laut.de-Kritik
Klassiker aus grauer Vorzeit neu arrangiert.
Review von Michael Edele
Es hat den Anschein, als ob einige altgediente Bands gerade nur bedingt produktiv sind und deswegen damit anfangen, olle Kamellen neu aufzuarbeiten. Nachdem Sodom sich den Spaß mit "The Final Sign Of Evil" gegönnt haben, sind nun Moonspell an der Reihe. Auf "Under Satanae" vereinen die Portugiesen nicht nur ihr '93er Demo "Anno Satanae" mit der wenig später erschienenen "Under The Moonspell"-EP, sondern halten mit "Serpent Angel" sogar noch einen Track aus der grauen Vorzeit bereit.
Während Sodom so authentisch wie möglich vorgehen wollten und ihre Scheibe mit dem gleichen Rumpelsound versehen haben, der auch "In The Sign Of Evil" auszeichnete, gehen Moonspell deutlich fanorientierter zur Sache. Sämtliche Songs wurden von der Band neu aufgenommen und an den gegebenen Stellen sogar neu arrangiert. Abschließend hat man Dänen-Guru Tue Madsen noch mal für den finalen Mix an die Scheibe rangelassen. Das hat den Songs klangtechnisch doch sehr gut getan, auch wenn manch Altfan vielleicht das Original vorzieht.
Wenn man den Portugiesen den ganzen Satanskram von damals abkauft und sie immer noch als Düsterheimer verehrt und glaubhaft findet, hat man sicherlich keine Probleme, sich in die düstere Stimmung der Scheibe hinein sinken zu lassen. Falls das nicht klappt, hat man stellenweise womöglich das Gefühl, es hier mit nicht ganz gewollter Realsatire zu tun zu haben.
Vor allem, wenn sich Fernando und irgendeinen Dame in "Tenebrarum Oratorium (Andamento II/Erotic Compendyum)" gegenseitig einen abstöhnen. Auch ein Titel wie "Goat On Fire" hat im Angesicht der Unmengen an gebratenem Schlachtvieh vom Oktoberfest einen gewissen Humor.
Der Song an sich ist aber nach wie vor ein Klassiker, und auch der Rest von "Anno Satanae" fällt nach wie vor unter diese Kategorie. Hier stimmt die Atmosphäre einfach, und der verbesserte Gesang von Fernando trägt ein weiteres zum geglückten Experiment der Neuaufnahme bei.
Wenn man sich "Serpent Angel" so anhört, fragt man sich unwillkürlich, wann der Band denn ihre ungestüme Leidenschaft abhanden gekommen ist und ob sie was in der Art jemals wieder hinbekommt ... Für altgediente Fans der Band natürlich eine zwiespältige Sache, für alle anderen fast ein Pflichtkauf.