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Nach der EP "Torture Tactics" nimmt Robb Flynn Anfang der 90er bei Vio-Lence seinen Hut und gründet seine eigene Combo Machine Head.
Anstatt wie bei Vio-Lence nur die Klampfe zu schwingen, stellt er sich bei seiner neuen Combo auch gleich noch hinter's Mikro. An die zweite Gitarre stellt er Logan Mader, den Bass bedient Adam Duce und hinter den Drums sitzt kurzfristig Walter Ryan (Ex-Possessed). Dieser macht aber schnell wieder Platz für Chris Kontos, der sich auf der Tour mit Napalm Death und Obituary beweisen muss. Zum Zeitpunkt der Tour haben sie den Deal mir Roadrunner Records zwar schon in der Tasche, jedoch noch kein Album auf dem Markt.
"Burn My Eyes" erscheint erst Ende 1994 und schlägt mit seiner brachialen Mischung aus Thrash und heftigen Grooves enorm ein. Schnell fällt der Begriff 'Neo-Thrash' und Machine Head gelten als Trendsetter, die mit ihrer Platte überall in die Charts einsteigen. Die Scheibe avanciert zum bestverkauften Debüt des Labels. Kaum ist das Album erschienen, geht es mit Slayer und Biohazard auf Tour durch die Staaten. Mit Slayer touren sie auch durch England, wohin sie im Mai des folgenden Jahres schon als Headliner zurückkehren.
Während es mit Machine Head kaum besser laufen könnte, nimmt sich Robb die Zeit und zieht mit Basser Jason Newsted (Ex-Metallica), Gitarrist Andreas Kisser (Sepultura) und Drummer Tom Hunting (Exodus) die beiden Projekte Sexoturica und Quarteto Da Pinga auf. Chris Kontos verabschiedet sich '96 in Richtung Konkhra, was allerdings nur halb so wild ist, denn mit Dave McClain (Ex-Sacred Reich/Murdercar) holen sie sich einen mehr als nur adäquaten Ersatz in die Band. Der lässt sich aber eine ganze Zeit lang bitten und so müssen sie ihre Gigs in Australien mit einem Session-Drummer absolvieren. Mit der erfolgreichen Tour im Rücken, soll 1996 ganz im Zeichen neuer Studioarbeit und des zweiten Albums stehen. Leider läuft nicht alles wie geplant. Gestohlene Instrumente, auf mysteriöse Weise gelöschte Stimm- und Gitarrenspuren und ein unglücklicher Autounfall von Drummer Dave McClain, dessen zertrümmertes Knie ihn für Monate arbeitsunfähig macht, verzögern das Erscheinen von "The More Things Change" bis März 1997. Dafür chartet das Album wieder allerorts und glänzt auf der Limited Edition sogar mit Coverversionen von Ice T und Discharge.
Die obligatorische Tour zum Album führt Machine Head nunmehr mit Acts wie Skinlab, Pantera oder Megadeth um die ganze Welt mit dem Höhepunkt, auf der großen Bühne bei den begehrten Ozzfests spielen zu dürfen. Nach mehr als 200 Auftritten weltweit geht man, die Schrecken der letzten Aufnahmen noch im Hinterkopf, im März 1998 relativ früh wieder ins Studio, um den dritten Longplayer "The Burning Red" einzuspielen, der im August 1999 auf den Markt kommt.
Zu diesem Zeitpunkt ist Logan jedoch bereits aus der Band geflogen und kurzzeitig bei Soulfly untergekommen, um anschließend vor allem als Produzent zu arbeiten. Der neue Mann an der Klampfe hört auf den Namen Ahrue Luster (Ex-Man Made God) und hat 'ne Frisur wie 'ne explodierte Ananas. Auch das "The Burning Red" stößt nicht überall auf Gegenlieben. So muss sich das Album von einigen Fans den Vorwurf gefallen lassen, einige Hip Hop-Elemente zu viel zu verwerten, was der Güte der Scheibe an sich keinen Abbruch tut.
Nach ausgedehnten Touren beginnt man im September 2000 am vierten Album "Supercharger zu basteln. Den Mix legt die Band, wie schon beim Debüt, in die Hände von Colin Richardson. Trotz einiger Nu Metal-Anklänge kracht die Scheibe 2001 erneut mit einer gesunden Härte aus den Boxen. Gitarrist Luster steigt im Mai jedoch schon wieder 2002 wegen kreativer Differenzen aus und wechselt zu Ill Nino, mit denen Machine Head kurz zuvor noch unterwegs waren. Phil Demmel, der schon früher mit Robb bei Vio-Lence zusammen gearbeitet hat, soll ihn auf der Sommer Tour ersetzen.
Dabei kommt er gleich zu CD-Ehren, denn vom With Full Force Open Air 2002 schneiden Machine Head die Aufnahmen mit und packen zwei Songs davon mit dem fantastischen Auftritt in der Brixton Acadamy auf ihre erste Live CD "Hellalive". Den Namen hat ein Fan auf der Homepage vorgeschlagen, als Dank ist er im Booklet zur CD vermerkt und wurde mit einigen Gimmicks versorgt. Ebenfalls zur Abstimmung auf der Homepage freigegeben waren einige Vorschläge für Coverversionen, die Machine Head aufnehmen wollen.
Da nicht nur die Tour ausgesprochen gut in diesem Line-Up funktioniert, sondern da es auch menschlich gut zwischen Phil und den anderen funktioniert, steigt er als festes Mitglied bei Machine Head ein und macht sich mit der Band an die Kompositionen zum neuen Album. Zwischenzeitlich wird sich Robb darüber klar, dass sein Alkohol- und Drogenkonsum langsam aber sicher aus dem Ruder läuft und er unterzieht sich einer Therapie. Diese erweist sich als ausgesprochen wirkungsvoll und positiv und so macht er sich dann mit neuer Kraft an das nächste Album.
Die Aufnahmen laufen zwischen Juni und August ab und Andy Sneap verpasst der Scheibe in England einen verdammt fetten aber transparenten Sound. In der Zeit nehmen sie nicht nur die Songs für das neue Album auf, sondern auch ein paar der geplanten Coverversionen. Doch die Zeiten sind hart, denn der Deal mit Roadrunner ist vorbei und irgendwie will kein anderes Label anbeißen, ohne eine Single fürs Radio. Zwischenzeitlich spielt Robb sogar mit dem Gedanken, bei Drowning Pool als Sänger einzusteigen, konzentriert sich aber dann doch weiter auf Machine Head.
