laut.de-Kritik

Die Definition von vorhersehbarer Langeweile.

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Dass einem mittlerweile nicht schon bei der Ankündigung eines neuen McKennitt-Releases die Füße einschlafen, hat ganz sicher mit der großen künstlerischen Reputation zu tun, die der Kanadierin immer noch voraus eilt. Rechtzeitig zum Tourstart 2012 erscheint also "Troubadours On The Rhine", die Aufzeichnung eines Radiokonzertes für SWR 1, das sie im Rahmen der Promotion für ihren letzten Folk-Sampler "The Wind That Shakes The Barley" zum Besten gab.

Dass sie das Konzert ausgerechnet für das erste Programm des Südwestrundfunks gab, ist bezeichnend und passt wie die Faust aufs Auge. Läuft ebendort doch der in Musik geronnene Konservatismus 24 Stunden am Tag. Zu jeder Jahreszeit. Das musikalische Konzept des Senders ändert sich nicht einmal in homöopathischen Dosen, und mindestens einmal am Tag spielen sie Eros Ramazzotti - die Definition von vorhersehbarer Langeweile, die musikalische Vorhölle.

Genau hier liefert Loreena McKennitt den Anknüpfungspunkt. Seit November A.D. 2006 wartet man vergebens auf ein wirklich neues Werk. Stattdessen liefert uns die Chanteuse jahrein, jahraus immer wirrer werdendes Zeug. Ein Weihnachtsalbum zum Gähnen ("A Midwinter Night's Dream"), ein Konglomerat von ollen Folk-Traditionals ("The Wind That Shakes The Barley"), komische Packages, die lediglich Altes wiederkäuen ("A Mediterranean Odyssey") und jetzt eben ihr "erstes Unplugged-Album". Wobei schon diese Bezeichnung Kokolores ist, da hier sehr wohl eingestöpselt gearbeitet wurde.

Die Setlist pickt sich aus dem reichhaltigen Back-Katalog die balladesken Momente heraus, angereichert mit dem unvermeidlichen "The Bonny Swans". Klanglich ist "Troubadours On The Rhine" somit ein Abziehbild ihres 2010er-Outputs. Das ergibt durchaus Sinn, schließlich befand sich Loreena zum Zeitpunkt der Aufnahme auf einer Werbetour für das Album.

Somit hören wir einmal mehr McKennitt live. Mit Unterstützung an Gitarre und Cello in etwas intimerer Atmosphäre. Einen Spannungsbogen auszumachen, ist kaum möglich, da sämtliche neun Songs dem gediegenen kammermusikalischen Gestus verpflichtet scheinen. Spannungsreiche Ausbrüche würden hier nur als störend empfunden, so schließt sich wieder der Kreis zum oben erwähnten Radiosender.

Was den kreativen Output von Loreena McKennitt betrifft, muss man sich mit dem Gedanken anfreunden, dass die Kanadierin wohl abgewirtschaftet hat. Wer in sechs Jahren nichts nennenswert Neues mehr zustande bringt, der hat fertig. Feigenblatt-Alben wie diese wären als Fan-Veröffentlichung ganz hübsch. Abseits dessen besitzt "Troubadours On The Rhine" keinerlei Relevanz. Weder künstlerisch noch sonst wie.

Trackliste

  1. 1. Bonny Portmore
  2. 2. Down By The Sally Gardens
  3. 3. The Wind That Shakes The Barley
  4. 4. Between The Shadows
  5. 5. The Lady Of Shalott
  6. 6. Stolen Child
  7. 7. Penelope's Song
  8. 8. The Bonny Swans
  9. 9. The Parting Glass

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