laut.de-Kritik

In Leichen rumzustochern ist nicht jedermanns Sache.

Review von

Manchmal glaube ich, es gibt einen Gott, und er liebt mich. Anders kann man nicht erklären, weshalb mir meine Kollegen so beanstandungslos ein Nas-Album überlassen. Vielleicht lags am Überschwang weihnachtlicher Nächstenliebe - oder aber der Albentitel schreckte ab. In Leichen rumzustochern ist nicht jedermanns Sache. Meine schon. Allerdings muss erst geklärt werden, welche Gründe der gute Nasir Jones hat, unser aller Lieblingsnebensache zu Grabe tragen zu wollen.

Denn wenn es einen Gott gibt, dann ist der New Yorker ja bekannter Weise dessen Sohn. Und wenn ich das richtig verstanden habe, liegt dem doch gewissermaßen das Wiedererwecken von Toten im Blut. Trotzdem: Welcher Vatermörder hat ihn denn nun auf dem Gewissen, den Hip Hop? Jay-Z kanns ja nun nicht mehr sein: Getreu dem Bergpredigt-Zitat "Selig sind die Friedfertigen; denn sie werden Gottes Kinder heißen" ist Nas nicht nur frisch auf Jiggas Label gesignt, sondern lädt den ehemaligen Erzfeind gar als Featuregast zu "Black Republican" ein. Dieses lyrische Armdrücken gewinnt Nas zwar, allerdings bin ich da zugegebenermaßen voreingenommen.

Der Mörder ist - Achtung - auch nicht der Gärtner oder gar der Butler, sondern der Kommerz. Heilige Scheiße, Nas! Ist dir das wirklich ganz alleine eingefallen? Den allseits bekannten Fakt, dass Kommerzialisierung für den Arsch ist, allerdings medien- und natürlich auch verkaufsträchtig auszuschlachten, ist hingegen schon fast wieder brillant.

Entweder verarscht sich der Mann selbst oder seine Hörer. Der Titeltrack des Albums geht mit einem Gitarrenriff allerdings trotzdem ordentlichst nach vorne. Da auch über Queensbridges brennenden Mülltonnen die Nahrung heißer gebrutzelt als gegessen wird, lautet das ungemein beruhigende Fazit, dass Hip Hop noch gar nicht tot, sondern nur leicht komatös sei. Beeindruckend, dieser Scharfsinn.

Zumal einige Entscheidungen des Rappers schon, gelinde gesagt, ungewöhnlich anmuten. Sich zu beschweren, im modernen Rap klinge alles gleich, und sich dann stinklangweilige Beats von Kanye West basteln zu lassen, macht irgendwie wenig Sinn. Auch der Rappart des gehypten Produzenten ist ungefähr so spannend wie Nordic Walking ohne Skier im sommerlichen Holland. The Game schneidet da deutlich besser ab. Zumal er schlau genug ist, Nas für dessen Meisterwerk "Illmatic" ordentlich den Allerwertesten zu küssen.

Von diesem Level ist Nas' Gesamt-Output allerdings ein gutes Stück entfernt. Ein Jammer, aber mal wieder ist es die stellenweise unterirdische Beatauswahl, die sein Album unnötig herunter zieht. Obwohl selbst ein großer Nas-Fan würde ich jedem, der dem New Yorker den beschissensten Musikgeschmack der Eastcoast unterstellt, widerspruchslos zustimmen. Lieber nach "Hope" einen zweiten A-capella-Track als diese unfassbar anspruchslosen Instrumentals von "Still Dreaming" oder "Hold Down The Block".

Wenn es einen Gott gibt, und er liebt mich, dann möge er diesem Bombenrapper doch bitte endlich einen Bombenproduzenten an die Seite stellen. Wenn Noahs Geschichte stimmt, tritt jedes gottgeschaffene Wesen immer paarweise auf. Bei Gang Starr klappt es doch auch. Aber eigentlich gibt es aber keinen Grund, sich zu beschweren: Hip Hop war nie tot, und sogar dieses Album hat genug zu bieten, um den Puls oben zu halten. Gott sei Dank.

Trackliste

  1. 1. Money Over Bullshit
  2. 2. You Can't Kill Me
  3. 3. Carry On Tradition
  4. 4. Where Are They Now
  5. 5. Hip Hop Is Dead
  6. 6. Who Killed It?
  7. 7. Black Republican
  8. 8. Not Going Back
  9. 9. Still Dreaming
  10. 10. Hold Down The Block
  11. 11. Blunt Ashes
  12. 12. Let There Be Light
  13. 13. Play On Playa
  14. 14. Can't Forget About You
  15. 15. Hustlers
  16. 16. Hope

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85 Kommentare

  • Vor 7 Jahren

    ich versteh nicht wieso laut.de Hold down the Block nicht würdigt...der track is von Mark Batson und meiner Meinung nach einer der besten auf dem Album. Kapiert das jemand, ich mein " I gotta use my Imagination, to change the Situation" - "Its beef week, monday murder, to n***** dead tuesday, wednesday and thursday is Hurtsday, friday somebody gotta dieday, saturday(...),cuz sundy back to gunplay

  • Vor 6 Jahren

    Blunts ashes is auch nich schlecht. das lied kann einem zum nachdenken bringen trotz wenig rap.
    "When Flo from the Supremes died, Diana Ross cried,
    Many people said that she was laughing inside ."
    :O

  • Vor 6 Jahren

    HURENSOHN MAN DAS ALBUM IST VOLL GEIL
    HIP HOP IS DEAD ALTER HRNSOHN REZENSENT 3/5 FÍCK DICH

    gerade besorgt, tritt arsch