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Liebe junge Leser dieses zehn Jahre alten Lifestyle-Magazins mit Musikbezug, könnt ihr mir bitte eine Mail schreiben, wenn ihr auf folgende Frage eine Antwort wisst: Was denkt ein Jugendlicher von heute, der dieses Cover sieht? Das würde mich echt interessieren (genau wie die Anschlussfrage: Interessieren euch Cover überhaupt?). Eine vordergründige Reaktion bezüglich des Morrissey-Covers könnte zum Beispiel "Voll schwul, ey!" sein und wer weiß, so weit weg von der Wahrheit wäre das vermutlich gar nicht.
Wie auch immer: Agit-Träumer Morrissey hat die Musik seiner Solokarriere und eigentlich auch die seiner Ex-Band The Smiths nun endlich für die Nachwelt in einer einzigen Fotografie festgehalten. Alleine für diese Leistung gebührt ihm Respekt. Dem Leben als solches in seinen Texten stets kritisch bis zynisch gegenüberstehend, entschied sich unser Lieblingsnarzisst denn auch für ein mindestens 15 Jahre altes Selbstbildnis, recht so!
Wertschätzung und bisweilen pubertär anmutende Liebesbezeugungen erfährt der Wahl-Italiener allerdings weniger von den Scharen Heranwachsender, als von adoleszenten Berufsjugendlichen oder kurz: von alten Säcken, denen beim Brainstormen über eine andere Band, die schon mal offensiv die Augen vor der Käuferschicht schloss, höchstens noch die Pet Shop Boys einfallen. Ja, damals gab es sogar noch die Smiths.
15 Songs sind es geworden, 13 aus seiner nun schon 20 Jahre währenden Solokarriere sowie zwei eiligst auf Tournee aufgenommene. Sowohl das als Single ausgewählte "That's How People Grow Up" als auch "All You Need Is Me" klingen exakt so, wie Songs klingen, die man eilig auf Tournee aufnimmt.
"That's How People Grow Up" startet Glam Rock-mäßig mit Cowbell und verblüffenderweise auch mit einer Art Ofra Haza-Hochtongesang, schaukelt sich in den ergreifenden Strophen hoch, ohne das Level im Refrain halten zu können. Das Hauruck-Rockstück "All You Need Is Me" könnte rhythmisch auch von den Stones stammen, kriegt dank Morrisseys schön gedehntem Vortrag aber die Kurve, verzichtet gar auf einen echten Refrain und beeindruckt ,abgesehen vom großartigen Text, mit einem schönen Schluss-Chorus. Beide Songs stehen dennoch im Schatten der übrigen Tracklist, die sich zumeist aus Singles seiner letzten beiden Alben speist.
Eingang fanden nämlich nur (ausgewählte!) Songs, die seit 1988 die britischen Top 20 knackten, was zum einen erklärt, warum die Comeback-Alben "You Are The Quarry" und "Ringleader Of The Tormentors" mit acht (!) Songs übermäßig vertreten sind und an die 90er einzig und allein "The More You Ignore Me The Closer I Get" erinnert. I'm sooo sorryyyyy, Moz, aber dann wäre eine weniger reglementierte Songsammlung im Stile einer "Best Of" sinnvoller gewesen, mit starken Singles wie "November Spawned A Monster" oder "Hold On To Your Friends". So aber ist das, verzeih!, weder Fisch noch Fleisch.
Das eben von mir leidlich in Erinnerung zu rufen versuchte "Suedehead" ist dagegen auch im 21. Jahr noch wunderbar tragisch, ganz zu schweigen von "Everyday Is Like Sunday", diese ewiggültige Abrechnung mit Langeweile und Verdruss. Eher überflüssig dagegen "Redondo Beach", das 2004 aus "Live At Earls Court" ausgekoppelte Patti Smith-Cover.
Für all jene, die trotz Morrisseys umjubelter Rückkehr noch keine Platte besitzen, mag "Greatest Hits" als netter Einstieg in seine (jüngere) Vergangenheit funktionieren. Da Morrissey-Songs aber seit jeher nicht im Chartkontext qualitativ zu bewerten sind, zündet die Zusammenstellung (und deren Begründung) nur bedingt.
Die Hardcore-Fangemeinde hats da schon besser: Damit man sich zweier Songs wegen nicht eine schnöde Hitsammlung kaufen muss, gibts außerdem eine 2CD-Deluxe Edition mit acht Livesongs seines Konzerts in Hollywood 2007 auf der zweiten Disc. Dort findet man dann auch den Oldie "National Front Disco".
Für die Käufer letzterer Version dreht sich in diesen Tagen sowieso alles um folgende Frage: Ist Morrissey tatsächlich der Besitzer des im Booklet abgebildeten nackten Hinterteils mit der Aufschrift "Your Arse An' All"? Die Credits behaupten dies jedenfalls und als schnöder Promo-CD-Besitzer kann ich mich in dieser heiklen Frage leider nur auf das britische Mojo Magazin berufen, deren Recherche anhand des Fotografennamens positiv ausfällt ("Seine Arschbacken lassen einen Mittneunziger-Jahrgang vermuten"). Wenn sonst keiner mehr Fragen hat: Morrisseys neues Studioalbum kommt im Herbst.
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