wohl auch nicht was ich mein. Spaß beiseite!

      Hier war es so, das ich mich schon im Reviewthread aufregte über die Ikontinenz mancher User (die üblichen Verdächtigen halt), weil sie einem Album allergrößte Bedeutung negativ gaben (aus meiner Sicht über die Massen). Was zwar jetzt nicht unbedingt "superdupper ich erfinde deutsche Indimucke neu" ist, aber seine 4 Points sich redlich verdient hat. Hätte 10 Antworten erwartet, vergessen, untergetaucht und gut.

      Mit einer Art und Weise, da frage ich wofür die Dixieklos überhaupt existieren? So eine Art Massenpinkeln war das, alle schaukelten fröhlich ihren Sack über dem Album und riefen hoch erfreut: Boah habt ihr aber dicke Klötze. Verdammt doofe Veranstaltung, deshalb nun der Griff ins rhetorische Klo.

      2-3 Tage später war der Thread bei über 130 Antworten und ich weiß nicht wie viele Klicks. Dann kam von Laut.de dieser Thread und das wird vom Kritiker Nr. 1 mit einem "!" gefeiert. Na kommst langsam dahinter was ich mein?

      Eine volle Breitseite Bad News are good News und wir fahren den Bildzeitungszug und der fährt prima! So durchschaubar wie ein Maschendrahtzaun. So was von Laut.de, die sich mal auf ein bisschen Anspruch verbunden mit Mainstream etwas eingebildet haben. Und du mein Lieber erhebst das sogar zur Kunstform, womit ich sogar recht nahe an dir dran bin. Möchte eigentlich nur die Inkontinenz beenden, sie nervt einfach nur.

      Aber wenn man es genau nimmt, ich weiß sicher wieder nicht was ich mein! Danke für das Wiederkäuen, hilft sicher beim verdauen.

      Gruß Speedi

    • Vor 5 Monaten

      Wenn du die Inkontinenz beenden willst, dann lösch einfach deinen Account.

    • Vor 5 Monaten

      Perfekt wäre es natürlich, wenn er dich gleich mitnehmen würde.

    • Vor 5 Monaten

      interessante deutung....super naheliegend und so....

      ich wage dennoch mal nen gegenvorschlag:

      es könnte ja auch sein, dass hier einfach ein sehr unterschiedliches meinungssprektrum existiert, weil eine band eben auch unterschiedliche schlüsselinstinkte von abscheu bis verzückung in den menschen weckt.

      ergo:

      setzt man sich aus redaktioneller sicht natürlich mit einem popkulturellen phänomen auseinander.

      mithin ein ganz und gar normaer vorgang.

      wenn nun die kollegen entsprechend einen artikel bringen, der auch das spiegelt, was andere medien a la sponn, me, etc dazu teils an hanebüchenem aufstellen und inhaltlich berechtigt die frage nach solch extremen negativreaktionen auslöst, halte ich einen zustimmenden kommentar in form eines "!" eigentlich für ungeeignet, davon auf deine etwas wirre illuminati-these zu schließen.

    • Vor 5 Monaten

      Quark Anwalt. Mit Illuminati machst es dir zu einfach. Hab damit mal garnichts am Hut und gleich die Verschwörungskeule weil auch hier zwei der üblichen Verdächtigen aufschlagen???

      Zweitens würd ich der bildenden Zunft nie vorschreiben welchen Auftrag sie nun hat. Hauptsache sie schreiben über was halbwegs Gescheites.

      Nur ein Sturm im Wasserglas wie bei dem Album und extra eine Meute Musikredakteure drauf ansetzen. Ist doch wohl nicht zu abwegig anzunehmen man (Ihr auch!) hat nichts besseres zu tun. Wüsste auch nicht welcher Zacken aus welcher Krone rausbricht, mal ein winzig Thema unter den reichlich gedeckten Tisch fallen zu lassen.

      Sind ja nicht gerade die deutschen Beatles erschienen und die Mädels kippen reihenweise um, sobald man von ihnen spricht.

      Ist aber gut nun, ich muss das ja nicht lesen und Bock auf eine Meinung zu dem winzig Thema hab ich auch nicht mehr.

      Hab ich schon erzählt? In meiner neuen (schief und krumm Uraltbau) Küche hab ich die Einbauküche endlich angeschlossen und alle Geräte funzen. Bin so stolz, 3/4 Jahr stand die hier rum und wartete auf meine Hände. Die nächste Küche las ich aber wieder einbauen, das kostet zu viel Nerven. Allein dreimal am Tag in den nächsten Baumarkt und dabei das Thema mitschlepp. Hätte ich besser geschwiegen......

    • Vor 5 Monaten

      @Speedi
      Naja, das was du schreibst passt aber wunderbar ins Dixieklo, das du für deine Rhetorik verwendet hast. Selbst dein heiß geliebter Anwalt konnte deinen ersten Post nicht verstehen. Seit wann hast du eigentlich bei dem angedockt? Du bist sogar schlimmer als lauti in seiner Hochphase und DAS will was heißen. Als Tipp: Lösch dich einfach, dann sind wir alle glücklich.
      On topic: Die Musik ist mir egal. Ich werde sie mir auch nicht anhören und in meinem Freundeskreis hört man so nen pseudointellektuellen Scheiß sowieso nicht. Sollen se halt ein wenig Aufmerksamkeit kriegen. So what.