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Neulich in Rom: Zum Abschluss des Aufenthaltes in der ewigen Stadt setzt es einen schnellen Happen bei Burger King. Beim Genuss der Mahlzeit kommt irgendwie Matthew Herbert ins Spiel. Grund unbekannt. Möglicherweise eine Art göttlicher Fügung, denn Mister Herbert beschäftigt sich diesmal intensiv mit Nahrungsmitteln. "Plat Du Jour" ist sein Versuch, Geschichten rund um Speis' und Trank musikalisch umzusetzen.
Den Harddisk-Recorder unterm Arm, klapperte Herbert auf der Suche nach verwertbarem Material die unterschiedlichsten Orte seiner Heimat ab: eine Lachszuchtanlage in Schottland, den englischen Gourmet-Tempel 'Fat Duck', eine Londoner Mülldeponie und Militärmuseen in Cornwall. Des Weiteren suchte er Abwasserkanäle, Schlachthöfe und Hühnerfarmen auf. Eigentlich keine völlig neue Herangehensweise für den Musiker, schließlich diente in der Vergangenheit schon eine Chipstüte als Hauptutensil bei Live-Auftritten als Radioboy.
Dieses Mal betrieb er aber ungleich größeren Aufwand: "The Truncated Life Of Modern Industrialised Chicken" beinhaltet die Akustik von 24.000 Küken und 30.000 Brathähnchen, die Tötung eines selbigen sowie den Sound beim Verarbeiten von Ökoeiern mittels Schüssel und Schneebesen. Für die Entstehung von "An Apple A Day" bissen 3255 Menschen in einen Apfel, bei "White Bread, Brown Bread" ist das Kratzen auf hartem Brot zu vernehmen, und "Hidden Sugars" vertont Kristallzucker in einer Coladose. Es gibt wohl keine Klangquelle, mit der Matthew Herbert nichts anzufangen wüsste.
Handfest wird es dann in "Nigella, George, Tony And Me". Hier macht Herbert das Menü, das Fernsehköchin Nigella Lawson im Auftrag des US-Präsidenten für Tony Blair zubereitete, kurzerhand platt - mit einem Panzer. Als Zielscheibe seiner Kritik müssen neben der Politik ebenso Großkonzerne und Supermärkte herhalten, die in seinen Augen die Verantwortung für den Verlust von Vielfalt und Qualität in der heutigen Ernährung tragen.
"Plat Du Jour" ist der hörbare Ausdruck seiner Missbilligung. Eine kulinarische Tour de Force, bei der unzählige modifizierte Soundschnipsel ein detailreiches wie verspieltes, radikales wie zwingendes Gesamtkunstwerk bilden. Elektronisch-experimentelle Samplekunst unter dem Banner von Avantgarde und Eklektizismus und nicht ganz frei von Polemik. Hier entstand wahrscheinlich nichts aus der Retorte eines Synthesizers, bekanntermaßen hält Herbert von Presets nicht viel. Und auch wenn er ein ernstes Anliegen verfolgt: Meinen Burger-Fauxpas in Rom möge er mir doch bitte verzeihen.
| Shop | Titel | Info | Preis | Porto | Gesamt |
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Matthew Herbert - Plat du Jour | Infos (Lieferzeit/Service) | €19,98 | €3,95 | €23,93 |
bouf!
ich bin überrascht. surfe nichtsahnend durch die gegend, und auf einmal springt mir eine mathew herbert review ins gesicht - laut.de sei dank. hätte ich das nicht gesehn wär die komplett an mir vorbeigerauscht.
an die wenigen elektroniker unter den forumsmitgliedern: wer hat das album, wie findet ihr es, und überhaupt, alles was euch einfällt. also nicht alles, ihr wisst ja wie ichs meine.
meine rückmeldung muss noch auf sich warten, hab das album ja noch nicht. aber bei mathew herbert wird man eigentlich nie enttäuscht
(man denke nur an 'suddenly'.. göttlich!)
Ich hab die Review gelesen und wusste nichtmal, ob auf dem Album nur Geräusche oder auch Musik sind. Also abgesehen von der shittigen Review, wie ist das denn so, was der Herr Herbert da macht? Wie klingt das?
... hab ich erwähnt, dass die Review shittig war?
definitiv musik, aber eben elektronische musik, der beschreibung gemäß wohl recht viel an sampling und clicks'n'cuts. bei matthew herbert hört sich das aber nicht so messerscharf wie bei genrekollegen dntel oder autechre an. dabei ist die musik auch selten abstrakt sondern setzt auf melodie... sehr angenehm anzuhören. für meine ohren.
als einstieg aber nicht unbedingt zu empfehlen, würde ich sagen.
Ja. Früher hat er oft ein recht kopflastiges, aber dennoch tanzbares Ding zwischen Click-&Jazz-House gemacht, IDM halt ... btw, kennt jemand was von 'matthew herbert big band'?
Dr.Rockit ist glaub ich auch eins seiner Projekte ... das kenn ich ein bisschen, ist auch sehr toll, ziemlich genialer Typ. 
Vom neuen hab ich noch nichts gehört, werd ich mir wohl aber auch zulegen.
zur platte:
ich bin relativ enttäuscht. hatte mir mehr erhofft als zusammengecuttetes gedudel aus nahrungsmittelgeräuschen. nicht sehr tanzbar, recht anstrengend auf dauer zuzuhören. alles in allem zu experimentell für meinen geschmack. (wobei experimentell nicht gleichbedeutend mit schlecht ist)
highlights: celebrity, the nine seeds of navdanya
ich finde das album insgesamt ganz ok.
an die bodily functions kommt es aber ganz und gar nicht heran.
aber man vergleicht da eigentlich auch äpfel mit birnen, weil die neue, wie gesagt, sehr experimental ist und weitestgehend auf das jazzige der bodily functions verzichtet.
grob : die hälfte der songs sind extrem gut (vor allem das allererste lied...welch melodie!!), die andere hälfte nicht so gut, da sehr anstrengend.
insgesamt hörenswert!
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