laut.de-Kritik

Hallo, Füße? Hallo? Noch jemand wach?

Review von

Es muss schön gewesen sein, in Nassau auf den Bahamas. Dorthin hatte Mike Oldfield geladen, um die Aufnahmen zu "Man On The Rocks" anzugehen. Das ist auch den Fotos im Booklet der CD zu entnehmen: Da sieht man einen braungebrannten Musiker, der entspannt in die Kamera lächelt.

Dass man dieses Lächeln auch als schelmisches Till Eulenspiegel-Grinsen interpretieren kann, wird deutlich, wenn man sich die Songs des Albums anhört. Oldfield verzichtet komplett darauf, seine instrumentale Frühphase zu thematisieren. Auch wenn es sich alle Welt wünscht, ein "Ommadawn 2" oder neuerliche Beschwörungen ("Incantations") kommen anno 2014 nicht in die Tüte. Vielmehr stellt er einen recht unbeleckten Sänger namens Luke Spiller ans Mikrofon, der den formatradiotauglichen Tracks einen vokalen Anstrich verpasst.

Poprock ist also angesagt. Dass der nicht sonderlich anspruchsvoll ausfällt, liegt in der Natur der Materie. Oldfield hatte anscheinend einfach Lust, sich auf das kurze Radio-Format zu konzentrieren. Das sei ihm nicht negativ angekreidet. Dass aber vieles hier klingt wie schon einmal gehört, hätte nicht sein müssen.

Die furchtbar langweilige Vorab-Single "Sailing" bedient sich schamlos an der Melodieführung des Bellamy Brothers-Schinkens "You're My Favourite Waste Of Time" und schmuftelt sich durch fast fünf Minuten Banalität.

Oldfield schrieb elf Songs, die fürs Mainstreamradio taugen, die aber kaum den Anspruch besitzen, zu fesseln. Zwar blitzt immer wieder der alte Oldfield durch, wenn er zu Soli anhebt oder folkige Elemente integriert. Aber all diese interessanten Ansätze ersaufen in einem Meer aus dem Standard-Repertoire des AOR-Rock.

Luke Spiller mag ein netter Kerl und ein ganz passabler Sänger sein. Er passt sich dem nivellierten Niveau der Kompositionen aber stets an und verleiht so dem Material nicht den Kick, der die Lieder über biederes Mittelmaß heben könnte.

Nichts gegen vernünftigen Radiorock. Wenn man nach der knappen Stunde Laufzeit aber seine Füße anschreien möchte, weil sie gerade eingeschlafen sind, spricht das Bände.

Trackliste

  1. 1. Sailing
  2. 2. Moonshine
  3. 3. Man On The Rocks
  4. 4. Castaway
  5. 5. Minutes
  6. 6. Dreaming In The Wind
  7. 7. Nuclear
  8. 8. Chariots
  9. 9. Following The Angels
  10. 10. Irene
  11. 11. I Give Myself Away

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LAUT.DE-PORTRÄT Mike Oldfield

"Die Menschen haben es satt, sich Musik anzuhören, die für Plattenfirmen-Sitzungen und Verkaufsstatistiken produziert wird. Sie wollen ihre Anlage einschalten …

24 Kommentare mit 96 Antworten

  • Vor 2 Jahren

    schmufteln ... großartig!
    merk ich mir :)

  • Vor 2 Jahren

    Schade, dass der Verfasser das Album nicht wirklich gehört zu haben scheint...^^

    Mein klares Fazit aus diesem Onlineverriss: Mich ärgern immer wieder solche vermeintlichen Gralshüter des "legendären" Mike Oldfields von vor zig Jahren...

    Ich sehe seine wirkliche Genialität nämlich wo ganz anders! Und sie ist noch so was von vorhanden...

    Oldfield ist für mich seit '73 immer wieder inspirierend und neu. Und gerade dass man ihn auf keines seiner Werke festnageln kann, macht ihn für mich immer wieder hochinteressant und hörenswert.

    Es ist für mich Bestandteil seiner Genialität, nicht in irgendeiner Schublade zu verschimmeln und dort für einen konspirativ erleuchteten Auserlesenenhörerkreis altgefällige Hörgewohnheiten in überdimensionaler Abendlänge zu erhalten... Oldfield macht nämlich auch in 4-Minuten-Länge großen Spaß.

