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Mary J Blige ist wohl die einzig-wahre Soul-Diva der Moderne. Janet Jackson in allen Ehren, doch nur Mary J. Blige reiht sich zwischen die altehrwürdigen Göttinnen wie Aretha Franklin oder Diana Ross ein. Mary J Blige geht gradlinig ihren Weg, und veröffentlicht im Herbst 2001 ihr fünftes Album "No More Drama". Skandale sucht man bei ihr zum Glück vergebens, Mary engagiert sich sogar intensiv für die Aids-Hilfe und andere soziale Projekte. Da darf man auch ruhig mal über ihr seltsames Benehmen bei den MTV-Video-Awards im selben Jahr hinweg sehen, sie ist eben eine Diva und für die gelten andere Regeln.
Geboren in der Bronx am 11. Januar 1971 wächst Mary die ersten Jahre ihres Lebens in Savannah, Georgia auf. Mit ihrer Mutter und der älteren Schwester zieht sie dann nach New York. Deutlich macht ihr das harte Leben auf der Straße zu schaffen. So verlässt sie schon früh die Schule und findet einzig und allein in der Musik ihre Passion. Von Anfang an macht sie keinen Hehl aus ihrer Liebe zum Rap/Hip Hop-Genre. Kein Wunder, denn Bad Boy Puff Daddy nimmt sie als junge Nachwuchssängerin Anfang der Neunziger unter seine Fittiche. Er entdeckt sie zufällig, als ihm ein Demotape in die Hände fällt, auf dem Mary Anita Bakers "Caught up in the Rapture" zum Besten gibt. Puffy erkennt Marys Talent sofort und gibt ihr einen Vertrag, denn nicht umsonst hält er sich seit Jahren hartnäckig an der Spitze des Rapgames. Und Mary weiß seine Verbindungen in den folgenden zehn Jahren gut zu nutzen. Sie arbeitet mit der Crème de la Crème des Hip Hop zusammen. Die Rapper Method Man, Ghostface Killah, Keith Murray, Nas, Jadakiss, DMX, Eve, Wyclef Jean, Grand Puba und Busta Rhymes stehen auf ihrer Gästeliste oder laden sie auf ihre eigenen Alben ein.
Gleiches gilt für Top-Produzenten wie Clark Kent, den Trackmasters, Dr. Dre, Swizz Beats, Rocwilder und Puffys gesamtes Bad Boy Camp. Wutangs Rza zum Beispiel nennt als erstes immer Mary J Blige, wenn er gefragt wird, mit welchem R'n'B-Artists er gerne zusammen arbeiten würde. Und auch Dre schwärmt in den höchsten Tönen von der Diva. Natürlich kollaboriert sie auch mit Musikern aus dem Soul-Bereich (u.a. Aretha Franklin, Lauryn Hill, Babyface) und aus anderen Genres (u.a. Elton John, Eric Clapton, Lenny Kravitz). Denn Mary weiß, dass man sich als angehende Diva musikalisch nicht beschränken darf.
Doch bevor sie zu ihrem heutigen Status und Ansichten gelangt, muss sie viele Höhen und Tiefen durchstehen. Der rasante Aufstieg vom unschuldigen Kirchenmädchen aus Savannah im US-Bundesstaat Georgie (aber in NY geboren) zum Megastar im Big Apple hinterlässt Spuren in Marys Seele. Ihr 92er-Debüt "411" mit der ersten Single "You Remind Me" wird in den USA zum Hit, und das glitzernde Popbiz zieht die schüchterne Mary in seinen Bann.
Zwei Jahre später gelingt Mary mit ihrem nächsten Werk "My Life" weltweit der Durchbruch. Doch die junge Sängerin zieht mit dieser Scheibe die Notbremse, um nicht vollends ihr natürliches Ich zu verlieren, trotz Millionen verkaufter Platten und unzähliger Awards. "Ich habe während der Arbeit am "My Life"-Album um Hilfe gebetet. Wenn du dir den Song "Be Happy" anhörst, wirst du eine 'Bitte, rette mich'-Einstellung hören." Für das Vibe-Magazin hat "My Life" einen Platz in den 100 wichtigsten Alben des 20. Jahrhunderts. Spin und Rolling Stone nehmen es immerhin noch in die Top-Liste der 90er auf.
