Jacko ist zurück. Endlich. Er hätte es allen zeigen können. Hat er aber nicht. Ein Mann, der King of Pop genannt wird, sollte Maßstäbe vorgeben. Oder neue Wege gehen. Zumindest muss er etwas wagen, wenigstens überraschen. Aber Craig David hat recht: Der Michael Jackson des Jahres 2001 unterscheidet sich im Prinzip keinen Deut von dem Jacko der achtziger Jahre. Schade. Richtig schlecht ist das neue Album natürlich nicht - die Fans können beruhigt sein.
Wenn Michael Jackson seine Welt "rocken" will, sollte er eine Platte vorlegen, die den momentan angesagten Soul-Barden, R'n'B-Vortänzern und 2Step-Beatbastlern die Schamesröte ins Gesicht treibt. Statt dessen sind Jackos Gesangslinien dieselben geblieben. Sounds und Arrangements verbreiten wie immer die märchenhafte Atmosphäre einer Traumwelt, einer problemfreien Zone. Ist geschenkt. Enttäuschend sind allerdings die eher minimalistisch gehaltenen Rhythmus-Patterns, die er mit seinen Produzenten seit Jahren nach demselben Muster strickt. Selbstverständlich können diese amtlich grooven, sie sind aber nicht nach vorne gewandt.
"Invincible" bietet perfekt kreierte Songs zwischen Urban, R'n'B und Pop. Die meisten sind Balladen. Hier überzeugt vor allem "Break Of Dawn". "Don't Walk Away" ist ebenfalls eine gelungene Komposition. Der "Heal The World"-Ersatz "The Lost Children" wird die Tränen fließen lassen. R. Kelly schreibt sich allerdings selbst die besseren Songs ("Cry"). Dagegen ist Jackos Resident-Produzent Rodney Jerkins für die besten Songs verantwortlich. Zur Single "Rock My World" im Urban-Style und dem Opener "Unbreakable" lässt sich cool das Tanzbein schwingen. Und "Whatever Happens" fällt in seiner Atmosphäre aus dem Rahmen. Ein paar schnellere Stücke ("Heartbreaker", "Invincible" und "2000 Watts") und härtere Tracks ("Privacy", "Threatened") runden das Album ab.
Einer der berühmtesten und kontroversesten Pop-Stars legt ein neues Album vor und will unbedingt geliebt werden. Er möchte auch Liebe geben, wie seine Texte zeigen. Die überquellende Harmoniesucht vieler Songs ("Speechless") mag hier ihren Ursprung haben. Dafür wird Jacko auch ausgelacht. Eigentlich unfair. Aber so "unbreakable" wie er sich im Video zu "Rock My World" gibt, ist Michael Jackson eben nicht.