    Sicher ist es auch bei mir so, dass ich seine Werke unterschiedlich gern mag, doch zackt bei mir bisher keins so aus, dass ich es derartig verreißen musste...

    Es ist auch bei diesem Opus so - Mike Oldfield erschließt sich erst frühestens beim zehnten Hören richtig und in seinem gesamten Umfang... Und es macht mir dabei immer wieder riesigen Spaß seine ständig neuen Facetten und gleichzeitig die Zitate seines unverwechselbaren Stils zu entdecken!

    • Vor 2 Jahren

      Hast du deinen Pimmel noch in der Hand?

    • Vor 2 Jahren

      Es gibt Kategorien von Künstlern. Das Mike einer ist möchte ich nicht bestreiten, auch sonst ist deinem Text nichts hinzuzufügen.

      Kategorie 1a Künstler: Künstler die aufhören, wenn sie ihren absoluten Höhepunkt erreicht haben.

      Kategorie 2b Künstler: Künstler die nicht merken das ihren Höhepunkt hatten und irgendwann hören sie dann (der Zeitpunkt ist relativ zeitnahe) einfach auf.

      Kategorie 3c Künstler: Künstler die einen kleinen meist kommerziellen Hit hatten und ihr gesamtes Leben damit bestreiten (One Hit Wonder). Meine Definition eher Lebenskünstler.

      Kategorie 4d Künstler: Künstler die vor ewigen Zeiten ihren Höhepunkt hatten, es deutlich bemerkten und seitdem Platten veröffentlichen und dir das Blaue vom Himmel versprechen, wie viel Kunst ihre neue Scheibe doch wäre. So einer ist unser beliebter Mike.

      Kategorie 5e Künstler: Künstler von denen man annimmt sie hatten mal einen o. mehrere Hits. Sie selber sind senil oft und können sich da kaum daran erinnern. Erst wenn sie versterben, verstummen sie auch und das ist eine Gnade für alle Beteiligten. Man nennt sie oft Hesterika. Noch hat unser Mike etwas Zeit, diese Kategorie zu vermeiden.

    • Vor 2 Jahren

      Du hast 1 Kategorie vergessen: Künstler, die über ihre gesamte Lebensspanne hinweg (vielleicht mit ein paar schwächeren Phasen) großartige Kunst abliefern, sodass man keinen eindeutigen Höhepunkt ausmachen könnte.

    • Vor 2 Jahren

      Mensch Santiago ich hab hier nur 5 Sterne zu verteilen, deshalb nur 5 Kategorien. Deine Kategorie ist übrigens nicht die Regel, sondern mit Sicherheit die Ausnahme. Leider ist Mozart schon tot, also erst einmal das so was vorkam. ;)

    • Vor 2 Jahren

      Ach, da fallen mir noch mehr ein: PJ Harvey, John Frusciante, Masta Ace, Morcheeba, Alicia Keys, the Beatles, etc pp - Geschmackssache, klar.

    • Vor 2 Jahren

      Mastermind Josh Homme nicht zu vergessen.

    • Vor 2 Jahren

      Hm. Und was ist mit Leuten wie Neil Young, James Brown, Miles Davis, meinetwegen auch Aretha Franklin oder den Rolling Stones, die im Laufe ihrer Karriere immer wieder mal kleine Meisterwerke abliefern, gerne flankiert von erschreckend flachen Veröffentlichungen?
      Gruß
      Skywise

    • Vor 2 Jahren

      @Sky u. Lauti, das war ein bisschen ironisch gemeint mit Mozart. Mein Ursprungspost war erst recht ironisch gemeint.

      Trotzdem behaupte ich jetzt einfach mal so frech, Mozart ist wirklich der einzige mir bekannte Populärkünstler der zu seiner Zeit nur tolle Sachen geschrieben hat. Alle Populärkünstler nach ihm, also auch die der modernen Popmusiker, haben nie durchgängig dieses Niveau mehr erreicht.