Obwohl viele der Tracks länger als früher sind, klingen sie doch kompakt wie nie. Robb hat die persönlichsten Texte seines Lebens geschrieben und arbeitet in "Left Unfinished" sogar seine Adoption auf. "Through The Ashes Of Empires" erscheint Ende Oktober, und schon kurz nach dem Veröffentlichungsdatum macht sich die Band auf die 'Through The Ashes Of Europe'-Tour, zusammen mit Kill II This, Breed 77 und Sikth.
Machine Head sind so erfolgreich wie nie zuvor, neben den Gigs bei Rock Am Ring und Rock im Park stehen sie auch als Headliner auf der Bühne des Rock Hard Festivals 2004. In den USA sind sie zusammen mit Chimaira und Trivium im Rahmen der Roadrage Tour unterwegs. Ende des Jahres schneiden sie, erneut in der Brixton Academy, Material für ihre erste DVD mit. 2005 startet auch schon recht vielversprechend, denn zusammen mit The Darkness und Sepultura spielen sie auf dem ersten, großen Open Air in Dubai.
Nachdem Robb schließlich als einer von vier Teamcaptains als Songwriter zum 25-jährigen Jubiläumsalbum von Roadrunner beiträgt, erscheint Anfang Oktober auch die DVD "Elegies". 2005 stehen noch diverse Touren auf dem Plan, ehe sie sich auf das Songwriting konzentrieren und im August '06 ins Studio gehen. Waren die Songs auf "Through The Ashes Of Empires" schon relativ lang, so stellen die neuen Nummern alles andere in den Schatten.
"The Blackening" nennt sich das neueste Werk der Band aus San Francisco. Von acht Songs knacken zwei die 10-Minuten-Marke. Von Langeweile ist allerdings keine Spur, denn die Tracks sind kompositorisch so dicht wie nie zuvor. Bevor die Scheibe Ende März erscheint haben Machine Head schon die nächsten Dates mit Lamb Of God, Gojira und Trivium hinter sich. Weiter geht's im April mit Megadeth und Heaven & Hell (bei denen es sich bekanntlich um Black Sabbath mit Dio am Mikro handelt).
Innerhalb der Band lief es in den Jahren nicht immer ganz rund. Phil hatte damit zu kämpfen, dass er auch auf der Bühne manchmal mit Ohnmachtsanfällen umgehen musste und Robb und Adam stehen sich auch des Öfteren mit geballten Fäusten gegenüber. Dennoch hält die Besetzung und auch die Erfolgswelle bleibt ungebrochen. Entsprechend wagen sie sich 2011 mit "Unto The Locust" an ihre bis dato ambitioniertestes Werk und schreiben darauf kleine Epen.
Dass sie diese aber durchaus live reproduzieren können, beweisen sie auf den anschließenden Touren und der nächsten Live-Scheibe "Machine F**King Head - Live" Ende 2012. Als sie Anfang 2013 damit beschäftigt sind, Ideen für das nächste Album zu sammeln, verlässt Basser Adam Duce die Band Ende Februar in aller Freundschaft. Die restlichen Mitglieder wollen zunächst mal als Trio weiter machen und sehen, wohin die Reise geht.
Rob Flynn über obskure Hobbys, Lady Gaga und die alten Zeiten.
Seit fast zwanzig Jahren sorgen Machine Head für härteste Beschallung in den Gemächern tausender Metalisten rund um den Globus. Was mit "Burn Your Eyes" 1994 begann, findet 2011 mit "Unto The Locust" seinen vorläufigen Höhepunkt.
Die Mannen um Ober-Maschinenkopf Rob Flynn präsentieren sich im Zeichen der Heuschrecke härter, ausgereifter und vor allem komplexer als je zuvor. Was sich auf dem Vorgänger "The Blackening" bereits ankündigte, bauen Machine Head auf "Unto The Locust" weiter aus. Der Spirit vergangener Rock-Dekaden trifft auf zeitgemäßen Ultra-Thrash und bildet so eine musikalische Melange aus Wurzel und Krone. Frontmann Rob Flynn zeigt sich im Gespräch schwer begeistert vom neuen Material und plaudert zudem über unsichtbare Kollegen, seine Verbindung zu Lady Gaga und Kindheitserinnerungen.
Hi Rob, ihr habt gerade die "Rockstar-Mayhem-Tour" zusammen mit Disturbed, Godsmack und Megadeth beendet. Wie war's?
Rob: Es war fantastisch. Wir hatten alle eine tolle Zeit. Es war für uns eine super Gelegenheit kurz vor dem neuen Album auf uns aufmerksam zu machen. Gerade hier in den Staaten ist es als Metal-Band dieser Tage nicht immer einfach; insofern waren wir glücklich und happy, Teil dieser Tour zu sein.
Wie hat sich der Ablauf für euch dargestellt? Habt ihr allabendlich eröffnet?
Das war ganz unterschiedlich. Es gab oftmals zwei Bühnen. Wir haben teilweise die Main-Stage eröffnet oder als Headliner auf der Side-Stage gespielt. Das hat aber alles keine wirklich große Rolle gespielt, denn die Kids sind durchgehend ausgeflippt, egal, wer wann gespielt hat. Wir hatten im Durchschnitt zehntausend Fans pro Abend. Fucking Hell, yeah, es war richtig geil.
Das glaube ich dir gerne. Verlief denn hinter der Bühne auch alles reibungslos? Ich kann mir vorstellen, dass es hin und wieder auch zu Komplikationen kommt, wenn dermaßen viele Metal-Alpha-Tiere für eine ziemlich lange Zeit rund um die Uhr zusammenhocken, oder?
(lacht) Nein, nein. Alle haben sich lieb. Das ist kein Scherz. Wir haben uns alle bestens verstanden und es gab keinerlei Reibereien, wie man es vielleicht hätte erwarten können.
Es ist bestimmt auch von Vorteil, wenn der eine oder andere etwas schwierigere Charakter dann auch noch die Gabe hat, sich "unsichtbar" zu machen, oder?
