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Ein Livealbum als wichtigste Veröffentlichung einer Band zu preisen ist ein Kompliment und eine Beleidigung zugleich. Ein Kompliment, weil es zeigt, dass die Band ihr Handwerk versteht. Schließlich wird Musik in der Regel dazu geschrieben und aufgenommen, um auf der Bühne mitzureißen und zu begeistern. Eine Beleidigung, weil all die Arbeit und der Ärger, die mit Studioaufenthalten verbunden sind, letztlich die Mühe nicht wert waren.
Doch "No Sleep 'Til Hammersmith" ist auch für Motörhead ein besonderes Album – es ist das einzige in ihrer langen Karriere, das es in der Heimat auf Platz 1 der Charts geschafft hat. "Wir haben 30 Jahre gebraucht, um uns davon zu erholen", fällt Frontmann Lemmy dazu ein. Ausnahmsweise ohne trockenen Humor, denn danach ging es kommerziell wie bandintern lange Zeit bergab.
1981 zeigte sich die klassische Besetzung Lemmy Kilmister (Stimme, Bass), Philty Animal Taylor (Schlagzeug) und Fast Eddie Clarke (Gitarre) auf ihrem Höhepunkt. Immerhin hatten sie sich fünf Jahren lang den Arsch aufgerissen und sich mühsam einen Namen gemacht. Mit "Overkill", "Bomber" und "Ace Of Spades" hatten sie ihre auch noch heute bekanntesten Alben im Rücken, mit dem Titeltrack aus letzterem ein Lied, dessen Appeal weit über Hard-Rock-Grenzen hinaus ragte.
Kurzum – eine Vier-Etappen-Tour war die perfekte Gelegenheit, um die Stimmung einzufangen. Wobei das Londoner Viertel Hammersmith gar nicht auf dem Plan stand. Die meisten Stücke wurden in Newcastle aufgenommen, mit der Ausnahme von "Iron Horse", das bereits 1980 seinen Weg ins Aufnahmegerät fand.
Die Stimmung springt auch nach 30 Jahren noch rüber – räudig, alkoholgetränkt, mitreißend. "Everything louder than anyone else" lautete das Motto der Band, das sie später in endlosen Variationen für Livemitschnitte aufgegriffen hat. Wenn der Schädel nicht eine Woche lang brummte, wegen des Lärms und des Alkohols, war es kein gutes Konzert, so die gängige Meinung bei den Fans.
Dass "Ace Of Spades" gleich zu Beginn kommt, ohne Ankündigung oder anderen Schnickschnack, ist eine klare Ansage. Nichts für Weicheier. Der Sound ist wie bei den Gigs, breiig und beschissen, doch das ist vollkommen irrelevant. Das Tempo bleibt über alle elf Stücke wahnwitzig, das Trio gönnt weder sich noch dem Publikum eine Sekunde Pause. Höhepunkte sind schwer zu finden, letztendlich ist die ganze Platte ein Höhepunkt. Ein Hochgesang des Rock'n'Roll in seiner verschwitzen, übel riechenden, schwarz lederigen Version.
In den 30 Jahren danach hat sich bei Motörhead vieles getan, wobei sich letztendlich wenig verändert hat. Es gab mehrere Mitgliederwechsel, eine Zeit lang sogar zwei Gitarristen, die regelmäßigen Studioalben lagen wie Blei in den Regalen, doch zwei Dinge haben sich nie geändert: Lemmy ist nach wie vor im Boot und seine Motörhead kommen jedes Jahr mindestens einmal auf Tour, in der Regel kurz vor Weihnachten.
Musikalisch leisten sie sich gelegentlich ein Experiment – etwa die rührende Erste-Weltkrieg-Ballade "1916", auf der Streicher Lemmys ausnahmsweise mal einfühlsame Stimme begleiten, oder das akustische "Whorehouse Blues", Jahre lang ein Favorit bei Konzerten. "Mit Eat The Rich", "Just 'Cos You Got The Power" "Killed By Death" oder "Going To Brasil" sind einige ihrer besten Stücke erst nach "Ace Of Spades" entstanden.