      Irgend wann werden aktuelle Popmusiker auch zu Klassikern wie eben Mozart. Eventuell taucht auch in den nächsten 30-40 Jahren ein neuer Mozart auf.

      Mike Oldfield ist mit Sicherheit kein Mozart und nichtmal in der Liga eurer Helden spielt er mit nur "Tubular Bells" mit.

    • Vor 2 Jahren

      Dass du ausgerechnet Mozart hier anführst - der ist für mich einer der am stärksten überbewerteten und langweiligsten Komponisten, die ich kenne. Es stimmt sicherlich, dass viele seiner Kompositionen auf 1 Niveau liegen, aber das liegt vielleicht auch daran, dass sich etliche davon recht ähnlich sind. Zu Oldfield: Volle Zustimmung.

    • Vor 2 Jahren

      @Speediconzal:
      Na ja, Mozart hat auch viele Sachen geschrieben, die ich eher als "Fingerübung" oder als "uninspiriertes, aber routiniert-ordentliches Handwerk" bezeichnen würde ...
      Aber ich mag viele Symphonien, Opern, Konzerte und Kanons von ihm. Besonders die, mit denen er Bushido vorweg nahm ...

      "Leck mire den Arsch recht schön fein sauber, lecke ihn fein sauber,
      lecke, leck mire den Arsch.
      Das ist ein fettigs Begehren,
      nur gut mit Butter geschmiert,
      den das Lecken der Braten mein tagliches Tun.
      Drei lecken mehr als zweie,
      nur her, machet die Prob'
      und leckt, leckt, leckt.
      Jeder leckt sein Arsch fur sich."
      (Kanon für drei Stimmen in B-Dur KV 233)

      Gruß
      Skywise

    • Vor 2 Jahren

      Eigentlich ist das mit Mozart nur nach geplappert von mir (mal irgendwann in der Schulzeit ernsthaft mit Mozart mich auseinander gesetzt), tut nichts zur Sache. Gönn mir alten Sack doch auch mal ein Totschlagargument. Das Post wo wir alle drunter schreiben, ist einfach zu lächerlich. Hab ich zu meinen besten "Trollzeiten" nicht hinbekommen. ;)

      Und nein Sky, ich hoffe ich habe dich nicht verärgert?
      Verstehe es nämlich nicht und wollte eigentlich nur ein bisschen lachen.

    • Vor 2 Jahren

      @Speediconzal:
      Ach was, mit Mozart kann man mich grundsätzlich nicht ärgern. Das schafft man vielleicht mit Mariah Carey oder einer Diskussion über Westernhagens Bedeutung als dem ultimativen deutschsprachigen Lyriker, aber nicht mit so was ;)
      Gruß
      Skywise

    • Vor 2 Jahren

      Wenn wir schon beim Kategorisieren sind. :)

      Top 5 deutschesprachige Populärmusiker der letzen 25 Jahre.

      1. Grönemeyer
      2. Westernhagen
      3. Kettcar
      4. Casper
      5. Lindenberg - Rammstein - und noch einige mehr.

      Och diesmal grüße ich dann auch mal, Speedi

    • Vor einem Jahr

      Event 21, dem ist nichts hinzuzufügen. Den wahren Genius Oldfield entdeckt man erst nach dem x-ten mal zuhören wenn man das will. Und wenn ich zuhören sage meine ich zuhören. Dazu braucht es nicht immer 24 Instrumente von ihm selber gespielt und übereinander gelegt.

  • Vor 8 Monaten

    Habe gerade durch Zufall auf YouTube ein paar Videos von diesem "Mike - war er das wirklich - Oldfield" Album gehört und bin richtig schockiert. Ich habe diesen Mann jahrzehntelang bewundert, gerade weil er diesem beschissenen Mainstream-Kack immer getrotzt hat. Und jetzt sowas :-( Dachte erst, da hätte sich irgendein Typ seines Namen bedient, um musikalisch aufzufallen, da lese ich überall, dass das ein offizielles Mike Oldfield Album ist. Ich fasse es nicht. Was für ein Niedergang. Demnächst lässt er noch Britney Spears für sich singen. Dann aber bitte vollrsiert und ohne mich! Note 6 - setzen - Mike