Oh, du meinst Dave Mustaine?
Richtig.
Ja, der war schon auf unserer letzten Tour mit Megadeth nicht zu sehen. Diesmal habe ich ihn auch nicht zu Gesicht bekommen. Das ist schon etwas bizarr. Wahrscheinlich kann er sich wirklich "unsichtbar" machen, wer weiß?
Hättest du ihm nicht gerne ein paar deiner legendären "Skullbites" verpasst?
(lacht) Wo hast du das denn her? Shit, manche Dinge sollten einfach intern bleiben. Ich hatte diesmal leider kaum Zeit, mich in anderen Köpfen festzubeißen, da ich zwischen den Gigs immer wieder ins Studio zurückfliegen musste, um mich mit Juan Urteaga um den Mix des neuen Albums zu kümmern. Unser Langzeit-Produzent Colin Richardson war aufgrund eines familiären Todesfalls unabkömmlich.
Blickst du während einer so großen Tour eigentlich manchmal zurück und erinnerst dich an eure erste Tour im Jahr 1994 mit Napalm Death und Obituary? Und wenn ja, was hat sich deiner Meinung nach verändert?
Das ist schwer zu sagen. Die Erinnerungen sind natürlich noch vorhanden, schließlich war es unsere erste Tour seinerzeit. Ich denke, dass der größte Unterschied wohl ist, dass die Leute uns mittlerweile zuhören (lacht). Wir waren damals noch total unbekannt und taten uns vor allem in unserer Heimat sehr schwer, während "Burn My Eyes" in Europa sogar in den Charts landete.
Ich glaube, in der ersten Woche haben wir in Amerika ganze tausend Kopien verkauft. Das ist natürlich mehr als dünn. Insofern war die Tour immens wichtig, um uns und unsere Musik vorzustellen, auch wenn wir auf diesem Death Metal-Grindcore-Billing vielleicht etwas fehl am Platze wirkten (lacht).
Mittlerweile gehört das Touren zum Alltag. Ihr seid bekannt dafür, dass euch die Live-Präsenz immens wichtig ist. Bei anderen Bands fragt man sich vier Jahre nach dem letzten Album, was die denn die ganze Zeit getrieben haben, während man bei euch davon ausgehen kann, dass ihr wahrscheinlich öfter auf der Bühne als zuhause wart, oder?
Ja, exakt. Wir definieren uns vor allem live, ganz klar. So war es schon immer bei Machine Head. Wir haben seit "The Blackening" mehr als 380 Shows gespielt. Das deckte dann auch in etwa den Zeitrahmen der ersten drei Jahre nach dem Album. Wir haben dann einige Monate verschnauft, bevor Dave (Dave McClain, Drummer, Anm. d. Red.) und ich wieder an neuen Song-Ideen saßen.
Ja, da gebe ich dir oberflächlich gesehen natürlich Recht. Wir sind bereits auf "The Blackening" wesentlich komplexer zu Werke gegangen und wollten auf "Unto The Locust" noch einen weiteren Schritt in diese Richtung gehen. Besonders inspiriert hat uns dabei das Rush-Album "Moving Pictures". Die Art und Weise wie die Band auf diesem Album Verbindungen zwischen unterschiedlichsten musikalischen Elementen geschaffen hat, diente uns als Ideal. All die Arrangements auf "Moving Pictures" und das dazugehörige Songwriting haben uns schwer beeindruckt und waren vom Ablauf und von der Arbeitsweise her sehr inspirierend für unsere Arbeit auf "Unto The Locust".
Ich sehe da vor allem den Song "This Is The End" auf eurem neuen Album, der sehr vielschichtig und komplex ist, als Eckpfeiler dieser Inspiration. Stimmst du mir da zu?
Auf jeden Fall.
Auch diesmal beschäftigt ihr euch lyrisch wieder eher mit den düsteren Seiten des Lebens. Besonders beeindruckt hat mich dabei der Inhalt von "Who We Are". Man könnte meinen, du legst mit deinen Vorwürfen und deiner Wut in diesem Text die Arme schützend um deine Band.
Das hast du schön gesagt, und das würde ich auch so stehenlassen. Ich denke, dass auf "Unto The Locust" viel Helles und Hoffnungsvolles zu hören ist. Natürlich ist die Platte düster, aber sie birgt definitiv am meisten Hoffnung von allen bisher erschienenen Machine Head-Alben in sich.
Ihr habt für das neue Album besonders hart an euch gearbeitet. Das ging sogar soweit, dass es mittlerweile Artikel zu lesen gibt, in denen Rob Flynn mit Lady Gaga in einem Atemzug genannt wird. Ist dir das peinlich?
Nein, die Leute vergessen nur, dass der Vocal-Coach mit dem ich für das neue Album zusammengearbeitet habe, neben Lady Gaga auch mit Mick Jagger und vielen anderen Rocksängern zu Gange war. Leider bleibt bei den Leuten aber nur der Name Lady Gaga haften.
Warum hast du überhaupt einen Lehrer in Anspruch genommen?
Nun, ich mache schon seit Jahren Warm Up-Übungen, die auf der Arbeitsweise von Don Lawrence basieren, aber ich habe ihn selbst nie getroffen. Also kontaktierte ich ihn und wir arbeiteten einige Stunden zusammen. Es war eine sehr wertvolle Erfahrung für mich und hat mich gesanglich weitergebracht. Es ging dabei aber weniger um den Klang meiner Stimme, sondern eher darum, einige schlechte Atem- und Gesangs-Gewohnheiten abzulegen, die sich im Laufe der Jahre angesammelt hatten.
Das neue Album wurde in den Jingletown-Studios in Oakland produziert, das bekanntermaßen der Band Green Day gehört. Warum habt ihr euch für diese Studio entschieden?
Zunächst mal ist das Studio auf höchstem Niveau eingerichtet. Was die Technik anbelangt, zählt es zur Weltklasse. Was uns aber am meisten imponiert hat, war der Vibe des Studios. Neben all der hochmodernen Technik steht dort auch unheimlich viel analoges Equipment. Du hast überall Poster und Fotos von Leuten an den Wänden, die für Green Day eine Bedeutung haben. The Beatles, The Clash und viele andere Künstler in sehr intimen Momenten. Das hat schon eine besondere Atmosphäre, wenn dich beispielsweise auf dem Klo Martin Luther King angrinst.
