Man sollte der Ciccone in der Retrospektive Respekt zollen: Kabbala-Gedöns, Adoptions-Verrenkungen, die Scheidung des Jahres 2008, muskulöse Oberarme - in Sachen Boulevard muss sich immer noch jeder A-Star anstrengen, um den erfolgreichsten weiblichen Popstar seit Jahren zu toppen.
Auch steht die 51-Jährige als weibliches Alpha-Tier immer noch recht allein auf weiter Flur: eine selbstbestimmte, sexy Frau, die erfolgreich tut und lässt, was sie will: Brit, Aguilera etc. - alle wären gerne so tough wie Madonna.
Die Basis dieses ikonenhaften Rufs - abgesehen von punktgenau kalkuliertem Körpereinsatz: In Sachen Sound bewies sie regelmäßig den richtigen Riecher und marschierte in Sachen Mainstream meist den entscheidenden Schritt voraus.
Mit "Music" gelang ihr etwa unter Mithilfe Mirwais' einer der Dancefloor-Föner des Jahrzehnts und natürlich überließen ABBA einzig ihr und Stuart Price "Gimme Gimme Gimme" für den Pop-Schieber "Hung Up". Beide Elektro-Bomben eröffnen folgerichtig die mittlerweile dritte Karriere-Compilation. Stehen sie doch wie etwa auch "Die Another Day" oder "Hollywood" für Madonnas lässigste und experimentierfreudigste Phasen, und das auf höchstem Produktionsniveau.
Statt Schmalzlocken ("Like A Prayer") und Schunkelmodus ("La Isla Bonita") wie in den frühen Jahren - besonders anstrengend gestaltet sich hier die erste Hälfte der zweiten CD - stampft die Königin des Popclubs auf, und zwar so, dass die Schnapsflaschen im Regal wackeln. Das good time-Geplapper "Holiday", direkt im Anschluss an die noch aktuelle R'n'B-Phase "4 Minutes (feat. Justin Timberlake And Timbaland)", dokumentiert hörbar diese Qualitätssprünge.
Sicher - man darf an die Achtziger nicht die Maßstäbe von heute anlegen. Zumal Songs wie "Like A Virgin" die Zeiten überdauern könnten. Dennoch markiert "Vogue" (1990) einen ersten Wendepunkt: weg vom Teenie-80er-Sound hin zum Club, mit "Ray Of Light" (1998) (William Orbit) folgte ein weiterer Karrierehöhepunkt. Metamorphose auf Metamorphose - der Wille zum Zeitgeist (selbstverständlich in Top Ten-Kategorien gedacht) blieb stets ein Motor der Amerikanerin, die lange Zeit in Europa verbrachte.
Zur vorliegenden Karriereschau gehören zwei neue Tracks: "Celebration", produziert von Paul Oakenfold, knüpft an "Confessions On A Dance Floor" an, schlägt die Brücke zur jungen Madonna aber deutlicher.
Das rhythmisch und eher minimal gehaltene "Revolver (feat. Lil Wayne") könnte dagegen aus den Sessions zu "Hard Candy" stammen - beides amtlich mächtige Tracks. Gerade die Oakenfold-Kollabo zeigt, was Madonna-Klone nicht auf der Pfanne haben.
Beide Songs dokumentieren den momentanen Status Quo der Ciccone. Wohin ihre Reise führt? Wohl wieder in die elektronische Richtung, so die Protagonistin. Bitte - so lange es nicht back to the roots geht ...
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) und es wurde nur 1 ausgekoppelt. Verstehst du, warum ich da meine Sorgen habe? Außerdem gibt es noch It's So Cool und den finde ich persönlich nicht soooo toll.