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Boah, was war das denn? Nach dem ersten Durchlauf rappeln immer noch die Glocken in meiner Rübe. Das ist jetzt mal aber wirklich schwer verdauliche Kost. Das erste auffällige Merkmal ist der mit "roh" noch ziemlich nett umschriebene Sound, der in Lars Ulrichs Snare seinen negativen Superlativ erfährt. Da hat Hausproduzent Bob Rock richtig fett daneben gegriffen und dem Schlagzeuger einen Klang gezimmert, der eher an einen Duracell-Hasen auf Ecstasy erinnert, als an fettes Drumming. Bass und Gitarren klingen stone-washed und fönen leider nicht recht die Haare nach hinten, aber entscheidend ist das für den Gesamteindruck nicht.
Keines der Lieder geht unter fünf Minuten Spielzeit durchs Ziel. Da bleibt genügend Zeit, um jede Menge Breaks und Knüppelparts unterzubringen. Nur leider macht das die Songs nicht interessanter. Geradlinige Songstrukturen sind kaum erkennbar, und Soli gibts dieses Mal auch keine zu vermelden. Seltsame Entwicklung das, aber so lange es kickt, solls mir recht sein.
Das tut es allerdings nur eingeschränkt. Gute Ansätze sind genügend vorhanden, an guten Riff-Ideen mangelt auch nicht, aber das Bemühen, progressiv zu sein, geht auf Kosten der Songs, die in schöner Regelmäßigkeit zerprügelt werden. Nichts gegen eine fette Portion Aggression, aber "St Anger" fehlt der letztendliche Dreh, der aus einer Ansammlung von Riffs, Gebolze und Shouts den ultimativen Arschtritt zimmert.
"Dirty Window" zum Beispiel geht arschengeil ab. Nach spätestens drei Minuten ist musikalisch jedoch alles gesagt, dennoch zieht sich der Track auf über fast fünfeinhalb Minuten in die Länge. Dies steht stellvertretend für "St. Anger", denn warum zum Beispiel "Invisible Kid" über acht Minuten Spielzeit braucht, nur um noch einmal ein paar Breaks einzustreuen, erschließt sich nicht wirklich. Zumal die Soli, die den Spannungsbögen der Songs überraschende Wendungen geben könnten, definitiv fehlen. Dennoch hat natürlich auch "St. Anger" einige starke Momente. Dazu gehören die ersten vier Songs mit dem Titeltrack als Vorabsingle.
Der prophezeite große Wurf ist die Scheibe trotz Wut, Rotz und Schweiß nicht geworden. Zu viel Gehackstücke versperrt den Blick auf großes Songwriting, und insgeheim erhält die Ahnung neue Nahrung, dass in dieser Richtung nicht mehr allzu viel von Metallica zu erwarten ist. Aber auf Erwartungen machen die vier ja gerne einen großen Haufen, und so lass ich mich in Zukunft auch gerne vom Gegenteil überzeugen.
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