Der Retter erscheint nicht, viel mehr muss mit Puff Daddy ihr Mentor in den Knast. So endet die Zusammenarbeit der beiden, und Mary nimmt ihre Karriere in die eigenen Hände. Es dauert drei Jahre, bis das neue Werk "Share My World" erscheint. "Als 'Share My World' veröffentlicht wurde, versuchte ich noch immer mein Leben zu ordnen." Den findet sie nach ausgedehnter Tourneen mit dem 99er Werk "Mary" endgültig. "Die Arbeit an der Platte war unbeschreiblich. Überall war Liebe. Normalerweise sehe ich das nicht. Es gab keine Probleme, keinen Blödsinn im Studio. Es war, wie nach Hause kommen." Mit von der Partie sind u.a Eric Clapton, Elton John, Nas, Babyface, Lauryn Hill, DMX und Aretha Franklin. Die Platte wird für einen Grammy nominiert und heimst wieder mehrere Platin-Auszeichnungen ein.
Mary J. Blige hat die Entwicklung zur großen Diva und, wie sie selber sagt, zum ehrlichen Menschen vollzogen. "Ich habe gelernt, dass wir für alles die Verantwortung übernehmen müssen. Deshalb liegt mein Fokus jetzt auf Frieden, Wahrheit, Vertrauen und Liebe." Im Spätsommer 2001 erscheint ihr fünftes Studioalbum "No More Drama". Hier beweist die mittlerweile 30-Jährige wieder einmal ihre Klasse und verteidigt den Soul-Thron gegen den Rest der R'n'B-Welt.
Zwei Jahre später, im Zuge der Promotion ihres neuen Albums "Love & Life", gibt sich Mary in sämtlichen Interviews so offenherzig wie selten zuvor. Zu der freudigen Nachricht, dass die mittlerweile 32-Jährige die Liebe ihres Lebens gefunden hab, kommen einige weniger positive Details aus ihrem Leben ans Licht. Ihr Verlobter Martin Kendu Isaacs habe sie aus ihrer langjährigen Alkoholabhängigkeit befreit. Außerdem sei er der erste Mann, der sie respekt- und liebevoll behandele, ohne Schläge oder Untreue. Insgesamt habe die neue Liebe ihr Leben grundlegend verändert. Dementsprechend klingt ihr neues Album. So sind nicht mehr Schmerz, Selbsthass und Trauer die vorherschenden Themen. Es dreht sich alles nur noch um die Liebe.
Genau wie auf dem Nachfolgealbum "The Breakthrough", das Ende 2005 in die Läden kommt. Doch während sich beide Platten inhaltlich gleichen, gibt es ganz offensichtliche musikalische Unterschiede. Orientierte sich "Love & Life" ganz bewusst an den Anfangstagen der Karriere, versucht "The Breakthrough" modern zu sein. So gleicht das sechste Studioalbum Mary J. Bliges eher einem Mixtape, wie man es aus dem Rap-Genre kennt, als einem eigenständigen Longplayer. Und das trotz Gästen wie Jay-Z, Raphael Saadiq, Produzent 9th Wonder und U2.
Welchen Stellenwert Mary aber in den USA inne hat, zeigt sich einmal mehr im Dezember 2006. Dann nämlich steht die Vergabe der Billboard-Awards an. Blige sackt in neun Kategorien den Hauptpreis ein, unter anderem für das Album und den Song des Jahres ("Be Without You"). Wenn das keine gute Promo für die Anfang Dezember erschienene Best Of ist.
Im Februar 2008 veröffentlicht Mary J. Blige ihr bereits achtes Studioalbum. In den USA schafft "Growing Pains" bereits in der zweiten Woche nach Verkaufsstart den Sprung auf Platz Nummer 1 der Billboardcharts. An sich nicht verwunderlich, denn Mary hält das qualitative Level ihrer letzten Veröffentlichungen. Mit bewährten Beatbastlern wie den Neptunes oder Dre&Vidal hinter den Reglern schaffen es diesmal sogar Elektroelemente in den Mary-Sound, bei dem ansonsten alles beim Alten geblieben ist: Der perfekte Mix aus Soulballaden und R'n'B-Hymnen.
Mary J. Blige weilte Mitte September in Deutschland, um ihr neues Album "Love And Life" zu promoten. LAUT traf den Soul-Superstar am regnerischen Rhein.
