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Der Release dieses Konzertfilms ist ein ebenso unerwarteter wie historischer Moment in der Geschichte der Rockmusik. Zur Vorgeschichte: 1973 veröffentlichte Lou Reed erstmals sein Konzeptalbum "Berlin". Das sperrige Werk erzählt von der tragischen Liebe des Paares Jim und Caroline. Es reflektiert Prostitution, Gewalt gegen Frauen, Behördenwillkür, drogenbedingte Selbstzerstörung und Suizid. Im Gefolge der Bowie-Produktion "Transformer" fiel Reed damit durch.
Enttäuscht von dieser Reaktion kam es bis kürzlich niemals zur Live-Aufführung. Heutzutage, wo "Berlin" als dunkles Meisterwerk und poetischer Abgesang auf die Flowerpower-Ära gilt, fasste sich der Meister mit knapp 67 Jahren ein Herz und spielte das verkannte Kunstwerk letztes Jahr erstmalig live. Die hier vorliegende Umsetzung ist ihm dabei in großartiger Weise gelungen.
Dabei überlässt er nichts dem Zufall. Lou Reed bringt eine 15-köpfige Band mit vielen alten Weggefährten (Fernando Saunders, Rob Wassermann) auf die Bühne, addiert den Brooklyner Jugendchor und lässt alles Optische von Filmregisseur Julian Schnabel managen.
Dennoch klingt die Musik an keiner Stelle überfrachtet oder gar schwülstig. Vielmehr gelingt der schwierige Spagat, jeden einzelnen Song nicht im Retrolook zu reproduzieren, sondern neu zu interpretieren, ohne dass der Spirit der Lieder verlorengeht. Der alte Haudegen hat im Herbst seiner Tage gelernt, seine Dämonen zu besiegen und in musikalische Stärken umzuwandeln.
Zwiegespalten wie sein künstlerisches Naturell gibt Reed hier einerseits den Schöpfer zartester Arrangements und betörender Melodien, andererseits den Berserker, der seine Gitarrenaxt schwingt, um jene Perlen in einem Rockgewitter explodieren zu lassen. In dieser Performance haben beide Facetten endlich ihren Frieden miteinander gemacht.
Die Bühne dient nicht lediglich ein bloßer Ort der Aufführung - sie ist Lous eigenes, erträumtes Berlin. Eine überdimensionale Version von Andy Warhols Factory mit Freunden und Filmschnipseln im Hintergrund, die Reeds Vergangenheit und alte Gefährten zeigen. Als Meister des Spannungsbogens zelebriert der Velvet Underground-Gründer einen ewigen Kreislauf von stillen Momenten und eruptiven Krachpassagen. Das fragil getupfte Piano zu Anfang von "Men Of Good Fortune" treibt fast Tränen in die Augen, nur um im nächsten Augenblick von berstenden Akkorden erlegt zu werden.
Der sonst so beherrschte Sarkast offenbart seine enttäuschte Passion, wenn er "Caroline Says I" mit aggressiv funkelnden Augen in seine Einzelteile zerlegt. "She treats me like a fuckin' fool / But to me she's still my German Queen." Das lyrisch brutale "Oh Jim" verwandelt sich dagegen in einen soulig swingenden BigBand-Jam, der zum Appel an Vernunft und Liebe mutiert.
Der absolute Höhepunkt findet jedoch im Zugabenteil statt. Reed Protegé Antony Hegarty intoniert als Special Guest im Duett die wohl ergreifendste Version von "Candy Says", die jemals aufgeführt wurde. Aufs Trefflichste ergänzt sich Antonys brilliante Nachtigall-Stimme mit dem maskulinen Timbre des gereiften Rockpioniers. Nach dem meditativen "Rock Minuet" klingt der Gig voller Leichtigkeit mit einer launig-frohen Version des obligatorischen "Sweet Jane" aus.
Dieses Konzert gleicht einem Triumphzug. Es hinterlässt ein ergriffenes Publikum im Bewusstsein, etwas Großes erlebt zu haben. Und über allem schwebt der Geist eines anerkennend lächelnden Andy Warhol, der "Gee, Lou-Darling!" flüstert. Eigentlich sechs Punkte.
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...naja zumindest einen teil schon - den hernn cale

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