laut.de-Kritik

Zuviel Manowar gehört?

Review von

Irgendwann musste es so kommen. Wenn eine Band alle zwei Jahre ein Album raushaut und fast alle Songs von einer einzigen Person geschrieben werden, geht die Kreativitätskurve zwangsläufig irgendwann nach unten. Nach vier Hochkarätern hintereinander legen Megadeth nun eine Scheibe vor, zu der mir zuerst nur ein einziges Wort einfällt: langweilig.

Ich gehe sogar noch weiter: "Super Collider" markiert nicht nur die schwächste Veröffentlichung der Band seit "The World Needs A Hero", es handelt sich um das uninteressanteste Megadeth-Album überhaupt.

Am überraschendsten erscheint da noch, dass es von den gleichen Musikern eingespielt wurde wie die letzte Platte. Keiner ist rausgeflogen, keiner ist abgehauen. Dave Mustaine wird auf seine alten Tage also entweder lasch oder er hat sich seine Erfüllungsgehilfen gut erzogen. Oder er ist zu sehr damit beschäftigt, rechtskonservativen Schwachsinn von sich zu
geben. Auch möglich.

Sogar eine solide Einstiegsnummer wie "Kingmaker" hätte früher höchstens als B-Seite gedient. Der anschließende Titelsong klingt, als sei er aus den "Risk"-Sessions übriggeblieben, aber wegen akuter Ungutheit abgelehnt worden. "Risk" wird
unverständlicherweise immer angefeindet, dabei war dieses Album mutig und experimentierfreudig, eine gute Rock-Scheibe halt.

"Super Collider" erscheint dagegen meist langweilig und lasch, gefühlt bewegen sich alle Songs im gleichen Tempo. Dazu passt, dass Mustaine im Booklet aussieht wie seine eigene Oma.

Dabei kann man nicht einmal behaupten, dass Megadeth es nicht versuchten. "The Blackest Crow" hebt mit gezupfter Dobro an, eine Geige kommt hinzu. Ganz schick soweit. "Built For War" lässt immerhin kurz aufhorchen, weil das Stück einen krummen Rhythmus und einen schönen melodischen Mittelteil besitzt. Gibts nicht oft bei Megadeth. Ein Blick in die Credits verrät: Aha, hier zeichnen hauptsächlich Schlagzeuger Shawn Drover und Klampfer Chris Broderick verantwortlich, Mustaines Name fällt erst an dritter Stelle. Ein Modell für die Zukunft, möglicherweise?

"Dance In The Rain" geht tatsächlich als guter Song durch - und wenig berechenbar. Kaum denkt man, gleich sei Schluss, ändert die Nummer plötzlich die Richtung, und Gast-Sänger David Draiman
(Disturbed, Device) spuckt ein paar Zeilen in die Landschaft. Das hat was. Danach versinkt die Platte aber wieder in ihrer Beliebigkeit.

"Burn", "Off The Edge", "Beginning Of Sorrow" plätschern ohne Höhepunkte vorbei, ohne sich im Ohr festzukrallen. Und was hat sich Rotschöpfchen bei
"Forget To Remember" gedacht? Zuviel Manowar gehört? Die Strophe erinnert in ihrer dumpfen
Akkord-Schrubber-Einfachheit unangenehm an DeMaio und seine Spießbuben. Der Refrain reißt es dann halbwegs wieder raus. Zu schlechter Letzt lungert am Album-Ende noch eine belanglose Coverversion von Thin Lizzys "Cold Sweat" herum.

Man merkt: Ich kann meine Enttäuschung kaum verhehlen. Vor allem, weil ich den direkten
Vorgänger "Th1rt3en" für sehr stark gehalten habe. Better luck next time.

Trackliste

  1. 1. Kingmaker
  2. 2. Super Collider
  3. 3. Burn!
  4. 4. Built For War
  5. 5. Off The Edge
  6. 6. Dance In The Rain
  7. 7. Beginning Of Sorrow
  8. 8. The Blackest Crow
  9. 9. Forget To Remember
  10. 10. Don't Turn Your Back...
  11. 11. Cold Sweat

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