Die Königin des R'n'B hielt Hof im Kölner Hyatt und gab sich freundlich und redefreudig. Von Starallüren keine Spur. Der Respekt vor Frau Blige stieg in schwindelerregende Höhen. Als sie dann auch noch ihren ganz normalen Alltag vollkommen gewöhnlich mit "Aufwachen, Beten, Essen, Arbeiten, Schlafen" beschrieb, war allen im Raume klar: hier sitzt keine seelenlose Selbstdarstellerin, sondern eine reife Frau am Tisch, die etwas zu sagen hat.
Höhen und Tiefen, Träume und Schäume
Bist du nach dem ständigen Wechsel von Erfolgen und Rückschlagen in deiner Karriere momentan wirklich glücklich?
Ich bin derzeit sehr zufrieden. In meinem Kopf sind aber noch viele Dinge, die ich erst verarbeiten muss, um noch mehr an Sicherheit zu gewinnen. Das große Geld kann nun mal nicht alles rückgängig machen, was dir als Kind passiert ist. Das Geld hat nun keine Wirkung darauf, was in deiner Erziehung falsch gelaufen ist. Das Geld kann dir nun mal nicht helfen, wenn du verrückt bist, und im Ernstfall psychische Hilfe brauchst. Meine Realität ist momentan nicht von Geld abhängig. Als ich auf den Straßen lebte, wurde mir klar, dass wir alle eine Realität jenseits des Erfolgs haben. Geld bedeutet nichts, Geld diktiert nicht mein Leben.
Du sprachst von deiner Kindheit. Wie war es in einem Ghetto wie Yonkers aufzuwachsen?
Das Leben in Yorkers drehte sich knallhart ums Überleben. Immer. Wenn du aus dem Haus gegangen bist, ging es ums Überleben. Es hätte gut passieren können, dass du beim Verlassen des Hauses ohne Grund direkt in einen Streit geraten konntest. Das lag daran, dass die Menschen viele Problemen haben. Es war sehr gewalttätig dort, und unter den Leuten herrschte kein Zusammenhalt. Es war kein guter Ort.
Was für Träume bewogen dich Anfang der Neunziger, ins Musikbiz einzusteigen? Hattest du überhaupt welche?
Ich hatte nicht wirklich Träume, als ich ins Studio ging. Jahre zuvor träumte ich vielleicht davon, einmal auf der Bühne mit einem bestimmten Sänger zu stehen. Andere Visionen hatte ich aber nicht, da die Realität es wohl nicht zugelassen hätte. Ich dachte jedoch bei meinem Debüt nicht daran, dass ich einmal das Level von heute erreichen werde.
Method Man
Für deine erste Single "Love At First Sight" vom neuen Album featurest du wieder Wu-Tangs Method Man. Warum?
Einst hatte ich für Meth ja "I'll Be There For You" eingesungen, der 1995 einen Grammy einheimste. Hip Hop hat mir meine ersten Grammy gebracht! Letztendlich war es aber Meths Single. Ich bin dankbar dafür, was Method Man für mich getan hat. Dieses Jahr dachte ich dann, dass ich mich wieder an die alte Zeit besinnen und Method Man für den bestimmten Song wieder an Bord holen sollte. Ein anderer kam für den Track auch nicht in Frage.
"I'll Be There For You" ist unvergessen, kein Frage. Wie kam die Zusammenarbeit damals eigentlich zustande?
Vom ersten Tag, sprich vom "36 Chambers"-Album an war ich ein großer Wu-Tang Clan-Fan. Ich liebe Wu-Tang! Dann kam jedoch 1994 das Method Man-Debüt "Tical", und Meth stand für mich einfach über der Gruppe. Daraufhin sagte ich meinen damaligen Manager Puff Daddy, dass wir auf jeden Fall etwas mit Method Man produzieren müssen. Puff findet immer Mittel und Wege, solche Wünsche zu realisieren, und eines Tages standen wir Drei im Studio. Ich glaube, es war sogar an Puffys Geburtstag, als wir den Remix für seinen Track "I'll Be There" aufnahmen.
Nun ist Method Man ja nicht gerade als Chorknabe bekannt ...
