laut.de-Kritik

Zu viel Pop, zu wenig Bop.

Review von

A Cappella - eine Königsdisziplin. Maybebop stehen da, vielen seit 1996 veröffentlichten Werken zum Trotz, in der Akzeptanz vieler Musikfans noch immer hinter den Wise Guys. Was allerdings nicht im vokalen Vermögen begründet sein dürfte. Es liegt halt schlicht an den Songs.

Die 14 Tracks auf "Weniger Sind Mehr" entpuppen sich als qualitativ höchst unterschiedliche Fundstücke aus dem musikalischen Gemischtwarenladen."Im Moment Ist Alles Richtig" startet als ohrschmeichelnder, fluffiger Pop. Bis der Refrain wegen seiner allzu konträren Rhythmusverschleppung einem rundum positiven Eindruck den Garaus macht.

Neben allzu stromlinienförmiger Songs machen vor allem die Texte Kummer: Hier finden sich zuhauf altbekannte und längst begrabene Klischees über Leben, Lieben und PC-kompatibler Weltrettung. "Esst Mehr Insekten" nervt sogar altgediente Latzhosenträger. "Lasset die Zikaden / in Friteusen baden" funktioniert nur als bedingt lustige Reimattacke. Auch die Empfehlung "Nascht die scharfen Larven" bietet leider nur inhaltsleeres Textkokon-Gespinst.

"In Zehn Jahren" jongliert mit sonnigen Beatles-Zitaten der Sgt. Pepper-Ära - und erneut auf Albenlänge immer unerträglicher tönender Weltverbesserungsattitüde. Gut, das Quartett mag das vielleicht alles nicht ernst meinen. Maybebops Witz landet allerdings häufig in humoristischen Sackgassen.

Hand- bzw. stimmwerklich klingt das alles gekonnt, doch der Verzicht auf Ecken und Kanten hinterlässt viel sämiges Einerlei. Dazu reichlich Sprüche aus der Harry Kuhl-Kiste der letzten 20 Jahre - Musik darf einfach nicht die tönende Umsetzung des Programms von RTL II & Konsorten sein.

Wenn schon zitieren oder sich was borgen, dann bitte bei den Guten. Dazu zählen Tic Tac Toe gewiss nicht. Dennoch suhlen sich Maybebop überflüssigerweise in längst vergangenen - und überwunden geglaubten - Niederungen des deutschen Kommerzpop ("Beim Nächsten Mal").

Völlig daneben: Die Adaption des Goethe-Klassikers vom "Erlkönig". Der allzu betonte Bassgesang wirkt unfreiwillig komisch, die Substanz der Lyrik geht in diesem Umfeld völlig verloren. Wie es nahrhaft klingen kann, beweist Achim Reichels kraftvolle Version von 2002 (auf "Wilder Wassermann"). Hier packt das neblige Geister-Grausen hautnah den Hörer, gebannt lauscht man dem schaurigen Schattentreiben beim verzweifelten Kampf des Vaters um das Leben seines Sohnes. Chance vertan!

Fast schon hektisch springen Maybebop von einem handzahmen Popstyle zum nächsten, und lassen dabei kaum wirklich eigenständiges Profil erkennen. Das ist gerade wegen der vokalen Klasse des Quartetts bedauerlich.

Trackliste

  1. 1. Im Moment Ist Alles Richtig
  2. 2. Alles In Den Genen
  3. 3. Kleiner Grauer Falter
  4. 4. Ideal
  5. 5. Esst Mehr Insekten
  6. 6. Nimm Mich Mit
  7. 7. In Zehn Jahren
  8. 8. Beim Nächsten Mal
  9. 9. Was Ist Mit Der Liebe?
  10. 10. Liebesbrief
  11. 11. Fahrgefühl
  12. 12. Erlkönig
  13. 13. So Bin Ich Ohne Dich
  14. 14. Weniger Sind Mehr

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LAUT.DE-PORTRÄT Maybebop

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7 Kommentare mit einer Antwort

  • Vor 8 Monaten

    Am besten find ich die Werbung.
    "Texte mit Tiefgang: - Nimm mich miiihiiit! Lass mich nicht zurück! Nimm mich miiihiiit!"

  • Vor 8 Monaten

    @Morpho (« Am besten find ich die Werbung.
    "Texte mit Tiefgang: - Nimm mich miiihiiit! Lass mich nicht zurück! Nimm mich miiihiiit!" »):

    Du hast "Treibende Beats!" vergessen.

  • Vor 8 Monaten

    Pfff wann dreht mal jemand diesen Trash Sendern den Saft ab? Die Mucke die die pushen ist doch einfach nur schäbig so wie das Programm. Wer das sieht und hört ist doch eigentlich selbst Schuld oder. Bleib ich lieber bei Pay TV da wird man von dem Mummenschantz grösstenteils verschont. Da ist es mir auch wert eine monatliche Pauschale zu entrichten solange ich dadurch meine Ruhe habe.