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Von Gottes Sohn über Messias Himself über Hip Hops Totengräber zum ausgepeitschten Sklaven: Nasir Jones hat inzwischen definitiv ein Gespür für hochtrabende Albencover. Dumm nur, dass das öffentliche Kreuzfeuer manchmal auch die wohl größte Raplegende umnietet. Ausgerechnet der schwarze Bürgerrechtler Jesse Jackson und die NAACP gifteten am heftigsten gegen die N-Bombe, die ursprünglich Nas' neuntes Studioalbum betiteln sollte. Das spricht Bände.
Zumal derselbe Jackson jüngst seine Ambitionen kund tat, das Glockenspiel von Präsidentschaftsanwärter Obama abzuschneiden - der wiederum von einem nicht geringen Teil der Bevölkerung ebenso frenetisch als Heilsbringer abgefeiert wird wie Nas von der Rapszene. Da stellt sich doch die Frage, wer der neuen Generation politisch selbstbewusster Schwarzer die tiefsten Peitschenstriemen zufügt. Eine "Black Community" sähe wohl anders aus.
Obwohl Nas aus marktstrategischer Rücksicht aufs Gutmenschentum das Album nun titellos releast, ist wohl jedem klar, wohin die Reise geht: "Nigger" ist politisierend, es ist kontrovers, es ist furios und verdammt schwierig zu nehmen - insbesondere für Bewohner des alten Europa. Derart viele Querverweise, Namedroppings, Insidersprüche und Anspielungen mussten selten nachgegoogelt werden, um textliche Inhalte nachzuvollziehen. US-Medien sprechen von einem Puzzle, das es zusammenzusetzen gilt. Für den Rezensent kein einfaches Unterfangen.
Dabei gibt es klare Eckpfeiler: "Black President" featuret mit Tupac und Obama gleich zwei der wichtigsten Vorzeigeschwarzen der jüngeren Geschichte. "America" wird einmal mehr für seinen mehr oder minder latenten Rassismus abgewatscht, dieses Mal auf einem recht schwachbrüstigen StarGate-Instrumental. Die Frauenwelt wird gemeinsam mit Busta Rhymes auf einem zuckersüßen Soulteppich mit Fast Food verglichen ("Mrs. Fried Chicken"), und auch die Selbstverherrlichung kommt beim pompös arrangierten "Hero" nicht zu kurz.
"You Can't Stop Us Now" führt die Kritik des letzten Albums ad absurdum, in der heutigen Rapszene klinge alles gleich. Das selbe Sample benutzte MF Doom schon 2003, die Hook bastelte RZA jüngst. Trotzdem ein gelungener Einstieg nach dem grandiosen Intro "Queens Get The Money", das ohne Drums auskommt. Einen Höhepunkt erhält das Album durch "Sly Fox", einer äußerst versiert geflowten Kritik an der Monopolisierung von Medien und Nachrichten.
Der eigentliche Schwerpunkt liegt vermutlich auf "N.I.*.*.E.R." und "Untitled" - und hier machen sich meine Defizite in der Kenntnis schwarzer Geschichte deutlich bemerkbar. Diese tragenden, unaufdringlichen Instrumentals liegen gewöhnlich unter Nas' besten Texten. Mit der entsprechenden Zeit werden diese Tracks am größten anwachsen, auch wenn ich dieses Abfeiern von Nation of Islam-Chef Louis Farrakhan nicht nachvollziehen kann.
Dieses Album ist Lyrik pur - verglichen mit dem Vorgänger, und erst recht mit einer Konkurrenz, die sich im Süden des Landes besoffen auf der Tanzfläche rumtreibt. Trotzdem zündet es bei mir nicht.
Das liegt zum einen daran, dass Nas bei aller noch so begrüßenswerten Politisierungen stellenweise vergisst, dass er auch ein verdammt guter Rapper ist. Böse Zurschaustellung von Technik und Flow suche ich vergeblich. Zum anderen misfällt, wie so oft, die Beatauswahl. Die Tanzbarkeit, von der im Pressetext die Rede ist, bezieht sich möglicherweise auf Foxtrott.
Sicher, es hat irgendwie schon Tradition, dass Nas-Instrumentals bestenfalls einfach irgendwo im Hintergrund vor sich hindudeln und niemanden stören. Dennoch bleibt es traurig - erst recht bei Texten, die mit ein wenig musikalischem Schmackes unterm Arsch gleich doppelt beeindruckten. Die relative Langeweile, die mich beim bewussten Hinhören befällt, mag verschwinden, sobald das Album als homogenes Ganzes im Hintergrund läuft. Denn kein einziger Beat nervt - definitiv ein Fortschritt.
"'Ni**er' or 'ni**a', not even the lesser evil 'negro' could ever be our title. We are way more complicated, beautiful and intelligent than any word created for us" schließt Nas im Booklet ab, gefolgt von einem Sermon, warum die Vermeidung des hochbrisanten Begriffs nichts ist als das Augenschließen vor der Geschichte. "It is what it is. Some things just stick and are hard to change. What would be a proper name for us? Think about it."
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Ein Biest, dieses Album.)




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