Ja, das stimmt. Ich ließ ihn sofort wissen, dass ich zwar ein großer Fan von ihm sei, aber auf keinen Fall ein Groupie! Beim Videodreh hat er sich so nett um mich gekümmert. Er war stets besorgt um mich und erkundigte sich nach meinem Wohlbefinden. Wie ein Bodyguard. Nur netter. Method Man wird immer in meinem Team sein.
Puff Daddy
Wie kam es 1994 zum Split mit Puffy, der ja deine ersten Alben produzierte?
Puffy und ich haben eigentlich das Hip Hop/Soul-Genre damals als eine der Pioniere erfolgreich ins Leben gerufen. Trotzdem haben wir unsere Zusammenarbeit nach meinem zweiten Album "My Life" beendet. Puffy startete sein eigenes Label Bad Boy Entertainment und konnte mich nicht unter Vertrag nehmen, da ich bereits bei einer anderen Firma gesignt war. Puff hätte aber weiterhin als mein Produzent in Erscheinung treten können. Er suchte jedoch weiter nach einer neuen 'Mary J. Blige'. Letzten Endes fand er sie in Faith Evans. So kam es, dass Evans plötzlich die gleiche Haarfarbe, die gleiche Kleidung, den gleichen Sound hatte wie ich. Für mich war das zu viel des Guten, und ich entschloss mich, einen neuen Weg mit neuen Produzenten einzuschlagen.
Es gab also keinen Streit zwischen euch beiden?
Nein, als ich Puffy bei den Grammys 1995 wiedergesehen habe, lobte er mich und meinte, er wäre stolz auf mich: "Dein Album ist wirklich gut." Von diesem Tag an sag ich ihn aus einem ganz anderen Blickwinkel. Mir wurde klar, dass er kein 'Hater' ist und respektiert, dass ich nun meine eigenen Weg gehe.
Wie kam es zur Reunion für dein neues Album "Love And Life"?
Wir liefen uns ab und an über den Weg. Bei meiner Arbeit für "No More Drama" bin ich zu ihm gegangen und habe ihn gefragt, ob er Lust hätte, zu einen Remix für den Titeltrack anzufertigen. Und der war wirklich gut. Als wir dann im Studio chillten, fragte Puffy nebenbei, ob ich mit ihm wieder ein Album aufnehmen würde. Ich sagte spontan zu. Okay, ich erzähle euch die ganze Geschichte. So lud ich ihn zu meinem Konzert in der Radio-City-Music-Hall ein. Plötzlich trat Puff auf die Bühne und sagte den Zuschauern, dass wir beide eine Reunion planen. Und die Menge rastete aus. Man hätte glatt denken können, dass Michael Jackson oder Janet gerade angekommen seien. Der Rest ist History und auf "Love And Life" hörbar.
The New R'n'B-Generation
Was würdest du jungen R'n'B-Künstlern raten, worauf sie im Musikgeschäft achten sollen?
Schaut euch die Verträge genau an und achtet auf euer Umfeld! Jeder sagt, dass du der Beste bist. Du musst aber darauf achten, wer dir die Wahrheit erzählt und wer lügt. Ich kann dir viele Fallbeispiele geben. Deswegen vertraue ich nur ganz wenigen Menschen wie meinem Buchhalter. Ich hänge mit keinen "Chicks" ab. Wenn ich mich mit jemand unterhalte, dann öffne ich mich ein bisschen, um herauszufinden, mit wem ich es zu tun habe, danach ziehe ich mich erst einmal wieder zurück.
Könntest du ein paar Beispiele nennen, wo du ausgebeutet und hintergangen wurdest?
Es gibt so viele Geschichte. Manager, die mich ausgeraubt haben und so weiter. Steckt nicht das ganze Geld in die Videos, denn dafür gibt es keine Tantiemen. Seid vorsichtig, denn Geld gibt es nicht im Überfluss. Die Fans sind schließlich realistische Menschen. Kommt ein neuer, heißer Act, ist der Trubel groß. Als 50 Cent herauskam, wurde Ja Rule zeitgleich aus dem Game geworfen. Seid vorsichtig!
Mit Mary J. Blige sprach Stefan Johannesberg
Dance For Me (2002)
Mary (1999), The Tour (1998), Share My World (1997), My Life (1994), What's The 411? - The Remixes (1993), What's The 411? (1992)
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19.02.08, 19:58 Floor |
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