Waren die Jungs von Green Day bei euren Aufnahmen zugegen?
Sie kamen ab und zu vorbei. Hier und da gibt es auch Verbindungen. Unser Basser Adam war zusammen mit Green Day-Drummer Tré Cool auf einer Schule und auch die Road-Crews beider Bands kennen sich ganz gut. Das sind sehr nette Zeitgenossen. Ich mag Green Day.
(lacht) Nein, der war es nicht. Als wir uns darüber Gedanken machten, stolperte ich über die Arbeiten von Paul Gerrard, der in Hollywood arbeitet und eher im CGI-Geschäft tätig ist. Nebenbei agiert er aber auch als Künstler. Er hatte noch nie mit irgendeiner Band zutun und ich fand es aufregend, so jemanden zu involvieren, zumal ich sehr beeindruckt von seinen Bildern war. Ich bat ihn also, uns eine kleine Vorauswahl zu schicken und kurz darauf lieferte er uns ein Paket voller Bilder und Vorschläge, die uns die Sprache verschlugen.
Machine Head hatten über die Jahre nicht immer nur Glück und Sonnenschein auf ihrer Seite. Es gab auch durchaus düstere Zeiten, vor allem was die personelle Situation in der Band betrifft. Wie würdest du die heutige Verfassung der Band beschreiben?
Ich denke, wir sind eine starke Gemeinschaft. Wir sind stolz auf die Arbeit der Vergangenheit und froh, dass wir es unserer Meinung nach geschafft haben, einen würdigen Nachfolger von "The Blackening" aufzunehmen. Wir werden sehen, was die Fans da draußen sagen werden, aber ich bin bester Dinge.
Es gab nicht immer Zeiten, wo man sicher sein konnte, das es die Band im Jahr 2011 noch geben wird. Erinnerst du dich an euer vielleicht düsterstes Kapitel?
Es gab einige Momente, wo alles auf der Kippe stand. Wir waren beispielsweise 2003 auf Label-Suche und hatten die Hoffnung fast schon aufgegeben. Dann gab es natürlich die Geschichte mit Logan (Logan Mader, Ex-Gitarrist), der uns verlassen musste; es kam so einiges zusammen, aber die schlimmste Zeit für mich persönlich waren die drei Monate als Phils (Phil Demmel, Gitarrist) Vater und Daves Mutter verstarben. Das war eine verdammt harte Zeit. Letztlich können wir uns, glaube ich, glücklich schätzen, immer noch am Start zu sein.
Um der neuen Metal-Generation ein weiteres Mal zu zeigen wo der Hammer hängt?
Yeah, genau.
Gibt es momentan eine Combo, die dich besonders beeindruckt?
Das letzte Album, das mich wirklich weggeblasen hat, war das Debüt von Times Of Grace, das Nebenprojekt von Adam Dutkiewicz und Jesse Leach, die beide sonst bei Killswitch Engage spielen. Klasse-Album. Kann ich nur empfehlen.
Wenn du mit neuen Bands konfrontiert wirst, erinnerst du dich dabei noch, wann du das erste Mal Bekanntschaft mit härterer Musik gemacht hast?
Oh, das ist schon eine ganze Weile her. Ich erinnere mich an einen Schulfreund, der mir "Heaven & Hell" von Black Sabbath vorspielte. Das war, glaube ich, der Beginn meiner Obsession für Rockmusik. Das Album hat mich damals umgehauen.
Deine Karriere ist mittlerweile gepflastert mit vielen Highlights. Einer der größten davon, war zu lesen, sei die Tour mit Metallica gewesen. Ärgert es dich rückblickend ein bisschen, dass die Jungs aus der zurückliegenden "Big Four-Tour" keine "Big Five-Tour" gemacht haben?
(lacht) Nein, nein. Wir waren vom Glück gesegnet mit Metallica auf Tour gehen zu dürfen. Das war eine unglaubliche Erfahrung für uns und ich will keine Sekunde davon missen, aber die "Big Four-Tour" hieß schon zu Recht so. Alle Beteiligten haben es verdient Teil dieses "Monstrums" gewesen zu sein.
Ihr macht jetzt erst einmal Südamerika unsicher, bevor ihr im November nach Europa kommt. Was können die Fans hier von euch erwarten?
Wir werden eine derbe Show bieten, keine Frage. Macht euch auf was gefasst, wir können es kaum erwarten euch die neuen Songs um die Ohren zu hauen.
Wir freuen uns drauf.
Ich bitte darum.
Mit stolzgeschwellter Brust und sichtlich viel Spaß nimmt Machine Head Chefdenker Robb Flynn zum neuen Album, seiner Lieblings-Hass-Band The Grateful Dead und den Simpsons Stellung.
Immer entschiedener bricht der Machine Head-Fronter in letzter Zeit mit dem Tough Guy-Image. Auf dem letzten Album "Through The Ashes Of Empires" legte er sogar einen Seelen-Striptease hin, der sich gewaschen hat. Mit einem Softie haben wir es deswegen natürlich noch lange nicht zu tun ...
Hi Robb. Erst einmal herzlichen Glückwunsch zum neuen Album.
Danke, Mann.
Ich hatte den Eindruck, dass ihr zur alten Stärke und Härte zurück gefunden habt, die auf "Burn My Eyes" spürbar war. Habt ihr euch einfach nur auf die Werte besonnen, die ihr bei der Gründung von Machine Head hattet, oder sind die anderen Alben auf der neuen Scheibe genauso präsent und spürbar?
Ich höre auf diesem Album immer noch eine Menge experimentelle und melodische Elemente, die wir bei "The Burning Red" eingebracht haben. Es war eine ziemlich verrückte Zeit, da wir das Album zu dritt geschrieben haben, Ahrue hatte ja die Band verlassen. Es war eine sehr unsichere Zeit. Wir mussten uns wirklich zusammenreißen, und trotzdem waren wir irgendwie frei. Wir konnten zu diesem Zeitpunkt tun, was wir wollten: Musik machen, um Musik zu machen. Drei Musikfans, die einfach nur aus total egoistischen Gründen Musik machten. Wir hatten gerade angefangen, Lieder zu schreiben, ohne dass unser Label uns irgendwelche Vorschriften machte, etwas für das Radio oder so zu schreiben. Die Songs wurden immer länger, und so lange eine gewisse Energie und ein Flow und eine Vorwärtsbewegung vorhanden war und es uns gefiel, sagten wir einfach "Scheiß drauf". Bei der Hälfte der Songs beginnt die Strophe erst nach zwei Minuten, wenn viele Lieder eigentlich schon fast vorbei sind. Wir dachten einfach nur, dass es sich gut und richtig anhört und haben einfach weitergeschrieben. So hat sich das Album entwickelt. Wir schrieben 24 Songs, schränkten diese auf 10 ein und dachten einfach nur, dass es ordentlich rockt.
