Jetzt liegt es endlich vor, das neue Album des Herrn Manson, nach eigener Aussage der personifizierte Albtraum US-Amerikas. "The Golden Age Of Grotesque" ist unter zweierlei Gesichtspunkten spannend. Zum einen musste Brian Warner dieses Mal ohne die Unterstützung von Twiggy Ramirez auskommen, der in der Vergangenheit für den einen oder anderen Manson-Klassiker verantwortlich war. Zum anderen stellt Mr. Shockrock mit diesem Output die Weichen für die zukünftige Karriere.
Komplett verschwunden sind die Ausflüge in Glamrock-Gefilde, wie sie noch auf "Mechanical Animals" zu hören waren. Nach einem kurzen düsteren Intro gibt's dafür eins auf die Löffel. Kompromisslos rocken die Kollegen nach vorne und präsentieren Marilyn Manson anno 2003 noch rotziger als auf "Holy Wood". Zwar reicht das Aggressionspotential nicht an das legendäre "Antichrist Superstar" heran, aber das erste Drittel der Scheibe knallt in bester Manson-Manier durch die Boxen.
Die Rhythmik gestaltet sich eher altbacken, denn die Stakkato-Riffs von "Doll-Dagga Buzz Buzz Ziggety-Zag" tauchen mittlerweile schon zum dritten Mal nach "Beautiful People" und "Disposable Teens" auf. Das ruppelt zwar ganz gewaltig und animiert zum Hopsen, wirkt aber nicht gerade wie die Suche nach neuen Ufern. Die Inspiration holte er sich dieses Mal aus dem Berlin der 30er Jahre: der Titeltrack setzt kulturell überbordendes Leben und ausschweifende Exzesse perfekt in Szene.
Nach diesem etwas im Tempo eingebremsten Song teilt Manson aber sogleich wieder Breitwandriff-Kopfnüsse aus. "(S)aint" und "Ka-Boom Ka-Boom" geraten wieder brachialer. Speziell letzteres macht seinem Namen alle Ehre. Die Songstrukturen sind zwar allesamt nicht neu und auch für Manson alles andere als revolutionär, gehen aber gut ins Ohr und haben einen hohen Wiedererkennungswert. Songschreiberisch gibt der Mann sich keine Blößen.