Porträt

laut.de-Biographie

Meek Mill

"Er war ein guter Junge. Er spielte Video-Spiele, fuhr Fahrrad und war immer viel draußen", erinnert sich Mama Williams an die Kindheit ihres Sohnemanns Robert. Doch die Umstände ziehen die vaterlose Familie in den düsteren Süden Philadelphias. Kaum 16, entwickelt der Junge seinen eigenen Kopf und rutscht in den gleichen Drogen-Sumpf wie einst sein Vater, der zehn Jahre zuvor bei einem Überfall erschossen wurde.

Das Geld verdient er auf der Straße. "Ich hustlete nie zu 100 Prozent. Ich hab' immer nur die einfachen Sachen gemacht." Na, immerhin. Seiner Ausgangslage entsprechend, lässt er sich von Jay-Z zum Rappen inspirieren. "Mit 14 oder so hatte ich einen Battle gegen einen 16-Jährigen. Er machte mich zu Hackfleisch. Ich weinte, wollte ihn verprügeln, doch die Leute hielten mich zurück. Von da an sagte ich mir: 'Watch, y'all gon' be banging my shit one day.'"

Gemeinsam mit seiner Crew Bloodhoundz spuckt Mill seine Kontrahenten gegenüber Gift und Galle. Freestyles und Battles generieren zwar YouTube-Klicks, doch im Radio läuft man deshalb noch lange nicht. Das erkennt auch Young Rich und beginnt, Rap-Songs mit Hooks zu schreiben.

Doch genau einer dieser Freestyles haut DJ Difference so aus den Latschen, dass er sich um das wütende und hungrige Rap-Talent zu kümmern beginnt. Ein erstes Mixtape entsteht, die Sache kommt ins Sprudeln.

Nach einigen Underground-Radio-Songs schlägt "In My Bag" richtig ein. Der Durchbruch. Jetzt avanciert Williams zum Star – auch außerhalb seiner Heimatstadt. Ende des ersten Jahrzehnts der Nullerjahre bekommt er nicht nur lokal immer mehr Airplay.

"Ich bin seit über 20 Jahren aus dem Hustle-Game raus, aber er sprach mir trotzdem aus der Seele. Er sagt es nicht einfach nur, um etwas zu sagen. Es ist etwas was er wirklich lebt, man hört den Schmerz durch den er ging. Zwei Tage später gingen wir nach Cali und hatten zwei Deals auf dem Tisch: einen von Warner und einen von Grand Hustle", berichtet Charlie Mack, ein Hip Hop-Pionier der Quaker City. Letzteres, T.I.s Label, bekommt den Zuschlag. "I'm Not A Rapper" aus der "Flamerz"-Mixtape-Reihe überzeugt Mack so, dass er es sich zur Aufgabe macht, diesen Jungen durch die Decke zu schießen.

Als die Karriere richtige Sprünge macht, folgt jedoch der Schlag ins Gesicht. Mr. Philadelphia kommt vor Gericht. Die Anklage behauptet, er habe einen Polizisten mit einer Waffe bedroht. "Wenn ich eine Waffe auf einen Cop gerichtet hätte, dann würde ich heute nicht mehr hier sein – besonders bei den Cops aus Philly", beteuert Mill später seine Unschuld.

"Vergiss den Record-Deal, vergiss die Karriere – sein Leben war quasi vorbei", resümiert ein betrübter Charlie Mack. Doch er gibt nicht auf, lässt Kontakte spielen, treibt einen Anwalt auf, der etwas von seinem Fach versteht. Nach weiteren Gerichtsverhandlungen stehen einige Monate statt zehn Jahren Knast in Aussicht. Damit kann Meek leben. Nach einigen Monaten kommt er wieder auf freien Fuß und treibt seine Karriere weiter gen Zenit.

Sein Haus- und Hof-Produzent Jahlil Beats erinnert sich zurück, als Mill 2009 die Haftanstalt verlässt: "Als er rauskam, war er wie besessen davon, weiter Musik zu machen. Wir haben bestimmt zehn Songs am Tag aufgenommen!"

Meek Mill hören längst nicht mehr nur die Kids auf den Basketball-Plätzen und Schulhöfen. Er produziert auch Club-Banger, allen voran "Make Em Say" aus dem Mixtape "Flamerz 3". Der Joint besteht auch neben den Klassikern von Jay-Z und Ludacris und bringt die Tanz-Schar in Schwung.

"Du kannst in Philly nicht als DJ auflegen und kein Meek Mill-Set spielen. Ich meine nicht nur einen Song, ich meine ein ganzes Set. Und die Crowd brüllt jede einzelne Strophe mit", erklärt ein lokaler DJ.

In Zwanzigelf drückt Mill das Karriere-Pedal bis zum Triebwerk durch: Er kommt in die XXL Fresh Man Class und ziert neben Big K.R.I.T., Kendrick Lamar und Mac Miller das Cover des Szene-Magazins. Zeitgleich nimmt ihn Rick Ross unter seine schweren Maybach-Fittiche und sichert sich so einen der angesagtesten Newcomer des Jahres. Mit dem Billboard-Hit "Ima Boss" zeigen sie ihrer Gefolgschaft auch gleich, wer hier die dicksten Cadillacs fährt.

Im Folgejahr bricht Mill mit seinem Mixtape "Dreamchasers 2" so ziemlich alle bis dato aufgestellten Rekorde: Unter dem enormen Download-Ansturm (1,5 Millionen in nur sechs Stunden) kollabieren die Server-Leitungen bei Datpiff. Neben seinem MMG-Boss featurt dieser Output so ziemlich alles, womit die Nerds ihre Blogs füllen: Drake, Wale, 2 Chainz, Mac Miller, K. Dot, French Montana ...

Bei all dem Trubel, den Dollar-Scheinen und damit auch dem Rattenschwanz des American Dream, verliert Meek nie seine wahren Beweggründe aus den Augen: "Wenn ich Musik mache, dann mache ich es für meine Leute dort draußen!"

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