Du hast mal gesagt, dass dir egal ist, was die Presse schreibt. Ich habe sehr viele positiven Kritiken zu "Through The Ashes Of Empires" gelesen. Was bedeutet dir das?
Ich finde es cool, wenn man gut über uns schreibt und wenn man Schlechtes über uns schreibt, ist es auch cool. Ich lege nicht viel Wert auf das, was irgendjemand über irgendetwas sagt. Am Ende geht es doch nur darum, was wir vier darüber denken, weil wir dafür einstehen müssen, und niemand anderes. Wir machen das jetzt schon seit neun Jahren, und Leute, die mir direkt in die Augen gesehen haben, sagten mir, wie sehr sie doch "The Burning Red" mochten, wie verdammt gut sie "Supercharger" fanden, und jetzt sitze ich hier, eineinhalb Jahre später, und die gleichen Leute erzählen mir: "Na ja, ich mochte dieses Album nie." Ich werde darüber mit niemandem streiten. Ich bin wie jeder andere, jeder mag Komplimente, aber was uns wirklich zufrieden macht, ist dass wir uns selbst herausgefordert haben und diese Herausforderung gemeistert haben. In mehrfacher Hinsicht standen wir mit dem Rücken zur Wand, aber wir sind immer noch hier und das ist gut so.
Als ihr das erste Video für "Supercharger" veröffentlich habt, "Crashing Around You", hattet ihr ein paar Probleme ...
Ja, ein paar ...
Sind die Erfahrungen, die ihr damals gemacht habt, der Grund, warum ihr das Video für "Imperium" eher neutral gehalten habt? Man sieht euch nur dastehen und spielen, aber es gibt keine Story.
Seit dem 11. September wird kein Video mehr gespielt, in dem Flammen und so vorkommen. Du könntest genauso gut dein Geld zum Fenster rauswerfen. Vor zwei Jahren war das noch anders. Man konnte Bomben und Flammen und explodierende Autos in Videos einbauen, und es war großartig. Wir liebten das und nutzten es. Man konnte ja nicht ahnen ... Unser Video wurde am 10. September akzeptiert, mit der brennenden Skyline von San Francisco und dem ganzen abgefahrenen Zeug, und dann passierte der 11. September. Dazu noch der Titel "Crashing Around You". Es gab keinen unpassenderen Songtitel außer vielleicht "Let the Bodies Hit the Floor" von Drowning Pool. Diese beiden Titel waren einfach nur YANK! Und als wir "Imperium" drehten, fragt jeder: "Was denkt ihr euch dabei? Das ist verdammt verrückt! Dieser Song ist fast sieben Minuten lang und voller Thrash-Beats. Er ist verdammt super-heavy", und wir antworteten nur: "Ja, deswegen muss daraus ein Video werden". Alle Video-Labels beschwerten sich, sie könnten zwei Videos während der Dauer eines Machine Head-Videos zeigen und wir sagten: "Wir wollen dieses Video, wir finanzieren es, und das ist, was wir tun werden". Es ist ein fantastischer Song, wir haben ein tolles Video gedreht, es sieht gut aus, es sieht professionell aus; und alle Video-Labels sahen es und sagten einfach nur: "Wow, das wirkt ja gar nicht wie sieben Minuten". Also akzeptierten sie es und spielten es. Das war eine reine Glückssache, aber wir haben es darauf angelegt, weil es uns das wert war.
Ein anderer herausragender Song ist "Left Unfinished". Es ist ein sehr persönlicher Song, in dem du deine Adoption aufarbeitest, und ich muss zugeben, dass der Text mich etwas erschrocken hat. Drückt er wirklich aus, wie du deinen leiblichen Eltern gegenüber empfindest, oder wolltest du nur darüber singen, wie sich Kinder fühlen, die von ihren Eltern verlassen werden?
Ich spreche nicht für irgendjemand anderen in diesem Song, ich spreche nur für mich. In vielerlei Hinsicht bin ich wohl eines der glücklicheren Adoptivkinder. Ich kenne Leute, die zur Adoption freigegeben wurden und nur von Pflegefamilie zu Pflegefamilie weiter gereicht wurden. Ich hatte viel Glück mit meinen Eltern, die mich aufgezogen haben. Mein ganzes Leben hatte ich diese Gefühl von Distanz, egal ob gegenüber meinen Freunden oder meiner Familie. Ich bin jetzt verheiratet, aber ich brauchte fast neun Jahre, bevor ich das überhaupt wollte, weil ich im Hinterkopf immer dachte, dass man mich irgendwann verlassen würde. Es ist nicht so, dass ich darüber weinen würde, ich mag Leute nicht, die so sind, und ich will nie so verstanden werden. Manchmal muss die Wut darüber nur raus, und das ist es, worum es in diesem Song geht.
Hat dich diese Situation zu deiner Karriere ermutigt und angetrieben?
Das hat sie wahrscheinlich, aber das ist, als würde man sagen: "Ich bin froh, dass ich in der Schule immer verprügelt wurde, weil ich sonst vielleicht ein anderer Mensch wäre".
Ahrue Luster wollte nicht mehr so harte Musik spielen und hat deshalb die Band verlassen. Habt ihr noch Kontakt oder gibt es deswegen böses Blut zwischen Machine Head und Ill Nino (wo er inzwischen Gitarrist geworden ist, d.Verf.)?
Nein, zwischen uns und Ill Nino gibt es keinen Ärger. Wir sind mit den Leuten sogar befreundet. Ahrue hatte einfach keinen Spaß mehr daran, Songs wie "Bulldozer" und "Davidian" zu spielen, er wollte lieber kommerziellere Musik machen. Bevor er zu Ill Nino wechselte, war er in einer Nickelback-artigen Band. Ill Nino hat ihn erst kürzlich gefragt und er ist auch nicht auf dem Album zu hören. Jetzt macht er das, und Ill Nino sind auch offensichtlich nicht so hart wie Machine Head.
Ahrue war stark am Songwriting für "Supercharger" beteiligt. Hatte seine fehlende Beteiligung beim Schreiben von "Through The Ashes Of Empires" großen Einfluss auf den Klang des Albums, oder hat er einfach nur den Weg für Dave McClain als Songwriter freigemacht?
Dave beteiligte sich schon am Songwriting für "The Burning Red". Er steuerte ein paar gute Riffs bei, auch für "Supercharger". Wir schrieben für "Through The Ashes Of Empires" zu dritt, und alle Beiträge waren willkommen. Von ihm sind wieder ein paar fette Riffs, z.B. einige in "Imperium", viele für "Descend The Shades Of Night".
Dave spielt auch Gitarre?
Ja, er ist ok. Das ist seltsam, er ist kein wirklich guter Gitarrist, aber seine Riffs sind Killer.
Inwiefern hat Phil Demmel am Sound des neuen Albums Anteil?
Phil und ich haben zwei Songs geschrieben: "In The Presence Of My Enemies" und "Days Turn Blue To Gray". Sein Hinzukommen eröffnete uns viele neue Möglichkeiten. Wir hatten vieles geschrieben das darauf basierte, was wir mit Ahrue in der Band realisieren konnten. Phils Fähigkeiten ergänzen meine. Wir kommen von der gleichen Schule, haben den gleichen Hintergrund, und wir haben so viel mehr Möglichkeiten. Das haben wir ausgenutzt und einiges neu geschrieben.
Habt ihr daran gedacht, Logan Mader wieder in die Band zu holen?
Nicht ernsthaft.
Also war Phil erste Wahl?
Wir spielten mit Phil auf dem With Full Force-Festival, und schon nach den ersten beiden Shows dachten wir, dass sich das gut anfühlt. Da stimmte definitiv die Chemie zwischen allen. Wir ließen ihm diese Tür offen, und als er sich im März diesen Jahres dazu entschied, ein Teil von Machine Head zu sein, sagten wir nur: "Herzlich willkommen an Bord". Aber wir hatten von vorneherein geplant, das Album zu dritt zu machen und nicht Logan zurückzuholen. Er macht sein eigenes Ding.
Als du damals bei Vio-Lence warst, hast du nur Gitarre gespielt und nicht gesungen. Warum hast du in Machine Head auch die Vocals übernommen?
Weil ich mich immer für einen besseren Sänger als Shawn hielt. In meiner ersten Band habe ich nur gesungen und gar kein Instrument gespielt. Ich war noch nicht gut genug an der Gitarre zu diesem Zeitpunkt, und wir hatten schon zwei Gitarristen, die besser waren als ich. Ich wollte nicht mal Sänger sein, aber es ergab sich so, weil jeder schon ein Instrument spielte und der Gesang fehlte; also hab ich das eine Weile gemacht. Ich fand mich selbst aber nie gut, weshalb ich froh war, das an jemand anderen abzugeben. Dann begann die Sache mit Machine Head, und ich dachte einfach, dass ich ziemlich gute Ideen hatte.
Wir haben schon über die Texte von "Through The Ashes Of Empires" gesprochen, die ja sehr persönlich sind. Hast du jemals daran gedacht, Machine Head als Forum zu nutzen, um deine politischen Ansichten auszudrücken, insbesondere nach dem 11. September?
Die Texte auf diesem Album sind nicht rein persönlich, wie z.B. bei Songs wie "Elegy" oder "In The Presence Of My Enemies", das definitiv kein Pro-Kriegs-Song ist. "Elegy" ist ein Statement gegen diese weit verbreitete Lebe-für-den-Augenblick-Mentalität. Ich halte das für ein großes Problem. Jeder ist viel zu sehr damit beschäftigt, für heute zu leben. Ich bin mit Hip Hop aufgewachsen und in dieser Kultur ist definitiv diese Attitüde vertreten. Jeder ist nur darauf aus, was für sich zu bekommen. Scheiß auf morgen, scheiß auf alle anderen. Ich halte diese Einstellung für schwach. Keiner verschwendet auch nur einen Gedanken an morgen. Ich habe zwar keine Kinder, aber aus vollkommen egoistischen Gründen will ich auch was für morgen haben. Genau das drücke ich in diesen beiden Songs aus.
Du hast mal über The Grateful Dead gesagt, dass du sie bewunderst weil – ich weiß, dass du ihre Musik nicht magst, ok, "nicht magst" ist zu nett ...
Nein, ich mag ihre Musik nicht nur nicht, ich hasse ihre Musik!
... aber sie sind insofern ein Vorbild für dich, da sie es geschafft haben, viele Fans um sich zu sammeln und eine Menge Alben zu verkaufen, ohne jemals Mainstream zu sein. Hast du jemals für Machine Head die Gefahr gesehen, Mainstream zu werden, besonders nach der Veröffentlichung von "The Burning Red", die sich sehr gut verkaufte und der vorgeworfen wurde, zu stark von Hip Hop beeinflusst zu sein?
Meiner Meinung nach war "Burn My Eyes" von allem, was wir bisher gemacht haben, am nächsten am Mainstream. Wir waren die ganze Zeit auf MTV, sie spielten von morgens bis abends "Davidian". Das war eine andere Zeit, da lief noch Headbanger's Ball. Es ist so unwahrscheinlich, dass ein Song wie "Davidian" Mainstream wird, aber es war wie ein verrückter Unfall. Niemand bei MTV wollte dieses Video spielen. Es ist fünf Minuten lang, "fucking RAH RAH RAH! Fucking Thrash, Double-Bass." Aber die Leute wollten es und ihre Reaktion darauf war großartig. Ich respektiere The Grateful Dead für das, was sie getan haben. Die Leute liebten sie, weil sie einfach sie selbst waren. Ich glaube das ist es, was wir auf der neuen Platte gemacht haben. Wir haben nur versucht, wir selbst zu sein und nicht uns zu wiederholen, denn wenn du versuchst, dich selbst zu wiederholen, trittst du dem, was du vorher getan hast, besser ordentlich in den Arsch. Wenn du einen Song schreibst, der "Davidian" ähnlich ist, dann lässt du "Davidian" besser wie die verdammten Bee Gees klingen. Und wenn du das mit dem neuen Song nicht kannst, dann sieh zu, dass du ihn los wirst und was anderes machst. Er würde nur wie ein billiger Abklatsch von "Davidian" wirken. Du musst verschiedene Dinge ausprobieren, du musst experimentieren. Manchmal machst du Fehler, manchmal missverstehen dich die Leute, aber du kannst auch von deinen Niederlagen lernen, mindestens genau so viel, wie du von deinen Erfolgen lernen kannst. Wahrscheinlich lernt man sogar mehr von seinen Misserfolgen. Wenn du dir selbst beim Musik machen treu bleibst, ist es das, was letzten Endes auch rüberkommt.
Was hältst du dann von Bands wie Limp Bizkit? Glaubst du dass ihre Wandlung von der Zeit von Songs wie z.B. "Pollution" zu ihren heutigen Lieder eine glaubwürdige musikalische Entwicklung ist, oder ist ihre Musik ein Opfer ihres Erfolges?
Ich mochte Limp Bizkit nie. Meiner Meinung nach haben sie einfach zu viel bei Korn und den Deftones geklaut. Ich kenne ein paar Songs. "Break Stuff" ist cool. Ich kann es nicht verneinen, but who doesn't want to break stuff sometimes. Ich könnte jetzt hier sitzen und den ganzen Tag über Fred Durst und Limp Bizkit herziehen, weil es gerade in Mode ist. Sogar ein paar Sony-Bands wie Iron Maiden machen das. Und deswegen werde ich nicht auf diesen Zug aufspringen. Ich finde das dämlich. Ich mochte Limp Bizkit einfach nur nie. Ich dachte schon immer, dass es bei ihnen nur darum geht, Mainstream zu sein. Ich habe nie daran gezweifelt, dass sie genau das versucht haben. Ausverkauf? Die haben sich verkauft, als sie rauskamen.
Wir müssen leider langsam zum Ende kommen, deswegen möchte ich jetzt noch gern schnell über ein Thema reden, das mir sehr am Herzen liegt. Du stehst auf die Simpsons.
(Lacht). Ja, jetzt kommen wir zum wichtigen Teil des Interviews!
Hast du eine Lieblings-Figur?
Mein Lieblings-Simpsons-Charakter ist Barney, Homers Freund. HOMER! Der Kerl ist ein Klassiker.
Ist dir schon mal aufgefallen, dass es zwischen dir und einer anderen Simpsons-Figur gewisse Ähnlichkeiten gibt? Otto, der Schulbusfahrer, ist auch lieber zu Hause geblieben, anstatt in die Schule zu gehen, und hat stattdessen Gitarre gespielt und Gras geraucht ...
Ich werde dir ein Geheimnis verraten: Otto ist mein leiblicher Vater.
Das Interview führte Christian Schlegel
Seit der Gründung von Machine Head im Juni 1992 stehen Robb Flynn (Stimme, Gitarre), Adam Duce (Bass), Dave McClain (Drums) und Neuzugang Ahrne Luster (Gitarre) für die nächste Stufe des Thrash Metal. LAUT sprach am Rande ihrer Deutschland-Tour mit Bandleader Robb Flynn.
Trotz einiger Nu Metal-Anklänge kracht "Supercharger", die MH-Scheibe 2001, wieder mit einer gesunden Härte aus den Boxen. Das liegt nicht zuletzt daran, dass beim Sound von Machine Head trotz aller Härte drum machine und Pro Tools eine untergeordnete Rolle spielen - Robb Flynn will, "dass der menschliche Faktor immer im Vordergrund steht".
Hi Robb, wie sind denn die Reaktionen der Presse auf "Supercharger" ausgefallen?
Keine Ahnung, ich lese so was nicht. Reviews sind doch immer nur die Ansichten eines einzigen, der sich, gezwungenermaßen, anmaßt, über die Qualität meiner Songs zu entscheiden. Da kann und möchte ich einfach nicht viel drauf geben. Mein erstes Ziel, nach der Veröffentlichung einer Platte, ist für mich, live zu spielen, denn dann bekomme ich die Reaktionen der Fans hautnah mit und kann mir selber ein Bild machen, wie wir ankommen. Ich mach Musik ja nicht, um Journalisten zu gefallen, sondern weil ich das, was in mir ist, rauslassen muss und weitergeben will. Es muss rocken, wenn die Menge tobt, haben wir was richtig gemacht, ob das ein Rezensent so sieht oder auch nicht, ist dann nicht mehr wichtig.
Ich sag dir trotzdem, dass ich bisher ausschließlich positive Kritiken gelesen haben. Aber erzähl mir doch mal was zum Text von "American High". Ist das wirklich so was wie deine Lebensgeschichte?
Klar, auf jeden Fall. Ich war zu Schulzeiten eher etwas introvertiert und habe mich eher im Hintergrund gehalten. Außerdem war ich nie so ganz überzeugt vom Gehalt dessen, was uns in meiner Schule beigebracht wurde. Auch im sportlichen Bereich war ich zwar aktiv, dass ich aber in irgendeiner Schulmannschaft hätte mitspielen müssen, war definitiv nicht der Fall. Ich war eher der Typ, der seine Kumpels dazu überredet hat, die Schule zu schwänzen, ein bisschen Gras zu rauchen und die eine oder andere Kanne Bier platt zu machen. Außerdem war mir meine Gitarre recht schnell wichtiger, als die Schule. Ich bin also früh abgegangen und hab mich mit allen möglichen Jobs durchgeschlagen. Ich war sogar mal bei der Müllabfuhr. Für mich besteht aber kein Zweifel daran, dass ich durch meine Band und alle Erfahrungen, die ich mit ihr gemacht habe, vor allem die Touren, hundertmal mehr gelernt habe, als mir irgendein amerikanisches Public School System hätte beibringen können.
Zu "Crashing Around You" habt ihr ja ein Video gedreht, welches in Deutschland auf VIVA II ganz gut lief. In den Staaten hattet ihr aber Probleme damit.
Ja, und zwar wegen dem WTC Anschlag. Der Titel ist dummerweise treffender, als beabsichtigt und es sind auch Szenen drin, wo wir vor einer brennenden New Yorker Skyline stehen. Es wird allgemein viel mit Flammen gearbeitet und von daher, haben wir uns nach Rücksprache mit Roadrunner dazu entschlossen, das Video vorerst zurück zu ziehen.
Aber ist das nicht eher so, als wenn man die Augen vor der Realität verschließt? Du singst doch "This world is crashing around you, smashing around you". Damit triffst du leider Gottes den Nagel auf den Kopf.
Da hast du schon recht, aber das Video sollte in der selben Woche des Anschlags heraus kommen und damit fühlten wir uns einfach nicht wohl. Nach dieser Tragödie, sollte das nicht das erste sein, was die Fans von Machine Head vorgesetzt bekommen. Wir haben es ja nicht ganz verworfen, es war einfach nicht der richtige Zeitpunkt dafür. Außerdem wurden ja so viele Songs aus dem Radio Programm genommen, dass wir mit der Single gar nicht erst hätten auftauchen müssen.
Auf eurem letzten Album hattet ihr mit "Message In A Bottle" eine Coverversion von Police. War das ein einmaliger Spaß oder kommt so was noch mal?
Spaß ist wohl der richtige Ausdruck, denn die Tatsache, dass wir den Song spielen, entstand sehr spontan, als wir im Proberaum einfach nur drauflos holzten. Was dabei heraus kam, hat uns einfach verdammt gut gefallen. Wir beschlossen dann, den Song als regulären Track mit auf das Album zu nehmen, da es in den USA, im Gegensatz zu Europa, keine Digi-Packs oder ähnliche Sachen gibt, wo solche Tracks dann als Bonus mit auf der CD sind. Somit hätten unsere Fans in Amerika sich irgendeinen teuren Import zulegen müssen und das wollten wir verhindern. Es sollten einfach alle die Möglichkeit haben, diesen Song zu hören, da er ja schon etwas Überraschendes ist und sich von unserem eigenen Material ziemlich unterscheidet. Eine gesunde Mischung war für uns schon immer wichtig.
Warum habt ihr euch eigentlich diesmal strikt geweigert, mit Pro Tools zu arbeiten?
Wir haben auch schon auf unseren anderen Platten darauf geachtet, dass unser Sound immer organisch bleibt und dass der menschliche Faktor immer im Vordergrund steht. Menschen machen Fehler, wir machen Fehler und das wollen wir auch nicht verhehlen. Mit Pro Tools kann man ein Album perfekt klingen lassen, fehlerfrei, aber auch steril. Schon auf "The Burning Red" haben wir Songs, die einfach zu perfekt klangen, neu eingespielt. Auf "Supercharger" wurde jeder Song live aufgenommen. Wenn ein größerer Patzer drin war, fingen wir noch mal an, wenn's halb so wild war, nahmen wir den Take einfach. Wenn man also leichte Timingschwankungen auf der Scheibe feststellen kann, ist das durchaus in Ordnung. Auch für meinen Gesang setzte ich mir ein Limit. Für jeden Song gab ich mir drei Anläufe, einer davon musste einfach sitzen. Deswegen hört man auch, dass ich das ein oder andere Mal ganz schön außer Atem bin. Aber auch das wollte ich nicht einfach rausschneiden lassen, da es so einfach roher klingt. Wenn du so willst, haben wir moderne Musik auf die altmodische Art und Weise gemacht.
Dein Gesang wird immer besser und vor allem variabler. Ist es eigentlich anstrengender für dich, die klaren Vocals zu singen oder eher die rauen?
Das ist nicht so einfach zu sagen. Die rauen Sachen sind natürlich von der Konzentration her einfacher, da ich keiner Gesangslinie folgen muss, sie können aber die Stimmbänder ziemlich beanspruchen. Bei den klaren Sachen muss ich mich manchmal ganz schon konzentrieren, und Melodien zu singen ist harte Arbeit. Insofern kann ich da keine definitive Aussage machen. Ich suche aber immer nach neuen Herausforderungen. Außerdem bin ich mein härtester Kritiker und mit meinem Gesang prinzipiell erst mal gar nicht zufrieden. Ich versuche aber immer, meine Vocals so emotional wie möglich zu halten, was natürlich auch wieder den Aspekt des "nicht ganz perfekten" mit sich bringt. Es klingt aber dadurch viel spontaner und hat auch diese Live-Atmosphäre.
Würdest du sagen, dass ihr inzwischen euren Sound gefunden habt, oder seid ihr noch am experimentieren? Schließlich sind ja doch auf jedem Album deutliche Unterschiede zu hören.
So muss es doch auch sein. Mal ehrlich, um uns schon selber zu kopieren ist es noch etwas zu früh. Die einzige Auflage, die wir uns machen ist, dass es wie Machine Head klingen muss. Wir haben auch immer versucht, anderen Bands in diesem Genre um einen Schritt voraus zu sein. Dazu musst du einfach auch neue Elemente mit in deinen Sound integrieren, dich weiter entwickeln, ansonsten trittst du auf der Stelle.
Wie handhaben du und Ahrue die Verteilung der Solos oder der Melodie-Linien?
Das ergibt sich beim Jammen. Wer mit dem besseren Teil ankommt, hat gewonnen. Es kommt aber auch vor, dass ich Ahrue das Solo überlasse, auch wenn ich es selbst geschrieben habe. Ich habe auch kein wirkliches Problem damit, da ich ja mit Gesang und Rhythmus Gitarre auch schon einiges zu tun habe. Wenn sich ein Solo aber ergibt, das gut klingt und Spaß macht zu spielen, lasse ich mir das natürlich auch nicht entgehen.
Auf eurer Homepage war von einer Machine Head Cover Band die Rede und von einem Special Gig. Wart ihr das am Ende selber?
Nein, aber wir kennen die Jungs ganz gut. Sie nennen sich Ten Ton Hammer und lassen selbigen auch mächtig kreisen. Außerdem fühlen wir uns verdammt geehrt, dass es jetzt schon Cover Bands von uns gibt. Das kann sich doch sehen lassen oder?
The More Things Change (1997), Burn My Eyes (1994)
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