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Thees Uhlmann von Tomte hat an Madsen einen Narren gefressen. Darum lässt es sich der Sympath auch nicht nehmen, eigens den Pressetext für die fünf Bengel um Frontmann Sebastian Madsen aus dem Wendland-Niemandsland zu verfassen. Leider liegt der Uhlmannsche Musikgeschmack beim selbstbetitelten Debüt der Newcomer so weit daneben wie Tomte von Krautrock entfernt.
Sebastian Madsen besitzt die "adoleszente Wut des jungen Lowtzow", sagt Herr Uhlmann. Diese authentische Wut besäße er wohl gerne, sagt der Rezensent. Zu spüren ist sie indes nicht. Der Sänger und Gitarrist drückt "mit unkonkreten Texten sehr konkrete Sachen" aus, meint Herr Uhlmann. Die Texte sind stupide und nichtssagend, meint der Rezensent. "Scheiße, schockt die Musik!", jubelt Herr Uhlmann begeistert. Wieder falsch, beharrt der Rezensent. Vor allem der Gesang kommt eher vertontem Pickelausdrücken gleich.
Zur genaueren Einordnung der Jungspunde lohnt ein Besuch auf der Band-Homepage. Sebastian, Niko, Sascha, Johannes und Folli schwärmen dort in der Kategorie "Bestes Erlebnis" von Sex- und Alkoholpremieren. Neues Futter für die Gitarrenseite der Bravo, und den Madsen-Klingelton gibt es auch schon. Eine Portion Befindlichkeitsrock von den frühen Tocotronic und einen großer Löffel Punkpop Marke Angelika Express verwurschteln Madsen zu einem pubertären Brei - nur ohne jeden Esprit der abgepausten Vorbilder. Das schmeckt reichlich fad und nach kreativer Nulldiät.
Das Repertoire typischer Teenagersorgen zitieren sie äußerst aufmerksam: Stress mit Mama und Papa im trotzigen "Diese Kinder", jugendliche Selbstfindung im Schlussstück "Wohin". Dazu Songs über kaputte Beziehungen und der obligatorische Leisetreter ("Im Dunkeln"). Ob ein Stück wie "Unsichtbar" überhaupt irgendeine Bedeutung hat, bleibt dem Hörer überlassen: "Du kannst mich nicht sehn, wenn ich vor dir steh', du kannst mich nicht sehn, wenn ich dir ein Zeichen geb', vielleicht willst du zu mir, willst mir viel erzählen, vielleicht willst du zu mir und kannst mich nicht sehn." Die debilen Reim-dich-Texte benölt/beschreit Madsen mit der ganzen Inbrunst seines spärlichen Lungenvolumens. Mehr als zwei Tonlagen sind anscheinend einfach nicht drin.
Auch der Rest der Band stolpert auf "Madsen" im Stil einer Schülercombo durch von jugendlichem Pathos geschwängerte Häppchen. Man serviert dem Hörer nie mehr als drei Akkorde und punkig-reduziertes Minimal-Drumming, für das Meg White sich schämen würde.
Madsen surfen als blinde Passagiere auf der Deutschgesang-Welle. Nicht eine gute Idee verarbeiten die Wendländer auf dieser nur an Ziellosigkeit reichen Platte. Ein bisschen Rotz darf sein, aber auch bitte nicht zu viel für die junge und schreckhafte Klientel. Jede Silbe, jede Tonfolge hat ihr Zuhause bei genannten Vorbildern. Dilettantisches Epigonentum, das die Welt nicht braucht.
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