Tja, das wars dann wohl endgültig. Da ist sie. Die letzte, ja allerletzte Platte unserer Lieblingsband aus Norwegen. Leider. Aber wenigstens noch eine zum Abschied. R.I.P.
Während der überraschende Tod von Gitarrist Robert Buras in Norwegen groß durch die Presse ging, nahmen hierzulande lediglich die Fans von Madrugada Notiz vom allzu frühen Ableben des Saitenartisten. Offensichtlich schwer geschockt zog sich damals die Resttruppe erst mal zurück ins Private. Kurzes offizielles Statement und dann abgetaucht. Verständlich.
Von einer Veröffentlichung des gerade erst gemeinsam aufgenommenen Materials war man damals meilenweit entfernt. Und so schien das bei Fans der ersten Stunde eher zwiespältig aufgenommene "The Deep End" (hatte da etwa jemand schon Todesahnungen?) das letzte Zeugnis dieser sinistren Rockband aus dem hohen Norden.
Doch das wäre nun wirklich zu schade gewesen, hatte man im April/Mai 2007 doch einige wunderbare Aufnahmen in NYC gemacht, über die sich Robert Buras noch einen Tag vor seinem Tode in höchster Freude geäußert hatte. Einen großen Schritt in der musikalischen Entwicklung der Band sah er da.
Der blieb leider unvollendet. Doch ist es der Band mit "Madrugada" wenigstens möglich, Buras mit den nun veröffentlichten neun Songs ein kleines Denkmal zu setzen. Und uns noch mal eine richtig gute Madrugada-Scheibe zu kredenzen.
Tatsächlich hat man im Vergleich zum letzten Longplayer noch mal einen kleinen Schritt gemacht. Der jedoch, glücklicherweise, zum Teil ein Schritt zurück war. Und so kommt "Madrugada" im Gegensatz zum insgesamt doch recht schwülstigen Vorgänger musikalisch schlanker und fitter daher. Auch die Songs scheinen wieder frischer und inspirierter. Zwar sucht man auch hier vergeblich nach harten Rockstücken wie sie z.B. auf "Grit" oder "The Nightly Disease" vertreten waren und den Sound der Band in ihrer ersten Phase stark geprägt hatten. Das ist jedoch nicht weiter verwunderlich.
So waren Madrugada schon immer dem Midtempo-Rockstück, ab und an gar der Rockballade zugetan. Sänger Sivert Hoyem versteht es, mit seinem tiefen und vielschichtigen Organ den Songs Tiefe und den nötigen Ernst zu verleihen. So trägt er auch eine Komposition wie "What's On Your Mind", die von der Melodieführung und Instrumentierung schon fast in den von Neil Diamond inspirierten "amerikanischen Schlager" abzudriften droht, in unerwartete Höhen.
Die überwiegende Mehrzahl der anderen Stücke ist ebenfalls in eher ruhigem Fahrwasser zu verorten. Sie kommen aber weitaus weniger süßlich daher (kleine Ausnahme: "Honey Bee"). Mit "The Hour Of The Wolf" bricht lediglich ein Track der CD aus dem geruhsamen Tempo aus und beschwört noch einmal die wilderen Tage der Band. Hatten Kritiker und Fans früher schon ständig Quervergleiche mit Nick Cave gezogen, so ist eine in der Tat große Ähnlichkeit im Vortrag spätestens mit "Look Away Lucifer" nicht mehr von der Hand zu weisen.
Das letzte Stück gebührt allein dem verstorbenen Buras, dem dabei erstmals nicht nur die Gitarre sondern auch der Vocalpart obliegt. Dies ist als Geste der Band auch durchaus angebracht und ein angemessener Abschluss der Tonträgerhistorie von Madrugada. "Our Time Won't Live That Long" - so ist das eben leider oft im Leben.
