Wer träumt nicht davon, in dieser Band zu spielen? Eine neue Bildbiografie über die wohl berühmteste Hardrockband des Planeten.

Konstanz (ebi) - Um die zigste Neuveröffentlichung über die australischen Megarockstars zu rechtfertigen, muss man sich was einfallen lassen. Der britische Rockjournalist Phil Sutcliffe, der schon die Beatles interviewte, für die Q oder die L.A. Times schrieb, nennt seine: "AC/DC – High Voltage-Rock'n'Roll: Die ultimative Bildbiografie" (erschienen bei Edel, 224 S. mit 300 Abb., 24,95 Euro/35,50 SFR).

"Mann, jeder Junge träumt davon, in dieser Band zu spielen … allein wegen ihrer rohen Energie. […] Darauf hofft man, wenn man in der Highschool eine Band gründet", zitiert Sutcliffe Ed Roland von Collective Soul.

Warum das so ist lässt sich in Texten kaum vermitteln, schon eher in Verkaufsstatistiken. Die Antwort kennen mittlerweile tatsächlich Gottschalk-Gucker, seit jüngst in "Wetten, dass..?" Dreisekünder von AC/DC-Hits angespielt wurden: Und selbst die Minisnippets der Rhythms von Angus und Malcolm Young fuhren ein!

AC/DC-Fans: Jack Johnson, Jimmy Page ...

Im vorliegenden großformatigen AC/DC-Buch bestätigen genau dies jede Menge prominenter Musikerkollegen: etwa Jack Johnson, Chester Bennington, ein Jimmy Page oder auch Meat Loaf.

Besagte Promizitate der Rockkollegen sowie der einzelnen Bandmitglieder selbst, im Buch meistens hervorgehoben, sind auch das Salz in der Suppe dieser umfangreichen Bandhistorie. Sie spannt den Bogen vom ersten offiziellen Gig 1973 bis zur "Black Ice"-Welttour 2010.

Denn Kommentare wie der von ZZ Tops Billy Gibbons erhellen noch am ehesten, was die Wirkung AC/DCs ausmachen könnte: "Sie sind die Meister des Blockakkords, bei dem zwei Gitarren dasselbe spielen, aber nicht genau gleichzeitig – einer vielleicht ein klein wenig eher oder später – aber die Kombination ist so was von massiv".

Schnappschüsse und Comics

Daneben punktet Sutcliffe, der zumindest in der deutschen Übersetzung kein übermäßig starker Erzähler ist, mit Fotos und Schnappschüssen (natürlich auch unveröffentlichten) von Gigs oder den Jungs im Studio. Doppelseitige Fotos von Halbstarken und Kids im Publikum beim Luftgitarre spielen während eines Auftritts in Glasgow 1979 könnten dabei glatt als kulturgeschichtliche Zeitdokumente durchgehen.

Ebenso kurzweilig: Ausschnitte eines AC/DC-Comics von 1990 zeigen nebenher in wenigen Bildern zentrale Episoden der Bandgeschichte. Die üblichen Abbildungen von Fotopässen, Plattencovern, Vinylscheiben, Tickets, Patches, Fangoodies und dergleichen ergänzen den sehr unterhaltsamen Bildteil.

Die obligatorische umfangreiche Diskografie pimpte Sutcliffe mit netten Anekdoten: So kam etwa während der Aufnahmen zu "Stiff Upper Lip" in Vancouver 1999 The Clashs Joe Strummer überraschend im Studio vorbei. Henry Rollins schaute bei den "Ballbreaker"-Aufnahmen 1995 mit Rick Rubin in L.A. zu - auf den Überproduzenten sind die Young-Brüder heute bekanntlich nicht mehr gut zu sprechen.

Was auszusetzen an "Thunderstruck"?

Dass der Autor dann aber andeutet, Chris Slade sei vermutlich ein weniger begabter Schlagzeuger, zeugt eher von Altersschwachsinn als von Expertise, zumal Sutcliffe die Platten, auf denen Slade drummte ("The Razors Edge", "Live") über den Klee lobt. Ein echter Fan der Band kann eben nur Phil Rudd-Fan sein. Letztlich ist Phils Spiel einfach eher laid back angelegt, während Slade das Kit nach vorne prügelt - oder gibts am Drumming von "Thunderstruck" was auszusetzen?

AC/DC-Fan Sutcliffe (er sah die Australier erstmals 1976 live) legt eine detailreiche und satt bebilderte Banddoku vor und etwas eigene Meinung dazu. Mehr braucht es wahrscheinlich auch nicht.

Schließlich klingt in seinem Buch an, was vermutlich der Kern dieser beispiellosen Erfolgsgeschichte ist: 1963 übersiedelte die arme Arbeiterfamilie Young von Glasgow nach Sydney - und für einige ihrer Mitglieder wurde der R'n'R bis heute zum One-Way-Ticket.

Fotos

AC/DC

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