laut.de-Kritik

Gehaltloser Cheerleader-Pop mit altbackenen Effekten.

Review von

Maria Mena eröffnet ihr neues, mittlerweile sechstes Studioalbum mit den zuckersüßen, in rosa Luftballons gehüllten Piano-Harmonien von "Interesting". Sofort schalten da die Ohren von Freunden lieblicher Pop-Klänge auf Empfang. Alles scheint zu passen: Betörende Melodien aus dem Background und Marias markantes Engel-Organ, das emotionsgeladen die Tonleiter hoch und runter huscht, sorgen für Gänsehaut - 56 Sekunden lang.

Dann reißt urplötzlich der Faden. Wie von einer Tarantel gestochen erhebt die Norwegerin auf einmal ihre Stimme und verliert sich in aufgeputschten Synth-Pop-Welten. Der Refrain, der normalerweise den Gipfel eines jeden Songs markieren sollte, erweist sich als chaotisch zusammengeschusterte Talsperre, der man lieber fern bleiben möchte.

Weiter gehts mit einem Titel, den man offensiver wohl kaum hätte aussuchen können. "Fuck You" heißt das gute Stück und wendet sich an all die anonymen World Wide Web-Disser, die keinen Arsch in der Hose haben, um sich ihren Ärgernissen von Angesicht zu Angesicht zu stellen. Ob der hektische Piano-Tänzer bei professionell agierenden Daily-Mobbern allerdings Wirkung zeigen wird, darf man nach drei Minuten ernsthaft in Frage stellen. Deckel drauf. Es kann eigentlich nur besser werden. Oder?

Auch das folgende "All That Love" bewirbt sich mit Nachdruck um einen Gästelisteplatz in der musikalischen Restemülltonne. Die Schuld daran tragen plumpe Dancefloor-Beats und Vocal-Effekte, die sich das letzte Mal den Innovativ-Button verdienten, als Cher noch eine Rolle im Rampenlicht spielte.

Maria will viel. Sie will Emotionen transportieren, auf Teufel komm raus. Dabei schießt sie leider oftmals über das Ziel hinaus. Bestes Beispiel: der Song "Madness", eine an und für sich durchweg gelungene Indie-Pop-Nummer mit fluffigen Background-Gitarren, wären da nicht Marias verkrampft aufgesetzte Tissue-Vocals, die dem Ganzen einen völlig unnötigen Hilflos-Stempel aufdrücken.

Auf dem anschließenden "I Love You Too" atmet die Sängerin endlich durch und serviert ihrem Gemahl eine rührende Liebeserklärung. Doch der gefühlsgeladene Dreiminüter erweist sich lediglich als der berühmte Tropfen auf dem heißen Stein.

Pünktlich zur zweiten Hälfte hüpft das Timbre der Sängerin abermals wie wild hin und her und begleitet gehaltlosen Cheerleader-Pop ("You Make Me Feel Good"), effektüberladene Großraumdisco-Vibes ("You're All Telling Stories") und wirre Synthie-Eiertänze ("You Hurt The Ones You Love") in musikalische Niemandsland-Welten. Da liegt einem fast schon ein Auf-Nimmerwiedersehen-Gruß auf den Lippen.

Trackliste

  1. 1. Interesting
  2. 2. Fuck You
  3. 3. All The Love
  4. 4. I Always Liked That
  5. 5. Madness
  6. 6. I Love You Too
  7. 7. You Make Me Feel Good
  8. 8. Caught Off Guard, Floored By Love
  9. 9. You're All Telling Stories
  10. 10. Lover Let Me In
  11. 11. I'm Only Human
  12. 12. You Hurt The Ones You Love
  13. 13. The End

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3 Kommentare

  • Vor 10 Monaten

    Ach Quatsch, Maria ist auch weiterhin einer der Guten. "Gehaltloser Cheerleader-Pop" klingt definitiv anders.

  • Vor 10 Monaten

    also ich finde das album sehr gelungen. es ist ganz anders anders als ihre andren alben. es erinnert ein wenig an ellie goulding, welche ich auch toll finde. ihr stimme ist nach wie vor grandios. das album ist abwechsulngsreich und versprüht gute laune. ihre bisherigen lieder, waren eher traurig. bei diesem album ist das mal anders, was ich auch mal gut finde, es ist eine andere seite von ihr. Die wie oben "wirre Synthie-Eiertänze" in: "You Hurt The Ones You Love" gefallen mir sehr gut. es ist schon jetzt eines meiner favoriten des albums, ich liebe die strophen... ich kann dieser kritik nur wieder sprechen. ich kann nur sagen, das jeder der maria bisher gemocht hat, sollte das album anhören und selbst entscheiden wie er es findet....

  • Vor 10 Monaten

    ich finde eher, dass ihre stimme irgendwie nicht zu den elektroklängen passt. man kennt sie einfach anders und irgendwie ist es schwer, sie sich in künstlichen synthiesounds vorzustellen, zu ihr passt einfach mehr das natürliche, akustische...