- Top 100
- Redaktionsempfehlungen
- Zuletzt gehört
Format
Playlist
Aktuelle Sendung
SeitHomepage:
19 Todesopfer, 342 Verletzte: Die erste Loveparade in Duisburg endet in einer Katastrophe.
Duisburg (mis) - Auf dem Duisburger Veranstaltungsgelände der Loveparade brach am frühen Samstag Abend eine Massenpanik aus, die 19 Todesopfer forderte (Stand 25.7., 8 Uhr). Wie die Polizei mitteilte, starben 16 Menschen am Unglücksort, drei weitere erlagen ihren Verletzungen im Krankenhaus. Nach Angaben eines Polizeisprechers wurden 342 Menschen verletzt.
Die Loveparade wurde nach den Vorfällen nicht abgebrochen, um weitere Panik-Ausbrüche unter den Besuchern zu vermeiden, deren Zahl auf eine Million geschätzt wurde.
Gelände fasst nur für 500.000 Besucher
"Unvorstellbar, wie im Krieg", schildern Augenzeugen die Vorfälle, die sich im Moment der Katastrophe abgespielt haben. In einem Tunnel, der zum eingezäunten Veranstaltungsareal führt, kam es gegen 17 Uhr zu Tumulten, als Besucher, die auf das Gelände drängten, denjenigen in die Quere kamen, die gehen wollten.
Zahlreiche Besucher kippten im Gedränge um und konnten sich nicht mehr aufrichten. Einige kletterten an Rettungsleitern hoch und stürzten von dort in den Tod. Kurz zuvor war das offenbar für nur 500.000 Menschen konzipierte Gelände wegen Überfüllung geschlossen worden.
Augenzeugen erheben Vorwürfe gegen Polizei
Für Rettungskräfte gab es Berichten zufolge kaum ein Durchkommen. Zudem erschwerte die laute Musik die Verständigung. Das Handynetz war überlastet, weil besorgte Angehörige versuchten, Besucher zu erreichen.
Bereits eine Stunde vor der Massenpanik sollen zahlreiche Festivalbesucher die Einsatzkräfte vor Ort auf dramatische Szenen in dem Tunnel, der als Nadelöhr fungierte, aufmerksam gemacht haben. Dort kollabierten bereits die ersten Erschöpften. Doch ihre Worte fanden kein Gehör.
Veranstaltung läuft weiter
Dennoch hielten es die Veranstalter für sicherer, die Loveparade nach den tragischen Vorfällen vorerst weiterlaufen zu lassen: "Der Krisenstab der Stadt Duisburg hat sich entschlossen, aus Sicherheitsgründen die Veranstaltung zurzeit nicht zu beenden", erklärte Stadtsprecher Frank Kopatschek.
Viele Feiernde wussten noch Stunden später gar nichts von dem Unglück, das sich ganz in ihrer Nähe abgespielt hat.
"Größte Tragödie in der Geschichte der Stadt"
Duisburgs Oberbürgermeister Adolf Sauerland sprach kurz nach dem Unglück von "der größten Tragödie in der Geschichte der Stadt". Gleichwohl sieht er die Ursachen nicht im Sicherheitskonzept oder im Handeln der Ordnungskräfte: "Es ist dafür gesorgt worden, dass nur die Größenordnungen in den Tunnel geleitet wurden, die der Tunnel verkraftet", zitiert ihn das WAZ-Blatt Der Westen.
Die Ursache sei vielmehr, dass Menschen über die Absperrung und dann die Mauer hochgeklettert und vermutlich aus acht bis neun Metern Höhe heruntergefallen seien. Die Notärzte hätten bei den Toten und Verletzten Quetschungen des Rückenmarks festgestellt, was seine These unterstreiche.
"Keine Hinweise auf Massenpanik"
Auch der Duisburger Sicherheitsdezernent Wolfgang Rabe widersprach auf einer Pressekonferenz Medienberichten von Panik im Tunnel: "Wir haben keine Hinweise darauf, dass die Engpässe zu Panik geführt haben. Die Todesopfer haben Absperrungen überklettert."
Dr. Motte sieht Veranstalter als Alleinschuldige
Loveparade-Gründer Dr. Motte, der sich seit 2006 von der Feier aufgrund ihrer Kommerzialität distanziert, sieht das ganz anders und gibt den Veranstaltern die alleinige Schuld an der Tragödie: "Reine Profitgier" und "krasse Managementfehler" seien in der Duisburger Vorbereitung federführend gewesen, urteilte er im Berliner Kurier. Es sei nicht zu verantworten, das Gelände einer solchen Großveranstaltung rundum abzuzäunen und nur einen alleinigen Zugang zuzulassen.
.
.
.
.
Format
Homepage: