laut.de-Kritik

Machen aus der Hühnerbrust einen gefühlten Schwarzenegger.

Review von

Es ist nun schon wieder vier Jahre her, seit Machine Head mit "Through The Ashes Of Empires" neues Studiomaterial vorgelegt haben. Schon im Vorfeld von "The Blackening" wurde viel über die Länge und Komplexität der anstehenden Kompositionen spekuliert. Und wie nicht anders zu erwarten war, braucht "The Blackening" seine Zeit.

Mit "Clenching The Fists O Dissent" werfen uns die vier Maschinenköppe gleich ihren längsten Song vor. Der lässt sich zwei Minuten Zeit und läutet den folgenden Sturm mit ruhigen, akustischen Klängen ein. Kaum ist das aber getan, gehen die Kalifornier mit gewohntem Druck zu Werke. Egal ob im gehörigen Tempo oder fast schon im schleppenden Doombereich, die Jungs aus Oakland machen ordentlich Dampf. Vor allem die geilen Solo-Duelle im besten Exodus-Stil oder der Mitshout-Part, der ein wenig an "Creeping Death" von Metallica erinnert, machen Laune.

Im Gegensatz zu den letzten Veröffentlichung hat man aber nie das Gefühl, dass nach drei Minuten pro Song musikalisch alles gesagt wäre, auch wenn man auf den ein oder anderen Part gelegentlich verzichten könnte. Deutlich geraffter und mit Power bricht danach "Beautiful Morning" über einen herein. Doch das zunächst alles überrollende Bulldozer-Riff weicht im Chorus immer wieder einer Gesangsstrophe, die ich beinahe schon als seicht bezeichnen möchte. Nichts gegen Robbs Singstimme, aber hier übertreibt es der Gute ein wenig.

Dem Thema angemessen (eine Hasstirade gegen einen erzkonservativen Politiker, der Dimebag Darrell als talentlosen Idioten bezeichnete), gibt es bei "Asthetics Of Hate" sowohl musikalisch als auch textlich zunächst derbe auf die Fresse. Hier knallt der Thrash-Hammer im Sekundentakt, lässt allerdings zum Ende hin ein wenig nach. Dafür muss man bei "Now I Lay The Down" bis zum Ende durchhalten, ehe die Nummer durchstartet. Nicht, dass es immer schnell oder heftig sein muss, aber der Song hat schon gewissen Längen.

"Slanderous" hingegen kommt als eine Mischung aus Crowbar und Corrosion Of Conformity daher und hat einen verdammt dreckigen Rock'n'Roll-Drive. Das groovt die meiste Zeit einfach wie Sau; ein paar eingestreute doppelte Gitarrenläufe sorgen für ein wenig Maiden-Feeling. So etwas lasse ich mir gerne gefallen, wie auch das folgende "Halo". Allerdings wage ich zu behaupten, dass das nicht allen so gehen dürfte. Ist die Strophe noch recht typisch Machine Head, muss man im Chorus sofort an eine Band wie Killswitch Engage denken.

"Wolves" lässt hingegen wieder die Muskeln spielen und gibt dem Machine Head-Fan, was der Machine Head-Fan will. Mächtige Riffs, kraftvolle Vocals und mitreißende Melodien, die noch aus der schmächtigsten Hühnerbrust einen gefühlten Schwarzenegger machen. Immer, wenn sich etwas Langeweile einschleichen möchte, reißen die Jungs das Steuer noch einmal herum und geben Gas. Nicht so beim abschließenden "A Farewell To Arms". Allerdings funktioniert dieser Song auch ohne Geschwindigkeit oder Kraftmeierei recht gut (auch wenn die gegen Ende doch wieder einsetzt).

"The Blackening" ist mit Sicherheit nicht das beste Machine Head-Album aber dennoch eine gute Scheibe. Offenbar wollten sich Rob Flynn und Phil Demmel musikalisch ein wenig ausleben. Wie weit ihnen die Fans da folgen werden, bleibt abzuwarten.

Trackliste

  1. 1. Clenching The Fists Of Dissent
  2. 2. Beautiful Mourning
  3. 3. Aesthetics Of Hate
  4. 4. Now I Lay Thee Down
  5. 5. Slanderous
  6. 6. Halo
  7. 7. Wolves
  8. 8. A Farewell To Arms

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48 Kommentare

  • Vor 6 Jahren

    Ach, sind doch nur Rezensionen. Ich finde "The Blackening" auch super, die Platte hat es tatsächlich geschafft, mich wieder ein bisschen zum Metal zurücjzubringen. "Through The Ashes Of Empires" war ja schon sehr geil, aber die letzte ist noch ein paar Unzen besser.

  • Vor 4 Jahren

    Ein HAMMER-Album!!!
    Unverständlich, wie man so einem Meisterwerk 3/5 geben kann...
    Schon seit dem Release auf Dauerrotation!
    Für mich das beste MH-Album

  • Vor einem Jahr

    Ich habe es mir heute nochmals durchgehört. Es ist mit Abstand eines der besten Alben der Metalgeschichte - allein die Produktion sucht seines gleichen. Meilenstein. Das Songwriting ist supberb - stehts interessant, abwechslungsreich. Ich mag nur dieses Album von Machine Head. Allein die drei Punkte Wertung vom Lauch-Metal-Döddel-Eddy ... jedes Lümmel-Grovve-Metal-Gelutsche steht an mit vier, aber hier! Der Typ ist fail und hat hier wohl seinen 400-Eurojob-Anspruch für die nächste Dekade, egal wie "über"qualifiziert *lol*