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Das polnische Musik-Szene ist deutlich lebhafter als man im westlichen Europa vermutet. Nirgends weiß man das besser als in Metal-Kreisen.
Im Kleinhirn (edy) - Was die spieltechnischen Fähigkeiten, das Durchhaltevermögen und die Hingabe angeht, gehören einige Metal-Bands und -Musiker aus Polen mittlerweile zur absoluten Speerspitze der Hartwurstfraktion. Es kommt nicht von ungefähr, dass Dimmu Borgir seit Jahren auf die Dienste von Drummer Daray vertrauen und sich auch Destruction mit Vaaver einen technisch hochwertigen Musiker hinter die Schießbude gesetzt haben.
Fast noch mehr als Schweden scheint Polen ein einziger großer Inzesthaufen zu sein, denn irgendwie hat dort schon jeder mal mit jedem etwas auf die Beine gestellt. Wenn man die Entwicklung der unterschiedlichen Musiker betrachtet, bekommt man jedoch ein wenig den Eindruck, als ließe sich alles auf einen einzigen Mann zurückführen, der quasi den Anstoß zur weiteren Entwicklung gegeben hat. Dieser Mann heißt Piotr Wiwczarek ...
Sowohl Daray saß bereits bei Vader auf dem Drumhocker als auch der viel zu früh verstorbene Krzysztof "Doc" Raczkowski. Vaaver spielte zwar nur bei UnSun, dabei handelt es sich aber um das Projekt des ehemaligen Vader-Gitarristen Mauser. Man könnte das ewig so weiter spinnen. Jedenfalls scheint Piotr nicht nur ein Händchen für erstklassigen Death/Thrash Metal zu haben, sondern auch eine feine Nase für exzellente und kreative Musiker.
Mittlerweile sogar noch bekannter als Vader sind Behemoth. Das ist vor allem deren Fronter Adam 'Nergal' Darski zu verdanken. In seinem Heimatland ist er so etwas wie ein Superstar, datet Models, saß in der "Voice Of Poland"-Jury, legt sich mit dem Bischof an und kämpft gegen die eigene Blutkrebserkrankung. Dass er großartige Musik erschafft, stellt er mit Behemoth regelmäßig unter Beweis.
Mit zahlreichen Schicksalsschlägen hatten Decapitated in ihrer Karriere zu kämpfen, setzten aber mit jeder Veröffentlichung ein neues Zeichen im Bereich technisch hochwertiger Metal-Kunst. Gitarrist Vogg, der - Überraschung! - auch schon bei Vader gespielt hat, sorgt für zahllose Knoten in den Fingern von Nachwuchsgitarristen und musste erst vor zwei Jahren seine Band komplett neu besetzen. Das Ergebnis ist zwar nicht mehr ganz so technisch wie die Vorgänger, aber immer noch großartig.
Wer sich bei Behemoth schon dachte, dass er nur ungern in die Faust von Bassist Orion laufen würde, wird bei Vesania das gleiche bei deren Sänger und Gitarristen empfinden. Dabei handelt es sich um denselben Kerl. Wenn es beim Namen des Drummers Daray klingelt, kommt das nicht von ungefähr. Zwar schiebt man Vesania gerne ins Fahrwasser von Dimmu Borgir, doch wo die Norweger immer symphonischer werden, bleiben die Polen lieber bei der Gitarrenmacht.
Lost Soul-Gitarrist Jacek Grecki ist vor allem in Wrocław eine Größe, betrieb er dort doch jahrelang seinen Club Diabolique. Mit Lost Soul (auch hier gabs immer wieder irgendeinen Ex-Vader) sorgt er seit 1991 für technisch anspruchsvollen Death Metal. Wenn ein Gitarrist sein eigenes Signature-Modell erhält, kommt das in aller Regel auch einem Ritterschlag gleich.
Die Thrasher von Virgin Snatch sind außerhalb Polens zwar keine große Nummer, aber diverse Mitglieder zocken auch noch bei den nicht minder blumig benannten Anal Stench. Und - wer hätte es gedacht? - Ex-Basser Novy war auch mal bei Vader.
Dann gibt es natürlich auch noch die, die dem Death Metal untreu werden und lieber etwas mit einer Gothic-Schnitte auf die Beine stellen. Seinen guten Ruf hat Gitarrist Mauser mit UnSun in der Szene wohl versaut. Da Sängerin Aya aber mittlerweile seine Frau ist, dürfte ihn das relativ kalt lassen. Wie und ob es mit seine anderen Band Dies Irae weiter geht, die in- und außerhalb Polens fast schon Kultcharakter genießt, steht allerdings in den Sternen.
Ebenfalls auf Frauenpower setzen Delain, von denen zwar tatsächlich noch niemand bei Vader gespielt hat, aber vielleicht wurde die Nummer bislang nur noch nicht aufgerufen. Unter dem Namen Sator war die Band bereits 1997 aktiv und veröffentlichte bislang unter dem Banner Delight sechs Alben und eine DVD, zuletzt sogar über das renommierte Roadrunner-Label.
Hässliche Frauen dürfen in Polen anscheinend nicht in Bands spielen. So ist auch Crystal Viper-Gitarristin/Sängerin Marta Gabriel durchaus was fürs Auge. Allerdings überzeugt die Frau auch an ihrem Instrument und am Mikro, zur Abwechslung aber nicht im Gothic Metal, sondern im lupenreinen Heavy/Power Metal.
Als letzte in dieser Reihe sollten Riverside genannt werden. Auch hier wollte bislang zwar noch keiner bei Vader mitmischen, dafür zerlegte Drummer Piotr 'Mittloff' Kozieradzki die Drums bereits für Hate. Heute bietet er mit Riverside aber allerfeinsten Progressive Rock und zaubert mit seinen Jungs Melodien, die Fans von Dream Theater, Porcupine Tree oder Sieges Even begeistern.
Vor allem im Bereich Death- und Black Metal hat der polnische Underground etliche Bands hervor gebracht, die sich anfangs zwar deutlich an den westlichen Vorbildern orientierten, aber auch einen eigenständigen Stil entwickelten.
Ich brech hier ma ne Lanze für polnischen Progressive Metal und füg der Liste noch Blindead (Sludge/Post/...) hinzu
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