In den 90er Jahren haben Motörhead außerdem entdeckt, dass man bei Auftritten auch durchaus gutes Equipment einsetzen kann. Was aus der Flut an Livemitschnitten, die seitdem erschienen ist, gut herauszuhören ist. Allein in den ersten zwälf Jahren des neuen Jahrtausends sind vier offizielle Livealben und –DVDs herausgekommen.
Schaut man sich die Tracklisten an, finden sich die Stücke aus "Hammersmith" dort alle wieder, einige davon in jeder. Und mal ganz ehrlich – das aktuelle Lineup, das auch schon seit Beginn der 90er zusammen ist, besteht aus guten Musikern, kein Zweifel. Doch exzellente Klangqualität ist bei Motörhead nicht das entscheidende. Es sind Hartnäckigkeit, Kompromisslosigkeit und Lemmy. Ein Pakt mit dem Teufel, der mit dieser Liveaufnahme viele Seelen ins Rock'n'Roll-Verderben getrieben hat.
In der Rubrik "Meilenstein" stellen wir Albumklassiker vor, die die Musikgeschichte oder zumindest unser Leben nachhaltig verändert haben. Unabhängig von Genre-Zuordnungen soll es sich um Platten handeln, die jeder Musikfan gehört haben muss.
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Das wurde auch Zeit (und eine gute Wahl, wie ich finde, zwischen Overkill, Bomber und Ace of Spades zu wählen, ist ja quasi unmöglich, so hat man gewissermaßen alle 3 beisammen)! Bestes Live-Album überhaupt; diese Band hat eine Energie, das ist unglaublich. Lemmy ist Gott, mehr muss man eigentlich gar nicht sagen.
Lemmy ist Gott...sicher, und ich bin der Weihnachtsmann.
Lemmy ist eine charismatische und sympathische Persönlichkeit, der viel Ehrlichkeit ausstrahlt und schöne Lieder geschrieben hat - das ist alles; das "ist Gott"-Gerufe ist die altbekannte Selbst-Verklärung; wer das sagt, macht es auch sich selbst zuliebe.
tbc: Kann man nicht wenigstens bei einer Motörhead-Platte das hochgestochene Geschwätz sein lassen?
Hallo? Motörhead? Whiskey-Cola? Kippen?
Was muss man da bitte von Selbstverklärung labern?
Bin ich denn so schwer zu verstehen? Der Mann ist großartig, ich werfe ihm überhaupt nichts vor, sondern seinen Fans. Mal ernsthaft: wer brüllt "Lemmy ist Gott", hat der a) 'n riesen Grinsen auf den Backen oder guckt b) ganz normal? Eben a), weil er sich als saugeiler Teil einer Szene befindet, die alle ihren Lemmy geil finden; das ist völlig i.O. aber wenn man es sich mal genauer anguckt, ist es die altbekannte Geschichte: man verklärt sich selbst als Teil einer Szene, indem man diesen alten Ritus da mit macht (der durchaus seinen Sinn hat; Lemmy ist wirklich toll).
Und was haben Whiskey-Cola und Kippen damit zu tun?
Wenn Du nicht verstehst, was Whiskey-Cola und Kippen mit Motörhead zu tun haben, dann bist Du gar nicht qualifiziert, in diesem Thread überhaupt irgendetwas zu posten.
Man muss doch nicht wirklich aus jedem verdammten Thread einen soziologischen Diskurs gestalten; Himmel, Arsch und Zwirn.
@Hagalaz667: Ach, lass ihn doch, mir tut er eher leid... Ist doch schon irgendwie traurig, wenn man es anscheinend nötig hat, sich auf einer Musikseite (!) mit weder sonderlich erleuchtender noch gewünschter soziologisch-philosophischer Faselei zu profilieren.



Ganz ehrlich, Lemmy mag vielleicht Gott sein aber ganz sicher der Hässlichste Mensch der Welt
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